Ausgabe 03/2017
Sinnvolle Zusatzpolicen zur Kfz-Versicherung

Den grundlegenden Kfz-Haftpflichtschutz für ihr Fahrzeug können Autofahrer mit Teil- und Vollkaskoversicherungen erweitern. Daneben gibt es eine Reihe von Zusatzversicherungen: den Schutzbrief, die Mallorca-Police oder die Insassen-Unfallversicherung. Manchmal müssen sie zusätzlich gebucht werden, in anderen Angeboten sind solche Tarifoptionen bereits enthalten. Doch was decken sie überhaupt ab?

Schutzbrief

Die zentrale Leistung des Schutzbriefes ist die Pannenhilfe. Wenn man auf der Autobahn liegen bleibt oder der Wagen nicht mehr anspringt, hilft der Pannendienst. Kann das Auto vor Ort nicht wieder fahrtüchtig gemacht werden, wird es in eine Werkstatt geschleppt und dort repariert. Neben Pannenhilfe und Abschleppen werden meist auch die Kosten für kleinere Ersatzteile übernommen. Auch die Bergung eines verunglückten Fahrzeugs ist versichert.

Falls man erkrankt oder in einen Unfall verwickelt wird, organisiert die Versicherung gegebenenfalls einen Mietwagen und auch den Rücktransport nach Hause. Meist ist auch die Abholung des Fahrzeugs eingeschlossen, sollte der Fahrer nicht mehr zum Fahren in der Lage sein. Der Schutzbrief gilt in der Regel für ganz Europa und lohnt sich für alle, die oft und viel mit dem Auto unterwegs sind. Bei Mitgliedern von Automobilclubs sind diese Leistungen schon über die dortige Mitgliedschaft abgedeckt.

Mallorca-Police

Bei dieser Zusatzversicherung handelt es sich um eine Erweiterung der Kfz-Haftpflichtversicherung. Sie übernimmt Schäden, die man mit einem Mietwagen im europäischen Ausland verursacht. In vielen Ländern gelten nämlich andere Mindestgrenzen für Haftpflichtversicherungen. Die Folge: Gerade in Süd- und Osteuropa ist man mit einem Mietwagen oft unterversichert. Gehen die Kosten über die Versicherungssumme hinaus, muss man die Differenz selbst tragen.
Genau diese Summe übernimmt die Mallorca-Police, die den Haftpflicht-Schutz damit auf deutsches Niveau hebt. Mittlerweile erstreckt sich diese Tarifoption auf das gesamte geografische Europa inklusive den europäischen Teilen der Türkei und Russlands sowie die Kanaren. Einige Policen beinhalten darüber hinaus auch die sogenannten „Mittelmeeranrainer“. Damit gilt der Schutz auch in Reisezielen in Nordafrika wie Marokko oder Ägypten und an der Levante-Küste.

Insassen-Unfallversicherung

Diese Zusatz-Police, gelegentlich auch Kfz-Unfallversicherung genannt, ist nicht in regulären Angeboten enthalten. Die Option muss gezielt abgeschlossen werden. Die Insassen-Unfallversicherung kommt dann zum Tragen, wenn Fahrer beziehungsweise Bei- und Mitfahrer nach einem Unfall bleibende Schäden zurückbehalten. Je nach Modell gibt es entweder eine individuelle Abdeckung für jeden Insassen oder eine fixe Versicherungssumme für alle Insassen zusammen.

Ob diese Option sinnvoll ist, ist umstritten: Ist der Unfall fremdverschuldet, kommt die Kfz-Haftpflichtversicherung der anderen Partei für alle Schäden auf. Bei einem selbstverschuldeten Unfall können Bei- und Mitfahrer die Haftpflichtversicherung des Fahrers in Anspruch nehmen. Der Fahrer ist in diesem Fall allerdings nur über seine Krankenversicherung geschützt, die für Behandlungs-, Medikamenten- und Reha-Kosten aufkommt. Mit einer Insassen-Unfallversicherung ist der Fahrer zusätzlich abgesichert. Bei bleibenden Schäden zahlt sie die vereinbarte Versicherungssumme sowie meist auch kosmetische Operationen. Dazu kommen ein Krankenhaustagegeld sowie eine bestimmte Summe, falls der Fahrer innerhalb eines Jahres an den Folgen des Unfalls verstirbt.

