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Ausgabe 08/2015
Vorsorge für den Ernstfall

Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung – es gibt verschiedene Möglichkeiten für den Fall vorzusorgen, dass eigenverantwortliches Handeln nicht mehr möglich ist. Denn jeder kann durch einen Unfall oder eine schwere Erkrankung in die Situation geraten, seinen Willen nicht mehr äußern und die Frage nach einer medizinischen Behandlung selbst beantworten zu können. So unangenehm die Auseinandersetzung mit diesem Thema auch ist, so wichtig ist sie auch, um selbstbestimmt für den Ernstfall vorsorgen zu können. Im Folgenden finden Sie einen kurzen Überblick über die Instrumente, die Ihnen zur Verfügung stehen, um sicherzustellen, dass stets in Ihrem Interesse gehandelt wird.

Ob Wachkoma, Krebs im Endstadium oder fortgeschrittene Demenz – es gibt viele Fälle, in denen ein Patient nicht mehr eigenverantwortlich Handeln und über seine medizinische Behandlung entscheiden bzw. diese Entscheidung wirksam äußern kann. Neben der Patientenverfügung gibt es noch zwei andere Möglichkeiten, für den Fall einer Einwilligungsunfähigkeit vorzusorgen: die Vorsorgevollmacht und die Betreuungsverfügung. Während Sie in einer Patientenverfügung festlegen können, in welchem Rahmen Sie eine medizinische Behandlung wünschen, definieren Sie in der Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung stellvertretend für Sie entscheidende Personen.

Bei der Vorsorgevollmacht kann eine bevollmächtigte Person Ihres Vertrauens sofort für Sie handeln, sollten Sie nicht mehr entscheidungsfähig sein. Bei der Betreuungsverfügung schlagen Sie einen von Ihnen gewünschten rechtlichen Betreuer vor, der sich um Ihre medizinischen und finanziellen Angelegenheiten kümmert und der vom Gericht geprüft und kontrolliert wird. Welche Form der Willenserklärung am besten bzw. sinnvollsten ist, hängt ganz von den persönlichen Wünschen und der Situation des Betreffenden ab. Um Ihnen eine grobe Orientierung zu geben, werden diese drei Formen nachfolgend etwas näher beleuchtet.

Patientenverfügung: das Ob und Wie festlegen

Für betreuungsbefugte Angehörige ist die Situation, im Zweifelsfall über Leben oder Tod entscheiden zu müssen, ein absoluter Albtraum. Da sie oft gar nicht wissen, wie der Patient entscheiden würde, geraten sie in einen großen inneren Konflikt. Daher kann eine im gesunden Zustand verfasste Patientenverfügung sehr hilfreich sein – nicht nur für die Angehörigen, sondern auch für die behandelnden Ärzte. Allerdings müssen die Angehörigen über das Vorhandensein einer solchen Erklärung informiert werden und auch den Ort der Aufbewahrung kennen.

Eine Patientenverfügung ist eine schriftliche Vorausverfügung einer Person für den Fall, dass sie ihren Willen nicht mehr wirksam erklären kann. Sie bezieht sich auf medizinische Behandlungen, z. B. auf das Ob und Wie von lebensverlängernden Maßnahmen. Dabei kann die Zustimmung zu einer Therapie auch von ganz bestimmten Krankheitssituationen abhängig gemacht werden: Nach einem Unfall darf vorübergehend künstlich beatmet werden, nicht jedoch in einem irreversiblen Wachkoma. Generell gilt: Je konkreter eine Patientenverfügung verfasst ist, desto besser. Wichtig ist auch, dass sie keine Widersprüche enthält und die Einstellung des Verfassers zum Thema Krankheit und Sterben deutlich wird. Auch Ausführungen zur individuellen Definition von Lebensqualität und zu persönlichen Wertvorstellungen können sehr hilfreich sein. So lange ein Patient selbst entscheiden kann, gilt jedoch stets sein aktueller Wille, auch wenn er entgegengesetzt zur Patientenverfügung steht. Diese tritt erst in Kraft, wenn der Patient nicht mehr entscheidungsfähig ist. Sie kann zudem jederzeit widerrufen werden, auch mündlich.

