Ausgabe 05/2018
Mietwagen im Ausland: Das sollten Urlauber wissen

Wohin Ihre nächste Reise Sie auch führt, ob zum Nordkap oder an die Côte d’Azur – geht es im Urlaub mit Flugzeug oder Bahn ins Ausland, ist vor Ort ein Mietwagen in der Regel die beste Wahl. Damit Sie aber dabei keine bösen Überraschungen erleben, sollten Sie einiges beachten.

Ein Tagesausflug zu einer romantischen Bucht, eine Sightseeing- und Shoppingtour in der nächstgrößeren Stadt, ein kleiner Roadtrip durch malerische Landschaften – mit dem Mietwagen erkunden Sie Ihr Urlaubsland flexibel und auf individuelle Weise. Viele Urlauber gehen immer noch davon aus, dass es am einfachsten und günstigsten sei, vor Ort ein Auto zu mieten. Doch in der Ferienzeit, wenn viele Touristen unterwegs sind, ziehen regelmäßig die Preise an. Und bei vielen Verleihern sind entweder nur noch teure oder – im schlimmsten Fall – gar keine Fahrzeuge mehr verfügbar.

Bei der Buchung Preise und Leistungen vergleichen

Gerade wer in den Sommerferien eine Spritztour unternehmen will, sollte daher den Mietwagen frühzeitig buchen – und zwar von Deutschland aus. Zum einen stellen Sie dadurch sicher, dass am Abholtag das Fahrzeug der gewünschten Kategorie auch tatsächlich verfügbar ist. Zum anderen können Sie so in aller Ruhe Preise und Anbieter vergleichen, Leistungen wie Kindersitz oder Zweitfahrernutzung nach Bedarf dazubuchen, aber auch Rabatte in Anspruch nehmen. Während bei Tagestrips zum Beispiel eine Kilometerbegrenzung sinnvoll ist, weil dann die Miete günstiger wird, kann sich die Option „unbegrenzte Kilometerzahl“ bei einer längeren Rundreise durchaus rechnen.

Und es gibt auch Extras, die teuer, aber wenig sinnvoll sind: ein externes Navi zum Beispiel. Dieses treibt den Preis in die Höhe, mitunter zeigen die Geräte auch schon ordentliche Gebrauchs- oder Verschleißspuren. Einfacher und günstiger ist es meist, sich ein tragbares Navi von zu Hause mitzunehmen – oder das Smartphone dafür zu nutzen. Wer Google Maps (Android) oder Apple Maps (iOS) verwenden möchte, braucht unterwegs allerdings eine Internet-Verbindung – und ein genügend großes Datenvolumen. Aber es gibt mittlerweile auch eine Reihe von Navi-Apps, bei denen man die benötigten Karten zuhause kostenlos herunterladen und vor Ort dann offline nutzen kann (hier geht’s zu einer Übersicht). Ob Sie nun ein Navi oder das Handy nehmen, für beides gilt aber: Halterung nicht vergessen!

Die übliche Tankregelung ist nach wie vor das sogenannte „Full-Full-Modell“: Sie holen den Wagen vollgetankt ab und geben ihn ebenso vollgetankt wieder ab. So zahlen Sie nur, was Sie tatsächlich verbraucht haben. Wer dagegen das Nachtanken seinem Autovermieter überlässt, muss normalerweise mit einem kräftigen Aufschlag für den Kraftstoff rechnen.

Die Buchung erfolgt direkt bei der jeweiligen Mietwagenfirma, ein Reisebüro oder über ein Vergleichsportal im Internet. Doch auch viele Reiseveranstalter haben mittlerweile Mietwagen im Angebot. Entweder verleiht der Veranstalter selbst die Fahrzeuge oder er kooperiert mit ausgewählten Partnern. Der Reiseveranstalter vermittelt dann die Buchung des gewünschten Modells, unter Umständen genießt der Kunde bestimmte Vorteile, z.B. einen günstigeren Preis oder zusätzliche Leistungen.

Mallorca-Klausel bietet Versicherungsschutz

Wer bei einer deutschen Mietwagenfirma bucht, profitiert von einem weiteren Vorteil: Dann gelten nämlich die Vertragsbedingungen nach deutschem Recht, auch wenn man das Auto auf Mallorca oder in Italien ausleiht. Anderenfalls treffen die Versicherungs- und Vertragsbedingungen des jeweiligen Urlaubslandes zu. Zwar schreibt die EU Mindestdeckungssummen für die Kfz-Haftpflichtversicherungen vor, doch der Schutz in den verschiedenen Mitgliedsstaaten liegt oft weit unter dem in Deutschland üblichen Niveau. In einigen osteuropäischen Staaten oder in den USA ist der gesetzlich vorgeschriebene Versicherungsschutz noch niedriger. Reicht bei einem Unfall diese Deckung nicht aus, haftet der Fahrer für die Differenz selbst.

