Ausgabe 06/2018
Urlaub stornieren: Bleiben Sie nicht auf den Kosten sitzen

Es gibt viele Gründe, warum eine geplante Urlaubsreise ins Wasser fallen kann: Unfälle, schwere Erkrankungen oder Todesfälle zählen beispielsweise dazu. Wer eine Reise nicht antreten kann, muss mit hohen Kosten für die Stornierung rechnen. Doch es gibt Möglichkeiten, sein Geld zurückzubekommen.

Zwei Wochen mit dem Kreuzfahrtschiff durch die Karibik – wer fühlt sich dabei nicht wie Kolumbus auf Entdeckungsfahrt? Innerlich hat man sich schon auf Caribbean Nights auf dem Pooldeck samt lässig groovender Calypso-Band und beschwingter Tanzeinlage eingestellt. Und während vor Barbados die rote Sonne langsam im Meer versinkt, schlürft man versonnen seinen Cocktail aus der Kokosnuss. Doch drei Tage vor Abflug kann Kolumbus seine Koffer wieder auspacken: Auf der Arbeit macht ein Magen-Darm-Virus die Runde und verschont leider niemanden.

Art der Urlaubsreise und Kündigungszeitpunkt bestimmen Stornokosten

So schnell kann es gehen: Nicht Kolumbus, sondern der Urlaub geht baden. Urplötzlich. Doch auch andere Dinge können dafür verantwortlich sein, dass man von heute auf morgen seine Reise nicht antreten kann. Eine schwere Entzündung der Nasennebenhöhlen lässt den Tauchurlaub auf den Malediven platzen, ein Todesfall in der Familie durchkreuzt die unbeschwerten Tage am Ostseestrand, eine betriebsbedingte Kündigung verhindert das Rennradfahren auf Mallorca. Wer dann kurzfristig die vielleicht schon seit Monaten geplante Urlaubsreise absagen muss, hat neben der Enttäuschung hohe Kosten zu tragen. So können Reiseveranstalter und Fluglinien bei Stornierungen einen Tag vor Reisebeginn zwischen 65 und 100 Prozent des dafür bezahlten Preises behalten.

Wie hoch die Kosten (bzw. die Erstattung) ausfallen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Viele Anbieter staffeln die Stornokosten. Typischerweise muss man 20 Prozent des Reisepreises zahlen, wenn man mindestens 30 Tage vor Reiseantritt den Vertrag kündigt. 14 Tage vorher werden dann 35 Prozent fällig, 7 Tage vorher schon 50 bis 60 Prozent. Auch die Art des gebuchten Urlaubs spielt eine Rolle: Stornierungen von Kreuzfahrten und Ferienwohnungen sind in der Regel teurer als die Folge der Absage einer Pauschalreise, die Flug und Hotelzimmer enthalten hätte. Welche Stornokosten fällig werden, hat jeder Reiseveranstalter selbst in der Hand. Meist finden Sie in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) eine entsprechende Übersicht. Manche Veranstalter berechnen die Erstattungen auch je nach dem Einzelfall.

Gründe für Kostenübernahme seitens einer Versicherung

Müssen Sie den Urlaub kurzfristig absagen, übernimmt die Reiserücktrittsversicherung die Stornokosten; allerdings nicht in allen Fällen, sondern nur bei wichtigen Gründen und unerwartet auftretenden Umständen. Dazu gehören schwere plötzliche Erkrankungen und Unfallverletzungen, die eine Reise unmöglich machen, zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall, eine Magen-Darm-Infektion oder eine Mittelohrentzündung. Ein Schnupfen gilt in der Regel nicht als triftiger Grund; eine Impfunverträglichkeit bei Wirkstoffen, die für das Reiseland empfohlen werden, dagegen schon. Auch Stornierungen wegen einer Schwangerschaft, aufgrund derer eine bestimmte Reise nicht mehr möglich ist, oder wegen von Komplikationen während der Schwangerschaft sind versichert.