Allerdings ist es natürlich sehr schwierig, festzulegen wie im Ernstfall verfahren werden soll, da man sich diese Situation nur schwer bis gar nicht vorstellen kann. Zudem kennen Laien im Normalfall die verschiedenen möglichen Situationen und damit verbundene Behandlungsoptionen auch gar nicht. Daher raten Experten, sich umfassend persönlich beraten zu lassen und das Thema mit einem Arzt oder Mitarbeitern eines Hospizdienstes zu besprechen.

Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung: Personen bestimmen

Alternativ oder ergänzend kann neben der Patientenverfügung auch eine Vorsorgevollmacht und/oder eine Betreuungsverfügung verfasst werden. Denn weder der Ehepartner noch die erwachsenen Kinder dürfen automatisch stellvertretend handeln, wenn der Patient dazu nicht mehr in der Lage ist.

Mit einer Vorsorgevollmacht wird eine vertraute Person bevollmächtigt, entsprechende Entscheidungen zu treffen. Dabei geht es nicht nur um medizinische, sondern auch um finanzielle Fragen und Angelegenheiten. Eine Vorsorgevollmacht ist vor allem dann wichtig, wenn keine Patientenverfügung vorliegt. Allerdings sollte die darin festgelegte Person im Idealfall über Ihre Wünsche und Vorstellungen im schweren Krankheitsfall informiert sein, um entsprechend handeln und entscheiden zu können. In der Vollmacht sollte unbedingt aufgeführt werden, wozu sie ermächtigt und welche Lebensbereiche sie umfasst. Wenn sie zum Kauf oder Verkauf von Grundstücken oder zur Aufnahme von Darlehen berechtigen soll, ist eine Beglaubigung durch einen Notar juristisch erforderlich.

Wer niemandem so umfassende Rechte übertragen möchte, kann auch eine Betreuungsverfügung verfassen. Eine Betreuungsverfügung tritt in Kraft, wenn keine Vollmacht vorliegt und eine rechtliche Betreuung (früher: „Vormundschaft“) notwendig wird, weil der Verfasser krankheitsbedingt keine Entscheidungen mehr treffen kann. In ihr kann der Verfasser definieren, welche Person im Ernstfall die rechtliche Betreuung übernehmen soll und welche Personen ggf. davon ausgeschlossen werden sollen. Die Betreuungsverfügung kann, je nach Wunsch des Verfassers, beispielsweise Angaben zur medizinischen und pflegerischen Versorgung, zum Aufenthalt und zur Vermögensverwaltung umfassen. Möglich sind auch inhaltliche Vorgaben für den Betreuer, etwa welche Wünsche und Gewohnheiten respektiert werden sollen oder ob der Verfasser im Pflegefall zu Hause oder in einem Pflegeheim betreut werden möchte. Im Gegensatz zur Vorsorgevollmacht überprüft das Gericht in diesem Fall die Eignung der Person und kontrolliert, ob der Betreuer auch wirklich im Sinne des Betreuten handelt. Liegt keine Betreuungsverfügung vor, wählt das Gericht eine Person aus – sofern möglich, aus dem näheren Umfeld, ansonsten einen ehrenamtlichen oder beruflichen Betreuer.

Ihre Willenserklärungen unterliegen keinen Formvorschriften. Sie müssen nur schriftlich vorliegen und die eigenhändige Unterschrift sowie Ort und Datum enthalten. Allerdings sollten sie gewisse Angaben enthalten und die jeweils wichtigen Punkte umfassend abdecken. Musterformulare und weitere Information finden Sie unter anderem auf der Seite des Bundesjustizministeriums und der Caritas.

Vorsorge für den Ernstfall

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