Ausgabe 02/2018
Sturmschäden: Wer zahlt?

Wenn im Herbst und Winter die Stürme übers Land fegen, hinterlassen sie zum Teil schwere Verwüstungen. Bei Sturmschäden kommen mehrere Versicherungen ins Spiel – ein Überblick.

Im vergangenen Herbst zogen kurz hintereinander drei schwere Sturmtiefs über Deutschland hinweg. „Sebastian“, „Xavier“ und „Herwarth“ hinterließen mehrere Todesopfer, sorgten für ein Verkehrschaos und richteten erhebliche Zerstörungen an: entwurzelte Bäume und abgerissene Äste, kaputte Autos und abgedeckte Hausdächer. Gerade erst vor ein paar Tagen fegte „Friederike“ über den Westen, den Norden und die Mitte des Bundesgebietes. Ersten Schätzungen nach verursachte der Sturm Schäden in Höhe von rund einer Milliarde Euro. Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erklärte, ist „Friederike“ damit „der zweitschwerste Wintersturm seit 1997“. Platz 1 nimmt weiterhin „Kyrill“ ein, der auf den Tag genau 11 Jahre vor „Friederike“ über Europa hinwegtobte. Allein in Deutschland betrug damals die Schadensumme 2 Milliarden Euro.

Aber nicht jeder Sturm muss so stark wie „Xavier“, „Kyrill“ oder „Friederike“ sein, um Schäden zu verursachen. Zum Leidwesen vieler Verbraucher gibt es in solchen Fällen nicht die eine „Sturmversicherung“, die für alle Schäden aufkommt. Stattdessen muss man sich an die Wohngebäude-, die Hausrat-, die Elementarschaden- und die Kfz-Versicherung wenden. Jede von ihnen deckt unterschiedliche Sturmschäden ab.

Wohngebäudeversicherung

Für Schäden am Haus ist die Wohngebäudeversicherung zuständig. Sie kommt beispielsweise für die Reparatur auf, wenn Dachziegel abgedeckt wurden oder ein Baum vom eigenen Grundstück aufs eigene Haus gestürzt ist. Auch wenn ein Blitz ins Haus einschlägt und dies zum Brand führt, ist der Schaden abgedeckt. Neben den reinen Sturmschäden werden oft auch die Kosten für Aufräumarbeiten übernommen, meistens aber nur bis zu einer bestimmten Höhe. Achtung: Gartenhäuser, Garagen und Carports, Markisen und Solaranlagen sind nur versichert, wenn sie explizit in der Police eingeschlossen wurden. Und bei Markisen gilt: Die Versicherung zahlt nur, wenn sie vor dem Sturm eingefahren wurden!

Hausratversicherung

Lief durch das zerstörte Dach Regenwasser ins Haus und hat Einrichtungsgegenstände beschädigt, ersetzt die Hausratversicherung in Mitleidenschaft gezogene Möbel, Elektrogeräte, Bilder, Bücher, Kleidungsstücke und alles, was sonst noch zum Hausrat gehört. Gegebenenfalls wird auch die Reparatur übernommen. Abgesichert sind auch sogenannte Überspannungsschäden. Sie entstehen, wenn ein Blitz ins Stromnetz einschlägt und die dadurch ausgelöste Spannungsspitze Fernseher, Mikrowelle und Co. beschädigt. Gehen Kühlschrank und Tiefkühltruhe kaputt und verderben daraufhin Lebensmittel, werden diese übrigens auch ersetzt.

Elementarschadenversicherung

Kommt es nach Starkregen zu einem Rückstau in der Kanalisation, woraufhin der Keller überflutet wird, übernimmt die Elementarschadenversicherung die Schadenregulierung. Sie greift auch für den Fall, wenn ein naheliegender Fluss über seine Ufer tritt oder der Sturm zu einem Erdrutsch führt. Steigt aber infolge heftiger Regenfälle das Grundwasser, zahlt sie nur, wenn das Grundwasser an die Erdoberfläche tritt und dann in den Keller läuft. Feuchte Kellerwände sind generell nicht versichert. Die Elementarschadenversicherung wird als Zusatzpolice zur Wohngebäude- und Hausratversicherung angeboten.

Kfz-Versicherung

Fällt ein nahestehender Baum aufs Auto, Motorrad oder Wohnwagen, zahlt normalerweise die Teilkaskoversicherung den entstandenen Schaden. Allerdings nur, wenn der Sturm eine Windstärke von 8 Beaufort (Bft) oder höher erreicht (mehr dazu weiter unten). Bei Windgeschwindigkeiten bis 7 Bft springt nur die Vollkaskoversicherung ein. Eingeschlossen sind in beiden Fällen neben umstürzenden Bäumen auch Schäden durch herumfliegende Gegenstände, zum Beispiel Dachziegel oder Teile von Baugerüsten. Allerdings kann unter Umständen dem Autofahrer eine Mitschuld gegeben werden – nämlich dann, wenn er sein Auto zu dicht neben Gefahrenquellen geparkt hatte.

Private Haftpflichtversicherung

Unter Umständen muss man auch für Sturmschäden bei anderen aufkommen – und zwar dann, wenn man für den Schaden mitverantwortlich ist, weil man seinen Sicherungspflichten nicht nachgekommen ist. Das typische Beispiel ist der ungesicherte Blumentopf, der beim Sturm vom Balkon fällt und einen Passanten verletzt. Auch wenn ein Baum, der auf dem eigenen Grundstück steht, ein Nachbarhaus beschädigt, muss man diesen Schaden unter Umständen ersetzen. In solchen und anderen Fällen ist es wichtig, eine private Haftpflichtversicherung abgeschlossen zu haben, die für den Schaden aufkommt.

Umfassend versichert bei Sturmschäden

Was als „Sturmschaden“ gilt, ist genau geregelt. Wohngebäude- und Hausratversicherung zahlen erst bei Schäden ab Windstärke 8. Das entspricht einer Windgeschwindigkeit von mindestens 62 Kilometern pro Stunde. Zum Vergleich: „Sebastian“, „Xavier“ und „Herwarth“ hatten teilweise Orkanstärke. Sie erreichten im Flachland 135 Kilometer pro Stunde, in einigen Bergregionen kamen sie sogar auf bis zu 176 Stundenkilometer. Ob der aktuelle Sturm Windstärke 8 erreicht, erfährt man beim Deutschen Wetterdienst. Treten auch in der Nachbarschaft ähnliche Schäden auf, fordern die Versicherer aber in der Regel keinen gesonderten Nachweis an.

Wer von einem Sturmschaden betroffen ist, der sollte sich schnell mit seinem Versicherer in Verbindung setzen und alle Schäden melden. Wichtig ist auch, den Schaden zu dokumentieren, also eine Liste der beschädigten Sachen zu erstellen und Fotos zu machen. Aufräumarbeiten und Reparaturmaßnahmen sollte man nur in Absprache mit dem Versicherer durchführen, um nicht später auf den Kosten sitzen zu bleiben. Allerdings darf man auch nicht untätig bleiben: Die betroffene(n) Stelle(n) müssen gesichert werden, damit der Schaden nicht größer wird. Löcher im Dach sollten daher zumindest von innen gegen weiteres Hineinregnen gesichert werden.

Bevor die nächste Sturmsaison im Frühjahr beginnt, sollten Hausbesitzer und Mieter gleichermaßen überprüfen, ob sie gegen alle Sturmschäden ausreichend versichert sind.

Sturmschäden

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