Ausgabe 05/2020

Smartphone-Mythen im Check

Seitdem es Smartphones gibt, kursieren die verschiedensten Gerüchte über sie. Viele sind falsch – aber einige erweisen sich tatsächlich als wahr. Wir haben fünf Mythen unter die Lupe genommen.

Smartphone-Mythen im Check

Dieses kleine Gerät hat unseren Alltag vollkommen auf den Kopf gestellt: das Smartphone. Den Handy-Nachfolger gibt es zwar erst seit 13 Jahren, doch mittlerweile nutzen es bereits acht von zehn Deutschen (ab 14 Jahren). Bei den Jahrgängen nach 1970 sind es sogar fast 100 Prozent. Und im Durchschnitt verbringen wir 3,7 Stunden mit dem Gerät – und das jeden Tag, wie der Analysedienst „App Annie“ Anfang des Jahres ermittelte. So wie das Smartphone aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist, so ranken sich auch viele Mythen und Legenden um unseren treuen Alltagsbegleiter – und das Erstaunliche ist: einige stimmen sogar.

1. Smartphones können bei Männern die Fruchtbarkeit verringern

Einschätzung: stimmt wahrscheinlich nicht.

Wer sich auf der Straße oder in der Bahn umschaut, bekommt zwar den Eindruck: Manche legen ihr Smartphone nie ab, stattdessen scheint es mit der flachen Hand verwachsen zu sein. Doch natürlich trügt der Eindruck, viele verstauen ihr Smartphone auch in einer Tasche oder der Kleidung. Männer tragen oftmals das Smartphone griffbereit in der Hosentasche, vor allem aus praktischen Gründen. Und da die Geräte Wärme abgeben und strahlen – droht hier eine Gefahr für die Spermien?

Es stimmt, dass die Hoden sensibel auf Wärme reagieren. Wird die Temperatur der Hoden über einen längeren Zeitraum mehr als ein Grad Celsius erhöht, kann das die Spermienproduktion verringern. Doch weder Strahlung noch Akku senden genügend Energie aus, um diese Temperaturerhöhung zu bewirken. So die Stellungnahme des Bundesamtes für Strahlenschutz, die auch international diskutiert wurde. Selbst bei einem Abstand von weniger als einem Zentimeter wurden die Hoden der Testpersonen nicht einmal um 0,01 Grad Celsius erwärmt.

Studien der britischen Universität Exeter und der Uni Haifa aus Israel kamen allerdings zu einem anderen Schluss: Wer sein Handy nahe des Schritts aufbewahrt, muss mit einer Abnahme der Spermienqualität rechnen. Die Abnahme ist zwar geringer als befürchtet (um 8 Prozent), dennoch empfehlen die Forscher, auf Nummer sicher zu gehen und Abstand zu halten. Allerdings wurden jeweils nur Korrelationen zwischen Strahlung und Fruchtbarkeitsverlust nachgewiesen, aber kein direkter Zusammenhang. Die eigentliche Ursache könnte daher auch ganz woanders liegen.

2. Der Nachtmodus lässt uns besser einschlafen

Einschätzung: falsch.

Etliche Jahre lang galt die Empfehlung, das Smartphone am Abend lieber in den Nachtmodus umzuschalten. Der Bildschirm sendet dann wärmere Farben aus. Dies soll dabei helfen, besser einzuschlafen. Denn das Tageslicht enthält viele blaue Lichtanteile, die auf das Melanopsin-System in unseren Augen einwirken. Die lichtsensitiven Proteine, so die Vermutung, würden bei kurzwelligen Strahlen (sprich: blauem Licht) stärker aktiviert als bei langwelligen Strahlen (sprich: warmen Licht).

Eine Untersuchung der britischen Universität Manchester kommt zum gegenteiligen Schluss: Tatsächlich entscheidet nicht die Farbe, sondern die Helligkeit des Displays darüber, wie stark der Körper stimuliert wird. Bei gleicher Lichtintensität wirkt blaues Licht sogar entspannender als rotes Licht. Das ist laut Forscher auch biologisch erklärbar: Tagsüber scheint die Sonne gelb (und enthält viele Rotanteile), in der Abenddämmerung verschiebt sich das Spektrum langsam ins Blaue. So erhält unser Körper das Signal zum Schlafengehen. Allerdings hat die britische Studie den Effekt nur bei Mäusen nachgewiesen. Doch die Forscher sind zuversichtlich, dass er auch beim Menschen greift.

Wenn es also nicht die Farbe des Displays ist, die Sie vom Einschlafen abhält, liegt der wahre Grund womöglich ganz woanders: im Umstand, dass Sie abends um 23 Uhr immer noch Nachrichten verschicken oder im Internet surfen, anstatt zu schlafen. Der wahre Nachtmodus ist also ganz einfach: Smartphone ausschalten und sich Ruhe gönnen.

3. Smartphones sind schmutziger als ein Toilettensitz

Einschätzung: stimmt.

