Ausgabe 06/2020

Sommer-Unwetter: Welche Versicherung zahlt welchen Schaden?

Kaputte Autodächer, abgerissene Markisen, vollgelaufene Keller: Heftige Sommergewitter können verheerende Folgen haben. Die beschädigten Sachen reparieren zu lassen oder zu ersetzen, ist aber teuer. Wer gegen Wind und Wetter richtig geschützt ist, muss sich um die finanziellen Folgen jedoch keine Sorgen machen. Wir erklären, welche Versicherung für welchen Schaden aufkommt.

Sommer-Unwetter: Welche Versicherung zahlt welchen Schaden?

Der Sommer kommt, und mit ihm die Freude auf ein Eis, Bahnen ziehen im Freibad oder einen Ausflug in den Biergarten. Die jüngsten Lockerungen in der Coronakrise machen dies möglich, trotz aller weiterhin bestehenden Einschränkungen. Doch Sommer bedeutet nicht nur Sonne und Vergnügen. Sondern auch Gewitter, Stürme und heftige Unwetter. In den letzten Jahren gingen häufig genug „Rekordhitze“ und „Jahrhundertsommer“ mit sintflutartigen Regenfällen, Hagelschauern und Überschwemmungen einher.

Die Folgen sind verheerend: Keller stehen unter Wasser, Dächer werden abgedeckt, Autos haben tiefe Dellen im Blech. Für die Betroffenen stellt sich nun die Frage: Welche Versicherung kommt für den Schaden auf? Die eine Unwetter-Versicherung, die nach einem Sommergewitter alle Schäden „aufräumt“, gibt es nicht. Stattdessen teilen sich mehrere Versicherungen die Risiken und sind damit auch für unterschiedliche Schäden zuständig.

Hausratversicherung erstattet Schäden am Inventar

Die Hausratversicherung ist zuständig für das Inventar, sprich: das gesamte bewegliche Eigentum in der Wohnung bzw. im Haus. Alles, was sich direkt in der Wohnung oder im Keller befindet und durch den Sturm direkt oder indirekt beschädigt wurde, ist versichert: Möbel, Teppiche, Bücher, Kleidung und Vorhänge, elektrische Geräte wie Computer, Stereoanlage, Fernseher und Mikrowelle, aber auch Werkzeug oder Gartengeräte. Ebenso ist die Hausratversicherung zuständig, wenn während des Sommergewitters in der Nachbarschaft ein Blitz einschlägt und dadurch eine Überspannung auslöst, wodurch elektrische Geräte kaputtgehen. Nur bei Gegenständen, die auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten aufbewahrt werden, ist die Sache etwas anders. Denn Gartenstühle oder Spielgeräte für draußen sind meist vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Im Comfort-Tarif unserer Hausratversicherung übernehmen wir aber auch diese Kosten (bis 1.000 Euro).

Grundsätzlich erstattet die Hausratversicherung die beschädigten Gegenstände zum Kaufpreis. Voraussetzung dafür ist aber meist, dass das Unwetter als „Sturm“ eingestuft wurde. Die Windstärke muss bei mindestens 8 liegen (entspricht 62 Kilometern pro Stunde). Ob der Wind diese Geschwindigkeit erreicht hat, können Sie auf der Website des Deutschen Wetterdienstes oder über die Wetterdiensthotline 0180 5 913 913 (Festnetz: 6 Cent/Anruf, Mobilfunk: max. 42 Cent/min) erfahren. Meist reicht auch eine offizielle Sturmwarnung als Nachweis aus.

Wohngebäudeversicherung ist für Bausubstanz zuständig

Alle Schäden am Gebäude selbst übernimmt die Wohngebäudeversicherung. Damit ist sie zuständig für lose Dachziegel oder umgeworfene Schornsteine, aber auch für Schäden am Mauerwerk, zum Beispiel durch einen umgestürzten Baum. Die Versicherung zahlt auch für unwetterbedingte Folgeschäden, etwa, wenn Regenwasser durch das offene Dach eindringt und der darunterliegenden Fußboden infolgedessen aufquillt. Nebengebäude wie Fahrradschuppen, Gartenhäuschen oder Carports sind ebenfalls meist abgesichert. Ebenso alle Gegenstände, die fest mit der Hauswand verbunden sind, zum Beispiel Markisen, Antennen und Satellitenschüsseln. Auch bei der Gebäudeversicherung gilt häufig, dass Schäden erst ab Windstärke 8 übernommen werden.

Überschwemmungen im Keller gelten als Elementarschaden

Läuft nach einem Sommerunwetter der Keller mit Wasser voll, das die abgestellten Sachen oder das Gebäude beschädigt, greifen die normalen Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen nicht. Denn zum Versicherungsschutz gehören zunächst nur Schäden durch Leitungswasser, aber keine durch natürliches Wasser wie Regen. Diese Schäden sind nur dann versichert, wenn Sie eine Elementarschaden-Versicherung haben. Diese gibt es nicht separat, sondern muss als Zusatz zur Hausrat- bzw. Wohngebäudeversicherung abgeschlossen werden.

