Ausgabe 04/2019

Flexible Arbeitszeiten

Eine flexible Arbeitszeit bietet Arbeitnehmern größere Freiheiten im Berufsalltag. Es gibt unterschiedliche Modelle – von Langzeitarbeitskonten über die Altersteilzeit bis zum Home-Office.

Flexible Arbeitszeiten

Der Bürotag beginnt um neun Uhr morgens und endet am späten Nachmittag um 17 Uhr. Im Englischen wird dies als klassischer Nine-to-five-Job bezeichnet, wobei sich der Begriff laut Duden auch im Deutschen etabliert hat. Doch in das starre Modell mit Präsenzpflicht am eigenen Schreibtisch im Büro ist Bewegung gekommen. Immer mehr Arbeitnehmer sind auch abends oder am Wochenende für berufliche Belange erreichbar. Andere arbeiten immer mal wieder im Home-Office. Oder sie sind mehr als die vereinbarten acht Stunden im Einsatz und haben dafür mal einen Tag zwischendurch frei.
Dank flexibler Arbeitszeiten haben viele Arbeitnehmer die Freiheit bekommen, ihren Arbeitsalltag individueller zu gestalten. Beruf- und Familienleben lassen sich so besser miteinander vereinbaren, Stichwort Work-Life-Balance. Andere reduzieren die Arbeitszeit, um sich persönlichen Projekten zu widmen. Das muss nicht unbedingt die oft beschworene Weltreise sein. Manche nutzen die dazugewonnene Zeit auch dazu, eine neue Fremdsprache zu lernen, andere wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Und natürlich gibt es noch die, die weniger arbeiten, um einen Familienangehörigen zu pflegen. Doch wie flexibel die Arbeitszeit im Einzelnen dann ist, hängt vom gewählten Modell ab.

Gleitzeit

Das wohl am weitesten verbreitete Modell für flexible Arbeitszeit ist die sogenannte Gleitzeit. Hierbei legt der Arbeitgeber zunächst eine bestimmte Kernarbeitszeit fest, zum Beispiel von 10 bis 16 Uhr. Während dieser Zeit muss der Arbeitnehmer im Büro oder im Home-Office arbeiten. Vor und nach der Kernarbeitszeit finden sich Gleitzeitspannen. Diese können etwa morgens von 7 bis 10 Uhr und am späten Nachmittag von 16 bis 19 Uhr reichen. Innerhalb der Gleitzeit darf der Arbeitnehmer selbst entscheiden, wann er mit der Arbeit beginnt und wann er Feierabend macht. Wichtig ist, dass er am Ende auf seine vertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit kommt.
Beim Gleitzeitmodell werden Über- und Minusstunden über ein Arbeitszeitkonto (elektronisch oder manuell) erfasst. Dabei sind die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten, zum Beispiel die Pausenzeiten (mindestens 30 Minuten bei bis zu neun Stunden Arbeit, 45 Minuten bei mehr als neun Stunden). Auch die tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden (max. 48 Stunden pro Woche) darf nicht überschritten werden. Zudem sind Arbeitnehmer angehalten, private Termine, beispielsweise Arztbesuche, außerhalb der Kernarbeitszeit wahrzunehmen und die Zeit vor- oder nachzuarbeiten. Nur wenn es nicht anders möglich ist, ist eine bezahlte Freistellung innerhalb der Kernzeit möglich.

Langzeitarbeitskonten und Funktionszeit

Bei Langzeitarbeitskonten wird die Arbeitszeit für einen längeren Zeitraum festgelegt, zum Beispiel für einen Monat, ein Quartal oder ein ganzes Jahr. Innerhalb dieses Zeitfensters darf der Arbeitnehmer dann relativ frei seine Tages- und Wochenarbeitszeit selbst festlegen. Auch hier wird die tatsächliche geleistete Zeit, inklusive Über- und Minusstunden, über ein System erfasst. Der Vorteil: Man kann sich die Arbeitszeit sehr frei einteilen, um beispielsweise bei hohem Arbeitsaufkommen mehr als die normalen acht Stunden pro Tag zu leisten. Gibt es dann weniger zu tun, kann man sich im Gegenzug einen längeren Urlaub gönnen.
Auch bei der Funktionszeit gibt es keine Anwesenheitspflicht im engeren Sinn. Hier können sich Arbeitnehmer ebenfalls die Arbeitszeit selbst einteilen (immer innerhalb der gesetzlichen Vorgaben). Statt Arbeitszeiten werden aber Funktionszeiten festgelegt. Dabei handelt es sich um Zeiträume, in denen ein Team oder eine Abteilung voll funktionstüchtig sein muss. Wer wann vor Ort ist und welche Aufgaben übernimmt, legt jedes Team bzw. jede Abteilung eigenständig fest. Gemessen wird der Erfolg dieses Modells dann anhand der konkreten Arbeitsergebnisse. Damit die Funktionszeit funktioniert, muss sich das Team aber gut verstehen und intensiv miteinander austauschen.

