Ausgabe 04/2018
Ernährungsmythen im Check

Eier sind ungesund, Spinat macht stark, Pilze darf man nicht wieder aufwärmen und Kaffee entzieht dem Körper Wasser. Um unsere Ernährung ranken sich viele Mythen. Nicht alle stimmen.

1. „Eier enthalten zu viel Cholesterin“

In jedem Ei stecken etwa 190 Milligramm Cholesterin. Bei einer empfohlenen Tagesdosis von 300 Milligramm wären demzufolge zwei Eier schon zu viel. Allerdings reguliert unser Körper die Aufnahme von zusätzlichem Cholesterin und scheidet überflüssige Mengen einfach aus. Zudem produziert der Körper zunächst einmal Cholesterin zu 90 Prozent selbst – wir benötigen den fettähnlichen Stoff dringend, denn seine winzigen Moleküle stabilisieren die Zellwand. Wie viele Eier pro Tag gesund sind, hängt von den „begleitenden“ Lebensmitteln ab. Ein hart gekochtes Ei mit Vollkornbrot ist in Sachen Cholesterin eher unbedenklich. Doch alle, die Rührei mit Speck lieben, sollten ihr Lieblingsfrühstück nicht zu häufig genießen: Hier steckt das Cholesterin vor allem im Speckfett.

2. „Spinat macht stark“

Auch wenn der Comic-Held Popeye dem Spinat seine Superkraft verdankt – im wirklichen Leben macht Spinat gar nicht stark. Jedenfalls nicht so sehr, wie mehrere Generationen von Eltern, Erziehern und Pädagogen es immer weiter überlieferten. Auch seinen Ruf als eisenhaltiges Wundermittel verdankt das grüne Blattgemüse lediglich einem kleinen, aber entscheidenden Fehler. Die Eisenmenge von 35 Milligramm pro 100 Gramm Spinat, die früher in Nährwerttabellen angegeben wurde, bezieht sich vermutlich auf getrockneten Spinat – und nicht auf frischen. Dieser besteht zu über 90 Prozent aus Wasser, wodurch der Eisenanteil auf etwa 4,1 Milligramm pro 100 Gramm sinkt. Trotzdem ist der Anteil im Vergleich mit anderen Gemüsesorten immer noch hoch: Bei 100 Gramm Tomaten beträgt er 0,5 Milligramm, die entsprechende Menge Möhren kommt auf nur 2,1 Milligramm Eisen.

3. „Pilze darf man nicht aufwärmen“

Pilze zählen zu den Lebensmitteln, die schnell verderben. Stehen sie zu lange im Warmen, bilden sich Bakterien – und in der Folge giftige Stoffe, die zu Übelkeit und Durchfall führen können. Ohne Kühlung halten sich frische Pilze maximal einen Tag; bei lockerer und luftiger Lagerung im Kühlschrank kann man sie einen, zwei Tage länger aufbewahren. Das gilt auch für gegarte Pilze. Wichtig ist aber, dass das Pilzgericht nach der Zubereitung schnell abgekühlt (z. B. im Wasserbad) und umgehend in den Kühlschrank getan wird. Stehen die Pilze noch eine Weile bei Zimmertemperatur oder werden sie sogar noch auf der Herdplatte warmgehalten, setzen die gesundheitsschädlichen Abbauprozesse ein. Beim Aufwärmen sollte man das Gericht auf mindestens 70 Grad Celsius erhitzen – um potenziell gefährliche Keime abzutöten.

4. „Kaffee entzieht dem Körper Wasser“

Zum Espresso wird häufig ein Glas Wasser gereicht – damit der Gast den einsetzenden Flüssigkeitsverlust ausgleichen kann. Letzterer ist jedoch nur ein Mythos, denn Kaffee führt dem Körper ebenfalls Wasser zu. In welcher Menge, hängt vom jeweiligen Kaffeegetränk ab. Zwar stimmt es, dass Koffein nicht nur den Kreislauf anregt, sondern auch eine harntreibende Wirkung hat und zum Ausscheiden von Natrium führt. Doch bei regelmäßigem Kaffeetrinken gewöhnt sich der Körper an den Stoff und die Wirkung von Koffein wird schwächer – sowohl was seinen anregenden wie auch seinen harntreibenden Charakter angeht. Experten gehen davon aus, dass unser Körper bei einem moderaten Kaffeegenuss die negativen Effekte leicht ausgleichen kann. Allerdings bleibt Kaffee ein Genussmittel – und ist kein Durstlöscher. Vier Tassen (Filterkaffee) pro Tag sollten im Idealfall ausreichen.

5. „Schokolade macht glücklich“

Schokolade ist für viele Menschen eine Trösterin: bei schlechter Laune, bei Stress oder einfach bei trübem Wetter. Dass Schokolade aufgrund seiner Inhaltsstoffe das seelische Wohlbefinden hebt, schien sich zwischenzeitlich sogar wissenschaftlich belegen zu lassen. Forscher hatten im Grundstoff der Schokolade, dem Kakao, sowohl Koffein und Theobromin (wie Koffein ein anregender Stoff) als auch Bausteine des Glückshormons Serotonin gefunden. Das Problem: Die Konzentration dieser Stoffe ist so gering, dass sie gar keine stimmungsaufhellende Wirkung haben können. Für die Schoko-Glücksgefühle ist daher etwas anderes verantwortlich: der Zucker. In einer 100-Gramm-Tafel Vollmilchschokolade kommt er immerhin auf 55 Gramm. Bei einer so großen Energiezufuhr springt das Belohnungssystem in unserem Gehirn an. Zudem reagiert unsere Zunge auf die Aromen der Kakaobutter, die bei Körpertemperatur langsam schmilzt. Dass Schokolade viele von uns glücklich macht, geht aber auch auf eine gehörige Portion Konditionierung zurück: Je öfter wir an einem regnerischen Tag zu einem Stückchen Schokolade greifen und dabei einen Glücksmoment erleben, desto stärker wird in unserem Gehirn diese Verbindung. Mit sichtbaren Folgen für unser Verhalten: Bei Nieselwetter essen wir dann fast automatisch Schokolade – und zwar nur, um uns etwas besser zu fühlen.

Sich richtig zu ernähren erscheint leicht, aber in Wahrheit ist Ernährung mitunter eine komplizierte Angelegenheit. Daher kommen auch schnell Mythen und Gerüchte in Umlauf, die komplexe Zusammenhänge oft (zu) stark vereinfachen. Gerade bei „altbewährten“ Weisheiten ist auch besondere Vorsicht angebracht: Oftmals stammen sie aus einer Zeit, in der es die heutige moderne Technik noch nicht gab. Viele dieser Mythen konnten mittlerweile von Wissenschaftler entzaubert werden. Wem das jetzt wieder zu kompliziert wird, der kann sich an eine ganz einfache (aber wissenschaftlich fundierte) Faustregel halten: Wer ausgewogen isst, lebt gesünder.

Ernährungsmythen

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