Ein Paar wandert begeistert durch die Berge

Lifestyle

Bergrettung: Zum Glück passiert gar nicht so viel

Bei Dir steht Wanderurlaub in den Bergen an? Sehr cool, Gipfelstürmen macht mächtig Spaß, ist gesund und hält fit. Ganz ungefährlich ist der Spaß aber nicht, weiß Matthias Kraus. Er ist als Bergretter bei der Bergwacht Oberstdorf in den Allgäuer Hochalpen tätig –und sieht, wie Sport in den Alpen immer beliebter wird.

Bergwissen vom Experten

Dein nächster Urlaub geht in die Berge? So richtig in die hohen Alpen? Das klingt spannend, aber auch riskant. Wie Du möglichst sicher in den Bergen unterwegs bist und was bei einer Bergung passiert, weiß Matthias Kraus. Er ist stellvertretender Bereitschaftsleiter bei der Bergwacht Oberstdorf und hilft dort Menschen, die am Berg in Not geraten sind. Sein wichtigster Tipp: Überschätz Dich nie.

Hallo Matthias und danke, dass Du mit uns Dein Bergwissen teilst!

Was hat Dich motiviert, bei der Bergwacht Oberstdorf mitzumachen? Ich bin dabei, seit ich 15 Jahre alt war. Mein Vater war schon Bergretter und ich wollte in seine Fußstapfen treten. Ich fühle mich den Bergen sehr verbunden und konnte nie so richtig ohne, hab in Kempten und Innsbruck studiert und wollte nie weit weg von den Alpen. Natürlich weiß ich deswegen auch, wie brutal die Natur dort sein kann – und möchte Menschen in Not helfen.

Kommt es denn häufig vor, dass jemand Hilfe braucht?

Im Gebiet Oberstdorf haben wir rund 1.000 Einsätze im Jahr, die meisten natürlich im Winter. Wir haben eine extra Skiwacht, die die Pisten sichert, Gefahrenzonen absperrt und im Notfall direkt mit den Skiern zur Unfallstelle fährt. Ist es was Schlimmeres und der Verunglückte schafft es nicht mehr allein ins Tal, funken wir einen Helikopter an. Ungefähr 700 bis 800 Einsätze im Winter sind normal, im Sommer 200 bis 300. Je schöner das Wetter ist, desto mehr passiert, weil dann natürlich mehr Menschen draußen unterwegs sind.

Das klingt nach ganz schön viel Arbeit. Kann die Bergwacht das mit ihren Ehrenamtlichen gut stemmen?

Ja, das ist viel Arbeit. Sogar so viel, dass wir über kurz oder lang die Bergwacht nicht mehr über das Ehrenamt aufrechterhalten können, sondern – wie bei anderen Rettungskräften auch – einen bezahlten hauptamtlichen Job daraus machen müssen. Wir haben mittlerweile ein so hohes Einsatzaufkommen, dass unser Helikopter, Christoph17, das allein nicht mehr schafft, vor allem, weil er ein sehr großes Gebiet abdeckt. Wir bekommen deswegen Luftunterstützung aus Österreich. Mit den Hubschraubern können wir Einsätze recht zügig abwickeln, das geht auch mit einer relativ kleinen Mannschaft. Allerdings können wir bei schlechtem Wetter keinen Hubschrauber losschicken. Dann brauchen wir mehr Einsatzkräfte, weil wir zu Fuß zur Unglücksstelle wandern und die Rettungsausrüstung mitnehmen müssen. Anschließend tragen wir den Verunglückten hinunter ins Tal. Das nimmt einen halben bis einen ganzen Tag in Anspruch, erfordert viel Kraft und Ausdauer – und entsprechend mehrere Einsatzkräfte.

Ist heutzutage mehr Rettung nötig als früher?