Zu den weiteren von Versicherungen akzeptierten Ursachen für einen Reiserücktritt zählen: Arbeitslosigkeit nach betriebsbedingter Kündigung, die Aufnahme einer Ausbildung oder einer Arbeit, der Wechsel des Arbeitgebers. Auch wenn das Kind das Schuljahr oder die Abschlussprüfungen wiederholen muss, erstattet die Reiserücktrittsversicherung die Stornokosten. Ebenfalls von der Versicherung abgedeckt ist der Fall, dass Sie die Reise nicht antreten können, weil zum Beispiel kurz vor Abflug Ihr Reisepass oder andere wichtige Dokumente gestohlen wurden. Auch bei Schäden am Eigentum – infolge von Feuer, Explosion, Sturm, Blitzeinschlag, Erdbeben oder Hochwasser sowie von Einbruchdiebstahl – gibt es Geld zurück. Und ein Todesfall bei nahestehenden Personen wie Eltern, Kindern oder Lebenspartnern ist ebenfalls abgesichert.

Reiserücktrittsversicherung rechtzeitig abschließen

Es empfiehlt sich, die Reiserücktrittsversicherung gleich mit der Reise zu buchen, mindestens aber 30 Tage vor Reisebeginn. Wer sich kurzfristig auf ein Reiseziel festlegt – 29 oder weniger Tage vor Reisebeginn –, kann aber in der Regel innerhalb von 3 Werktagen nach der Buchung noch eine Versicherung abschließen. Urlauber können bei Vertragsabschluss zwischen verschiedenen Tarifen wählen. Neben Policen für Singles gibt es auch Familienversicherungen, die Erwachsene und Kinder schützen – auch wenn sich alle einzeln auf den Weg machen. Ein Einzelvertrag deckt nur eine konkrete Reise ab, Jahresverträge bieten Schutz für alle Reisen innerhalb von 12 Monaten. Letztere verlängern sich in der Regel automatisch, wenn sie nicht 3 Monate vor Vertragsende gekündigt werden.

Wie hoch die Kosten für die Reiserücktrittsversicherung sind, hängt vom gewählten Tarif und dem Wert der gebuchten Reise ab. Daher lohnt sich im Vorfeld besonders teurer Reisen manchmal sogar ein Jahres-Abo – wodurch auch alle weiteren Reisen innerhalb der folgenden 12 Monate (bis zu einer bestimmten Anzahl von Urlaubstagen) hinsichtlich der aufgeführten Stornokosten abgesichert sind.

Bedenken Sie aber auch: Unter Umständen sind auch ohne Versicherung kostenlose Stornierungen möglich. Das trifft bei höherer Gewalt zu, die zum Buchungszeitpunkt nicht vorhersehbar war, zum Beispiel wenn das Reisegebiet infolge einer Naturkatastrophe gesperrt wurde oder wenn das Auswärtige Amt nach einem Terroranschlag eine Reisewarnung ausgesprochen hat. In Fällen wie etwa diesen erhalten Sie die gesamte Summe zurück.

Neben Reiserücktritt auch Reiseabbruch versichern

Der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung ist besonders dann sinnvoll, wenn die Urlaubsreise – wie bei der Karibik-Kreuzfahrt – sehr teuer ist oder der Reisebeginn noch weit weg liegt. Idealerweise buchen Sie Reise und Versicherung getrennt voneinander, um die bestmöglichen Konditionen zu erhalten; wer über ein Online-Portal beides zusammen abschließt, zahlt oft mehr als nötig. Die gewählte Police sollte zudem auch den Reiseabbruch abdecken. Die Versicherung kommt für die Kosten von nichtgenutzten, aber bereits im Voraus bezahlten Leistungen wie Ausflüge und Mietwagen auf, falls Sie die Reise vorzeitig beenden müssen. Zudem werden zusätzliche Rückreisekosten übernommen, wenn Sie zum Beispiel wegen eines Sturms länger als geplant im Hotel festsitzen und den Rückflug verpassen.

Wir wünschen Ihnen einen erholsamen Sommer – natürlich ohne unvorhergesehene Ereignisse!

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