Ausgabe 06/2019
Steht mir Urlaubsgeld zu?

Ein kleiner Bonus für den Sommerurlaub ist doch etwas Feines. Doch welche Arbeitnehmer haben Anspruch auf Urlaubsgeld – und was ist dabei zu beachten?

Was ist schöner als Urlaub? Urlaub mit einer gut gefüllten Reisekasse! Der Flug, das Hotel, die Ausflüge – was das alles kostet … Umso erfreulicher ist es also, wenn just vor dem Start in die Sommerferien der Arbeitgeber einen Bonus aufs Konto überweist. Mit der Finanzspritze lässt es sich doch gleich viel unbeschwerter verreisen. Leider haben hierzulande nicht alle Beschäftigten Grund zum Jubilieren, wenn sie kurz vor Ferienbeginn auf den Gehaltszettel blicken. Gerade einmal die Hälfte von ihnen kann Urlaubsgeld in Anspruch nehmen. Das ergab eine Online-Umfrage der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung unter mehr als 28.000 Beschäftigten.

Anspruch auf Urlaubsgeld nur bei vertraglicher Regelung

Vor allem wer in einer Branche mit Tarifbindung arbeitet, kann sich über Urlaubsgeld freuen. Die Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung zeigte nämlich: Während 71 Prozent der Arbeitnehmer mit Tarifverträgen Urlaubsgeld bekommen, sind es bei Arbeitnehmern ohne Tarifvertrag nur 38 Prozent. Abhängig vom Tarifvertrag kann die Sonderzahlung anteilig nach dem Gehalt berechnet werden, manchmal wird auch ein Festbetrag gezahlt. Arbeiten Sie in einer Branche ohne Tarifbindung, kann es eventuell eine Betriebsvereinbarung zum Urlaubsgeld geben. Ansonsten lässt sich eine entsprechende Regelung auch individuell für den Arbeitsvertrag aushandeln.

Einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld gibt es nicht, es handelt sich in der Regel um eine zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbarte Leistung. Aber auch ohne vertragliche Grundlage steht es jedem Arbeitgeber frei, nach eigenem Ermessen Urlaubsgeld zu zahlen. Dabei gibt es Folgendes zu beachten: Zahlte der Arbeitgeber in den vergangenen drei Jahren hintereinander Urlaubsgeld, während in diesem Jahr der Bonus ausgesetzt werden soll, können sich Arbeitnehmer auf die „betriebliche Übung“ berufen. Durch dieses Gewohnheitsrecht hat sich der Arbeitgeber selbst zur Zahlung verpflichtet – es sei denn, er hat einen Vorbehalt ausgesprochen (das Urlaubsgeld gab es immer nur „ausnahmsweise“).

Volles Urlaubsgeld nur für ganzes Jahr Betriebszugehörigkeit

Besteht ein geregelter Anspruch auf Urlaubsgeld, muss der Arbeitgeber dieses auch allen Beschäftigten zahlen, egal ob es sich um Vollzeit- oder Teilzeitkräfte, Minijobber und geringfügig Beschäftigte handelt. Dazu kommt: Das Urlaubsgeld ist eine Sonderzahlung, die über das eigentliche Gehalt hinausgeht. Daher ist es nicht zulässig, den Bonus auf den gesetzlichen Mindestlohn anzurechnen. Verboten ist auch eine unterschiedliche Behandlung der Mitarbeiter: Wenn alle anderen in der Abteilung Urlaubsgeld bekommen, aber Sie nicht, haben Sie dennoch Anspruch darauf. Eine Besserstellung einzelner Mitarbeiter ist dagegen arbeitsrechtlich erlaubt. Sprich: Wenn nur ein Kollege Urlaubsgeld bekommt, können Sie daraus keinen Anspruch ableiten.

