Ausgabe 05/2020

Elektroschrott entsorgen

Ob alter PC oder ausgedientes Handy – Elektrogeräte gehören nicht in den Hausmüll, sondern auf den Wertstoffhof. Aber Vorsicht: Die gespeicherten Daten müssen vorher richtig gelöscht werden.

Elektroschrott entsorgen

Seit den ersten Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie arbeiten viele Deutsche im Homeoffice. Dazu kommt für viele der Spagat zwischen Arbeit und Kinderbetreuung, Kitas und Schulen waren ja bislang geschlossen. Ein bemerkenswerter Nebeneffekt von Homeoffice und Homeschooling: Die Nachfrage nach Laptops und Tablets stieg sprunghaft. Die einen mussten sich mit digitalen Hilfsmitteln ausrüsten, damit die Kinder ihre Schulaufgaben lösen konnten. Die anderen merkten, dass sie einen Ersatz für den in die Jahre gekommenen PC brauchten. Doch wohin nun mit dem alten Computer?

Viele sensible Daten auf Laptops und Smartphones

Wer sich einen neuen Laptop oder ein neues Smartphone zugelegt hat, überträgt erstmal alle Daten vom alten auf das neue Gerät: Kontaktdaten von Freunden und Kollegen, Urlaubsfotos und Schnappschüsse der Kinder, Videos von der letzten Geburtstagsparty und der Weihnachtsfeier im Betrieb, aber auch Login-Daten zu Onlineshops, Kontoauszüge und Kreditkartenabrechnung, nicht zu vergessen die unzähligen E-Mails und WhatsApp-Nachrichten. Doch Vorsicht: Sind die Daten einmal kopiert, vergisst man leicht, dass sich die ursprünglichen Daten immer noch auf dem alten Gerät befinden. Gerade Passwörter und persönliche Informationen sind äußert sensible Daten, die nicht in die Hände von Cyberkriminellen geraten dürfen.

Um alle Daten von einem Computer oder Smartphone zu entfernen, reicht es nicht aus, diese einfach nur zu löschen. Im Prinzip machen Sie dann das Gleiche, als wenn Sie eine Rechnung in den Papierkorb unter dem Schreibtisch werfen. Auch beim Löschen wandern die Daten in den digitalen Papierkorb. Jeder kann sie problemlos wiederherstellen. Auch wenn Sie den Papierkorb leeren, sind die Daten immer noch vorhanden. Zwar ist das Inhaltsverzeichnis gelöscht, doch die Daten könnten immer noch rekonstruiert werden. Selbst ein Formatieren der Festplatte bringt keinen endgültigen Erfolg, weil hier nur die Systemstrukturen neu aufgespielt werden.

Daten nur nach Überschreiben endgültig vernichtet

Digitale Daten können nur dann endgültig vernichtet werden, wenn sie überschrieben werden. Wie beim analogen Aktenvernichter – mit dem Unterschied, dass die Papierschnipsel mehrfach geschreddert und mit anderen Schnipselbergen vermischt werden. Um Daten dauerhaft zu löschen, ist daher der Einsatz spezieller Löschprogramme sinnvoll. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt die Programme „Darik’s Boot and Nuke“ (DBAN) beziehungsweise „Parted-Magic“. Mittels eines Verfahrens, das „Secure Erase“ genannt wird, können Löschprogramme auch Daten auf modernen SSDs (Solid-State-Drives) überschreiben. Seit einigen Jahren werden diese Speichermedien anstelle der früher üblichen Festplatten eingebaut, weil sie schneller und robuster sind. Allerdings unterscheidet sich der technische Aufbau der SSDs von dem einer herkömmlichen Festplatte. Das sorgt dafür, dass die üblichen Löschmethoden nicht greifen.

Ähnliches gilt für Smartphones. Auch hier reicht es in der Regel nicht aus, einfach das Handy auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen. Die Daten sind weiterhin noch im Speicher vorhanden, nur das Inhaltsverzeichnis kann nicht mehr aufgerufen werden. Bei älteren Android-Geräten (Android 5 und niedriger) empfiehlt sich der Einsatz sogenannter „Shredder-Apps“. Wie bei PCs und Laptops überschreiben die Programme die internen Speicher mit sinnlosen Informationen, sodass die eigenen Daten nicht mehr erkennbar sind. Kostenlos erhältlich sind beispielsweise „KShred“, „SecureEraser“ oder „SecureWipe“; eines der bekanntesten kostenpflichtigen Tools heißt „iShredder“. Wenn Sie ein neues Android-Smartphone haben (Version 6 und aufwärts), werden die Daten automatisch chiffriert. Das bedeutet, dass Ihre Daten nur mit Ihrem persönlichen Schlüssel ausgelesen werden können. Auf iPhones werden seit der ersten Modellreihe alle Daten verschlüsselt gespeichert.

Im Router gespeicherte Zugangsdaten löschen

Auch wer seinen WLAN-Router durch ein neues oder leistungsstärkeres Gerät ersetzt, sollte unbedingt darauf achten, die Daten auf dem alten Router zu löschen. Da die Geräte als Schaltzentrale für Internet, Telefon und WLAN dienen, sind in ihnen die Zugangsdaten für den Internetanschluss und das Festnetztelefon gespeichert. Nur durch ihre Löschung lässt sich Missbrauch vermeiden. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz berichtet von einem Fall, dass ein Router von einem Recyclinghof gestohlen und zu kriminellen Zwecken verwendet wurde. Dem betroffenen Verbraucher entstanden Kosten von mehreren hundert Euro.

