Ausgabe 03/2019
Daheim oder im Heim?

Wird ein älterer Mensch pflegebedürftig, stellt sich für die Angehörigen die Frage: Zuhause pflegen oder wäre die Betreuung im Pflegeheim angebrachter? Teil 2 unserer Serie rund um die Pflege.

Vor die Wahl gestellt, würden sich die meisten von uns wohl spontan dafür entscheiden, dass die Pflege zuhause die bessere Form ist. Man bleibt in seiner gewohnten Umgebung, bekommt aber Unterstützung in vielen Dingen des Alltags: beim Duschen, beim Haushalt, bei der medizinischen Versorgung. Doch was, wenn die Pflegebedürftigkeit so groß ist, dass Angehörige, Freunde oder Nachbarn, die die Pflege übernommen haben, an ihre Grenzen stoßen? Und womöglich Unterstützung durch Pflegekräfte brauchen? Mitunter ist eine Unterbringung im Heim dann die bessere Lösung. Wir stellen die wichtigsten Formen vor.

Häusliche Pflege

Für den Pflegebedürftigen ist es natürlich die angenehmste Erfahrung, zuhause betreut zu werden. Viele Ältere fürchten sich vor einem Umzug in ein Heim, nachdem sie Jahrzehnte, wenn nicht gar ihr ganzes Leben in ihrer Wohnung oder ihrem Haus zugebracht haben. Bei manchen Erkrankungen, wie Alzheimer oder Demenz in einem frühen Stadium, ist die Pflege innerhalb der eigenen vier Wände noch möglich. Allerdings funktionieren solche Konstellationen nur, wenn die Familie, Angehörige und das soziale Umfeld sich darauf einlassen (können). Denn je pflegebedürftiger jemand wird, desto größer werden die physischen und auch psychischen Herausforderungen.

Mittlerweile werden fünf Grade an Pflegebedürftigkeit unterschieden. Je höher der Pflegegrad ist, desto stärker wird auch der Alltag der Angehörigen in Anspruch genommen. Das heißt unter Umständen, dass die pflegende Person beruflich kürzer treten muss. Hier drohen Einbußen bei Gehalt und Rente – vor allem für Frauen, die immer noch den Hauptanteil an der häuslichen Pflege leisten. Eine (kleine) Entlastung stellt das Pflegegeld dar, das ab Pflegegrad 2 gezahlt wird. Bei Pflegegrad 2 sind es beispielsweise 316 Euro im Monat, bei Pflegegrad 5 ganze 901 Euro.

Das „Pflegegeld für selbst beschaffte Hilfen“, wie es laut Pflegeversicherungsgesetz (§ 37 SGB XI) vollständig heißt, soll dazu dienen, den Aufwand und Einsatz zu vergelten, den pflegende Angehörige, Bekannte oder Freunden leisten. Allerdings ist der Pflegebedürftige frei in der Entscheidung, wer wieviel Geld erhält. Denn das Pflegegeld wird nur an den Pflegebedürftigen, nicht direkt an die pflegende Person ausgezahlt. Der Pflegebedürftige kann daher mit dem Pflegegeld auch sogenannte „haushaltsnahe Dienstleistungen“ bezahlen, also zum Beispiel wenn jemand das Kochen und Saubermachen übernimmt oder beim Einkaufen oder bei Arztbesuchen unterstützt.

Ambulante Pflege

Können Angehörige die häusliche Pflege gar nicht oder nur eingeschränkt übernehmen, haben sie die Möglichkeit, ambulante Pflege in Anspruch zu nehmen und so entlastet zu werden. Eine Pflegekraft ist dann vor Ort, um zum Beispiel beim Baden und Toilettengang zu helfen, Blutdruck zu messen oder Medikamente zu geben. Dazu kommen verschiedene Beratungsangebote, sowohl für den Pflegebedürftigen als auch für die Angehörigen. Zudem kann die ambulante Pflege auch Fahrdienste oder das Mittagessen bei „Essen auf Rädern“ organisieren. Der Pflegedienst rechnet all dies als Sachleistung mit der Pflegeversicherung ab. Je nach Höhe dieser Leistungen wird dann das Pflegegeld entsprechend gekürzt.

Der Hintergrund: Bei Pflegegeld und Sachleistungen handelt es sich um sogenannte „Kombinationsleistungen“. Der Pflegebedürftige verfügt nämlich entsprechend seines Pflegegrades über ein monatliches „Gesamtbudget“, von dem zunächst die Sachleistungskosten für den Pflegedienst abgezogen werden. Bleibt von diesem Budget etwas übrig, kann auch Pflegegeld gezahlt werden. Allerdings wird dessen Höhe neu berechnet. Der Anteil des ausgezahlten Pflegegelds entspricht nun dem Prozentsatz der nicht genutzten Sachleistungen. Voraussetzung für dieses Modell ist aber, dass bei der Pflegeversicherung die Kombipflege beantragt wurde.

