Ausgabe 12/2018
Wie lange Lohn bei Krankheit?

Wird ein Arbeitnehmer krank und kann nicht zur Arbeit erscheinen, muss der Arbeitgeber weiterhin Lohn oder Gehalt zahlen. Wie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall funktioniert, ist genau geregelt.

Fieber, Husten und Schnupfen, ein gebrochener Arm oder psychische Leiden: Krank zu werden gehört zum Leben dazu. Arbeitnehmern steht es dann frei, zum Arzt zu gehen und sich krankschreiben zu lassen. Die ärztliche Bescheinigung stellt die Arbeitsunfähigkeit fest – und muss umgehend dem Arbeitgeber zugeschickt werden, damit dieser das reguläre Gehalt weiter zahlt. Auf die sogenannte „Lohnfortzahlung im Krankheitsfall“ haben Arbeitnehmer – im Sinne von angestellten Mitarbeitern – einen Rechtsanspruch, die Feinheiten sind im Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) geregelt.

Voller Lohn nur maximal sechs Wochen lang

Der Zeitraum, wie lange der Arbeitgeber weiterhin das volle Gehalt zahlen muss, ist jedoch begrenzt. So greift die Lohnfortzahlung nur für maximal sechs Wochen bzw. 42 Kalendertage. Für jede neue Krankheit beginnt die Rechnung wieder bei null, und zwar egal, ob Sie wieder gearbeitet haben oder nicht. Hat Ihr Hausarzt Sie beispielsweise wegen eines gebrochenen Arms für sechs Wochen krankgeschrieben, erhalten Sie für diesen Zeitraum den vollen Lohn. Werden Sie nun an Ihrem ersten Arbeitstag von einem heftigen grippalen Infekt geplagt, woraufhin Ihr Arzt Sie zwei weitere Wochen krankschreibt, haben Sie erneut Anspruch auf den vollen Lohn während dieser Zeit.

Anders sieht die Sache aus, wenn Sie an Grippe erkranken, während Sie noch wegen des gebrochenen Arms krankgeschrieben sind. In diesem Fall verlängert sich die Lohnfortzahlung nicht, sondern endet nach sechs Wochen. Auch wenn Sie sich innerhalb von sechs Monaten zweimal denselben Arm brechen, haben Sie nur einmal Anspruch auf die sechs Wochen. Liegen die Krankschreibungen aber mindestens sechs Monate auseinander, beginnt die Sechs-Wochen-Frist wieder von vorn. Sind Sie länger als sechs Wochen krankgeschrieben, übernimmt ab der siebten Woche die Krankenkasse die Zahlungen.

Wer gesetzlich krankenversichert ist, erhält nun Krankengeld. Dieses beträgt 70 Prozent des Bruttogehalts, aber nicht mehr als 90 Prozent des Netto-Wertes. Als gesetzlich Krankenversicherter erhalten Sie für ein Leiden bis zu 78 Wochen Krankengeld, die Frist beginnt nach drei Jahren wieder neu. Privat Versicherte bekommen kein Krankengeld, sondern vereinbaren mit ihrer Versicherung die Auszahlung eines bestimmten Krankentagegelds. Dieses sollte bei Vertragsabschluss ausreichend hoch bemessen sein, um den Lebensstandard während der Krankheit zu finanzieren. Eine Ausnahme gibt es: Beamte sind zwar in der Regel privat krankenversichert, allerdings zahlt hier der Dienstherr normalerweise auch nach sechs Wochen die Bezüge weiterhin in voller Höhe.

Ausnahmen und besondere Regelungen

Um die Lohnfortzahlung in Anspruch nehmen zu können, muss man mindestens seit vier Wochen ununterbrochen im Unternehmen tätig sein. Hat man also gerade den Job gewechselt und wird bereits im ersten Arbeitsmonat krankgeschrieben, bekommt man nur Krankengeld.

In einigen Arbeits- und Tarifverträgen findet man auch Sonderregelungen, die sich positiv für den Arbeitnehmer auswirken. Bekommt er bereits Krankengeld, stocken einige Arbeitgeber den Betrag für einen gewissen Zeitraum (oft sechs Monate) auf das volle Gehalt auf. Auch mit Blick auf kranke Kinder sind die Vereinbarungen hier mitunter besser als die gesetzlichen Regelungen. Ist das Kind erkrankt und muss betreut werden, besteht nur ein Rechtsanspruch auf eine unbezahlte Freistellung. Die Krankenkasse zahlt auch in der Regel nur für zehn Tage pro Jahr und Kind Kinderkrankengeld (max. 25 Tage insgesamt). Einige Arbeitgeber übernehmen aber auch für einen festgelegten Zeitraum die Lohnfortzahlung.

Wichtig zu wissen: Enthält der Arbeitsvertrag eine Klausel, in der die Lohnfortzahlung ausgeschlossen wird, so ist sie unwirksam – der Arbeitnehmer darf auch hier den gesetzlichen Anspruch geltend machen.

Wird man im Urlaub krank, gilt die Regelung: Bei Krankschreibung wird jeder betroffene Tag als Arbeitstag gewertet. Für diesen hat man nicht nur Anspruch auf Lohnfortzahlung, sondern kann sich den Tag auch dem Urlaubskonto gutschreiben lassen.

Lohnfortzahlung nur bei unverschuldeten Erkrankungen

Der Arbeitnehmer muss aber nur dann weiterhin Gehalt oder Lohn zahlen, wenn der Arbeitnehmer unverschuldet krank wird. Dazu zählen neben Infekten, gebrochenen Gliedmaßen oder Depressionen auch Unfälle bei Sportarten, bei denen Verletzungen durchaus auftreten können, zum Beispiel Skifahren, Bergsteigen oder Boxen. Voraussetzung für die Lohnfortzahlung ist aber, dass man alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat.

Wer sich weder leichtsinnig verhält noch vorsätzlich eine Verletzung riskiert, muss nichts befürchten. Hat man dagegen die Erkrankung selbst verschuldet, besteht kein Rechtsanspruch mehr. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn man in betrunkenem Zustand Auto fährt und einen Unfall verursacht oder beim Besuch einer Kneipe eine Schlägerei provoziert und dabei selbst verletzt wird.

Arbeitnehmer, die erkranken, erhalten also für die ersten sechs Wochen ihr volles Gehalt, dann bis zu 78 Wochen Krankengeld. Um sich gegen längerfristige Gehaltseinbußen zu schützen, sollte man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn man seinen aktuellen Beruf nicht mehr ausüben kann. Die Berufsunfähigkeit muss durch ärztliche Diagnosen und Gutachten belegt sein. Allerdings spielt es keine Rolle, ob sie durch eine Krankheit, einen Unfall oder ein psychisches Leiden verursacht wurde. Ein wichtiges Kriterium für die Versicherung ist beispielsweise, dass man mehr als die Hälfte seiner Leistungsfähigkeit verloren hat. Oder dass man nur noch weniger als drei Stunden pro Tag arbeiten kann. Im Fall einer Berufsunfähigkeit weit vor dem Beginn einer Altersrente fällt die staatliche Absicherung in der Regel sehr gering aus. Daher empfehlen auch Verbraucherschützer den Abschluss der Versicherung, um die Gehaltseinbußen durch die Berufsunfähigkeit auszugleichen.

Umgang mit Geld früh lernen

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