Ausgabe 03/2019
Neu- oder Gebrauchtwagen? Tipps für Autokäufer

Es ist eine Frage, die die meisten Autokäufer umtreibt: Soll der „Neue“ frisch vom Werk kommen, oder entscheidet man sich für einen Gebrauchten, der schon einige Kilometer hinter sich gebracht hat, dafür aber deutlich günstiger ist? Beide Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile.

Für viele Autokäufer lautet eines der wichtigsten Argumente, dass das Auto gut riecht. So gut wie alle Hersteller verwenden mittlerweile große Mühe darauf, dass ihre Neuwagen einen angenehmen Duft verbreiten. Doch auch bei Gebrauchten lässt sich das frische Gefühl des Neuen noch eine Weile aufrechterhalten – wenn der Vorbesitzer regelmäßig eine professionelle Reinigung durchgeführt hat. Dann können sogar Zigaretten- und Hundegerüche verschwinden. Allerdings lässt sich das Neu-Gefühl nicht beliebig verlängern. Nach 50.000 Kilometern Laufleistung bzw. bei einem Alter von drei Jahren ist in der Regel Schluss, auch wenn einmal im Jahr ein Profi sauber gemacht hat.

Fahrverbote und Sicherheit

Auch in einem anderen Punkt schlagen Neuwagen ihre gebrauchten Pendants: Sie erfüllen die aktuellen Abgasnormen. Diesel dürfen seit dem 1. September 2018 nur noch mit Euro-6d-TEMP verkauft werden. Diese Modelle sind von den Fahrverboten, die in fast allen deutschen Großstädten drohen, ausgenommen. Für Diesel, die lediglich die Normen Euro-1 bis Euro-4 erfüllen, sind teilweise ganze Innenstädte gesperrt. Etwas kniffliger sind Euro-5-Diesel. In manchen Großstädten sind sie nicht von Fahrverboten betroffen, in anderen dürfen sie auf ausgewählten Straßen nicht fahren. In Zukunft könnten solche Verbote sogar Diesel mit der Euro-Norm 6a bis 6c treffen. Einen Überblick, in welchen Städten und Regionen Fahrverbote bereits eingeführt wurden (oder in diesem Jahr drohen), finden Sie hier.

Der technische Fortschritt und die immer strengeren gesetzlichen Auflagen machen sich zuerst bei Neuwagen bemerkbar. Allerdings sind die Innovationen ungleichmäßig über die Fahrzeugklassen verteilt. Bei Kleinwagen wird die Basisversion nur nach minimalen Standards ausgerüstet, ESP oder Klimaanlage sind nur gegen Aufpreis erhältlich. Höhere Fahrzeugklassen haben solche Funktionen oft schon serienmäßig an Bord, und auf Wunsch können sie um weitere Technologien ergänzt werden: zum Beispiel Multimedia-Systeme mit Smartphone-Schnittstelle, Spurhalte-Assistenten, Notbremssysteme oder LED-Scheinwerfer, die bei Gegenverkehr automatisch abblenden.

Eine Frage des Budgets

Ob es ein Neu- oder ein Gebrauchtwagen wird, hängt oft auch vom Budget ab. Daher stellt sich natürlich die Frage: Lieber einen günstigen Neuwagen, dafür aber mit voller Garantie? Oder den Traumwagen, aber mit 80.000 Kilometer Laufleistung und der Gefahr, dass demnächst größere Reparaturen anstehen? Die Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass der niedrige Preis sehr günstiger Neuwagen dadurch zustande kommt, dass veraltete Technik verbaut wurde. Ein Gebrauchter aus einer höheren Fahrzeugklasse kann da gut mithalten. Zudem bringt er meist bessere Sicherheitsfunktionen mit sich, ebenso wie deutlich mehr Komfort und Fahrspaß.

Preisbewusste Autokäufer können auch den Wertverlust zu ihrem Vorteil nutzen. Wer einen jungen Gebrauchten im Alter von zwei, drei Jahren kauft, kann dann eventuell einen großen Wagen von Audi, BMW oder Porsche zum „kleinen“ Preis erstehen. Allerdings sind Verbrauchswerte und laufende Ausgaben immer noch höher als die Kosten, die ein kleiner Neuwagen für Sprit, Wartung, Reparaturen und Versicherung verursacht. Zudem kann es sein, dass ein neues Auto in einer kleinen Fahrzeugklasse immer noch günstiger ist als ein gebrauchtes Modell aus einer hohen Klasse. Hier gilt es also, Prioritäten zu setzen. Weitere Infos zum Thema erfahren Sie in unserem Ratgeber „Wieviel ist mein Auto noch wert“.

Sparen mit Tageszulassung, Jahreswagen und Reimporten

Eine weitere Möglichkeit, um Geld zu sparen, sind Autos mit Tageszulassung. Hierbei handelt es sich um Fahrzeuge, die ein Autohaus auf sich selbst zugelassen hat. Sie wurden zwar nicht gefahren, gelten aber nicht mehr direkt als Neuwagen. Daher kann der Händler die Tageszulassung etwas günstiger anbieten als ein brandneues Auto. Allerdings sind auch hier die Möglichkeiten für individuelle Anpassungen begrenzt.

