Ausgabe 01/2018
Tipps zur Steuererklärung für 2017

Unter den unliebsamen Beschäftigungen rangiert sie ganz weit vorn: die Steuererklärung. Aber sich hinzusetzen, die Papiere zu ordnen und die Felder auszufüllen, kann durchaus Spaß bereiten – wenn man nämlich vom Finanzamt eine Erstattung erwartet.

Doch was ist dieses Jahr alles zu beachten? Wir geben Tipps, was Sie bei der Steuererklärung 2017 im Hinterkopf behalten sollten.

Theoretisch können Sie seit dem 1. Januar die Steuererklärung für das vergangene Jahr 2017 einreichen. In der Praxis macht das natürlich kaum jemand. Zunächst deshalb, weil viele sich mit der Steuererklärung lieber Zeit lassen und die Abgabe tendenziell auf die lange Bank schieben. Andere warten bis zum beginnenden Frühjahr, weil dann die letzten Aktualisierungen bei ELSTER, dem System zur elektronischen Steuererklärung der Finanzämter, bereitgestellt worden sein werden.

31. Mai 2018 ist der Stichtag für die Abgabe

Doch den 31. Mai sollten sich alle, die eine Steuererklärung abgeben oder müssen in diesem Jahr wieder rot im Kalender anstreichen. Denn dieses Datum ist auch in diesem Jahr noch der Stichtag, bis zu dem die Steuererklärung beim Finanzamt angekommen sein muss. Weil der 31. Mai in diesem Jahr auf Fronleichnam fällt, was in einigen Bundesländern gesetzlicher Feiertag ist, endet die Abgabefrist in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und in Teilen Sachsens sowie Thüringens faktisch am 1. Juni 2018. Lässt man seine Steuererklärung von einem Steuerberater anfertigen, hat man deutlich mehr Zeit. Die Frist endet in diesem Fall am 31. Dezember 2018. Wer seinen Abgabetermin nicht einhalten kann, sollte rechtzeitig eine Fristverlängerung beantragen – denn nach der zweiten Mahnung kann das Finanzamt individuell „Zwangsgelder“ (25 Euro pro versäumtem Monat) oder Verspätungszuschläge (bis zu 10 Prozent der Einkommenssteuer, max. 25.000 Euro) erheben. Für die Fristverlängerung (üblicherweise zum 30. September) reicht ein formloser Antrag (Steuernummer nicht vergessen!) oder ein Anruf im Finanzamt.

Immer zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende. Auch Angestellte müssen unter bestimmten Umständen eine einreichen, zum Beispiel Ehepaare, bei denen ein Partner die Steuerklasse V hat, beide die Klasse IV mit Faktor nutzen, oder einer der beiden eine Einzelveranlagung beantragt. Weitere Gründe können Nebeneinkünfte wie Mieten oder ein Zusatzeinkommen aus einer selbstständigen Tätigkeit sein. Arbeitnehmer mit den Lohnsteuerklassen I, II und IV sind dagegen von der Abgabepflicht befreit. Eine freiwillige Abgabe ist natürlich jederzeit möglich, vor allem bei hohen Einkünften oder langen Fahrtwegen kann sie sich lohnen. Die Fristen sind bei der freiwilligen Steuererklärung deutlich großzügiger geregelt: Sie betragen maximal vier Jahre. Letztmöglicher Abgabetermin für die Steuererklärung fürs Steuerjahr 2017 wäre demzufolge der 31. Dezember 2021.

Steueränderungen für 2017 greifen jetzt

Der Grundfreibetrag im Jahr 2017 beträgt 8.820 Euro, die Eckwerte des Steuertarifs wurden –entsprechend der Inflation und kalten Progression im Jahr 2016 – um 0,73 Prozentpunkte angehoben. Der Eingangssteuersatz liegt unverändert bei 14 Prozent, der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent. Der Kinderfreibetrag, den Eltern zusätzlich für jedes Kind geltend machen können, beläuft sich auf 4.716 Euro. Zudem machen sich nun auch viele Änderungen bemerkbar, die mit dem Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens (vom 18. Juni 2016) eingeführt wurden. § 173a der Abgabenordnung (AO) besagt nun, dass auch nach Abgabe der Steuererklärung Rechtschreibfehler und Falschangaben noch korrigiert werden dürfen. Dies bezieht sich zum Beispiel auf Daten, die bereits jetzt schon elektronisch an das Finanzamt übermittelt werden – etwa zu Rentenzahlungen, Lohnersatzleistungen oder Beiträgen zur Krankenversicherung.