Eine Gruppe wandert über einen Bergkamm

Definitiv, der Bergtourismus hat wahnsinnig zugenommen. Besonders durch die Pandemie hat sich das verstärkt. Mittlerweile kommen auch viele Leute, die noch nicht sonderlich viele Erfahrungen in den Bergen gesammelt haben. Oft sind die zum ersten Mal in den Alpen und laufen einfach mit ihrem Smartphone und bestimmten Wander-Apps drauflos. Manche sehen auch Posts auf Social Media von schönen Bergseen oder tollen Gipfeln und machen sich keine Gedanken, wie viel Training eigentlich nötig ist, um die Tour dorthin erfolgreich hinter sich zu bringen.

Der Schrecksee – hat seinen Namen nicht umsonst

Ein Beispiel für ein Wanderziel, das durch Social Media sehr bekannt geworden ist, ist der Allgäuer Schrecksee. Das tiefblaue, eiskalte Seewasser inmitten der grünen Hochweiden auf 1.813 Metern über dem Meeresspiegel ist wunderschön anzusehen. Die Tour dorthin ist allerdings kernig und führt durch steile Waldhänge und über eine 200 Meter lange Steilstufe, die sich nur langsam über Serpentinen erklimmen lässt. Viele Wanderer beenden hier die Tour – auf Social Media hört man von dem schwierigen Wanderweg allerdings kaum etwas. Steilanstiege solltest Du nur wandern, wenn Du kein Anfänger mehr bist und weißt, wie Du geschickt Serpentinen und Queraufstiege meisterst. Informiere Dich zudem über bekannte Wanderziele am besten vor Ort bei der Touristinfo – diese gibt an, wie schwierig eine Wandertour ist und welches Fitnesslevel Du dafür haben solltest.

Unterschätzen die Leute die Berge entsprechend?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Ich denke aber, dass jemand, der aus der Stadt kommt, tendenziell weniger Verständnis dafür hat, welche Gewalt die Natur sein kann – und dass man als Mensch dagegen ein sehr schwaches Glied ist. Stürme, Gewitter und Schneefall in den Bergen sind ein ganz anderes Kaliber als in einer Großstadt. Und ich muss auch ganz deutlich sagen: Viele verlassen sich drauf, dass es ja die Bergwacht gibt und wir immer zur Stelle sind. Aber nur, weil man einen Notruf absetzt, ist nicht garantiert, dass auch jemand zur Rettung kommt. Bei gewissen Wetterlagen können wir keine Helikopter hinzuziehen, dann müssen wir zu Fuß zur Unglücksstelle – und das ist auch für uns ein hohes Risiko. Anfang des Jahres sind zwei Menschen erfroren, weil extreme Lawinengefahr herrschte, ein Schneesturm tobte und wir keine Chance hatten, zu ihnen vorzustoßen. In solchen Fällen setzen wir uns in der Zentrale zusammen und entscheiden, ob wir zur Rettung ausrücken. Von uns muss niemand das eigene Leben riskieren.

Sind solche Situationen an der Tagesordnung?

Nein, es gibt eher mehr Bagatellen. Das meiste passiert rund um die Bergbahnen am Fellhorn oder Nebelhorn. Die Wandererfahren mit den Bahnen auf eine Station, steigen dann aus und laufen gern auf ausgeschilderten Wanderwegen. Und dadurch, dass heute jeder ein Smartphone besitzt und irgendeine Karten-App installiert hat – sei es nur Google Maps –, können wir die Menschen auch schneller und besser orten als früher. In der Regel sind sie mit dem Fuß umgeknickt oder kommen durch Kreislaufschwäche selbst nicht mehr runter vom Berg. Manche geraten auch in Bergnot, also sitzen an einem steilen Hang fest oder werden von Nebel oder Unwetter überrascht.

Haben sich die Leute in dem Fall nicht gut übers Wetter informiert oder falsch gekleidet?

In den Bergen ist das Wetter oft unberechenbar. Ich würde schon sagen, dass die meisten Wanderer sich ganz gut informieren. Man sollte Menschen auch nicht vorschnell verurteilen. Man denkt ja gern: Kein Wunder, dass Du mit dem Fuß umknickst, wenn Du mit Turnschuhen in die Hochalpen gehst. Aber vielleicht ist das ein Ultratrail-Runner, der das seit Jahren macht und entsprechend geübt ist. Der ist mit Sneakern sicherer in den Bergen unterwegs als ein Mensch mit Bergschuhen, der von Haus aus schon viel stolpert.

