Ausgabe 02/2019

Was ist Elterngeld Plus?

Dank Elterngeld Plus können Eltern mehr Zeit mit ihrem Kind verbringen – und der Wiedereinstieg ins Berufsleben fällt leichter. Wie funktioniert das staatlich geförderte Arbeiten in Teilzeit?

Sturmschäden

Das Elterngeld gehört zu den staatlichen Sozialleistungen, die gern in Anspruch genommen werden. Im Jahr 2017 erhielten 1,35 Millionen Mütter und 410.000 Väter Elterngeld – ein Anstieg von 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders unter Männern wird das Elterngeld immer beliebter. „Während die Anzahl der Mütter mit Elterngeld um 6 % zunahm, stieg die Zahl der Elterngeld beziehenden Väter um gut 11 %“, meldete zuletzt das Statistische Bundesamt. Gerade das Elterngeld Plus erweist sich als voller Erfolg. Bereits vor einem Jahr zog das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine rundum positive Bilanz. Die aktuellen Zahlen bestätigen die Einschätzung: Zwischen Juli und September 2018 bezogen 30,4 Prozent aller Elterngeld-Empfänger Elterngeld Plus.

Basiselterngeld und Elterngeld Plus

Mit dem Elterngeld Plus können Väter und Mütter den beruflichen Wiedereinstieg sanfter gestalten und sich trotzdem weiterhin um das Kind kümmern. Denn nun ist es möglich, zu arbeiten und gleichzeitig Elterngeld zu beziehen. Eingeführt wurde die Plus-Option bereits 2015, das bisherige Elterngeld heißt seitdem „Basiselterngeld“. „Elterngeld Plus“ richtet sich an Eltern, die während des Bezugs von Elterngeld wieder in Teilzeit arbeiten wollen. Bei der zuvor geltenden Regelung war das für viele Eltern unattraktiv, wurde doch das Gehalt mit dem Elterngeld verrechnet. Insgesamt erhielt das Paar deutlich weniger Geld. Die meisten Mütter blieben zu Hause – in Vollzeit.

Mit Elterngeld Plus lohnt sich aber Teilzeit. Eltern können es doppelt so lange wie das Basiselterngeld erhalten. Die Rechnung ist einfach: Zwei Lebensmonate mit Elterngeld Plus zählen wie ein Lebensmonat mit Basiskindergeld. Dabei kann man Basiskindergeld nur in den ersten 14 Lebensmonaten erhalten, danach ausschließlich Elterngeld Plus. Beide Eltern können sich mit dem Bezug abwechseln, allerdings darf der Zeitraum nicht unterbrochen sein. Die Länge der durchschnittlichen Arbeitszeit pro Woche ist auf maximal 30 Stunden beschränkt. Arbeiten beide Eltern wieder in Vollzeit, endet das Elterngeld Plus, selbst wenn man noch Monate „übrig“ hat.

Mit Partnermonaten zusätzlich Elterngeld erhalten

Insgesamt sind bis zu 28 Monate Elterngeld Plus möglich, wenn beide Partner diese Form beantragen. Zu den regulären 2 x 12 Monaten Elterngeld Plus können sie bis zu vier „Partnermonate“ in Anspruch nehmen, in denen beide Eltern parallel in Teilzeit zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche arbeiten. Zur Belohnung schenkt ihnen der Staat dann die vier Bonus-Monate mit Elterngeld Plus. Alleinerziehende Mütter und Väter können bis zu 32 Monate Elterngeld Plus beziehen. Das Elternteil, bei dem das Kind hauptsächlich lebt, darf nämlich nach den 24 regulären Monaten den Partnerschaftsbonus zweimal für sich selbst nutzen, wenn es in Teilzeit arbeitet. Das System ist recht flexibel: Alle Optionen – Basiselterngeld, Elterngeld Plus und Partnermonate – darf man frei miteinander kombinieren; beim Antrag muss die Verteilung aber bereits angegeben werden.

Je nach Einkommen liegt die Höhe des Basiselterngeldes zwischen mindestens 300 und maximal 1.800 Euro pro Monat. Der Regelsatz beträgt 65 Prozent des durchschnittlichen Netto-Einkommens der 12 Monate vor der Geburt, Geringverdiener erhalten anteilig mehr Geld. Bei Elterngeld Plus halbiert sich die monatliche Summe auf 150 bis 900 Euro, auch Partnerschaftsmonate werden so berechnet. Bei Zwillingen wird zwar nur einmalig Elterngeld gezahlt (das doppelte Elterngeld wurde abgeschafft), es gibt aber einen Bonus von 150 Euro (Elterngeld Plus) bzw. 300 Euro (Basiselterngeld). Ein Zuschlag in gleicher Höhe (150 bzw. 300 Euro) wird auch gezahlt, wenn man für ein älteres Geschwisterkind bereits Elterngeld bezieht. Ansonsten werden die Leistungen für beide Kinder miteinander verrechnet.

Der Clou liegt im Detail

Für Eltern mit Teilzeitstellen bedeutet das Elterngeld Plus aber nicht einfach nur eine zeitliche Streckung der vom Staat erhaltenen Unterstützung. Unterm Strich bleibt tatsächlich mehr Geld in der Familienkasse übrig. Wie hoch der Betrag ausfällt, hängt immer aber von der jeweiligen Situation ab: welches Modell man wählt und wie die verschiedenen Optionen miteinander kombiniert werden; wie hoch das Netto-Einkommen ist, das dem (Basis-)Elterngeld zugrunde liegt; wie viel die Eltern jeweils in der Teilzeitstelle verdienen. Vor allem die Partnermonate – wenn also beide Eltern Teilzeit arbeiten – können sich finanziell vorteilhaft auswirken.

Weitere Informationen über das Elterngeld Plus finden Sie im Online-Portal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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