Ausgabe 01/2017
Einkommenssteuer 2017: Kleine Geschenke für Familien, große Vereinfachung für alle

Schon drei Monate vor dem Weihnachtsfest hat der Bundesfinanzminister einige Steuergeschenke für 2017 verteilt. Zwar sollte vor allem das Besteuerungsverfahren modernisiert werden. Doch neben Vereinfachungen bei Belegpflichten und der Umstellung auf digitale Datenübermittlung präsentierte Wolfgang Schäuble auch eine „Mini-Steuerreform“: Die Anhebung von Kindergeld und Freibeträgen entlastet vor allem Familien und Menschen mit geringem Einkommen. Berufstätige profitieren davon, dass die kalte Progression eingedämmt werden soll.

Ab diesem Jahr gelten neue Fristen für die Abgabe der Steuererklärung. Stichtag ist nun der 31. Juli für die Einkommensteuererklärung des Vorjahres. Da sich die Änderungen auf das Steuerjahr 2017 beziehen, machen sie sich erst 2018 bemerkbar. Sprich: 2018 haben Sie erstmalig zwei Monate mehr Zeit, um die Steuererklärung bei Ihrem Finanzamt abzugeben. Wer einen Steuerberater beauftragt, muss sogar erst spätestens Ende Februar 2019 die Steuererklärung für 2018 einreichen. Allerdings wird es dann schwieriger werden, eine Fristverlängerung zu bekommen. Bei Überschreitung der regulären Abgabefrist droht eine automatische Strafgebühr von 25 Euro pro angefangenem Monat. Dieses Jahr bleibt allerdings alles noch beim Alten: Die Steuererklärung für 2016 ist spätestens am 31. Mai 2017 fällig.

Der Umgang mit Belegen wird ab 2018 ebenfalls einfacher, und das bedeutet weniger Aufwand für beide Seiten. Die bisher bestehende Belegpflicht entfällt, das heißt: Reisekostenabrechnungen, Versicherungsbeiträge oder Kaufbelege über Fachbücher, die Sie steuerlich geltend machen, müssen zunächst nicht mit der Steuererklärung eingereicht werden. Dennoch müssen Sie in Zukunft alle Belege bis zum endgültigen Steuerbescheid zuhause vorhalten. Denn das Finanzamt behält sich das Recht vor, bei ungewöhnlichen Ausgaben oder Kosten die entsprechenden Rechnungen und Quittungen anzufordern. Daher sollten Sie wie bisher auch in diesem Jahr alle Rechnungen sammeln, um der Vorhaltepflicht zu genügen. Hat man zugestimmt, dass der Empfänger einer Spende die Daten elektronisch an das Finanzamt übermittelt, entfällt in diesem Sonderfall sogar die Vorhaltepflicht.

Automatische Bearbeitung der Steuererklärung, elektronische Datenübermittlung

Im Zuge der technischen und organisatorischen Modernisierung wird der gesamte Prozess der Steuerbearbeitung nun elektronisch. Zum einen werden die meisten Steuererklärungen nun vom Computer automatisch bearbeitet. Stellt er allerdings zu große Abweichungen vom Standardfall fest, wird die Erklärung an einen Sachbearbeiter weitergeleitet. Zudem werden stichprobenartig einzelne Steuererklärungen individuell geprüft. Zum anderen wird auch der Bescheid nun automatisch verschickt – oder gegebenenfalls korrigiert, wenn sich bestimmte Rahmenbedingungen ändern, zum Beispiel durch anhängige Gerichtsverfahren.

Neben der computergestützten Bearbeitung von Steuererklärungen setzt ab 2017 auch die gesamte Datenübertragung immer mehr auf elektronische Kommunikation. Mittlerweile erhält das Finanzamt nicht nur vom Arbeitgeber alle notwendigen Daten direkt, sondern auch von anderen Institutionen. Banken informieren über die Kapitalertragssteuer, Träger der gesetzlichen Rentenversicherungen über Rentenzahlungen, Krankenkassen und Versicherungen über Lohnersatzzahlungen und andere Leistungen. Neu ist aber ab 2017, dass der Steuerpflichtige alle weitergegebenen Daten einsehen und – wenn notwendig – auch korrigieren kann. Zudem sollen sich alle Informationen auch einfach in die jeweilige Steuererklärung übernehmen lassen.