Teilzeit und Altersteilzeit

Wer mittel- oder langfristig etwas weniger arbeiten will, um dafür mehr Zeit für anderes zu haben, kann beispielsweise in Teilzeit arbeiten. Statt 40 Stunden beträgt die Arbeitszeit dann 25 oder 30 Stunden bei entsprechend reduziertem Gehalt. Nicht immer ist das einfach umsetzbar – gerade bei Führungskräften sehen viele Arbeitgeber das Problem, dass sie ihre Tätigkeit nicht mehr effizient ausführen können. Auch ein Wiederaufstocken der Arbeitszeit gestaltet sich häufig schwierig. Mit der „Brückenteilzeit“, die seit diesem Jahr gilt, haben Arbeitnehmer nun das Recht, die Arbeitszeit für einen begrenzten Zeitraum zu reduzieren und später auf ihre Vollzeitstelle zurückzukehren.
Für Beschäftigte ab 55 Jahre bietet die Altersteilzeit die Möglichkeit, etwas entspannter ins Rentnerleben zu wechseln. In Absprache mit dem Arbeitgeber reduziert der Arbeitnehmer die Arbeitszeit auf 50 Prozent. Da der Staat dieses Modell fördert, reduziert sich das Gehalt nur auf 70 Prozent. In einigen Branchen gibt es sogar noch höhere Aufstockungen. Die Arbeitszeit lässt sich dann in zwei Formen verteilen. Beim Blockmodell arbeitet man in der ersten Hälfte weiterhin voll, kann dafür aber in der zweiten Hälfe bei gleichem Einkommen zuhause bleiben. Dagegen arbeitet man beim Gleichverteilungsmodell durchgängig die ganze Zeit nur noch zur Hälfte.

Home-Office

Dank Internet und mit der Hilfe von Online-Software müssen viele Mitarbeiter ihrer Tätigkeit nicht mehr am Büroarbeitsplatz nachkommen. Ausgerüstet mit Laptop und Smartphone lässt sich vieles ganz einfach von zuhause erledigen. Gerade für jüngere Mitarbeiter ist es schon selbstverständlich, jede Woche ein oder zwei Tage ungestört im Home-Office zu arbeiten. Auch Eltern nutzen immer häufiger dieses Modell, um Berufs- und Familienleben besser miteinander zu kombinieren. Andere nehmen die Gelegenheit für die Heimarbeit wahr, wenn zum Beispiel ein Handwerkertermin ansteht oder man zum Amt muss.
Auch wenn der Mitarbeiter meist relativ frei in seiner Zeiteinteilung ist, schreiben mittlerweile viele Arbeitgeber Kernzeiten vor, in denen man erreichbar sein muss. Zudem gilt auch im Home-Office die gesetzliche Höchstarbeitszeit. Dazu kommt: Nicht jeder Mitarbeiter ist der Typ fürs Home-Office. Voraussetzung ist in der Betriebsvereinbarung ist dann festgelegt, an welchen Tagen und wie oft die Arbeit im Home-Office möglich ist.

Schriftliche Dokumentation schafft Sicherheit

Für welches Modell man sich auch entscheidet – wichtig ist und bleibt, dass alle Details vertraglich festgelegt sind: Wie viele Stunden müssen bis wann gearbeitet werden? Welche Stichtage für Über- und Minusstunden gibt es? Welche Regelungen existieren für das Home-Office? Gerade hier sollte man sich mündliche Vereinbarungen schriftlich, zum Beispiel per E-Mail, bestätigen lassen – das beugt Konflikten vor. Auch müssen in den meisten Modellen die Arbeitszeiten erfasst und dokumentiert werden, dennoch basieren sie alle auf einer großen Portion Vertrauen. Das sollte nicht missbraucht werden. Doch richtig gehandhabt, bieten solche Flexibilisierungen Arbeitnehmern die Möglichkeit, Arbeitszeit individueller zu gestalten. Und Arbeitgeber profitieren von engagierteren und entspannteren Mitarbeitern.

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