Ausgabe 06/2020

Rettungskarte: Wenn jede Sekunde zählt

Moderne Fahrzeugtechnik ist sicher, manchmal aber auch zu sicher. Nach einem Unfall zeigt die Rettungskarte den Einsatzkräften, wo sich das Fahrzeug schnell und gefahrlos öffnen lässt.

Rettungskarte: Wenn jede Sekunde zählt

Es ist ein Widerspruch, der sich anscheinend nur schwer lösen lässt. Einerseits hat die Weiterentwicklung moderner Fahrzeugtechnik dazu geführt, dass Autos immer sicherer werden. Zum Beispiel sind im gesamten Innenraum Airbags verteilt, die Karosserie besitzt an besonders empfindlichen Stellen zusätzliche Aussteifungen. Dadurch sinkt bei leichten Verkehrsunfällen die Verletzungsgefahr für die Insassen deutlich. Sollte es aber zu einem schweren Unfall kommen, erschweren genau diese Sicherheitstechnologien den Rettungskräften ihren Einsatz.

Moderne Sicherheitstechnik erschwert schnelle Hilfe

Das Problem: An verstärkten Bereichen lässt sich nur mit Mühe das notwendige Werkzeug ansetzen, um beispielsweise die Karosserie aufzuschneiden. Zudem besteht das Risiko, dass durch die Rettungsarbeiten ein nicht aufgeblasener Airbag nachträglich ausgelöst wird. Fliegt aber der Luftsack den Insassen oder Rettungskräfte um die Ohren, kann es für alle gleichermaßen gefährlich werden. Zum Schutz klemmt die Feuerwehr die Batterie ab oder setzt spezielle Auffangnetze ein – das funktioniert aber nur, wenn die Rettungskräfte genau wissen, wo sich Airbags, Batterien und Stromleitungen befinden.
Doch kein Automodell gleicht dem anderen. Selbst die Fahrzeuge eines Herstellers unterscheiden sich in wichtigen Details. Trotz regelmäßiger Schulungen können Feuerwehrleute nicht alle technischen Details der über 28.000 in Deutschland registrierten Automodelle kennen. Und jedes Jahr kommen Hunderte neue Modelle auf den Markt. Dazu kommen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, die zusätzliche Gefahrenquellen darstellen: Tanks mit Auto- oder Erdgas, die sich nicht entzünden dürfen; Elektroautos mit Hochspannungsleitungen, an denen bis zu 600 Volt anliegen könnten.

Rettungskarte liefert wichtige Informationen auf einen Blick

Die Einsatztaktik der Feuerwehr berücksichtigt immer auch die baulichen Gegebenheiten. Doch was, wenn die Rettungskräfte an der Unfallstelle die für sie wichtigen Fragen nicht alle beantworten können? Ebenfalls zu bedenken ist: Für die Insassen zählt im Notfall jede Sekunde. Gerade schwerverletzte Personen müssen so schnell wie möglich ins Krankenhaus gebracht werden, damit ihre Überlebenschancen erhalten bleiben.
In solchen Situationen hilft die Rettungskarte weiter. Sie geht auf eine Initiative des ADAC zurück, der sie zusammen mit Feuerwehrverbänden, Unfallmedizinern und Autobauern entwickelt hat. Auf der Rettungskarte finden Einsatzkräfte eine schematische Darstellung des Automodells mit allen fahrzeugspezifischen Informationen, die für den Rettungseinsatz wichtig sein können: Eingezeichnet sind etwa Batterie, Kraftstofftank, Gurtstraffer und Airbags, bei Elektroautos die Stromkabel, bei Autos mit Gasantrieb Gastank und Sicherheitsventile. Auch auf verstärkte Holme wird deutlich hingewiesen. Zusammengehörige Baugruppen sind farblich gleich markiert, damit die Einsatzkräfte sich schneller orientieren und die wichtigen Informationen auf einen Blick erfassen können.

Farbiger Ausdruck im Auto unterstützt Einsatzkräfte

Mittlerweile bieten so gut wie alle Autohersteller Rettungskarten für ihre Modellpalette an, häufig auch für ältere Fahrzeuge. Eigentlich sollten die Feuerwehrleitstellen die Informationen auch über eine Nummernabfrage in einer Online-Datenbank erhalten, die sie anschließend an die Einsatzkräfte vor Ort übermitteln. Doch nicht alle Leitstellen sind mit der Technik ausgerüstet. Zudem besteht das Risiko, dass die Übertragung nicht funktioniert. Daher empfehlen die Feuerwehrverbände und Autoexperten, immer einen farbigen Ausdruck der Rettungskarte im Auto mitzuführen.
Sie können sich die Rettungskarte für Ihr Fahrzeug in der Regel auf den Websites der Autobauer herunterladen. Auch Wohnmobilhersteller bieten entsprechende Karten an. Sachverständigen- und Prüforganisationen wie TÜV und Dekra sowie die Automobilclubs, allen voran der ADAC, stellen ebenfalls Links für die gängigen Modelle zur Verfügung. Bei älteren Modellen kann es vorkommen, dass die Rettungskarte noch nicht online vorhanden ist. Wenden Sie sich in diesem Fall direkt an den Hersteller.
Die Rettungskarte besteht aus zwei bis sechs Seiten mit den notwendigen Informationen. Diese Seiten drucken Sie farbig im Format A4 aus, falten sie ein- bis zweimal und befestigen sie dann an der Sonnenblende auf der Fahrerseite. Europaweit wurden viele Rettungskräfte und Feuerwehren geschult, bei einem Notfall an dieser Stelle nach der Rettungskarte zu suchen. Damit die Einsatzkräfte aber auch wissen, dass Sie eine im Auto haben, sollten Sie mit einem speziellen Aufkleber darauf hinweisen. Dieser wird innen auf der Fahrerseite der Windschutzscheibe oben oder unten in der Ecke befestigt. Ebenso wie die Rettungskarte ist auch der Aufkleber kostenlos. Sie erhalten ihn beim Fahrzeughersteller oder auf den Websites von ADAC, Dekra, TÜV usw.

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