Die Erweiterung umfasst eine ganze Reihe von Naturgefahren, zum Beispiel Überschwemmungen durch Bachläufe, Flüsse oder Seen, aber auch Erdrutsche, Erdbeben und Lawinen. In der Regel ist auch der Rückstau versichert – also, wenn Schmutzwasser in der Kanalisation durch zu viel Regen nicht ablaufen kann, sondern ins Haus zurückdrückt. Bevor der Versicherungsschutz in Kraft tritt, kann der Versicherer eventuell auf zusätzliche Sicherungsmaßnahmen an der Immobilie bestehen, etwa den Einbau einer Rückstauklappe.

Haftpflichtversicherungen zahlt Schäden von Dritten

Tobt ein Sturm besonders heftig, kann es passieren, dass Blumentöpfe oder andere Dinge, die Sie auf dem Balkon gelagert haben, hochgerissen werden und dann auf dem Fußweg landen. Trifft der Topf dann ein Auto oder gar einen Passanten, müssen Sie für den Schaden haften. Gerade bei Personenschäden können die Kosten für Behandlung, Reha und Schmerzensgeld schnell fünf- bis sechsstellige Summen erreichen. Daher ist die Privat-Haftpflichtversicherung so wichtig, auch ohne Sturm und Unwetter: Denn ohne sie müssten Sie solche Kosten allein bezahlen.

Ähnliches gilt, wenn der Sturm auf Ihrem Grundstück einen Baum entwurzelt, der dann auf den Carport Ihres Nachbarn stürzt. In diesem Fall ist für die Regulierung des Schadens die Haus- und Grundbesitzer-Haftpflicht zuständig – aber nur, wenn der Baum bereits Anzeichen für Krankheit oder eine fehlende Standfestigkeit zeigte bzw. Sie Ihren regelmäßigen Kontrollpflichten offensichtlich nicht nachgekommen sind. Ohne Vorschädigung am Baum haften Sie aber nicht. In diesem Fall muss die Gebäudeversicherung des Nachbarn den Schaden übernehmen.

Teil- und Vollkasko übernehmen Schäden am eigenen Auto

Nach einer heftigen Sturmnacht kann es leicht vorkommen, dass Ihr Auto beschädigt wurde, wenn es zum Beispiel am Straßenrand geparkt wurde. Wenn sich nicht klären lässt, ob einer Ihrer Nachbarn die Schuld dafür trägt, zahlt die Teilkasko die Reparatur des Autos. Oder sie erstattet Ihnen den aktuellen Wert Ihres Fahrzeugs, sollte es nicht mehr fahrtüchtig sein. Auch hier gilt, dass der Sturm mindestens Windstärke 8 erreicht haben muss. Hagelschäden an der Windschutzscheibe werden ebenfalls von der Teilkasko übernommen.

Die Vollkasko-Versicherung enthält alle Leistungen der Teilkasko und bietet zusätzlichen Schutz. So übernimmt sie beispielsweise Sturmschäden am Auto unabhängig von der Windstärke. Auch Schäden, die Sie selbst verursacht haben, sind versichert. Etwa, wenn Sie während des Sturms gegen einen umgestürzten Baum fahren. Meist wird hier der Wiederbeschaffungswert ausgezahlt, also die Summe, die Sie benötigen, um ein gleichwertiges Auto zu kaufen. Bei unserer Autoversicherung erhalten Sie für Neuwagen dagegen die Neupreis-Entschädigung. Innerhalb der ersten 24 Monate ab Vertragsschluss (Comfort-Schutz) bzw. 12 Monate (Basis-Schutz) erstatten wir Ihnen den Neupreis Ihres Autos.

Was tun bei einem Unwetterschaden?

Haus- und Wohnungsbesitzer sowie Autofahrer sollten einen Unwetterschaden unverzüglich ihrer Versicherung melden. Diese sagt Ihnen dann auch, wie Sie weiter vorgehen sollten. Zum Beispiel, ob Sie selbst einen Handwerker mit der Reparatur beauftragen können oder ob die Versicherung zuvor einen Gutachter vorbeischickt. Zudem stehen Sie in der Pflicht, weitere Schäden so gut wie möglich zu verhindern: So sollten Sie zum Beispiel kaputte Fenster notdürftig abdichten oder auf den Gehweg gewehte Dachziegel wegräumen. Dokumentieren Sie auch den Schaden ausführlich, etwa mit Fotos. Und stellen Sie eine Übersicht von beschädigten Gegenständen zusammen. Bei teuren Sofas oder TV-Geräten können zudem Kaufbelege für die Abrechnung mit der Versicherung hilfreich sein.

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