Ausgabe 04/2019
Kuck mal, wer da spricht

Alexa, Google Home oder Apple HomePod – früher waren smarte Lautsprecher etwas für Nerds, heutzutage lassen sich die Geräte in immer mehr Wohnzimmern finden. Aber was können die Geräte eigentlich?

Was macht einen Lautsprecher überhaupt „smart“? Klar, er kann Musik von Spotify oder Deezer abspielen. Aber das kleine Gerät kann noch mehr, zum Beispiel per WLAN andere intelligente Heimgeräte steuern: Thermostate regulieren, Rollläden hoch- und herunterfahren, Steckdosen aus- und den Fernseher einschalten. Darüber hinaus weiß der Lautsprecher aufgrund seiner Internetverbindung, was in der Welt gerade los ist: Muss ich heute Abend auf dem Weg zur Oper mit Stau rechnen? Und über das integrierte Mikrophon lassen sich die Termine der nächsten Tage planen – ganz einfach und bequem auf Zuruf: „Alexa!“, „Ok Google!“, „Hey, Siri!“.

Drei Assistenten dominieren den Markt

Für die „Smartness“ der Lautsprecher ist die zugrunde liegende Technologie verantwortlich. Und die basiert im Prinzip auf drei verschiedenen Sprachassistenten: Alexa von Amazon, der Google Assistant bei Google Home und Siri auf Apples HomePod. Diese Assistenten finden sich nicht nur in den Geräten, die die US-Tech-Firmen selbst anbieten, sondern auch in smarten Lautsprechern, die von Hi-Fi-Produzenten stammen. Die Antworten der Sprachassistenten sind in dem Fall dieselben wie im ursprünglichen Gerät. Doch beispielsweise für Musikliebhaber entscheidet dann der Sound, ob sie sich Amazon Echo oder ein Konkurrenzprodukt wie Sonos One ins Wohnzimmer stellen.

Ende 2018 nutzten über 86 Millionen Menschen einen smarten Lautsprecher, meldeten die Marktforscher von Strategy Analytics.

Allein im vierten Quartal wurden 38,5 Millionen Geräte abgesetzt, eine Steigerung von 70 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Insgesamt konnten alle Hersteller zusammen in diesen drei Monaten mehr Geräte verkaufen als im gesamten Jahr 2017 – die von Strategy Analytics errechnete Steigerung beträgt 95 Prozent. Am häufigsten wurden Smart Speaker mit dem Sprachassistenten von Amazon gekauft. Allerdings hat die Konkurrenz deutlich aufgeholt. Ende 2018 betrug der Anteil von Alexa am Gesamtmarkt nur noch 35 Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch rund 76 Prozent gewesen. Der Anteil von Google Home kletterte im selben Zeitraum dagegen auf 30 Prozent. Der Apple HomePod, erst im Frühjahr 2018 eingeführt, konnte sich noch nicht richtig etablieren. Trotz Weihnachtsgeschäft sank sein Marktanteil binnen sechs Monaten um zwei Punkte auf knapp vier Prozent.

Sprachassistenten unterscheiden sich erheblich

Viele Funktionen der Assistenten sind gleich: Alle drei liefern Infos über das Wetter, können Streamingdienste aufrufen oder legen eine Liste für den nächsten Wochenendeinkauf an. Zudem lesen sie aktuelle Nachrichten vor oder geben Antworten auf Wissensfragen („Ok Google, wann sind die Dinosaurier ausgestorben?“). Allerdings unterscheiden sich die Assistenten zum Teil erheblich darin, wie gut die einzelnen Funktionen ausgeführt werden. Die Bandbreite an News ist bei Alexa und Google Home deutlich größer als bei Apples Siri. Und während Alexa auf Kalenderdienste von Google, Apple und Microsoft zugreifen kann, unterstützt Google Home nur den eigenen Dienst.

Bislang vermag auch nur Alexa, mehrere Geräte in einem Haushalt zusammenzuschließen. Dadurch kann man eine interne Telefonanlage einrichten und beispielsweise von der Küche aus das Kinder- oder Arbeitszimmer anrufen: „Essen ist fertig!“. Mit Google Home oder dem Apple HomePod ist das derzeit nicht möglich. Wem bestimmte Funktionen fehlen, kann sie in Form von „Skills“ hinzufügen. Auf der Amazon-Plattform gibt es Tausende neue „Skills“ für Alexa, von Empfehlungen fürs abendliche Fernsehprogramm bis zu „Eine Runde Mitleid“. Bei Google Home fällt die Auswahl von „Skill Actions“ schon deutlich geringer aus, bei Apple werden neue Funktionen nur per Software-Update hinzugefügt.