Dieses Risiko lässt sich für europäische Länder durch den Einschluss einer sogenannten „Mallorca-Klausel“ in die eigene Kfz-Haftpflichtversicherung ausgleichen. Sie hebt den Versicherungsschutz auf deutsches Niveau. Das ist gerade bei Personenschäden wichtig, bei denen man durchaus auf Schadenssummen von 1 Million Euro und mehr kommt. Die Mallorca-Police gilt dabei für das „geografische“ Europa und damit auch für die europäischen Teile Russlands und der Türkei. Manche Anbieter schließen auch Mittelmeer-Anrainer wie Tunesien und Ägypten mit ein. Wer einen weltweit gültigen Schutz benötigt, muss eine „Traveller-Police“ abschließen. Damit ist man dann zum Beispiel in Australien, Vietnam oder den USA entsprechend abgesichert.

Damit Sie bei einem selbst verschuldeten Unfall auch selbst abgesichert sind, sollte der Mietwagen über eine Vollkaskoversicherung verfügen. Vereinbaren Sie nur eine geringe Selbstbeteiligung oder schließen Sie diese am besten aus. Schäden an Reifen, an den Felgen, dem Unterboden und am Dach sollten inbegriffen sein, ebenso Steinschlag und Diebstahl. Eine zusätzliche Insassen- oder Gepäckversicherung ist meist wenig sinnvoll – und darüber hinaus auch sehr teuer. Wichtig ist vor allem in den USA, eine Versicherung gegen unterversicherte oder flüchtige Verkehrsteilnehmer. Diese nennt sich „UMP“ („Uninsured Motorist Protection“).

Was Sie bei einem Unfall im Ausland tun müssen und worauf Sie bei der Schadensregulierung achten sollten, verrät unser Ratgeber „Autounfall im Urlaub“.

Tipps für Übernahme und Rückgabe des Mietwagens

Wenn Sie den Mietwagen übernehmen, sollten Sie ihn sich zusammen mit einem Mitarbeiter der Verleihfirma gründlich ansehen. Offensichtliche Schäden wie Kratzer oder Dellen werden in einem Protokoll schriftlich festgehalten. Sie können die Mängel zur Sicherheit auch mit Ihrem Smartphone fotografieren. Kontrollieren Sie, ob alles korrekt funktioniert, zum Beispiel Abblend- und Bremslicht und die Scheibenwischanlage. Überprüfen Sie, ob der Tank gefüllt ist und ob sich im Kofferraum Warndreieck, Verbandkasten, Ersatzreifen (oder Reparaturspray) und Werkzeug befinden.

Bei der Rückgabe sollten Sie keinesfalls den Mietwagen einfach auf dem Hof des Verleihers abstellen und den Schlüssel in einen Briefkasten auf dem Gelände werfen. Das ist zu unsicher. Stattdessen geben Sie während der Öffnungszeiten den Wagen lieber persönlich ab. Dabei gehen Sie mit dem zuständigen Mitarbeiter einmal ums Auto herum und füllen das Übernahmeprotokoll aus. Alte Schäden sollten vermerkt, neue dokumentiert werden. Achten Sie darauf, dass Sie einen Durchschlag oder eine Kopie des Protokolls erhalten. Auch die Rückerstattung der Kaution sollte veranlasst werden. Achten Sie zudem darauf, den Wagen pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit zurückzugeben. Einige Verleihfirmen sind nämlich wenig kulant: Kommen Sie eine Stunde nach dem Termin, wird Ihnen ein kompletter Tag in Rechnung gestellt.

Es zählt nur das, was im Vertrag steht

Mobil mit dem Mietwagen – für viele trägt diese Flexibilität erheblich dazu bei, den Urlaub im Ausland auch richtig genießen zu können. Wer im Voraus bucht und auf gängige Stolpersteine in Vertrags- und Versicherungsangelegenheiten achtet, kann seine Zeit rundum genießen. Lesen Sie aber auch immer genau das Kleingedruckte des Mietvertrags. Das ist vor allem dann wichtig, wenn Sie vor Ort ein Fahrzeug ausleihen wollen: Nicht alle Verträge halten, was die Mitarbeiter versprechen. Bei Streitigkeiten zählt nur das, was auch im Vertrag steht. Dieser sollte Ihnen deshalb nicht in der Landessprache ausgehändigt werden, sondern mindestens auf Englisch, im besten Fall auch auf Deutsch.

Wir wünschen eine schöne und natürlich unfallfreie Urlaubszeit!

Kleine Änderungen im Alltag zeigen Wirkung

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