Ausgabe 10/2019

Was beim Zweitjob zählt

Wenn das Geld nicht reicht oder man einfach so etwas dazuverdienen möchte, muss ein Zweitjob her. Doch es gibt einige Punkte, die Sie bei der Aufnahme einer Nebentätigkeit beachten sollten.

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Der eine will die Urlaubskasse etwas aufbessern und jobbt am Wochenende als Kellner oder im Supermarkt. Die andere möchte ihr Fachwissen stärker nutzen und lässt sich von Unternehmen als Beraterin engagieren. Der dritte treibt nach dem Feierabend seine Musikerkarriere voran und hofft auf den großen Durchbruch. Die Gründe, warum jemand neben seinem Haupt- auch noch einem Zweitjob nachgeht, sind individuell. Doch es gibt immer mehr Menschen, die eine Nebentätigkeit ausüben. So zählte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer Auswertung für das Jahr 2017 bereits mehr als 3 Millionen Nebenjobber. 15 Jahre zuvor waren es lediglich knapp 1,2 Millionen.
Häufig liegt es tatsächlich am Geld, warum Menschen einen Nebenjob aufnehmen – etwa, um das niedrige Gehalt aufzubessern, weil man im Hauptberuf nur in Teilzeit angestellt ist. Oder ein Einkommen fällt plötzlich weg, nachdem der Partner arbeitslos geworden ist. Die Forschung hat neben dem monetären aber auch ein sogenanntes Portfolio-Motiv identifiziert. Dazu zählen zum Beispiel die Aussicht auf ein höheres Prestige, das sich beispielsweise mit einem Lehrauftrag an einer Universität verbindet. Andere wollen einfach etwas ausprobieren, was im Hauptberuf nicht möglich ist. Viele unterstützten auch gelegentlich Verwandte in einem Familienbetrieb. Und manchmal geht es einfach um den Spaß an der Sache.

Arbeitgeber darf häufig Nebenjob nicht widersprechen

Wenn Sie eine Nebentätigkeit aufnehmen möchten, sollten Sie zunächst einen Blick in Ihren Arbeitsvertrag werfen. In vielen Unternehmen muss man die Aufnahme einer Nebentätigkeit dem Vorgesetzten mitteilen. Nur in wenigen Branchen ist eine Zustimmung erforderlich, zum Beispiel, wenn man für einen kirchlichen Träger arbeitet und der Nebenjob die Werte des Hauptarbeitgebers infrage stellt. In diesem Fall könnte der Zweitjob eine fristlose Kündigung im Erstjob nach sich ziehen. Als Beamter benötigt man immer eine Genehmigung seines Dienstherrn. Auch wenn ein (privater) Arbeitgeber eine Nebentätigkeit nicht generell ausschließen darf, kann er ihr in bestimmten Fällen widersprechen – etwa falls man beabsichtigt, für einen direkten Wettbewerber tätig zu sein, oder ein eigenes Unternehmen im gleichen Geschäftsfeld aufbauen will.

Zudem müssen Sie sich an das Arbeitszeitgesetz halten. So müssen Sie zwischen zwei Arbeitstagen eine 11-stündige Erholungspause einlegen. Gerade wenn Sie abends jobben, kann die Einhaltung dieser Auflage schwierig werden. Auch dürfen Sie insgesamt nicht mehr als 48 Stunden an sechs Tagen in der Woche arbeiten. Nur bei selbständigen Tätigkeiten gibt es keine Obergrenze. Darüber hinaus dürfen sich die Arbeitszeiten der beiden Jobs nicht überschneiden. Planen Sie beispielsweise mit Ihrer Band am Nachmittag einen Auftritt, obwohl Sie zu diesem Zeitpunkt noch im Büro sein müssten, haben Sie kein Recht, eher zu gehen.

Ruhe- und Erholungstage spielen bei Nebenjobs ebenfalls eine große Rolle. Üben Sie beispielsweise immer sonntags Ihren Zweitjob aus, ist dies problematisch. Schließlich kann es vorkommen, dass Sie dann gar keinen Ruhetag mehr haben. Wenn Sie sich im Hauptjob krankmelden, müssen Sie auch den Nebenjob pausieren, selbst wenn dieser körperlich weniger anstrengend ist. Heikel ist das Thema Urlaub, da dieser grundsätzlich der Erholung dienen soll. Während des Urlaubs dem Nebenjob stundenweise nachzugehen, kann dennoch zulässig sein. Wer aber die drei Wochen Jahresurlaub nutzt, um im Supermarkt als Aushilfe zu arbeiten, könnte Probleme bekommen.

Minijob die häufigste Form der Nebentätigkeit

Die meisten Nebenjobber üben einen sozialversicherungspflichtigen Hauptberuf aus. Diesen kombinieren sie häufig mit einem Minijob bis 450 Euro, weil dieser als Zweitjob sowohl steuerfrei als auch frei von weiteren Sozialversicherungsabgaben ist. Auf Wunsch können sich Minijobber auch von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Ob sich das lohnt, ist umstritten. Kurzfristig hat man zwar etwas mehr Geld auf dem Konto, langfristig könnte sich dies jedoch auf Ansprüche aus der gesetzlichen Rente auswirken, etwa bei Erwerbsminderungsrenten oder der staatlichen Förderung einer Riester-Rente.

Auch andere Beschäftigungsverhältnisse können für Nebenjobber sozialversicherungsfrei sein. Dazu zählen vor allem kurzfristige Tätigkeiten, für die man nicht länger als drei Monate am Stück bzw. 70 Arbeitstage im Jahr angestellt ist. Sollte der Arbeitgeber sie nicht pauschal versteuern, wird zumindest in diesem Fall aber Lohnsteuer fällig. Diese wird aber häufig nicht mit der Steuerklasse der Hauptbeschäftigung abgerechnet, sondern unter Umständen gleich mit der Steuerklasse VI. Für den Nebenjobber bedeutet dies, dass erst einmal ein großer Betrag vom Gehalt abgezogen wird, den man sich nur zum Teil über die Steuererklärung zurückholen kann. Möglicherweise lässt sich aber beim Finanzamt eine Lohnsteuerermäßigung beantragen.

Eine Nebentätigkeit kann mehr Geld in die Familienkasse spülen oder für ein erfüllteres Berufsleben sorgen. Allerdings sollten Sie vorher genau prüfen, ob sich der Mehraufwand finanziell lohnt – und ob das Hobby immer noch genauso viel Spaß macht, wenn Sie damit plötzlich Geld verdienen (müssen).

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