Das volle Urlaubsgeld erhalten Sie üblicherweise dann, wenn Sie das ganze Jahr im Unternehmen gearbeitet haben. Haben Sie die Stelle beispielsweise erst im April angenommen, wird in der Regel nur ein anteiliger Bonus für die neun Monate im Unternehmen gezahlt. Sie erhalten 9/12 bzw. 75 Prozent des vollen Urlaubsgeldes. Mitunter wird das Urlaubsgeld nur an diejenigen gezahlt, die vor einem festgelegten Stichtag im Unternehmen gearbeitet haben. Alle, die danach in die Firma eingestiegen sind, erhalten erst im Folgejahr ihr erstes Urlaubsgeld. Vertraglich ist auch geregelt, ob Sie Urlaubsgeld erhalten, sollten Sie die Firma verlassen. Meistens wird kein Bonus gezahlt, wenn Sie vor dem Auszahlungstermin ausscheiden. Aber auch bei einer Entlassung oder Kündigung in der zweiten Jahreshälfte kann es passieren, dass Sie das Urlaubsgeld ganz oder anteilig zurückzahlen müssen.

Bei einem vertraglich geregelten Anspruch auf Urlaubsgeld darf der Arbeitgeber die Auszahlung auch nicht einfach kurzfristig widerrufen. Das ist nur dann möglich, wenn bestimmte sachliche Gründe vorliegen, die aber auch immer im Vertrag aufgeführt sein müssen. Ein Grund für die Aussetzung des Urlaubsgeldes wäre beispielsweise, wenn die Firma so wenig Umsatz erzielt hat, dass die unternehmerische Existenz auf dem Spiel steht.

Wie viel Urlaubsgeld wird gezahlt?

Bei der Höhe des Urlaubsgeldes gibt es eine riesige Spanne. Laut Hans-Böckler-Stiftung erhielten Arbeitnehmer im Jahr 2017 zwischen 155 und 2.355 Euro. Die Auszahlung erfolgt meistens vor der Urlaubssaison mit dem Mai- oder Juni-Gehalt, sie kann im Einzelfall aber auch anders gehandhabt werden. Wer im Öffentlichen Dienst beschäftigt ist, erhält im November die Jahressonderzahlung. In dieser sind Urlaubs- und Weihnachtsgeld zusammengefasst.

Allerdings kommt bei allen Arbeitnehmern letztendlich nicht der volle Betrag an, den der Arbeitgeber ausschüttet. Denn das Urlaubsgeld ist wie das Weihnachtsgeld und alle anderen Sonderzahlungen steuerpflichtig. Zudem fallen auch Abgaben zu den Sozialversicherungen an. Die Berechnung der zu zahlenden Steuer ist kompliziert, weil durch das Urlaubsgeld meist ein höherer Steuersatz angesetzt werden muss (Stichwort Steuerprogression). Daher wird einmal die Lohnsteuer für das Jahreseinkommen ohne Urlaubsgeld und einmal mit dem Bonus berechnet. Aus dem Unterschied wird dann die fällige Lohnsteuer für das Urlaubsgeld abgeleitet. Dadurch ist letztlich der Steuersatz fürs Urlaubsgeld höher als der für den normalen Monatslohn.

Alternative zum Urlaubsgeld: Erholungsbeihilfe

Manche Arbeitgeber zahlen daher kein Urlaubsgeld, sondern die sogenannte Erholungsbeihilfe (Quelle: § 40 Abs. 2 Nr. 3 des Einkommensteuergesetzes). Diese kann für jeden Mitarbeiter bis zu 156 Euro pro Jahr betragen, für den Ehepartner sind bis zu 104 Euro drin. Jedes Kind des Arbeitnehmers kann bis zu 52 Euro jährlich extra erhalten. Bei einer vierköpfigen Familie sind so immerhin bis zu 364 Euro extra möglich. Die Erholungsbeihilfe ist unter Umständen sogar steuerfrei – nämlich dann, wenn der Arbeitgeber die Beihilfe über den Pauschalsteuersatz versteuert. Die Pauschale setzt sich zusammen aus 25 Prozent Lohnsteuer plus Solidaritätszuschlag und, falls notwendig, Kirchensteuer.

Mit Urlaubsgeld verreist es sich natürlich unbeschwerter, aber auch ohne Bonus vom Arbeitgeber kann man tolle Ferien verbringen. Doch denken Sie daran: Wie schnell kann eine Erkrankung oder eine Verletzung die Urlaubsfreude trüben oder dazu führen, dass Sie Ihre Reise kurzfristig stornieren müssen. Mit den Reiseversicherungen von CosmosDirekt sind Sie bestens abgesichert und können ganz entspannt der schönsten Zeit des Jahres entgegensehen. Wir wünschen einen tollen Sommerurlaub!

Urlaubsgeld

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