Ausgabe 07/2017
Erste Hilfe bei Unfällen

Um den Führerschein zu bekommen, sind Kenntnisse in Erster Hilfe ein Muss. Doch Theorie ist das eine – sie bei einem Menschen anzuwenden, der bei einem Unfall schwer verletzt wurde, etwas ganz anderes.

Stabile Seitenlage, Herz-Lungen-Wiederbelebung, Druckverband – all das sind Begriffe, die viele von uns das letzte Mal in einem Erste-Hilfe-Kurs gehört haben. Für Fahranfänger ist ein Kurs zu „Lebensrettenden Sofortmaßnahmen am Unfallort (LSMU)“ im Rahmen der Vorbereitung auf die Theorieprüfung Pflicht. Weitreichendere Kenntnisse vermittelt ein Erste-Hilfe-Kurs: Es geht zwar um die gleichen Themengebiete, die auch im Kurs LSMU behandelt werden, die vermittelten Kenntnisse sind aber umfassender und nicht ausschließlich auf Unfallverletzungen im Straßenverkehr beschränkt. Auffrischungskurse für routinierte Auto-, Motorrad- oder Wohnwagenfahrer sind hingegen nicht verpflichtend. Dabei kann es jederzeit zu einer Situation kommen, in der man das damals Erlernte tatsächlich anwenden muss – weil nach einem Unfall jemand bewusstlos ist, nicht mehr atmet oder aus einer tiefen Wunde blutet.

In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa, durchgeführt im Auftrag von CosmosDirekt, gaben immerhin 19 Prozent der befragten Autofahrer an, dass sie schon einmal bei einem Unfall Erste Hilfe leisten mussten. Anders gesagt: Jeder fünfte Autofahrer war bereits mindestens schon einmal mit der Situation konfrontiert, jemanden vielleicht in die stabile Seitenlage zu bringen, womöglich eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchzuführen oder einen Druckverband anzulegen, um ein Menschenleben zu retten. Viele Autofahrer wissen allerdings gar nicht mehr, was im Ernstfall zu tun ist.

Was im Ernstfall zu tun ist

Werden wir selbst als Betroffene oder aber als Zeuge in einen Unfall verwickelt, erhöht sich unsere Herzfrequenz und der Körper setzt Stresshormone frei. Daher lautet der erste Ratschlag: Ruhe bewahren – und bevor man Erste Hilfe leistet, zunächst immer auf die eigene Sicherheit achten. Das bedeutet, sich erst einmal zu orientieren und sich einen Überblick zu verschaffen, was überhaupt passiert ist. Da bei einem Verkehrsunfall weitere Gefahren durch nachfolgende Fahrzeuge drohen, muss die Unfallstelle schnellstmöglich gesichert werden. Sonst können sich Folgeunfälle ereignen, bei denen noch mehr Menschen zu Schaden kommen.

Also: Warnblinker einschalten, Warnweste anlegen und Warndreieck mindestens 100 Meter von der Unfallstelle entfernt aufstellen. Auf Autobahnen entsprechen 100 Meter dem Abstand von einem Leitpfosten zum übernächsten. Droht dem Unfallopfer akut Gefahr, ziehen Sie es mit dem sogenannten „Rautek“-Rettungsgriff aus dem Auto. So früh wie möglich sollten Sie außerdem den Notruf unter der Rufnummer 112 absetzen. Die Nummer funktioniert in allen Mitgliedsländern der EU, außerdem auch in vielen anderen Ländern, wie etwa der Schweiz, Kroatien oder der Türkei.

Hilfe ist auch gesetzlich geboten

In lebensbedrohlichen Situationen sind Sie dann gefragt: Stark blutende Wunden sind durch einen Druckverband zu schließen, ein bewusstloser Motorradfahrer ist in die stabile Seitenlage zu bringen, vielleicht ist bei jemandem eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchzuführen. Dies alles ist mitunter deshalb erforderlich, weil es einige Zeit dauern kann, bis die Rettungskräfte an der Unfallstelle eintreffen. Es ist sogar gesetzlich vorgeschrieben. „Wer nicht hilft, macht sich wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar“, so Frank Bärnhof, Versicherungsexperte von CosmosDirekt. „Es drohen Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe.“

Angst vor Fehlern muss der Ersthelfer dabei nicht haben. Wer bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung dem Opfer eine Rippe bricht, macht sich beispielsweise nicht strafbar; ebenso wenig, wenn sich der Gesundheitszustand des Unfallopfers während der Erste-Hilfe-Maßnahmen verschlechtert oder das Opfer sogar unterdessen verstirbt. „Anpacken!“ lautet einzig die Devise – und: „Sich im Zweifelsfall auch selbst Hilfe holen!“. So sollte man den Helm eines verunfallten Motorradfahrers lieber zu zweit abnehmen – und äußerst behutsam vorgehen, damit die Wirbelsäule dabei stabil bleibt.

Regelmäßige Auffrischung bringt Routine

Auch wenn man keine Angst haben muss, bei der Ersten Hilfe etwas falsch zu machen – eine regelmäßige Auffrischung des einst im Schnellverfahren Erlernten bedeutet, im Ernstfall schneller und angemessener reagieren zu können. So bieten das Deutsche Rote Kreuz und andere Wohlfahrtsverbände Auffrischungskurse an. Eine Kurzanleitung zum Rautek-Griff, der stabilen Seitenlage oder der Herz-Lungen-Wiederbelebung finden Sie im ADAC-Leitfaden „Sicher handeln im Notfall“, den Sie hier herunterladen können.

Wir wünschen eine unfallfreie Fahrt!

Erste Hilfe leisten

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