Ausgabe 04/2018
Sport für Leib und Seele

Wer sich bewegt, fühlt sich wohler und beugt Krankheiten vor. Der Besuch im Fitnessstudio ist dabei keineswegs ein Muss. Denn die tägliche Extraportion Bewegung lässt sich leicht in den Alltag integrieren.

„First of all, no sports!“ Stubenhocker und Sportmuffel zitieren gern diesen Ausspruch von Winston Churchill, wenn sie sich vor Bewegung und körperlicher Betätigung drücken möchten. Ein Reporter soll den britischen Premierminister gefragt haben, wie dieser sein hohes Alter erreicht habe – schließlich sei dies angesichts seiner Vorlieben für Zigarren, Whisky und Champagner ganz erstaunlich. Allerdings gibt es ein Problem: der Ausspruch ist falsch, und das in doppelter Hinsicht. Für das Zitat finden sich keine Belege, es kursiert offenbar nur im deutschsprachigen Raum. Wie dagegen in Großbritannien jeder weiß, war Churchill sehr wohl ein passionierter Sportler: Vor allem in jungen Jahren war er begeisterter Reiter, Fechter, Schwimmer und Boxer.

Sport hält fit und beugt Krankheiten vor

Churchill wurde 90 Jahre alt – und er war kein Leistungssportler. Das ist aber auch nicht notwendig, um sich fit zu halten. Wer morgens und abends eine große Runde mit dem Hund dreht oder regelmäßig im Schrebergarten buddelt, pflanzt, schneidet und mäht, bewegt sich ausgiebig. Ohne größere Anstrengungen kann man so seinen persönlichen Energieumsatz erhöhen. Das wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden aus, senkt den Stresspegel (und die Burnout-Gefahr) und reduziert gleichzeitig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rückenleiden und Diabetes. Gerade das viele Sitzen – nicht nur im Büro, sondern auch zu Hause – gilt für Ärzte und Arbeitsmediziner als einer der gefährlichsten Risikofaktoren für unsere Gesundheit.

Sport hält also fit und beugt Krankheiten vor. Doch müssen es unbedingt 10.000 Schritte pro Tag sein? Im Prinzip stimmt die Regel, die konkrete Zahl wurde allerdings von einem japanischen Unternehmen erfunden, das im Umfeld der Olympischen Spiele 1964 in Tokyo seinen neuen Schrittzähler verkaufen wollte. Doch der Ansatz ist richtig: Mehr Bewegung bitte. Wie viel das dann konkret sein sollte, hängt von der persönlichen Situation ab. Geht es nur darum, etwas fitter zu werden oder will ich dauerhaft ein paar (oder mehr) Kilos abnehmen? Eine Rolle spielt auch der Speiseplan: Wer sich einseitig ernährt und häufig Burger, Pommes und Cola konsumiert, muss deutlich mehr Kalorien verbrennen als jemand, der vorwiegend Vollkornprodukte, Gemüse und Saftschorlen verzehrt.

Je nachdem, wie anspruchsvoll die gewählte Sportart ist und wie intensiv man die Bewegungen ausführt, steigt (oder sinkt) der Energieverbrauch. Pro Stunde verbrennen Sie bei gemütlichem Radfahren etwa 260 Kilokalorien, bei Walking schon 560 Kilokalorien und bei Jogging bis zu 840 Kilokalorien. Eine Übersicht, welche Sportarten wie viel Energie freisetzen, hat die TK zusammengestellt. Allerdings bringen solch gezielt eingesetzte „Spitzen“ am meisten, wenn man sich auch im Alltag mehr (und bewusster) bewegt: z. B. wenn man der Rolltreppen-Versuchung widersteht oder auf dem Arbeitsweg eine U-Bahn-Station früher aussteigt.

Zuschüsse von der Krankenkasse

Das Tüpfelchen auf dem i (aber kein Muss!) ist der regelmäßige Besuch im Fitnessstudio. Die dort angebotenen Kurse und das Trainieren unter professioneller Anleitung helfen, gezielt einseitigen Belastungen des Alltags entgegenzuwirken. Viele Krankenkassen zahlen Zuschüsse zu bestimmten Kursen, z. B. zur Rückengymnastik.

Kein Sport ist also keine Lösung. Dauerfernsehen am Wochenende – neudeutsch: „Binge Watching“ – oder stundenlanges Surfen im Internet aber auch nicht. Wer seine passiven Freizeitaktivitäten jedoch auf ein Mindestmaß reduziert und sich stattdessen allmählich einen aktiveren Lebensstil angewöhnt (vom Arbeitsweg über die Hausarbeit bis zum Wochenendausflug), tut schon viel für seine Gesundheit. Übrigens: Wenn Sie einmal ermitteln wollen, wie viele Schritte Sie im Alltag eigentlich so machen, sollten Sie eine der vielen Schrittzähler-Apps ausprobieren.

Sport und Prävention

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