Ausgabe 06/2017
Rettungskarte fürs Auto: Die Hilfe für Helfer

Moderne Autos werden immer stärker, größer und komplexer. Mit alternativen Antriebstechniken wie Elektro-, Hybrid- und Gasmotor steigt das Risiko, dass Rettungskräfte bei der Bergung selbst verletzt werden. Die Rettungskarte weist ihnen den richtigen Weg.

Rund 2,5 Millionen Mal krachte es im vergangenen Jahr auf deutschen Straßen, knapp 400.000 Menschen wurden dabei verletzt. Wie jeder Autofahrer weiß, kann ein Unfall schnell passieren. Manchmal reicht dafür schon ein kurzer Moment der Ablenkung – das Kind auf dem Rücksitz will etwas zu essen haben; plötzlich vibriert das Smartphone in der Handtasche; oder die Sonne blendet und man überfährt versehentlich ein Stoppschild. Kommt es dann zum Crash, zählt mitunter jede Sekunde. Wenn man schwer verletzt hinter dem Steuer oder zwischen den Sitzen eingeklemmt ist, müssen Feuerwehr oder andere Rettungskräfte die Insassen schnell befreien können.

Doch bei vielen modernen Autos ist die Bergung schwieriger geworden. Bereits im Jahr 2010 hat eine Untersuchung des ADAC gezeigt, dass bei Autos der Baujahre 2002 bis 2007 nur jede fünfte Rettungs- und Bergungsaktion in weniger als 50 Minuten erfolgreich abgeschlossen worden war. Bei Fahrzeugen der Baujahre 1990 bis 1992 war die Zahl an Bergungen in weniger als 50 Minuten noch doppelt so hoch gewesen. Dabei ist der Faktor Zeit entscheidend: Nicht umsonst werden die ersten 60 Minuten nach einem Unfall auch als „goldene Stunde“ bezeichnet. Gelingt es innerhalb dieses Zeitfensters, einen Schwerverletzten aus dem Auto zu bergen und ins Krankenhaus zu bringen, erhöhen sich seine Überlebenschancen deutlich.

Autos werden sicherer, doch die Rettung wird schwieriger

In den vergangenen Jahren sind Autos immer sicherer geworden: Viele SUVs besitzen eine sehr robuste Fahrgastzelle, selbst Mittelklassewagen werden mit zusätzlichen Aussteifungen an der Karosserie ausgestattet. Das reduziert die Gefahr von Verletzungen, bedeutet aber gleichzeitig, dass an solchen Stellen die Rettungsschere fast wirkungslos ist. Die Rettungskräfte verlieren während der Bergung kostbare Zeit, weil sie nach einem anderen Zugang suchen müssen. Nicht-ausgelöste Airbags können ebenfalls eine Gefahrenquelle darstellen.

Zudem steigt bei Autos mit alternativen Antrieben die Gefahr, dass die Helfer selbst verletzt werden. Hybrid- und Elektroautos sind von Hochspannungskabeln durchzogen, an denen bis zu 650 Volt anliegen, dreimal mehr als bei einer Steckdose zu Hause. Wird ein Kabel bei einem Unfall beschädigt, können Helfer einen lebensgefährlichen Stromschlag erhalten. Erdgas-Autos wiederum besitzen große Tanks voller Flüssiggas, die Rettungskräfte beim Aufschneiden selbstverständlich auch nicht treffen dürfen.

Die Rettungskarte ermöglicht eine schnelle und sichere Bergung

Angesichts der Komplexität moderner Autos und dem modellspezifischen Aufbau können Rettungskräfte nicht von jedem Fahrzeug die entscheidenden Details kennen. Gerade kleinere Freiwillige Feuerwehren können das nicht leisten. Deshalb hat der ADAC eine standardisierte „Rettungskarte“ entwickelt. Sie gibt den Helfern Orientierung bei der Bergung, damit sie verletzte Personen schneller und vor allem gezielt aus einem Auto retten können.

Die Karte zeigt eine schematische Darstellung des jeweiligen Automodells in der Draufsicht. Hier sind alle sicherheitsrelevanten Bauteile gekennzeichnet: Wo befinden sich die Airbags? Wo verlaufen die Kabel zwischen Batterien und Elektromotor? Wo liegen der Gastank und die Zuleitungen? So können die Rettungskräfte das Fahrzeug an solchen Stellen aufschneiden, die für sie ungefährlich sind.

Die Rettungskarte steht beim ADAC zum Download zur Verfügung. Außerdem haben fast alle Autohersteller auf ihren Websites die entsprechenden Informationen hinterlegt. Manche bieten für jedes Modell und gestaffelt nach Baujahren eine passende Karte an, bei anderen muss man ein umfangreiches PDF-Dokument nach dem eigenen Modell durchsuchen. Die entsprechenden Blätter (je nach Hersteller zwei bis sechs) sollten unbedingt farbig ausgedruckt werden: Die unterschiedlichen Bauteile sind farbig markiert und zudem sind meist Fotos zur Orientierung beigefügt. Am besten eignet sich das Format DIN A4, weil davon die Informationen gut ablesbar sind.

Die Rettungskarte wird einmal gefaltet und hinter der Sonnenblende auf der Fahrerseite verstaut. So kommen die Rettungskräfte schnell und unkompliziert durch die Seitenscheibe an die Rettungskarte heran. Mit einem Aufkleber, den man gut sichtbar an der Windschutzscheibe anbringt, signalisiert man, dass sich im Fahrzeug eine solche Rettungskarte befindet. Den Aufkleber erhalten Sie in den ADAC-Geschäftsstellen, aber auch beim TÜV oder der Dekra.

In Zukunft Rettungskarte per QR-Code?

Wenn es um Minuten oder gar Sekunden geht, kann die Karte das Leben verletzter Fahrzeuginsassen retten. Natürlich könnten die Bergungskräfte selbst ins Internet gehen und sich die Informationen herunterladen, doch dafür bleibt oft nicht mehr ausreichend Zeit. Außerdem lassen sich Modell und Baujahr auf den ersten Blick manchmal kaum bestimmen – gerade bei sehr schwer beschädigten Fahrzeugen ist das bisweilen gar ein Ding der Unmöglichkeit. Eine Weiterentwicklung stellen Rettungskarten dar, bei denen die Infos per QR-Code abgerufen werden können.

Bei dieser Variante werden mehrere Aufkleber mit den schwarz-weißen Pixelmustern über das Auto verteilt: an der Windschutzscheibe, der B-Säule und dem Tankdeckel. Die Feuerwehr kann den Code dann per Smartphone oder Tablet einlesen und sich die jeweilige Rettungskarte anzeigen lassen. Dies funktioniert auch offline – also dann, wenn keine Internetverbindung besteht. Doch solange nicht alle Feuerwehren mit dieser Technik ausgestattet sind, sollte man auf die Papierversion nicht verzichten.

CosmosDirekt wünscht Ihnen eine sichere und unfallfreie Fahrt durch den Sommer!

Rettungskarten für das Auto können Leben retten

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