Vormals war eine Änderung falsch übermittelter Daten im laufenden Bearbeitungsprozess nicht möglich – allenfalls innerhalb der Einspruchsfrist nach dem Erteilen des Steuerbescheids. Jetzt kann auch später noch der Steuerbescheid aufgehoben und mit den Änderungen neu erteilt werden. Die Zeitspanne für Änderungen beträgt maximal 9 Jahre nach Ablauf des Veranlagungszeitraums.

Eine weitere Änderung betrifft die Bekanntgabe der Steuerbescheide für alle, die das elektronische ELSTER-Verfahren nutzen. Bislang war es so, dass man vom Finanzamt zwar per E-Mail vorab über den Steuerbescheid informiert wurde, offiziell musste man aber auf den Eingang der Papierversion warten. Erst mit deren Erhalt begann beispielsweise die Einspruchsfrist. Wer der elektronischen Bekanntgabe über ELSTER zustimmt, erhält nun bereits seinen amtlichen Bescheid per E-Mail. Dieser gilt ab dem dritten Tag nach Absenden der Nachricht, dass der Steuerbescheid bereitgestellt worden ist, als bekanntgegeben.

Aus der Belegvorlage- wird die Belegvorhaltepflicht

Eine große Erleichterung für die allermeisten dürfte sein, dass man von sich aus keine Belege mehr einreichen muss. Denn die bislang gültige Belegvorlagepflicht wurde nun in die Belegvorhaltepflicht umgewandelt. Das betrifft zum Beispiel Aufwendungen für Kinderbetreuungskosten, haushaltsnahe Dienstleistungen, Spenden, Mitgliedsbeiträge oder anrechenbare Kapitalertragsteuern. Bislang war es zum Beispiel zwingend notwendig, Spenden- und Beitragsquittungen einzureichen. Das entfällt zunächst; jetzt muss man die Belege nur nach Aufforderung durch das Finanzamt vorlegen. Da diese Aufforderung bis zu ein Jahr nach Ausfertigung des Steuerbescheides auf sich warten lassen kann, müssen die entsprechenden Belege für zwei Jahre aufbewahrt werden. Wer Belege nachreichen muss, kann dies mittlerweile auch auf elektronischem Wege tun – für viele ebenfalls eine Erleichterung.

Automatisch erlassene Steuerbescheide

Ab diesem Jahr werden viele Steuererklärungen nicht mehr persönlich von Finanzbeamten begutachtet. Stattdessen übernimmt Kollege Computer. Elektronisch übermittelte Steuererklärungen werden vollautomatisch geprüft, die entsprechenden Bescheide ebenfalls automatisch erlassen. Eine Ausnahme gibt es bei Steuererklärungen, in denen man zum Beispiel auf eine abweichende Rechtsauffassung hinweist. Hier ist von vornherein ein Beamter zuständig. Auch stichprobenartige Kontrollen durch menschliches Personal soll es weiterhin geben. Für den Steuerzahler soll sich die Zeit bis zum Bescheid verkürzen, die Finanzämter geben Routineaufgaben ab und haben dafür mehr Kapazitäten für die „schwierigen“ Fälle.

Eine der Änderungen wird sich dann erst im nächsten Jahr bemerkbar machen. Denn ab dem Steuerjahr 2018 gilt die verlängerte Abgabefrist für Steuererklärungen. 2019 haben Sie dann bis zum 31. Juli Zeit, die Erklärung abzugeben. Wer die Unterstützung eines Steuerberaters in Anspruch nimmt, muss die Steuererklärung sogar erst bis zum 28. Februar 2020 abgeben. Die großzügigeren Fristen gehen aber mit einer Einschränkung einher: Nun drohen schneller Säumniszuschläge, und Verlängerungen werden wohl auch nicht mehr so einfach gewährt. Daher empfiehlt es sich auch 2019, die Steuererklärung nicht auf die (etwas) längere Bank zu schieben.

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