Ausgabe 10/2019

7 Jahre länger: Was die steigende Lebenserwartung bedeutet

Die Deutschen werden immer älter. Die Lebenserwartung liegt mittlerweile bei über 80 Jahren. Kinder, die heute geboren werden, haben sogar eine gute Chance, ihren 100. Geburtstag zu feiern. Doch welche Faktoren führen eigentlich dazu, dass wir heute 7 Jahre länger leben als noch vor 30 Jahren? Und was können wir selber tun, um möglichst lange gesund und fit zu bleiben?

Umzug: Was ist zu beachten?

Im Sommer sorgte eine App für Aufregung in den sozialen Medien: Mit „FaceApp“ ist es möglich, das eigene Gesicht zu verjüngen oder altern zu lassen. Gerade die künstliche „Vergreisung“ schien einen Nerv zu treffen. Promis, Sportler und ganz normale Menschen veröffentlichten Bilder von sich im Internet, die ziemlich realistisch zeigten, wie die Dargestellten in 20, 30 oder 40 Jahren aussehen würden. Als bekannt wurde, auf wie viele private Daten die App zugreift – zum Beispiel Infos über besuchte Internetseiten und die Geräte-ID des Smartphones –, ließ der Hype schnell nach. Doch zumindest eines lässt sich aus dem Phänomen ableiten: Das (eigene) Alter fasziniert und ist wieder ein gesellschaftliches Thema.

Die Lebenserwartung steigt und steigt

Das liegt vielleicht auch daran, dass das Alter einen Teil seines einstigen Schreckens verloren hat. In den vergangenen Jahrzehnten stieg die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland kontinuierlich. Das zeigt der Blick in die Statistik: Schon der Jahrgang 1950 konnte mit einem Alter von 64,6 Jahren (Männer) bzw. 68,5 Jahren (Frauen) rechnen – im Vergleich zu den Werten 100 Jahre zuvor hat sich die Lebenserwartung fast verdoppelt. Bei Kindern, die Mitte der 1980er-Jahre geboren wurden, liegt die Lebenswartung bei 69,6 Jahren (Männer) und 76,3 Jahren (Frauen). Die Zahlen für das Geburtsjahr 2015 sind noch mal höher: Hier sind es 77,6 Jahre (Männer) bzw. 82,8 Jahre (Frauen). Diese Werte werden auch als „fernere“ Lebenserwartung bezeichnet.

Interessant ist, dass nicht nur die Durchschnittswerte pro Jahrgang steigen, sondern dass auch die verschiedenen Altersklassen selbst von der steigenden Lebenserwartung profitieren. Gut erkennbar wird dies an der Tatsache, dass heutige Senioren in der Regel fitter und gesünder als frühere Generationen sind. Zugleich bedeutet dies aber auch, dass auch ihre individuelle Lebenserwartung oftmals höher liegt als die statistisch ermittelte Lebenserwartung am Tag ihrer Geburt. Experten führen dies auf ein „sinkendes Sterberisiko“ in den jeweiligen Altersgruppen zurück. Vor allem der medizinische Fortschritt, etwa neue Behandlungsformen bei Krebs oder anderen schweren Erkrankungen, verhindern viele Todesfälle, die bei der mittleren Lebenserwartung berücksichtigt werden. Heißt konkret: Frauen, die heute 65 Jahre alt sind, können mit 21 weiteren Lebensjahren rechnen. Gleichaltrige Männer haben durchschnittlich noch 17 Jahre und 10 Monate vor sich. Eine Übersicht nach Altersgruppen finden Sie beim Statistischen Bundesamt. Kurzum: Wer die Widrigkeiten des Lebens bis jetzt überstehen konnte, hat auch eine gute Chance, ein hohes Alter zu erreichen.

