Ausgabe 12/2019

Digitales Erbe verwalten

Unser Leben wird immer digitaler. Doch was passiert mit den Profilen, Konten und Abos nach dem Tod? Um Angehörige zu entlasten, sollte man frühzeitig seinen Online-Nachlass regeln.

Digitales Erbe verwalten

Viele Tätigkeiten im Alltag erledigen die meisten von uns mittlerweile ausschließlich digital und online. Ob E-Mails verschicken, Überweisungen tätigen, E-Books kaufen, Musik streamen, Videos ansehen, Online-Games spielen, das nächste Date kennenlernen: Diese Tätigkeiten sind ein selbst­ver­ständlicher Teil des Lebens geworden. Und damit taucht eine Frage auf, die viele Menschen bislang noch gar nicht auf dem Radar hatten. Was passiert eigentlich mit den Online-Profilen in sozialen Medien, mit den E-Mail-Accounts und den ganzen Konten bei Online-Shops oder Streaming-Diensten, wenn ich sterbe?

Nachlass umfasst auch digitale Daten

Während greifbare Dinge wie Häuser, Autos und Geld selbstverständlich zum Erbe gehören, ist der digitale Nachlass weniger offensichtlich. Noch relativ einfach ist der Zugang zu Fotos, Videos oder Dokumenten, die der Verstorbene auf einem Computer, einer Festplatte oder einem USB-Stick gespeichert hat. Doch schon wenn die Geräte durch ein Passwort geschützt sind oder die Daten nur verschlüsselt vorliegen, benötigen die Hinterbliebenen professionelle Hilfe. Da diese aber teuer ist und die Bergung der Daten nicht garantiert werden kann, werden gesperrte Datenträger häufig einfach vernichtet. Dabei gehen möglicherweise wichtige Informationen verloren.

Darüber hinaus umfasst der digitale Nachlass auch alle persönlichen Daten in den virtuellen Weiten des Internets. Zum einen handelt es sich dabei um den gesamten E-Mail-Verkehr, Konversationen in Messenger-Diensten oder Daten, die beispielsweise in Cloud-Speichern abgelegt wurden. Zum anderen zählen zum digitalen Erbe auch Online-Profile bei sozialen Netzwerken und Dating-Websites, Nutzerkonten bei Online-Shops und Streaming-Diensten, aber auch Guthaben bei virtuellen Bezahldiensten wie PayPal oder auf Gaming-Plattformen. Dass die Erben sich über diese Nachlässe einen Überblick verschaffen, ist daher auch aus finanziellen Gründen wichtig.

Dazu kommt, dass die meisten Verträge, die der Verstorbene online abgeschlossen hat, nach dem Tod weiterlaufen. So wird die gebuchte Kreuzfahrt im Todesfall nicht automatisch storniert, auch die auf einer Auktionsplattform erstandene Lederjacke muss der Erbe bezahlen. Reguläre Verträge wie Internet und Telefon, Strom und Gas, Pay-TV oder der Fitness-Club bestehen ebenfalls fort und müssen von den Erben gekündigt werden. Zwar besteht kein gesetzliches Sonderkündigungsrecht im Todesfall, aber die meisten Anbieter zeigen sich kulant und beenden den Vertrag fristlos, sobald die Angehörigen die Sterbeurkundevorlegen. Ist dies nicht möglich, muss der Vertrag innerhalb der in den AGB angegebenen Frist regulär gekündigt werden.

Nutzerkonten gehören zum digitalen Erbe

Neben Verträgen bleiben alle Nutzerkonten bestehen, die der Verstorbene im Laufe seines Lebens angelegt hat. Manche Plattformen überprüfen gelegentlich, ob Nutzer längere Zeit inaktiv waren und sperren dann die Accounts. Doch das ist nicht die Regel; Konten bei Online-Shops können praktisch ewig bestehen. Das gleiche gilt für Social-Media-Accounts, in denen der Verstorbene virtuell noch weiterlebt. Für Hinterbliebene besteht daher die Herausforderung, alle Shops und Plattformen einzeln zu kontaktieren und die Löschung des jeweiligen Kontos zu beantragen. Sinnvoll ist das unter anderem, weil die Daten dann nicht durch Cyberkriminelle missbraucht werden können.

