Ausgabe 01/2018
Andere Vorsätze fürs neue Jahr

Keine Zigaretten, mehr Sport – so lauten die klassischen Neujahrsvorsätze. Wie wäre es damit: Endlich den wirklich wichtigen Formalkram erledigen wie z. B. das digitale Erbe regeln?

Alle Jahre wieder: Man lässt die Korken knallen, stößt auf den Jahreswechsel an und erklärt dann, mit welch guten Vorsätzen man ins neue Jahr starten will. Auf der Hitliste ganz oben stehen natürlich die Klassiker: weniger Stress, mehr Zeit mit der Familie, öfter mal zum Sport, gesünder essen; gefolgt vom erklärten Verzicht auf Alkohol und Zigaretten – und ganz neu: weniger Rumdaddeln auf dem Smartphone. Allerdings sind viele Vorsätze wenige Wochen später schon wieder vergessen. Wie wäre es, den Neujahrs-Elan zu nutzen, drei wirklich wichtige Dinge zu regeln, die langfristig von Bedeutung sind?

1. Patientenverfügung aufsetzen

Auf einer schönen Silvesterparty denkt natürlich niemand daran, dass sich alles von heute auf morgen ändern könnte. Doch eine plötzliche Erkrankung oder ein schwerer Unfall kann zum Verlust sprachlicher oder anderer kognitiver Fähigkeiten führen. Aber darf ein anderer für jemanden, der im Wachkoma liegt, über die Therapie entscheiden? Oder sogar über den Therapieabbruch – was zum Beispiel bedeuten könnte, dass eine Ernährung über eine Magensonde eingestellt wird? Der Ehepartner, die Eltern oder engste Verwandte haben in dieser Situation nicht das Recht, für (und über) den Betroffenen zu bestimmen – es sei denn, sie haben eine entsprechende Vollmacht. Der behandelnde Arzt ist zudem in Zweifelsfällen dazu verpflichtet, das Leben zu erhalten.

Es zählt allein der Wille des Patienten. Doch in Extremsituationen ist oft gar nicht klar, was dieser eigentlich will. Daher sorgt eine Patientenverfügung für Klarheit: Darin regelt man, unter welchen Umständen welche Behandlung erwünscht ist – und wann nicht. Formulierungen wie „Ich will nicht an Schläuchen hängen“ oder „Ich will nicht künstlich beatmet werden“ sind nach Ansicht von Medizinern und Juristen allerdings zu unscharf, um wirklich von Nutzen zu sein. Auch der Bundesgerichthof hat in zwei wegweisenden Urteilen aus dem Juli 2016 und Februar 2017 hohe Anforderungen an eine gültige Patientenverfügung formuliert.

Daher sollte man in der Patientenverfügung so konkret wie möglich beschreiben, wie man medizinisch behandelt werden möchte: ob man bei einer tödlich verlaufenden Infektionskrankheit noch mit Antibiotika behandelt werden möchte; ob man eine künstliche Beatmung zulässt, falls man ins Koma gefallen sein sollte; ob man eine Wiederbelebung befürwortet, nachdem das Herz zu schlagen aufgehört haben sollte. Je umfangreicher die Festlegungen, desto besser. Da sich aber nicht jede mögliche Situation im Vorfeld so konkret durchplanen lässt, sollte man in einem Anhang zur Patientenverfügung seine persönlichen Wertvorstellungen aufschreiben, zum Beispiel: Wie wichtig ist mir eine hohe Lebensqualität?

Weitere Informationen, aber auch konkrete Formulierungshilfen und viele Tipps finden Sie in den Publikationen des Bundesjustizministeriums und des Saarländischen Justizministeriums sowie einer gemeinsamen Handreichung der Evangelischen und Katholischen Kirche.

2. Digitales Erbe regeln

Nicht nur die Patientenverfügung schieben viele Menschen lieber auf die lange Bank, auch mit den Themen „Testament“ und „Nachlass“ tun sich viele schwer. Während bei materiellen und immateriellen Gütern im Zweifelsfall immer die gesetzlichen Regelungen gelten, sieht es beim sogenannten digitalen Erbe etwas anders aus. Darunter versteht man zum einen die Accounts des Verstorbenen bei Online-Shops, Streaming-Diensten oder sozialen Medien, zum anderen auch übers Internet abgeschlossene Verträge wie Bankkonten oder Versicherungsverträge.