Für jüngere Generationen stehen die Chancen noch besser. Allein in den letzten 30 Jahren stieg die mittlere Lebenserwartung um rund sieben Jahre. Babys, die heute geboren werden, haben die Chance, steinalt zu werden – und zwar nicht aufgrund puren Glücks oder „guter“ Gene, sondern aufgrund der verbesserten Lebensbedingungen. Tatsächlich haben die meisten die Chance dazu. Berechnungen des Max-Planck-Instituts für demographische Forschungen in Rostock: Jedes dritte Mädchen (37 Prozent) wird voraussichtlich seinen 100. Geburtstags erleben, von den Jungs könnte es immerhin jeder Neunte (11 Prozent) schaffen. Sofern die aktuellen Trends anhalten, steigt das durchschnittliche Alter auf 94,8 Jahren bei Frauen und 88,6 Jahren bei Männern. Dass wir 90 Jahre alt werden, ist dann eher die Normalität und nicht die Ausnahme.

Steigende Lebenserwartung hat mehrere Ursachen

Dass die Menschen immer älter werden, hat mehrere Gründe: steigender Wohlstand, medizinischer Fortschritt, bessere Arbeitsbedingungen, eine gesündere Lebensweise, ein soziales Sicherheitsnetz, verbesserte Hygiene, ein höheres Bildungsniveau. Wohlhabende Nationen können mehr Geld in das Gesundheitssystem stecken und eine bessere medizinische Infrastruktur finanzieren. Zudem stehen mehr finanzielle Ressourcen zur Verfügung, um zum Beispiel Krebs oder Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zu behandeln und neue, bessere Therapien zu entwickeln. Auch viele Infektionskrankheiten, an der früher viele Menschen starben, – etwa Tuberkulose –, sind heute heilbar.

Erheblichen Einfluss auf diese Entwicklung hat auch die Säuglingssterblichkeit; sie ist im Vergleich zu früher drastisch gesunken. Im Jahr 2017 lag sie in Deutschland bei 3,3 Todesfällen auf 1.000 Lebendgeburten, 1950 betrug der Wert das 17-Fache! Einkommen und Bildungsgrad bestimmen ebenfalls, wie alt man werden kann. Studien zeigen immer wieder, dass Menschen mit einem Universitäts- oder Hochschulabschluss länger leben als Gleichaltrige mit geringerer Bildung. Der genaue Zusammenhang wird noch erforscht, allerdings gibt es einige Indizien: Gebildete ernähren sich bewusster, treiben mehr Sport und gehen eher zu Vorsorgeuntersuchungen als Geringqualifizierte. Und sie können sich häufig eine bessere medizinische Versorgung leisten.

Lebensstil beeinflusst die Lebenserwartung

Die Umstände bestimmen aber nicht allein die Lebenserwartung. Zum Großteil hat jeder Einzelne sein Glück selbst in der Hand. Dazu gehört zum Beispiel eine gesunde Lebensweise. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Verhalten einen größeren Einfluss auf das Altern hat als beispielsweise unsere Gene. Die größten „Lebenszeitkiller“ sind Rauchen und Fettleibigkeit, zu viel Alkohol und zu wenig Bewegung. Auch die Ernährung hat großen Einfluss: Wer wenig Fleisch, aber dafür mehr Fisch isst und dazu auch seine tägliche Portion Obst und Gemüse nicht verschmäht, hat gute Chancen, sein Lebensalter zu erhöhen.

Der Lebensstil ist übrigens auch der Hauptgrund, warum Frauen in der Regel länger leben als Männer. Männer greifen häufiger zu Alkohol und Drogen, fahren im Straßenverkehr riskanter (und sind daher häufiger in tödliche Unfälle verwickelt), rauchen mehr und reiben sich stärker im Job auf. Zudem ernähren sie sich ungesünder (mehr Zucker, mehr Fleisch) und gehen seltener zu Vorsorgeuntersuchungen. Kurz: Der klassisch männliche Lebensstil ist riskanter und gefährlicher als der klassisch weibliche. Biologische Ursachen für den Unterschied der Geschlechter in puncto Lebenserwartung gibt es auch – sie fallen nur kaum ins Gewicht.