Wir nehmen unser Smartphone überallhin mit, viele telefonieren oder surfen auch auf der Toilette weiter. Keine gute Angewohnheit. Schon im Jahr 2010 meldeten britische Forscher, dass die Oberfläche eines Smartphones im Durchschnitt 18-mal mehr potenziell ansteckende Keime aufweist als der Spülknopf einer Männertoilette. Entdeckt wurden beispielsweise E.Coli-Bakterien, die schwere Durchfallerkrankungen auslösen können. Folgestudien haben diesen Effekt mehrfach bestätigt, wenngleich die Größenordnungen immer wieder schwanken.

Eine aktuelle Untersuchung, ebenfalls aus Großbritannien, kommt auf einen Faktor von 10: Während der durchschnittliche Toilettensitz gerade mal 24 infektiöse Einheiten pro Quadratzentimeter aufweist, sammeln sich auf Smartphone-Displays 245,9 infektiöse Einheiten pro Quadratzentimeter. Deutlich keimfreier sind dagegen Tastatur und Maus: Hier hatte die Studie 5 infektiöse Einheiten pro Quadratzentimeter gemessen.
Die Experten raten dazu, das Handy einmal in der Woche mit einem speziellen Bildschirmreiniger zu säubern (im Handel erhältlich). Aggressive Reinigungsmittel und Mittel mit Alkohol oder Seife – also auch Glas- und Fensterreiniger – sind tabu, da sie die Displayoberfläche beschädigen würden. Sprühen Sie den Bildschirmreiniger auch nicht direkt auf das Display, da die Flüssigkeit durch Öffnungen im Gehäuse ins Gerät eindringen und die Elektronik beschädigen könnte. Befeuchten Sie lieber ein Mikrofasertuch, mit dem Sie das Smartphone dann gründlich abwischen.

Und noch ein Tipp zuletzt: Auch auf der Toilette sollten Sie Ihr Smartphone in Zukunft besser nicht benutzen – ansonsten könnten die Bakterien zu leicht auf andere Menschen übertragen werden.

4. Smartphones müssen immer bis zu 100 Prozent aufgeladen werden

Einschätzung: falsch.

Immer 100 Prozent – was im Job oder beim Tanken vielleicht stimmt, erweist sich bei Smartphones als Irrtum. Der „100-Prozent-Mythos“ stammt noch aus der Zeit der Nickel-Cadmium-Akkus, die in den ersten Handys eingebaut werden. Diese sollten vollständig ent- und aufgeladen werden, um den berüchtigten „Memory-Effekt“ zu verhindern.

Doch die modernen Lithium-Ionen-Akkus sind in dieser Hinsicht weniger anfällig. Sie fühlen sich zwischen 20 und 80 Prozent Ladekapazität am wohlsten. Erst wenn der Ladestand unter die Marke von 20 Prozent fällt, sollten Sie den Netzstecker zücken. Und bei einem Stand von 80 Prozent können Sie die Verbindung wieder trennen. Kontinuierliches Aufladen ist auch besser, als zwischendurch mehrere Lade-Stopps einzulegen und immer wieder einmal 5 oder 10 Prozent aufzuladen.

Das bedeutet auch, dass Sie das Smartphone besser nicht die ganze Nacht über aufladen, nur um am nächsten Morgen 100 Prozent Akkuleistung zu haben. Denn wenn der Akku in der Nacht geladen ist, beginnt er sich langsam wieder zu leeren. Nach wenigen Prozent Kapazitätsverlust startet aber der Ladevorgang erneut. Je nachdem, wie schnell der Akku sich leert, kommt es zu mehreren „Mini-Aufladungen“. Doch diese können dem Akku dauerhaft zusetzen. Einige Smartphones werden bereits mit Energiemanagement-Funktionen ausgerüstet, die solche Schädigungen unterbinden sollen. Bei anderen Modellen können Sie das Smartphone mit Ihrem persönlichen Aufladeverhalten „anlernen“.

5. Smartphones können trotz Flugmodus geortet werden

Einschätzung: Stimmt.

Wir kennen es aus Agentenfilmen: Um nicht von seinen Verfolgern aufgespürt zu werden, schaltet der Spion sein Handy aus und entfernt den Akku und die SIM-Karte. Ganz so drastisch müssen Sie nicht vorgehen, um zu verhindern, dass man Sie orten kann. Es reicht aus, das Gerät in den Flugmodus zu versetzen. Dann werden die Verbindungen zu Mobilfunk, WLAN und Bluetooth komplett unterbrochen. Im Stand-by-Modus kann das Smartphone weiterhin geortet werden, weil es immer noch mit einem Sender verbunden ist.

Der einzige Haken: Der Flugmodus deaktiviert nicht das GPS-Modul. Daher kann es passieren, dass bestimmte Apps weiterhin die eigene Position verfolgen und später, wenn wieder eine Internetverbindung besteht, die Standortdaten an das entsprechende Unternehmen übermitteln. So sammelt beispielsweise GoogleMaps Bewegungsdaten und zeigt das Profil noch Jahre später im „Standortverlauf“ an. Selbst wenn diese Funktion im Google-Konto deaktiviert wurde, übermitteln Smartphones immer noch eine Reihe von Standortdaten an Google, Apple und andere Unternehmen, die sich über die Zustimmung zu ihren Nutzungsbedingungen dieses Recht haben einräumen lassen. Um auf Nummer sicher zu gehen, müssen Sie daher das GPS-Modul manuell ausschalten.

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