Tipps zum Kauf eines smarten Lautsprechers

Wer sich einen smarten Lautsprecher zulegen möchte, muss sich zunächst für eines der drei Systeme entscheiden. Bei Alexa und Google Home hat man zudem die Wahl zwischen Geräten direkt vom Hersteller oder von einem Drittanbieter. Letztere haben jedoch meistens einen eingeschränkten Funktionsumfang. So sind nur auf den Amazon-Echo-Lautsprechern alle Alexa-Skills freigeschaltet, bei Lizenzmodellen fehlen mitunter bestimmte Skills. Daher sollten Interessierte sich vor dem Kauf genau über das gewünschte Modell informieren – und gegebenenfalls die Funktionsbeschreibungen mit denen von Konkurrenzprodukten vergleichen.

Wer den Lautsprecher vorwiegend zum Abspielen von Musik nutzen will, sollte wissen, dass sich die Modelle auch im Sound merklich unterscheiden können. Vor allem die Größe des Gerätes spielt eine wichtige Rolle. Einsteigermodelle wie Amazon Echo Dot oder Google Home Mini sind lediglich für die Sprachinteraktion gedacht, für die Musikwiedergabe müssen sie an eine Stereoanlage angeschlossen werden. Größere Modelle wie Amazon Echo oder die Standard-Ausführung von Google Home verfügen indes über einen integrierten Lautsprecher. Allerdings ist der Sound eher durchschnittlich. Klangpuristen greifen daher meist zu Lautsprechern von Hi-Fi-Herstellern wie Sonos oder JBL. Allerdings sind die Preise für solche Profi-Geräte deutlich höher.

Wie smart werden die Lautsprecher noch?

In Zukunft sollen sich smarte Lautsprecher immer stärker in den Alltag einfügen. Das fordert nicht nur Verbraucher- und Datenschützer heraus, die die Geräte für „Spione im Wohnzimmer“ halten. Sie kritisieren vor allem, dass die smarten Lautsprecher aufgrund der Standby-Funktion der Mikros ihre Umgebung jederzeit belauschen. Selbst bei ausgeschaltetem Mikrofon haben schon einige Geräte Sprachgeräusche in Umgebung aufgezeichnet. Zudem kann es passieren, dass die Daten womöglich bis in die USA weitergereicht werden, wo die Datenschutzstandards niedriger sind als in Deutschland Jeder Nutzer sollte sich außerdem fragen, ob er den Geräten nicht gezwungenermaßen viel zu viel über sein Privatleben preisgibt: Durch die Verknüpfung mit dem E-Mail-Konto, mit der intelligenten Heizungssteuerung, den Einkaufslisten oder Lieblingsliedern erhalten die smarten Lautsprecher einen tiefen Einblick in Kontakte, Hobbys, Gewohnheiten und Vorlieben.

Denn sicher ist, dass solche Daten für Hersteller einen großen Wert haben. Sie können in Zukunft stärker als bislang monetarisiert werden, zum Beispiel durch personalisierte Werbung, die bei Anfragen ausgespielt wird. Zudem sollte man sich bewusst sein: Smarte Lautsprecher haben einen Internet-Zugang – und können auch von Cyberkriminellen gehackt werden. Experten fanden bei älteren Modellen von Amazon und Google bereits einige Sicherheitslücken, die von den Herstellern erst durch Updates bzw. nach Veränderungen an der Hardware geschlossen werden konnten.

Indes stellen die Hersteller weiter neue Funktionen und Verbesserungen vor. Momentan im Kommen: Lautsprecher mit Display. So kann man besser Termine am Kalender planen oder sich parallel zur Musik die Songtexte anzeigen lassen. Beim Echo Show lassen sich sogar Videos abspielen, man surft per Browser im Internet oder telefoniert per Skype-Video. Es bleibt also spannend: Die smarten Lautsprecher könnten noch viel schlauer werden. Es liegt aber an uns, wie intelligent wir mit den Vorteilen und Gefahren umgehen.

Smarte Lautsprecher

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