Gesundheitliche Risiken im Alter

Die steigende Lebenserwartung führt laut aktuellen Schätzungen dazu, dass im Jahr 2050 in Deutschland etwa 23 Millionen Menschen leben werden, die älter als 65 Jahre sind. Mit dem Alter steigt aber die Wahrscheinlichkeit, an Demenz, Diabetes, Schlaganfall, Krebs, Arthrose oder Parkinson zu erkranken. Dazu kommt, dass viele alte Menschen nicht nur unter einer Krankheit leiden, sondern unter mehreren. Die schränken sie körperlich oder geistig ein, und auch die medikamentöse Behandlung führt zu ganz eigenen Gefahren. Da sie viele unterschiedliche Medikamente einnehmen, steigt für alte Menschen das Risiko von Wechselwirkungen.

Um im Alter möglichst lange fit und gesund zu bleiben, sollte man schon in jungen Jahren mit einer aktiven Gesundheitsvorsorge anfangen: sich mehr bewegen und abwechslungsreich ernähren, ausreichend schlafen und Stress abbauen. Wer einen gesunden Lebensstil pflegt, wird nicht nur nachweislich älter, sondern erhält auch länger seine Gesundheit. Auch im Alter hält regelmäßige Bewegung fit. Spaziergänge, Fahrradfahren, Nordic Walking, Krafttraining oder Wassersport kräftigen nicht nur die Muskulatur und erhöhen die Beweglichkeit, sie steigern auch die geistige Fitness. Und auch alles, was uns glücklich macht, stärkt die Gesundheit, etwa Singen, Tanzen oder Lachen.

Private Vorsorge für ein gutes Leben im Alter

Viele Menschen schätzen ihre Lebenserwartung geringer ein, als die Statistik sie ausweist. Während die Abweichungen bei Älteren geringer ausfallen, liegen die Jüngeren weit daneben. Eine Umfrage im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigte: Die Befragten aus der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen unterboten den statistischen Wert um fast sieben Jahre. Die Abweichung bei der Generation der 60- bis 69-Jährigen betrug 4,4 Jahre.

Die steigende Lebenserwartung hat auch noch ganz andere Auswirkungen: Wer länger lebt, muss auch länger mit seiner Rente bzw. dem angesparten Vermögen auskommen. Um seinen Lebensstandard zu halten, sollte man selbst aktiv werden. Möglichkeiten für die private Vorsorge gibt es viele: So ist es in vielen Unternehmen möglich, die gesetzliche Rente durch eine Betriebsrente aufzustocken, finanziert durch steuerbegünstigte Einzahlungen bzw. Zuschüsse durch den Arbeitgeber. Auch individuell sollte man sich fürs Alter eine finanzielle Reserve aufbauen, zum Beispiel mit der Flexiblen Vorsorge von CosmosDirekt. Die Geldanlage bietet die Steuervorteile einer privaten Rentenversicherung, lässt sich aber auch für jeden Spar- und Anlegertyp individuell ausrichten.

Wovon ein gutes Leben im Alter abhängt

Natürlich kann niemand wissen, wie alt er oder sie tatsächlich wird. Doch heutzutage können wir alle damit rechnen, ein hohes Alter zu erreichen. Einerseits profitieren wir von der guten medizinischen Versorgung und den vielfältigen Bildungsmöglichkeiten. Anderseits sind wir alle gefordert, etwas zu tun, etwa indem wir auf eine ausgewogene Ernährung achten, Sport treiben oder mit dem Rauchen aufhören (bzw. gar nicht erst damit anfangen). Der Lebensstil ist einer der wichtigsten Faktoren, die darüber entscheiden, wie gut das Leben im Alter tatsächlich ist.

Der GDV möchte mit der Kampagne „7 Jahre länger“ auf die Folgen der steigenden Lebenserwartung aufmerksam machen. Wie Sie das Beste aus den zusätzlichen Jahren machen können, erfahren Sie auf der Website der Kampagne. Dort finden Sie viele interessante Beiträge und Interviews mit Experten und einen Lebenserwartungsrechner.

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