Ausgabe 06/2019
Sekundenschlaf: Was tun bei Müdigkeit am Steuer?

Müdigkeit am Steuer ist ein weitverbreitetes, aber unterschätztes Phänomen. Nach überhöhter Geschwindigkeit und Fahren unter Alkoholeinfluss ist der Sekundenschlaf die dritthäufigste Unfallursache auf deutschen Straßen. Doch es gibt Anzeichen, an denen Autofahrer erkennen, dass sie kurz vor dem Einnicken stehen – und eine Reihe von Möglichkeiten, sich wieder fit zu machen.

Schwere Augenlider, häufiges Gähnen und leichtes Frösteln – alles Anzeichen dafür, dass man müde wird. Bei der Autofahrt kann ein Einnicken gefährliche Folgen haben. Wem bei Tempo 130 auf der Autobahn nur für eine Sekunde die Augen zufallen, legt in dieser Zeit 36 Meter im Blindflug zurück. Bei drei Sekunden sind es 108 Meter, bei fünf Sekunden sogar mehr als 180 Meter. Schwere Unfälle, etwa ein ungebremstes Auffahren auf den Vordermann, lassen sich dann kaum abwenden. Dabei entsteht nicht nur Sachschaden – man muss damit rechnen, dass Personen schwer verletzt werden.

Warnsignale für Müdigkeit am Steuer

Sekundenschlaf trifft den Fahrer nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Zu den typischen Warnzeichen gehören:

  • Sie müssen häufig gähnen.
  • Sie haben Probleme, die Augen offen zu halten. Ihre Lider werden schwer, die Augen fangen an zu brennen. Sie müssen sich häufig die Augen reiben.
  • Ihre Gedanken richten sich nicht mehr auf den Straßenverkehr, sondern schweifen ab.
  • Ihre Laune sinkt in den Keller. Sie werden gereizt oder aggressiv.
  • Eine innere Unruhe macht sich immer stärker bemerkbar, Sie werden nervös.
  • Es fällt Ihnen schwer, die Spur zu halten. Auf der Autobahn geraten Sie gelegentlich auf den Seitenstreifen.
  • Sie können sich nur schlecht oder gar nicht an die letzten gefahrenen Kilometer erinnern.
  • Sie verpassen eine Ausfahrt bzw. eine Abzweigung oder übersehen ein Straßenschild.
  • Sie schauen starr auf die Fahrbahn vor sich.

Gründe für Sekundenschlaf

Die Aufregung vor einer langen Fahrt auf einer unbekannten Strecke kann bei manchen dazu führen, dass er oder sie am Abend vor der Urlaubsreise nicht einschlafen kann. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von gravierenderen Ursachen, warum man hinter dem Steuer schläfrig wird.

  • Biorhythmus: Sie sind zu einer Uhrzeit unterwegs ist, zu der Sie für gewöhnlich schlafen – zum Beispiel nach einer Feier. Auch die Erschöpfung nach einem langen Arbeitstag, Nachtfahrten oder die Zeitumstellung machen sich bemerkbar.
  • Stress / Langeweile: Stress im Job, Familienkonflikte, aber auch Sorgen im Alltag können dazu führen, dass man nachts stundenlang wachliegt. Die Erschöpfung schlägt dann bei der Autofahrt durch. Langeweile bei langen Autobahnfahrten macht das Gehirn ebenfalls müde.
  • Ernährung / Alkohol: Nach einer fettreichen Mahlzeit werden Magen und Darm besser durchblutet; das Gehirn wird weniger versorgt. Die Folge: Wir fühlen uns träge und schläfrig. Auch Alkohol hat eine entspannende Wirkung, unsere Reaktionen fallen langsamer aus.
  • Medikamente / Krankheiten: Antihistaminika, Blutdrucksenker oder Migränemittel machen müde. Auch bestimmte Erkrankungen, etwa schlafbezogene Atmungsstörungen (Schlafapnoe), Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie) oder eine neurologische Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus (Narkolepsie) führen zu einer verstärkten Tagesmüdigkeit.

Dazu kommt: Sich schlaftrunken hinters Lenkrad zu setzen ist im Prinzip dasselbe wie eine Fahrt unter Alkoholeinfluss. Die Müdigkeit reduziert die Aufnahmefähigkeit und setzt das Reaktionsvermögen herab. Nach 17 Stunden ohne Schlaf entspricht die Fahrleistung einem Blutalkoholwert von 0,5 Promille. 24 Stunden Schlafentzug bedeuten sogar 1,0 Promille .