Das Gleiche gilt für Jahreswagen, bei denen die Erstzulassung maximal zwölf Monate her ist. Dafür liegt der Preis zwischen 25 und 35 Prozent unterhalb eines vergleichbaren Neuwagens. Da es keine Grenze für die maximale Laufleistung oder Kriterien für einen Mindestzustand gibt, sollte man auch Jahreswagen wie jeden anderen Gebrauchten gründlich prüfen. Zudem gilt: Garantie und Gewährleistung beginnen ab dem Tag der Zulassung – die Frist, die Sie bei Tageszulassungen, vor allem aber bei Jahreswagen in Anspruch nehmen können, ist daher kürzer als bei einem „echten“ Neuwagen.

Ebenfalls relativ günstig sind sogenannte „Reimporte“ aus dem EU-Ausland. Dabei handelt es sich um Autos, die hierzulande gebaut, aber für den Verkauf nach Dänemark, Spanien oder Griechenland gebracht wurden. Der gesamte Prozess wird in der Regel über einen spezialisierten Händler, dem Reimporteur, abgewickelt. Durch die Rückführung, zum Beispiel aus, kann der Händler die Preisvorgaben des Herstellers unterlaufen. Daher ist es möglich, bei Reimporten ein brandneues Auto zu erhalten und – je nach Modell und Variante – zwischen 30 und 40 Prozent des Listenpreises zu sparen. Allerdings muss man die Einfuhrsteuer in Höhe von 19 Prozent des Kaufpreises zahlen. Garantie und Gewährleistung entsprechen einem Neuwagen, den man hierzulande gekauft hat.

Welche Versicherung sinnvoll ist

Ob Neuwagen oder Gebrauchter: Jedes Auto braucht eine Kfz-Haftpflichtversicherung, ansonsten darf es nicht auf die Straße. Die Kfz-Haftpflicht sichert Schäden ab, die man mit seinem Auto Dritten zufügt. Sei es, dass jemand bei einem Unfall verletzt wird, das gegnerische Auto nur noch Schrottwert hat oder man beim Einparken eine Straßenlaterne beschädigt. Mit einer Kaskoversicherung schützen Sie dagegen Ihr eigenes Auto. Teilkasko und Vollkasko sind gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll. Welche Police die beste ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: wie alt das Auto ist, wie lange Sie unfallfrei gefahren sind, was Sie absichern wollen.

Die Teilkasko übernimmt zum Beispiel die Kosten für Reparaturen nach Wildunfällen, Steinschlägen oder Hagelschäden. Sie wird vor allem für ältere Gebrauchtwagen empfohlen, für die sich ein teurerer Schutz nicht mehr lohnt. Neuwagen und junge Gebrauchte sollten dagegen eine Vollkaskoversicherung haben. Sie schließt die Leistungen der Teilkasko ein und schützt darüber hinaus gegen Schäden, die man am eigenen Auto verursacht – zum Beispiel, weil man die Breite des neuen Autos noch nicht richtig einschätzen kann und am Garagentor hängen bleibt. Die Vollkasko erweist sich so als Rundum-Schutz, der hohe Kosten zu Beginn vermeidet.

Versicherungen für Autos vergleichen

Vor dem Kauf eines neuen oder gebrauchten Autos sollten Sie auf jeden Fall überlegen, welchen Versicherungsschutz Sie benötigen – und durchrechnen, welche Versicherungskosten auf Sie zukommen.

Tendenziell ist der Versicherungsschutz für Autos aus der Oberen Mittelklasse oder Oberklasse teurer als der von Klein- oder Kompaktwagen. Entscheidend dabei ist die Typklasse, in die jedes Automodell eingestuft wird. Dabei wird neben der Unfallbilanz auch die Häufigkeit berücksichtigt, mit der das jeweilige Modell gestohlen wird. Autos mit einer niedrigen Typklasse erhalten einen günstigeren Versicherungsschutz als Modelle mit einer hohen. Innerhalb einer Modellreihe sind ebenfalls unterschiedliche Einstufungen möglich. Die Typklassen werden jedes Jahr neu berechnet. Welches Auto sich in welcher Typklasse befindet, erfahren Sie im Online-Portal des GDV.

Auch der genaue Vergleich der verschiedenen Versicherungsformen lohnt sich. Denn oftmals wird zum Beispiel der umfangreichere Vollkasko-Schutz günstiger als eine Teilkasko-Versicherung. Nämlich dann, wenn man bereits viele Jahre lang unfallfrei gefahren ist und so in eine gute Schadenfreiheitsklasse eingestuft wurde. Dieses Rabattsystem gibt es bei der Teilkasko nicht. Empfehlenswert ist auch, die Angebote verschiedener Versicherer vorab zu vergleichen. Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Tarif liegen oft mehrere hundert Euro. Erst durch den Versicherungsvergleich finden Sie den optimalen Schutz zum besten Preis.

Fazit: Gebraucht oder neu?

Wer nach einem Auto sucht, das technisch auf dem neuesten Stand ist, die gewünschte Ausstattung an Bord hat und volle Garantie bietet, kommt um einen Neuwagen kaum herum. Ein Gebrauchter ist dagegen oft günstiger bzw. man bekommt für das gleiche Geld ein Fahrzeug aus einer höheren Klasse. Allerdings sind nicht immer alle Extras verfügbar, die Garantiezeiten sind kürzer. Und je älter der Gebrauchte ist, desto eher drohen hohe Ausgaben für Reparaturen. Die beste Lösung kann daher immer nur eine individuelle sein, bei der man Kaufpreis und laufende Kosten sowie Komfort- und Sicherheitsbedürfnis gegeneinander abwägt.

Ob frisch vom Händler oder gebrauchtes Modell: Wir wünschen eine gute Fahrt mit dem neuen Auto!

Tipps für Autokäufer

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