Ausgabe 10/2018
Reifenwechsel im Herbst

Von Oktober bis Ostern – so lautet die Faustregel für Winterreifen. Aber muss man auch dann wechseln, wenn das Wetter noch schön ist? Nicht unbedingt. Doch zu lange warten sollte man auch nicht.

Es gibt keinen gesetzlich geregelten Stichtag, zu dem man auf Winterreifen wechseln müsste. Das heißt: So lange die Sonne scheint und die Temperaturen mild sind, darf man weiterhin mit den Sommerreifen unterwegs sein. Das gilt sogar bei Frost im Dezember. Allerdings schreibt die Straßenverkehrsordnung (StVO) vor, dass „bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte“ nur Reifen benutzt werden dürfen, deren Profil und Struktur auf die winterlichen Verhältnisse abgestimmt sind. Diese Vorschrift gilt übrigens nur für sogenannte „zweispurige“ Fahrzeuge wie Autos und Lkws. Für Motorräder gibt es kaum entsprechende Winterreifen, zumal Krafträder ab Oktober in der Regel sowieso in der Garage stehenbleiben.

Es besteht demnach keine allgemeine, wohl aber eine situative Winterreifenpflicht. Sobald auf der Fahrt winterliche Verhältnisse herrschen, zum Beispiel Reifglätte am frühen Morgen, ist nur eine entsprechende Bereifung erlaubt. Umgekehrt bedeutet das: Sommerreifen sind dann verboten! Wer ohne entsprechende Reifen am Auto von der Polizei angehalten wird, muss ein Bußgeld von mindestens 60 Euro zahlen. Zusätzlich droht ein Punkt in Flensburg, wenn durch die Fahrt mit Sommerreifen andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden.

Winterreifen oder Ganzjahresreifen?

Winterreifen erfüllen natürlich alle gesetzlichen Anforderungen, die für die Bereifung in der kalten Jahreszeit gelten. Im Gegensatz zur Sommerbereifung zeichnen sich Winterreifen durch eine spezielle Gummimischung aus, die besser auf frostige Temperaturen abgestimmt ist. Auch bei Minusgraden bleibt das Reifengummi elastisch, und spezielle Lamellen sorgen für den richtigen Grip auf der Straßenoberfläche. Außerdem ist das Profil in der Regel tiefer, damit das vom Reifen aufgenommene (Schmelz-)Wasser besser abfließen kann.

Gut zu wissen: Ausgedient haben seit diesem Jahr Winterreifen, die lediglich mit der Aufschrift „M+S“ („Matsch und Schnee“) versehen sind. Seit dem 1. Januar 2018 dürfen diese Reifen nicht mehr verkauft werden. Neu produzierte Reifen müssen stattdessen den Anforderungen des Alpine-Symbols (Berg-Piktogramm mit Schneeflocke) genügen. Diese wurden von der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) festgelegt und sollen die Verkehrsvorschriften auf dem europäischen Kontinent standardisieren.
Um das Alpine-Symbol zu erhalten, müssen die Winterreifen einen Bremstest auf Schnee bestehen. Solche einheitlichen Vergabekriterien fehlten beim M+S-Zeichen. Da es nicht geschützt ist, konnte jeder Hersteller eigene Kriterien für die Wintertauglichkeit festlegen. Wer noch funktionstüchtige Reifen eingelagert hat, die ausschließlich das M+S-Symbol tragen, darf sie aber bis zum 30. September 2024 weiter verwenden. So lange dauert die Übergangsperiode.

Auch Allwetter- oder Ganzjahresreifen, die das Alpine-Symbol tragen, erfüllen die gesetzlichen Anforderungen. Sie kommen vor allem für diejenigen infrage, die ihr Auto nur selten nutzen und vorwiegend auf gut geräumten Straßen unterwegs sind. Da Ganzjahresreifen aber ein breites Spektrum an Temperaturen abdecken (müssen), sind sie eigentlich immer „nur“ Kompromisslösungen. Doch im Hochsommer und im tiefsten Winter funktionieren sie nicht gleichermaßen gut – je nach Hersteller schlägt das Pendel mal zur einen, mal zur anderen Seite aus. Das bedeutet natürlich nicht, dass man mit Ganzjahresreifen nicht über eine verschneite Fahrbahn kommt. Allerdings muss man bedachter und vor allem langsamer fahren, da im Vergleich zu „reinen“ Winterreifen die Haftung etwas schlechter ist.