Auch wenn die Pflegeversicherung einen Großteil der Kosten für den Pflegedienst übernimmt, bleibt ein Rest, den man privat zahlen muss. Daher sollte man vor der Beauftragung unbedingt die verschiedenen lokal tätigen Anbieter vergleichen. Dabei gilt es, nicht nur auf den Kostenvoranschlag zu achten, sondern auch auf die „menschlichen“ Faktoren, nicht zuletzt weil die Pflege immer auch ein intimer Vorgang ist. So sollte es eine Rolle spielen, ob die Mitarbeiter des Pflegedienstes sympathisch sind, aber auch, ob sie auf Fragen zu kritischen Punkten eingehen. Die Verbraucherzentrale stellt eine praktische Checkliste für die richtige Auswahl des Pflegedienstes zur Verfügung.

Stationäre Pflege

Häufig wird der Pflegebedarf irgendwann so groß, dass eine Unterstützung zuhause nicht mehr ausreicht. Oder aufgrund des fortgeschrittenen Krankheitsbildes wird eine Betreuung rund um die Uhr notwendig. In solchen und vergleichbaren Situationen lässt sich der Umzug in ein Pflegeheim nicht mehr vermeiden. Die Aufnahme in die stationäre Pflege bedeutet, dass der Pflegebedürftige sein Heim nun verlassen muss – meistens endgültig. Schon aus dem Grund ist es sinnvoll, sich möglichst früh nach einem Platz umzusehen, an dem man sich wohl fühlt. Dann gilt es, Angebote und Preise der verschiedenen Träger zu vergleichen. Viele Einrichtungen haben auch lange Wartelisten.
Die Heimkosten setzen sich aus den Bereichen Pflege, Unterkunft und Verpflegung zusammen. Sie werden nur zum Teil von der Pflegeversicherung übernommen, denn diese zahlt nur einen pauschalen Betrag. Bei Pflegegrad 2 sind es beispielsweise pro Monat 770 Euro, 2.005 Euro bei Pflegegrad 5. Die Leistungen reichen in der Regel aber nicht aus, um die Kosten fürs Pflegeheim komplett zu decken. Neben dem „einrichtungseinheitlichen Eigenanteil“ (EEE), den jeder in gleicher Höhe für die Pflege dazuzahlen muss, entstehen Kosten, die von Bewohner zu Bewohner variieren. So hängt es zum Beispiel von der gewählten Zimmergröße ab, wie hoch die Unterkunftskosten sind.

Die Frage nach der „richtigen“ Pflege

Zuhause, im Pflegeheim oder vielleicht in einer Pflege-Wohngemeinschaft? Welche Form letztendlich die richtige ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: wie umfangreich die Pflege sein muss, welche Wünsche der Pflegebedürftige hat, was sich die Angehörigen überhaupt leisten können. Bei der Auswahl der richtigen Pflege folgt die Pflegeversicherung dem Grundsatz: Ambulant vor stationär. Pflegebedürftige Menschen sollen so lange in den eigenen vier Wänden versorgt werden, wie dies aus medizinischen Gründen machbar ist. Dazu gehört dann auch der behindertengerechte Umbau des Badezimmers oder der Einbau breiterer Türen, durch die ein Rollstuhl passt. Für solche Anpassungen des individuellen Wohnumfeldes können auch Zuschüsse bei der Pflegekasse beantragt werden. Gefördert werden aber nicht Einzelumbauten, sondern nur die Gesamtheit aller im fraglichen Zeitpunkt sinnvollen Anpassungen. Solche „Gesamtmaßnahmen“ – etwas Badumbau im ersten und Türenverbreiterung im zweiten Jahr – können dann einmalig mit maximal 4.000 Euro gefördert werden.

Wer einen Angehörigen zuhause pflegt, kann von der Pflegeversicherung nicht nur Sachleistungen oder Pflegegeld beziehen, sondern auch bestimmte Erleichterungen im Alltag in Anspruch nehmen, wie Kurzzeitpflege, Tages- und Nachtpflege oder Familienpflegezeit. Was diese Leistungen beinhalten und welche Unterstützung pflegende Angehörige im Alltag generell erhalten können, erfahren Sie im kommenden Monat im nächsten Teil der Serie.

Pflegewissen

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