Doch ohne Zugangsdaten war es für Angehörige bislang sehr schwierig, ein Nutzerkonto löschen zu lassen. Der Datenschutz und das Fernmeldegeheimnis standen dem entgegen. Seit einem wegweisenden Urteil des Bundesgerichtshofs von 2018 gelten auch Online-Konten verstorbener Nutzer als Teil der Erbmasse; die Erben haben einen Anspruch auf den Zugang zum Konto einschließlich der darin gespeicherten Inhalte. Weitere Informationen zu den rechtlichen Besonderheiten erläutert eine Broschüre „Erben und Vererben“ des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz.

Wer sich um den digitalen Nachlass kümmert, sollte sich immer zwei Fragen stellen: Wo war der Verstorbene online aktiv? Und wie bekomme ich Zugang zu den Nutzerkonten? Hat der Verstorbene keine Auflistungen hinterlassen, liefert das E-Mail-Postfach häufig die entscheidenden Hinweise: Bestellbestätigungen, Vertragsunterlagen im Anhang, Nachweise für Mitgliedschaften. So verschaffen sich die Erben schnell einen Überblick über offene Rechnungen und laufende Abonnements. Um Posten zu finden, die möglicherweise nur einmal im Jahr abgebucht werden, sollte man sich mindestens den Nachrichtenverlauf der letzten 12 bis 15 Monate ansehen. Im Idealfall hat der Verstorbene das Passwort für den E-Mail-Account auf einem Papier notiert oder auf seinem Computer oder Smartphone gespeichert. Anderenfalls müssen die Erben den Kundenservice des E-Mail-Providers kontaktieren, um Zugriff auf das Konto zu erhalten. Auch in diesem Fall ist die Vorlage der Sterbeurkunde notwendig.

Zu Lebzeiten Vorsorge treffen

Um Ihren Erben den Umgang mit dem digitalen Nachlass zu erleichtern, sollten Sie bereits zu Lebzeiten Vorsorge treffen. Dazu gehört, dass Sie sich selbst eine Übersicht über alle Nutzerkonten und Online-Aktivitäten erstellen, am besten als Tabelle, in die Sie alle Nutzerkonten samt Nutzernamen und Passwort eintragen. Die Liste können Sie handschriftlich notieren oder auf einem USB-Stick abspeichern. Denken Sie auch die Handy-PIN oder das Entsperrmuster für Ihr Smartphone. Wichtig ist, dass Sie die Übersicht immer aktuell halten. Zudem benötigen Sie einen sicheren Ort, an dem Sie die Liste aufbewahren, etwa ein „Notfallordner“ oder eine „Notfallbox“. Eventuell kommt auch ein Bankschließfach infrage.

Idealerweise bestimmen Sie auch eine Vertrauensperson, die sich persönlich um Ihren digitalen Nachlass kümmern soll. Diese erhält nach Ihrem Tod die Liste mit den Passwörtern bzw. den USB-Stick sowie Ihre Anweisungen, was mit Ihren Daten und Konten passieren soll: Gibt es etwa Daten, auf die Familienmitglieder keinen Zugriff erhalten dürfen? Soll das Facebook-Konto gelöscht oder in den Gedenkmodus versetzt werden – damit auch Kontakte, die nur virtuell zu erreichen sind, von Ihrem Tod erfahren? Damit die Vertrauensperson aber überhaupt handeln kann, müssen Sie ihr eine handgeschriebene Vollmacht mit dem Zusatz „über den Tod hinaus“ ausstellen. Bei der Verbraucherzentrale finden Sie eine Mustervollmacht für den digitalen Nachlass.

Jahreswechsel nutzen und digitalen Nachlass regeln

Auch wenn man sich nur ungern mit dem Tod beschäftigt – wenn es darum geht, dass Ihr digitaler Nachlass in Ihrem Sinne geregelt wird, sind Sie gefragt. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Datenspur zu ordnen und Ihre Online-Aktivitäten aufzuschlüsseln. Die Tage um den Jahreswechsel bieten Gelegenheit, um in Ruhe alle wichtigen Informationen zusammenzustellen. Nur eines sollten Sie in die Liste nicht eintragen: Die Login-Daten für Ihr Online-Banking. Diese dürfen Sie nicht ohne Weiteres weitergeben, stattdessen müssen Sie eine gesonderte Vollmacht ausfüllen. Wenden Sie sich während der freien Tage am besten auch gleich an Ihre Hausbank.

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