Corona-Krise

Hilfestellungen für Freiberufler, Selbstständige und Arbeitnehmer

Corona-Krise – Hilfestellungen für Freiberufler, Selbstständige und Arbeitnehmer

Die Corona-Krise hat nicht nur unseren Alltag komplett verändert, sie stellt Bevölkerung und Bund auch vor große Herausforderungen. Doch während mit konsequentem und diszipliniertem „Social Distancing“ der Anstieg der Corona-Neuinfektionen verlangsamt und das Gesundheitssystem entlastet werden kann, sind die kurz- und langfristigen wirtschaftlichen Folgen weit schwerer abzuschätzen. Von einer „kurzen Rezession mit anschließend rascher Erholung“ bis hin zum „Beginn einer lang anhaltenden Wirtschaftskrise“ sind so ziemlich alle Expertenmeinungen vertreten.

Bei aller Ungewissheit ist jedoch eines sicher: Kurz- und mittelfristig werden die negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie nicht zu übersehen sein. Vor allem die Gastronomie, die Tourismus- und Veranstaltungsbranche sowie der Einzelhandel sind in besonderem Maße von der Corona-Krise betroffen und verzeichnen bereits jetzt empfindliche Umsatzeinbußen. Auch deshalb sah sich die Politik gezwungen, zügig zu reagieren und umgehend eine Reihe von Maßnahmen zu beschließen, die darauf abzielen, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise für Freiberufler, Selbstständige und Arbeitnehmer abzufedern. Oberstes Ziel dieser Maßnahmen ist es, Liquiditätsengpässe angeschlagener Unternehmen zu vermeiden und somit einen rasanten Anstieg der Arbeitslosenzahlen abzuwenden. Kurz: Existenzen sollen in diesen wirtschaftlich unsicheren Zeiten geschützt werden. Lesen Sie hier, auf welche Hilfsmaßnahmen Freiberufler, Selbstständige und Arbeitnehmer zurückgreifen können.

Hilfestellungen für Arbeitnehmer

Im Zuge der Corona-Krise sehen sich unzählige Unternehmen mit empfindlichen Arbeitsausfällen und Umsatzeinbußen konfrontiert. Um in dieser von Unsicherheit geprägten Zeit sowohl Unternehmer als auch Arbeitnehmer zu unterstützen, wurde die Beantragung von Kurzarbeitergeld durch Unternehmen deutlich erleichtert. So müssen zum Beispiel nur noch zehn Prozent der Beschäftigten eines Unternehmens von Arbeitsausfall betroffen sein, um Kurzarbeitergeld beantragen zu können. Dies stellt eine deutliche Erleichterung gegenüber der alten Regelung dar, wonach mindestens ein Drittel der Belegschaft Arbeitsausfälle verzeichnen musste, bevor Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen werden konnte. Zudem werden Arbeitgebern während der Phase der Kurzarbeit die Sozialversicherungsbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden zu 100 Prozent von der Bundesagentur für Arbeit erstattet.

Hinweis

Nach der aktuellen Regelung haben jetzt neben der Stammbelegschaft auch Leiharbeiter Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Grundsätzlich wird das Kurzarbeitergeld von den Unternehmen bei der Agentur für Arbeit an deren Betriebssitz beantragt. Dazu muss der Arbeitgeber das Formular zur Anzeige des Arbeitsausfalls sowie den Antrag auf Kurzarbeitergeld ausfüllen. Er muss zudem glaubhaft begründen können, dass ein erheblicher Arbeitsausfall vorliegt und die betrieblichen Voraussetzungen für das Kurzarbeitergeld erfüllt sind (siehe § 99 SGB III). Der Arbeitnehmer hingegen muss nichts weiter veranlassen.

Der Bezug von Kurzarbeitergeld ist laut aktueller Regelung über einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten möglich. Wird die Kurzarbeit für mehr als drei Monate ausgesetzt, weil sich beispielsweise die Auftragslage vorübergehend erholt hat, sieht diese Regelung vor, dass bei anschließend abermals eintretenden Arbeitsausfällen erneut Kurzarbeitergeld für maximal zwölf Monate beantragt werden kann. Einen detaillierten Überblick über die Kurzarbeitergeld-Sonderregelungen, die seit dem 1. März 2020 gelten und zunächst bis Ende des Jahres befristet sind, finden Arbeitgeber in diesem Merkblatt der Bundesagentur für Arbeit.


Verdienstausfall durch Kurzarbeit wird teilweise ausgeglichen

Um den durch die Kurzarbeit entstandenen Verdienstausfall möglichst sozialverträglich abzufedern, wird dem Arbeitnehmer ein beträchtlicher Teil des ausgefallenen Nettogehalts ersetzt. Grundsätzlich werden 60 Prozent des ausgefallenen Nettogehalts ausgeglichen. Lebt im Haushalt des Arbeitnehmers mindestens ein Kind, so steigt der entsprechende Anteil auf 67 Prozent. Hierbei handelt es sich um eine Leistung der Arbeitslosenversicherung.