Was hilft kurzfristig gegen Müdigkeit am Steuer?

Wer die ersten Anzeichen für Müdigkeit an sich erkennt, sollte so schnell wie möglich eine Pause einlegen, etwa an einer Raststätte oder einer Tankstelle. Sehr hilfreich ist das „Powernapping“; nach dem Kurzschlaf von 20 bis 30 Minuten fühlen sich die meisten Menschen erfrischt und fahren erholt weiter. Wenn Sie möchten, trinken Sie kurz vorher einen Kaffee. Das Koffein wirkt erst nach 30 Minuten und stört daher nicht beim Einschlafen, hilft aber dabei, schneller wieder wach zu werden.
Ein gutes Gegenmittel ist auch Bewegung an der frischen Luft. Mit Dehnübungen oder Steps am Bordstein bringen Sie Ihren Kreislauf wieder in Schwung und tanken Sauerstoff. In der Regel reichen zehn Minuten Bewegung aus, um sich wieder frischer zu fühlen. Allerdings hält die Wirkung nicht lange an. Sich zu kneifen, das Radio lauter zu stellen oder das Fenster aufzumachen, bringt noch weniger. Falls möglich, lassen Sie lieber einen anderen Fahrer ans Steuer.

Vorbeugen bleibt die beste Option

Generell sollten Sie eine Fahrt nur ausgeschlafen antreten. Alle zwei Stunden sollten Sie eine kurze Pause von 20 Minuten einlegen. Bei langen Fahrten ist ein Übernachtungsstopp empfehlenswert. Zudem sollten Sie regelmäßig essen und trinken, um Ihren Körper mit Energie zu versorgen. Aber: Finger weg von Burger-Menüs mit Pommes und Softdrinks. Nehmen Sie stattdessen kleine Portionen zu sich, am besten Äpfel, Paprika oder Zitrusfrüchte. Auch eine Handvoll Nüsse wirkt Wunder. Wasser oder leichte Saftschorlen sind die besten Durstlöscher.
Technische Unterstützung gibt es in Form von Müdigkeits- oder Aufmerksamkeits-Assistenten. Ab einer bestimmten Geschwindigkeit – zwischen 65 und 80 Stundenkilometer – überwacht dann der elektronische Assistent permanent das Fahrverhalten. Identifiziert die Software kleine Fahrfehler oder fahren Sie länger als zwei Stunden am Stück, schlägt der Assistent Alarm. Ertönt ein Piepton oder blinkt eine Kaffeetasse im Display wird es Zeit, eine Pause einzulegen.

Versicherungsschutz bei Sekundenschlaf?

Wie sieht es aber mit dem Versicherungsschutz aus, falls man einnickt und einen Unfall verursacht? Die Kfz-Haftpflichtversicherung reguliert auf jeden Fall den Schaden beim Unfallgegner. Vorsicht ist aber bei Schäden am eigenen Auto geboten. Für diese sind die Kaskoversicherungen zuständig. Sie könnten übermüdetes Fahren als „grob fahrlässig“ werten, wenn es Hinweise auf Sekundenschlaf gibt: zum Beispiel, wenn das Fahrzeug von der Spur abgekommen ist oder man in der Nacht schon viele Stunden unterwegs war.
In solchen Fällen könnte die Versicherung die Leistungen kürzen. Für den Fahrer bedeutet dies, dass er einen Teil, wenn nicht gar den Großteil der Reparaturkosten selbst bezahlen müsste. Besser, man hat schon im Vorfeld eine Vollkaskoversicherung wie die von CosmosDirekt abgeschlossen. Wir verzichten auf den „Einwand wegen grober Fahrlässigkeit“ und erstatten den Schaden am eigenen Auto in voller Höhe. Das heißt natürlich nicht, dass Sie sich trotzdem übermüdet ans Steuer setzen sollten – ein solches Verhalten kann Ihr Leben und das anderer Verkehrsteilnehmer gefährden.
Stattdessen sollten Sie unsere Tipps beherzigen und der Müdigkeit am Steuer bzw. dem gefährlichen Sekundenschlaf vorbeugen. Wir wünschen eine sichere und unfallfreie Fahrt!

Müdigkeit am Steuer

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