Das digitale Erbe sollte schon zu Lebzeiten genau regelt werden, da es im Todesfall sonst schnell Probleme geben kann. Denn neben den Rechten gehen auch die Pflichten auf die Erben über, zum Beispiel noch ausstehende Zahlungen. Um dem vorzubeugen, können die Erben – bei Vorlage der Sterbeurkunde – die Löschung oder Stilllegung der Konten beantragen. Soziale Netzwerke schalten dann das Profil in einen passiven „Erinnerungsmodus“ um. Die Erben erhalten aber nicht automatisch selbst Zugriff auf die Online-Konten, beispielsweise auf die E-Mails, Bilder und Videos des Verstorbenen. Doch das ist wichtig, damit persönliche Erinnerungen gerettet werden können, die ansonsten für immer verloren wären.

Allerdings sollten die Erben wissen, welche Online-Konten überhaupt bestehen und wo vielleicht auch noch Zahlungen offen sind. Oder wo noch Geld schlummern könnte – zum Beispiel in Form von Werbeeinnahmen auf dem eigenen Blog, Guthaben bei Online-Spiele-Plattformen oder noch laufenden Angeboten auf Online-Marktplätzen. Da empfiehlt es sich, eine Liste der eigenen Konten und Dienste inklusive Benutzernamen und Passwörter zu erstellen und diese an einem sicheren Ort wie einem Tresor oder Bankschließfach aufzubewahren. Nicht vergessen sollte man indes, die Liste regelmäßig zu aktualisieren.

3. Versicherungen ordnen

Wer seine Versicherungen online verwaltet, kann beruhigt sein: Vereinbarte Leistungen, zum Beispiel aus einer Risikolebensversicherung, werden in jedem Fall an die Erben ausgezahlt – egal ob sie die Zugangsdaten des Verstorbenen haben oder nicht. Auf Anfrage gibt der Versicherer den berechtigten Personen immer Auskunft darüber, wer was erhält und welche Dokumente dazu notwendig sind. Die Erbberechtigung lässt sich am einfachsten über das Testament oder den Erbschein nachweisen. Damit sie die Leistungen in Anspruch nehmen können, müssen die Erben allerdings wissen, welche Verträge und Policen bei welchen Versicherungsunternehmen bestehen – und wer im Vertrag als begünstigte Person eingetragen ist. Auch hier bietet sich eine genaue Übersicht an, die zum Beispiel Teil des Testaments sein kann.

Zudem sollte man daran denken, dass bei vielen Policen die Verträge trotz des Todesfalls weiter bestehen: Wer zum Beispiel das Haus oder die Wohnung des Verstorbenen übernimmt, auf den gehen auch die Hausratversicherung und die Wohngebäudeversicherung über. Die Kfz-Versicherung wird ebenfalls umgeschrieben, wenn der Erbe zum Beispiel das Auto des Verstorbenen behält. Ein Sonderkündigungsrecht besteht nur beim Verkauf des Fahrzeugs. Die private Haftpflichtversicherung endet dagegen automatisch mit dem Tod des Versicherungsnehmers. Gilt der Schutz auch für Familienmitglieder, bleibt die Police noch mindestens bis zum Ablauf des Versicherungsjahres bestehen. Dann können die Angehörigen entscheiden, ob sie die Police weiterführen oder eine neue abschließen möchten.

Krankheit, Unfall, Tod – das alles sind keine Themen, mit denen man sich gern befasst, schon gar nicht kurz nach Neujahr. Doch im und für den Ernstfall sind viele wichtige Dinge zu entscheiden. Daher sollte man nicht nur mit einer Patientenverfügung Klarheit über gewünschte (oder abzulehnende) Behandlungen schaffen, sondern auch alle Verträge, Online-Konten und Versicherungsverträge sicher und geordnet dokumentieren. Dadurch erleichtern Sie es Ihren Angehörigen, die letzten Dinge gemäß Ihren Wünschen zu regeln.

Gute Vorsätze

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