Wie die Höhe des Kurzarbeitergeldes im Detail berechnet wird, wird im Merkblatt „Tabelle zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes (Kug)“ der Bundesagentur für Arbeit erläutert. Die Berechnung ist relativ unkompliziert: Neben der Frage, ob Kinder im Haushalt des Arbeitnehmers leben (hier muss auf der Lohnsteuerkarte unter „Kinderfreibetrag“ ein Wert von mindestens 0,5 eingetragen sein), fließen einzig noch die Lohnsteuerklasse sowie das Soll- und Ist-Entgelt in die Berechnung mit ein. Das Soll-Entgelt bezieht sich dabei auf das reguläre Brutto-Arbeitsentgelt, das Ist-Entgelt auf das im Kalendermonat der Kurzarbeit tatsächlich erzielte Brutto-Arbeitsentgelt. Die Höhe des Kurzarbeitergeldes sowie das Nettogehalt inklusive Kurzarbeitergeld lassen sich auch schnell und unkompliziert über diesen Kurzarbeitergeld-Rechner auf nettolohn.de ermitteln.

Beispielrechnung

Einem kinderlosen Arbeitnehmer steht in Steuerklasse 1 ein reguläres Bruttogehalt (Soll-Entgelt) von 3.000 Euro zur Verfügung, welches in der Phase der Kurzarbeit auf 1.800 Euro (60 Prozent des Soll-Entgelts) reduziert wird. Dieser Arbeitnehmer erhält ein monatliches Kurzarbeitergeld von 401,24 Euro (1182,11 Euro minus 780,87 Euro). Statt eines Nettogehalts von nur 60 Prozent (wie das beim Bruttogehalt der Fall ist), steht dem Arbeitnehmer in diesem Beispiel dank Kurzarbeitergeld ein Nettogehalt von etwas über 86 Prozent zur Verfügung. Anders formuliert: Der Arbeitnehmer muss trotz eines Rückgangs des Bruttogehalts von 40 Prozent im Endeffekt auf weniger als 14 Prozent des Nettogehalts verzichten.

Hilfestellungen für Freiberufler, Selbstständige und kleine Unternehmen

Auch für Freiberufler, Selbstständige und kleine Unternehmen hat die Bundesregierung diverse Schutzmaßnahmen erlassen, die darauf ausgerichtet sind, je nach individueller Situation den Lebensunterhalt dieser Gruppe zu sichern. So haben zum Beispiel Freiberufler und Selbstständige sowie kleine Unternehmen, die durch die Corona-Krise in Liquiditätsengpässe geraten, Anspruch auf finanzielle Soforthilfen. Diese Zuschüsse gelten für kleine Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen mit bis zu zehn Beschäftigten; Solo-Selbstständige und Angehörige der Freien Berufe eingeschlossen. Das Programmvolumen umfasst bis zu 50 Milliarden Euro. Es handelt sich hierbei um Einmalzahlungen von bis zu 9.000 Euro für drei Monate für Betriebe mit bis zu fünf Beschäftigten sowie bis zu 15.000 Euro bei bis zu zehn Beschäftigten. Diese Soforthilfen dienen zur Deckung der Miet- und Betriebskosten von bis zu drei Monaten und müssen nicht zurückgezahlt werden.

Hinweis

Um Liquiditätsengpässe zu vermeiden, ist es zudem möglich, Steuerschulden im Bereich der Umsatz-, Einkommen- und Körperschaftssteuer zu einem späteren Zeitpunkt zu begleichen. Hierzu ist es erforderlich, dass sich die Betroffenen an das für sie zuständige Finanzamt wenden.

Um die Existenz der durch die Corona-Krise besonders stark betroffenen Freiberufler und Selbstständigen abzusichern, wurden noch weiterreichendere Maßnahmen beschlossen. So wurde zum Beispiel der Antrag auf Grundsicherung deutlich erleichtert: Diese kann jetzt für einen Zeitraum von sechs Monaten ohne die sonst übliche Bedürftigkeitsprüfung beantragt werden und wird in der Regel auch unbürokratisch bewilligt. Die Bedürftigkeitsprüfung erfolgt erst, wenn Betroffene auch nach den sechs Monaten weiterhin auf die Grundsicherung angewiesen sind.

Der Zugang zu Krediten, die von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zur Verfügung gestellt werden, wurde ebenfalls wesentlich erleichtert. Auch die Konditionen dieser Kredite wurden verbessert. So übernimmt die KfW für kleine und mittlere Unternehmen bis zu 100 Prozent des Ausfallrisikos, was die Kreditbewilligung bei der jeweiligen Bank oder Sparkasse deutlich erleichtern sollte. Weitere Details und Konditionen der KfW-Hilfskredite für kleine und mittlere Unternehmen finden sich hier.

Info

Weitere Hilfsmaßnahmen auf Landesebene ergänzen zudem häufig noch die o. a. Hilfsmaßnahmen. Diese von den einzelnen Bundesländern bereitgestellten Hilfsmaßnahmen können mit den bundesweit geltenden Soforthilfen beliebig kombiniert und parallel beantragt werden. Eine Auflistung der zuständigen Behörden auf Landesebene sowie weiterführende Links mit den jeweils auf Landesebene geltenden Regelungen und Hilfsmaßnahmen finden Sie hier.


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