Wenn es zu einem Heli-Einsatz kommt – muss ich das privat zahlen?

Das kommt auf die genaue Situation an. Ist man verletzt muss und gerettet werden, zahlt das in der Regel die gesetzliche Krankenversicherung. Das ist nämlich eine Rettung. Bei einer reinen Bergung ist das was anderes. Gerät man wegen des Wetters oder durch eigenes Verschulden in Bergnot und ist unverletzt, ist das eine Bergung. Die muss man selbst zahlen, Krankenkassen übernehmen hiervon maximal einen Teil aus Kulanz. Am besten ist man zusätzlich versichert, so bleibt man nicht auf den Kosten sitzen.

Unser Tipp

Wer Du auf Nummer sicher gehen willst, schließt Du am besten unsere Unfallversicherung ab. Warum diese sinnvoll ist, erfährt Du hier. Übrigens: Wanderst Du lieber in den Reis-Hoch­plantagen Viet­nams anstatt in den deutschen Alpen? Dann solltest Du auch eine Auslandskrankenversicherung haben. Die ist ideal, um Deinen Schutz im Ausland zu komplettieren.

Wie viel kostet so eine Rettungsaktion denn?

Das kommt auf den Helikopter an. Christoph 17 ist der günstigste und kostet pro Einsatzminute 100 Euro. Die durchschnittliche Einsatzdauer beträgt zwei Stunden – mit 10.000 bis 12.000 Euro muss man also schon rechnen. Andere Hubschrauber haben noch höhere Minutensätze und sind entsprechend teurer. Wer uns nutzt, um einen netten Heli-Flug zu machen, muss das natürlich selbst zahlen. Wir hatten letztes Jahr einen Fall in Garmisch mit einem Paar, das in ein Gipfelbuch eingetragen hatte, dass die Tour toll war, das Wetter klasse und sie sich jetzt zum Abschluss noch eine Runde mit dem Heli gönnen. Sowas stößt uns natürlich sauer auf. Wir von der Bergwacht sind da, um Menschen zu helfen, nicht um Lufttaxi zu spielen.

Es wird gezeigt, wie teuer Luftrettung ist.

Was empfiehlst Du Wanderern, die im Sommer in die Alpen kommen? Wie sind sie sicher unterwegs und kommen gar nicht in Not, euch kontaktieren zu müssen?

Ganz einfach:

  • Überschätz Dich nicht.
  • Bleib auf Wanderwegen und informier Dich zum Beispiel bei der Touristinfo über die Schwierigkeitsgrade der Trails.
  • Check vor der Tour unbedingt den Wetterbericht.
  • Zieh Dich entsprechend an und achte auf trittsicheres Schuhwerk.
  • Denk dran, eine Powerbank mitzunehmen, mit der Du im Zweifelsfall Dein Smartphone aufladen kannst.
  • Im Fall der Fälle wählst Du die 112 und sagst, dass Du in den Alpen wandern bist. Die Einsatzzentrale leitet das direkt an uns von der Bergwacht weiter.

Und: Eifere nicht blind Influencern nach – oft stehen hinter den tollsten Bildern sportliche Semi-Profis, die solche Touren gut bewältigen können. Das bedeutet nicht, dass Du das ebenfalls schaffst. Wanderer und Mountainbiker trainieren für bestimmte Trails jahrelang. Das kann niemand einfach so von jetzt auf gleich nachmachen. Nimm Dir Zeit, um Dich auf Deine Tour vorzubereiten. Dann wird’s auch sicher ein schöner Bergurlaub. Und zum Abschluss kann ich auch beruhigen: Arg viel passiert in den Alpen eigentlich gar nicht, wenn man bedenkt, wie viele Menschen mittlerweile hierherkommen.

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Über den Autor
Stefan

Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei CosmosDirekt von 1989 bis 1991. Seit 1994 ist Stefan als Online-Redakteur für unsere Webseite verantwortlich.

Hobbies: Bodybuilding, Reisen, Autos & Motorräder, American Football.