Viele Winter- und Ganzjahresreifen, insbesondere solche von Markenherstellern, wurden in den vergangenen Jahren bereits mit beiden oben genannten Symbolen ausgezeichnet. Dennoch schadet es nicht, die eigenen Reifen in den nächsten Tagen zu kontrollieren. Dabei kann man auch gleich überprüfen, ob die Winterreifen die vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern aufweisen. Das geht ganz ohne Zollstock: Halten Sie eine Zwei-Euro-Münze in eine mittige Vertiefung des Reifenprofils. Ist der silberne Rand des Geldstücks noch zu sehen, ist das Profil zu flach – das Reifenpaar muss ausgetauscht werden. Für optimales Bremsverhalten und bestmögliche Sicherheit sollten die Winterreifen aber nicht unter 4 Millimetern abgefahren sein.

Reifen selber oder in der Werkstatt wechseln?

Für viele ist es selbstverständlich (oder eine Kostenfrage), im Spätherbst die Reifen selbst zu wechseln. In der Regel wird dabei ja nicht der Reifen von der Felge gezogen, sondern gleich das ganze Rad getauscht. Eine Anleitung, wie Sie dabei korrekt vorgehen, erhalten Sie in unserem Ratgeber „Reifenwechsel“. Doch die meisten Autofahrer fahren lieber in die Werkstatt, auch wenn sie für den Reifen- bzw. Radtausch bezahlen müssen. Die Übertragung an den Profi spart nicht nur Zeit, sondern bringt auch weitere Vorteile.

So bieten viele Werkstätten einen Einlagerungsservice an, wenn man die Sommerreifen nicht selbst im Keller oder in der Garage aufbewahren kann. Der Service wird zwar unabhängig vom Wechseln angeboten und kostet auch etwas, allerdings wird er meist günstiger, wenn man zuvor in derselben Werkstatt die Reifen wechseln lässt. Zudem übernehmen die Werkstätten bei der Montage der Reifen einen Sichtcheck und wuchten die Räder gegebenenfalls aus, damit wieder alles rund läuft. Winterreifen, die mit einem direkten Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) ausgerüstet sind, sollte man auf jeden Fall in der Werkstatt wechseln lassen, damit die Sensoren nicht beschädigt werden.

Für den bestmöglichen Versicherungsschutz sorgen

Verkehrsexperten empfehlen, spätestens dann auf Winterreifen zu wechseln, wenn die Temperaturen unterhalb von 7° Celsius sinken. Gerade frühmorgens ist das auch an sonst recht milden Oktobertagen möglich. Nutzen Sie also die nächsten Tage, um einen Termin bei der Werkstatt Ihres Vertrauens zu vereinbaren. Denn wenn Schnee und Eis vor der Tür stehen, wollen plötzlich alle ihre Reifen wechseln lassen. Dann könnte die Zeit für einen Reifenwechsel knapp werden.
Auch mit Blick auf den bestmöglichen Versicherungsschutz sollten Sie rechtzeitig von Sommer- auf Winterreifen wechseln. Zwar greift die Kfz-Haftpflichtversicherung auch dann, wenn Sie mit sommerlicher Bereifung in einen Unfall verwickelt werden und diesen obendrein zu verantworten haben. Sprich: Schäden beim Unfallgegner werden auf jeden Fall übernommen.

Bei der Vollkaskoversicherung sieht dies etwas anders aus. Ist man beispielsweise bei Schneematsch oder morgendlicher Reifglätte mit Sommerreifen unterwegs, obwohl die widrigen Witterungsverhältnisse bereits vor Fahrtantritt absehbar waren, kann dies als grob fahrlässiges Verhalten gewertet werden. Dadurch kann die Versicherung die Leistung für den Schaden am eigenen Auto unter Umständen einschränken, möglicherweise sogar ganz kürzen.

Gehen Sie also auf Nummer sicher und lassen Sie rechtzeitig die Reifen wechseln. Wir wünschen eine gute Fahrt durch den Winter.

Umgang mit Geld früh lernen

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