Verzicht auf Einwand grober Fahrlässigkeit

Kommt es wegen einer groben Fahrlässigkeit zu einem Unfall, kann die Kaskoversicherung die Regulierung des Schadens verweigern. Das bedeutet, dass Sie als Autofahrer einen Teil der oder die gesamten Kosten selbst tragen müssten. Als „grob fahrlässig“ gilt zum Beispiel, wenn Sie über eine rote Ampel fahren. Dadurch unterlassen Sie etwas, das Ihnen eigentlich hätte klar sein müssen: Bremsen und Warten. Allerdings würde Ihnen zugutegehalten, dass Sie einen deshalb erfolgten Unfall nicht mit Absicht herbeigeführt hätten.

Die meisten Kfz-Versicherungen verzichten mittlerweile auf den Einwand grober Fahrlässigkeit. Doch dafür sind sie sich allesamt auch in einem anderen Punkt einig: Unfälle unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen sind von vornherein vom Verzicht ausgeschlossen. Auch bei Autodiebstählen wird genau geprüft. Haben Sie zum Beispiel den Schlüssel stecken lassen und so den Diebstahl grob fahrlässig ermöglicht, kommt der Verzicht ebenfalls nicht zum Tragen.

Rabattschutz

Mit dieser Option verhindern Sie, dass Sie nach einem Unfall sofort in eine schlechtere Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft werden. Letzteres ist nicht nur ärgerlich, sondern kostet auch Geld: Dann nämlich müssen Sie wieder höhere Beiträge zahlen, nachdem Sie sich durch jahrelanges unfallfreies Fahren einen immer größeren Nachlass erarbeitet hatten. Durch den Rabattschutz bleibt die aktuelle SF-Klasse in der Kfz-Haftpflicht- und in der gegebenenfalls vorhandenen Vollkaskoversicherung erhalten.
Je nach Modell hat man entweder eine bestimmte Anzahl an „Freischüssen“ oder man bekommt den Rabattschutz für einen Unfall pro Jahr garantiert. Wer mehr Unfälle – insgesamt oder im vereinbarten Zeitraum – verursacht, wird dennoch heruntergestuft. Ein weiterer Haken: Der Rabattschutz gilt nur für die aktuelle Police. Wechseln Sie den Versicherer, berücksichtigt dieser Ihre gesamte Unfall-Historie – als hätte es die Option nie gegeben.

Verkehrsrechtsschutzversicherung

Nach einem Unfall muss der Schaden reguliert werden. Haftpflichtversicherungen prüfen allerdings genau und weisen Ansprüche, die sie für unbegründet halten, auch zurück. Solche Streitigkeiten enden meist vor Gericht. Doch der Rechtsstreit kann teuer werden. Je nach Fall und Streitwert belaufen sich die Kosten für Anwälte, Gutachter, Sachverständige und das Gericht schnell auf mehrere tausend Euro. Die Verkehrsrechtsschutzversicherung übernimmt diese Kosten.

Fazit

Welche Kfz-Zusatzversicherung sinnvoll ist, hängt natürlich immer vom Bedarf ab. Grundsätzlich ist für Vielfahrer ein Schutzbrief immer empfehlenswert, meist ist er sogar günstiger als eine Mitgliedschaft in einem Automobilclub. Wer noch einen älteren Versicherungsvertrag besitzt, sollte auch gelegentlich seine Police mit neuen Angeboten vergleichen. Manche Zusatzversicherungen, die man früher extra bezahlen musste, sind heute schon in den Basis-Policen kostenlos enthalten.

Zusatzversicherungen für Ihr Auto

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