Höherer Grund- und Kinderfreibetrag, mehr Kindergeld

Zum 1. Januar 2017 wurde der Grundfreibetrag angehoben. Dieser soll das Existenzminimum des Arbeitnehmers absichern, also die Ausgaben für Wohnung, Essen, Kleidung und medizinische Versorgung. Liegt das zu versteuernde Einkommen unterhalb dieses Freibetrags, wird keine Einkommenssteuer erhoben. Schließlich soll das knappe Budget nicht noch geschmälert werden. Die Einkommenssteuer muss nur gezahlt werden, wenn das Einkommen die Grenze überschreitet. 2017 wurde der Grundfreibetrag für Ledige auf 8.820 Euro erhöht (für verheiratete Paare: 17.640 Euro), im nächsten Jahr steigt er um weitere 180 Euro auf 9.000 Euro (bzw. 18.000 Euro).

Auch der Kinderfreibetrag wurde erhöht. Wie der Grundfreibetrag das Existenzminimum der Eltern sichert, gewährleistet der Kinderfreibetrag einen steuerfreien Betrag für jedes Kind, sowohl eigene wie Pflege- und Adoptivkinder. So sollen die grundsätzlichen materiellen Bedürfnisse des Kindes gestillt werden können. Dabei werden Kinderfreibetrag und Kindergeld miteinander verrechnet. Das Finanzamt führt eine sogenannte Günstigerprüfung durch: Je nachdem, was für den Steuerzahler vorteilhafter ist, wird in der Steuererklärung entweder der Freibetrag vom Einkommen abgezogen oder das bereits gezahlte Kindergeld berücksichtigt. 2017 liegt der Kinderfreibetrag bei 4.716 Euro, 2018 bei 4.788 Euro.

Eltern können sich über mehr Kindergeld freuen: 2017 und 2018 steigt es jeweils um 2 Euro pro Monat. Das bedeutet konkret: Für das erste und das zweite Kind werden monatlich jeweils 192 Euro (2017) beziehungsweise 194 (2018) gezahlt. Für das dritte Kind erhalten Eltern pro Monat 198 Euro (2017) beziehungsweise 200 Euro (2018). Für Familien mit vier und mehr Kindern gibt es 223 Euro (2017) beziehungsweise 225 Euro (2018). Der Kinderzuschlag, der für Familien mit geringem Einkommen gezahlt wird, erhöht sich um 10 Euro. Die Familienkasse zahlt dann pro Monat 170 Euro zusätzlich zum Kindergeld aus.

Kalte Progression wird gedämpft

Je mehr Geld jemand verdient, desto mehr Steuern muss er auch bezahlen. Allerdings steigt die Besteuerung schneller als das Einkommen. In diesem Kontext macht sich die kalte Progression bemerkbar: Wächst das Einkommen entsprechend der Inflation, ändert sich an der wirtschaftlichen Situation des Betroffenen nichts. Durch die höhere Besteuerung verliert man aber an Kaufkraft. Um diese Auswirkungen der Inflation auszugleichen, werden die Steuertarife für dieses und nächstes Jahr gemäß der geschätzten Inflationsrate verschoben. 2017 soll der Anstieg der Lebenshaltungskosten um 0,65 Prozent, 2018 um weitere 1,65 Prozent ausgeglichen werden.

Freuen Sie sich über die kleinen Geschenke vom Staat – und nutzen Sie die Neuerungen für Ihre Einkommenssteuererklärungen in diesem und dem kommenden Jahr.

Steuer-Tipps

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann empfehlen Sie ihn gerne weiter!

Weitere Beiträge.
Teure Fahrt im Winter

Zugefrorene Scheiben, auf dem Dach eine Haube Schnee: Im Winter müssen Autofahrer morgens ein paar Minuten mehr einplanen, um das Fahrzeug von Eis und Schnee zu befreien. Sonst drohen Bußgelder.

Unfallfrei auf der Piste

Im neuen Jahr zieht es wieder viele Wintersport-Fans in die Berge. Neben Ski, Snowboard und schneefester Kleidung gehören auch einige Versicherungen in den Urlaubskoffer.

Gute Vorsätze für 2017

Alle Jahre wieder: weniger Stress, mehr bewegen, Schluss mit Rauchen. Doch wie kann man die guten Vorsätze dauerhaft umsetzen?