Daher die dringende Empfehlung: Bevor Sie Ihren alten Router entsorgen, löschen Sie die darauf gespeicherten Zugangsdaten. Dazu müssen Sie das Gerät auf die Werkseinstellungen zurücksetzen. Dies erreichen Sie am einfachsten, indem Sie den Reset-Knopf direkt am Gerät drücken (meist fünf bis zehn Sekunden mit einem spitzen Gegenstand). Sie finden den Reset-Knopf in der Regel auf der Rück- oder der Unterseite des Geräts. Bei neueren Modellen (Speedport, FritzBox etc.) können Sie sich auch per Computer in die Systemsteuerung einloggen. Über die Konfiguration lässt sich der Router dann mit wenigen Mausklicks und der Eingabe des Passworts zurücksetzen. Die konkrete Anleitung finden Sie in der Bedienungsanleitung Ihres Routers.

Computer, Smartphones und Tablets korrekt entsorgen

Nach der endgültigen Datenlöschung müssen alle elektronischen Geräte richtig entsorgt werden. Dabei gilt: PCs, Handys, Router & Co. sind Elektroschrott, solche Altgeräte müssen Sie gesondert entsorgen. Einfach in die Mülltonne werfen, vielleicht noch zwischen Windeln und Gartenabfällen verstecken – das ist verboten. Je größer das Elektrogerät, desto höher die Strafen: Je nach Bundesland können Bußgelder von 1.000 bis 2.500 Euro verhängt werden. Aus zweierlei Gründen ist die Entsorgung über den Hausmüll auch nicht sinnvoll: Zum einen enthalten Computer umweltschädliche Stoffe wie Blei oder Quecksilber, die bei der Entsorgung über den Hausmüll nicht fachgerecht entfernt werden können. Zum anderen stecken in den Geräten auch seltene und dadurch kostbare Rohstoffe, die mittels Recycling zurückgewonnen und zur Produktion neuer Dinge eingesetzt werden können.

Doch wohin nun mit den alten Geräten? Grundsätzlich greift das Prinzip: Neu gegen alt. Wer einen neuen Laptop kauft, kann beim Händler den alten PC kostenlos zurückgeben. Dies schreibt das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) vor. Es gilt für Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von mindestens 400 Quadratmetern sowie für Online-Händler mit einer Lager- und Versandfläche von 400 Quadratmetern. Entsprechend große Fachgeschäfte müssen auch unabhängig von einem Neukauf ausgediente Altgeräte annehmen, solange ihre Kantenlänge unter 25 Zentimetern liegt. Eine Übersicht von Händlern finden Sie bei der Initiative Take E Back. Eine weitere Möglichkeit sind Wertstoffhöfe. Wie die Händler werden sie durch die Behörden überwacht. Das bedeutet, dass der Elektroschrott auch in Europa verwertet und nicht illegal in Afrika entsorgt wird.

Wegen Corona Einschränkungen bei der Entsorgung

Wegen der Corona-Pandemie sind nicht alle Elektromärkte und Wertstoffhöfe geöffnet. Durch die jüngsten Lockerungen dürfen zwar Elektro-Fachgeschäfte bis 800 Quadratmeter wieder aufmachen, auch die großen Elektromärkte öffnen zum Teil wieder ihre Pforten – allerdings nicht in allen Bundesländern. In Bayern und Sachsen bleiben beispielsweise die Läden weiterhin geschlossen, in Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen sind sie wieder auf. Allerdings gelten überall Einschränkungen; Bereiche werden abgesperrt oder die Geschäfte lassen nur eine bestimmte Zahl an Kunden gleichzeitig hinein.

Ob und welche Wertstoffhöfe geöffnet haben, entscheiden die Landkreise. Bei einer Öffnung gelten in der Regel Einschränkungen, vor allem ein Sicherheitsabstand von 1,5 bis 2 Metern. Um Autoschlangen vor den Toren zu vermeiden, sind manche Wertstoffhöfe schon zu Blockabfertigungen übergegangen. In Bayern haben auch ein Teil der im März geschlossenen Wertstoffhöfe wieder geöffnet, allerdings mit strengen Auflagen für Kunden. Die Anlieferung darf zum Beispiel nur durch Einwohner des jeweiligen Landkreises erfolgen und wenn „dringender Entsorgungsbedarf“ besteht. Ob die bei einem alten Computer gegeben ist, ist fraglich – verschieben Sie den Besuch lieber auf später.

In jeden Fall ist es ratsam, sich vorab bei Ihrem regionalen Wertstoffhof zu informieren, ob und wenn ja, zu welchen Zeiten er geöffnet hat. Sie sollten auch in Erfahrung bringen, welche Konditionen gelten, zum Beispiel, ob Sie einen Termin vereinbaren müssen. Adresse und Telefonnummer erhalten Sie auf der Website Ihres Landkreises.

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