Ausgabe 05/2019
Arbeiten im Home-Office

Von zuhause aus zu arbeiten ist ein Traum vieler Beschäftigter. Die Tätigkeit im Home-Office kann die Produktivität fördern – wenn man sich der Herausforderungen bewusst ist.

Morgens ohne Stau in den Arbeitstag starten. Zwischendurch den Klempner ins Haus lassen, damit er endlich den tropfenden Wasserhahn repariert. Am Nachmittag die Kinder etwas früher von der Kita abholen und mit ihnen zum Strandbad fahren. Abends dann die unerledigten E-Mails abarbeiten und noch ein wenig an der Kundenpräsentation für den nächsten Tag feilen. Klar: Von zuhause aus zu arbeiten hat einige Vorteile. Zum Beispiel, weil man private und berufliche Dinge besser miteinander in Einklang bringen kann – sofern die Umstände und das Jobprofil passen.

Endlich ohne Ablenkung arbeiten

Das Heimbüro – neudeutsch: Home-Office – bedeutet mehr Freiheit und Flexibilität. Dank der technischen Entwicklung müssen viele Arbeitnehmer nicht mehr unbedingt an ihrem Arbeitsplatz im Büro präsent sein, um ihren Job zu erledigen. Zugang zu den wichtigsten Software-Tools gibt’s über ein Online-Portal. Mit den Kollegen kommuniziert man per E-Mail oder Messenger-Chat. Muss man etwas persönlich besprechen, beruft man eine Videokonferenz ein. Und wer sensible Daten vom Firmen-Server benötigt, kann per VPN-Verbindung verschlüsselt darauf zugreifen.

Viele Arbeitnehmer nutzen das Home-Office vor allem aus einem Grund: Man kann in Ruhe arbeiten. Die Konzentration ist höher, man ist weniger abgelenkt als im Großraumbüro. Keine Störung durch den nervenden Klang der Türklingel, keine Kollegen, die zum Plaudern am Schreibtisch stehen bleiben oder so lautstark telefonieren, dass das ganze Büro mithört. Auch die Pausen lassen sich besser nutzen – weil man zwischendurch wirklich mal abschalten kann oder sich schon jetzt um Dinge kümmert, die man ansonsten erst am Abend angehen könnte.

Stanford-Studie zeigt Vor- und Nachteile

Doch nicht nur für den Arbeitnehmer ergeben sich Vorteile, auch das Unternehmen profitiert vom Home-Office. Das zeigte eine großangelegte Studie, die ein Forscherteam der Stanford University vor einigen Jahren in Kooperation mit einem chinesischen Reiseunternehmen durchführte. Die positiven Seiten der Heimarbeit: Die Produktivität stieg, Mitarbeiter im Home-Office arbeiteten länger und meldeten sich weniger krank als die Vergleichsgruppe in den Büroräumen. Zudem waren die Heimarbeiter zufriedener mit ihrem Job und blieben im Durchschnitt länger beim Unternehmen.
Allerdings zeigten sich in der Studie auch die Schattenseiten des Home-Office. Wer ausschließlich zuhause arbeitet, leidet häufiger unter sozialer Isolation. Schließlich ist es vom heimischen Arbeitszimmer aus schwieriger, den informellen Kontakt zu den Kollegen zu halten, etwa den kleinen Plausch in der gemeinsamen Kaffeepause. Darüber hinaus nehmen Arbeitgeber die höhere Leistung ihrer Mitarbeiter nicht unbedingt wahr. So steigt das Gehalt von Heimarbeitern langsamer an, sie werden auch seltener befördert als Kollegen im Büro.

Home-Office ist eine Job- und eine Typ-Frage

Bevor man sich ins Home-Office verabschiedet, sollten verschiedene Punkte geklärt sein. Zunächst muss die Heimarbeit mit dem Arbeitgeber abgestimmt sein. Viele Unternehmen bieten mittlerweile ihren Angestellten die Möglichkeit, zumindest einen oder zwei Tage pro Woche von zuhause aus zu arbeiten. In einer Erklärung des Arbeitgebers oder in einer Betriebsvereinbarung finden sich die entsprechenden Regelungen, zum Beispiel, wie viele Stunden man dann arbeiten und wann man auf jeden Fall erreichbar sein muss. Mündliche Absprachen sollten immer auch schriftlich dokumentiert werden.

Dazu kommt: Nicht alle Jobs lassen sich ins Home-Office verlagern. Automechaniker und Dachdeckerinnen, Kassiererinnen und Pfleger können ihre Arbeit nicht von zuhause aus erledigen. Programmierer, Grafiker oder IT-Spezialisten dagegen schon. Gerade mal 40 Prozent aller Arbeitsplätze sind geeignet fürs Home-Office, schätzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Nicht zuletzt ist Heimarbeit auch immer eine Frage der Persönlichkeit: Man muss sich selbst gut organisieren können – und die Kraft aufbringen, den vielen Versuchungen zuhause zu widerstehen.

Sogar die Politik hat mittlerweile die Bedeutung der Heimarbeit entdeckt. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will ein gesetzlich verankertes „Recht auf Home-Office“ einführen, SPD-Chefin Andrea Nahles hat sich ebenfalls für eine verbindliche Regelung ausgesprochen. Dagegen sieht Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) dafür keine Notwendigkeit, stattdessen solle man sich auf den Ausbau der Kinderbetreuung konzentrieren. Zumal der Bedarf gar nicht so hoch sei: Nur 12 Prozent der Arbeitnehmer und damit lediglich jeder achte Beschäftigte würden Home-Office nutzen.

Herausforderung Home-Office

Auch an anderer Stelle wird das Home-Office kritisch gesehen. Während die einen von der besseren „Work-Life-Balance“ schwärmen, wenden Kritiker ein, dass sich durchs Home-Office traditionelle Rollenbilder verfestigen könnten. Während Mütter die Heimarbeit nutzen, um mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen, verhalten sich Väter anders: Sie arbeiten einfach mehr. Das zeigte eine Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die Anfang letzten Monat veröffentlicht wurde.

Klar geregelt, verspricht das Home-Office für Arbeitnehmer dennoch weniger Stress und mehr Konzentration aufs Wesentliche, die Unternehmen profitieren von zufriedeneren und produktiveren Arbeitskräften. Zudem erweisen sich Regelungen, die an ausgewählten Tagen Heimarbeit erlauben, als Lockstoff für neue Mitarbeiter. Insbesondere für die „Generation Y“, sprich: für die Kolleginnen und Kollegen unter 30 Jahren, sind solche Angebote beinahe selbstverständlich. Nur wer sich hier flexibel zeigt, hat im Wettstreit um die besten Nachwuchstalente die Nase vorn.

Home-Office

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