Ausgabe 08/2018
Einsatzhelfer im Notfall: Die Rettungskarte

Moderne Autos bieten den Insassen ein hohes Maß an Sicherheit. Doch nach einem schweren Unfall können verstärkte Bereiche in der Karosserie die Arbeit der Einsatzkräfte behindern. Die Rettungskarte gibt fahrzeugspezifische Informationen für die Rettungskräfte, wenn bei der Bergung von Verletzten jede Sekunde zählt.

Löschen, retten, bergen, schützen – das sind die klassischen Aufgabenfelder der Feuerwehr. Doch gerade wenn es ums „Retten“ geht, stehen die Rettungskräfte mittlerweile häufig vor einem großen Problem. Insbesondere die Befreiung eingeklemmter Personen aus Autos erweist sich für viele der über 25.000 Feuerwehren in Deutschland als zusehends schwieriger. Der Grund dafür, so paradox dies auch klingen mag: Moderne Autos werden immer sicherer. Gerade SUVs der Mittel- und Oberklasse besitzen eine robuste Fahrgastzelle, immer mehr Mittelklassewagen oder Transporter erhalten zusätzliche Aussteifungen in der Karosserie. Zudem steigt die Anzahl der verbauten Airbags kontinuierlich.

All das stellt Rettungs- und Einsatzkräfte vor neue Herausforderungen: Wo können Schere und Spreizer problemlos eingesetzt werden? Wo könnte man aus Versehen einen noch geschlossenen Airbag auslösen? Bei über 28.000 in Deutschland registrierten Autotypen können Feuerwehrleute nicht jedes technische Detail kennen, zumal sich die Technik permanent weiterentwickelt. Nicht nur kommen neue Materialien auf den Markt, die stabiler oder fester sind. Auch die alternativen Antriebsformen bringen neue Gefahrenpotenziale mit sich: Hybrid- und Elektroautos sind von Hochspannungskabeln durchzogen, Gas-Autos besitzen teilweise große Tanks voller Flüssiggas. Das ist davon abhängig, ob LPG (Liquified Petrol Gas) oder Erdgas/ CNG (Compressed Natural Gas) genutzt wird

Gerade Freiwillige Feuerwehren können sich nicht immer auf dem neuesten Stand der Technik halten.

Standardisierte Informationen für Einsatzkräfte

Doch sichere Technik und schnelle Hilfe müssen sich nicht widersprechen. Abhilfe schafft die sogenannte „Rettungskarte“, die vor einigen Jahren auf Initiative des ADAC entwickelt wurde. Die Standards entstanden in Zusammenarbeit mit verschiedenen Verbänden der Feuerwehr: der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGLF), der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) und dem Deutschen Feuerwehrverband (DFV). Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) beteiligten sich an der Erarbeitung der Rettungskarte. Daher wird sie mittlerweile von fast allen Autobauern unterstützt.

Im Prinzip handelt es sich bei der Rettungskarte um eine schematische Darstellung des jeweiligen Automodells, sowohl in der Drauf- wie in einer Seitenansicht. Alle sicherheitsrelevanten Bauteile sind gekennzeichnet und farblich markiert. So sehen die Rettungskräfte sofort, wo sich Airbags, Gurtstraffer und Rückhaltesysteme befinden, wo die Kabel zwischen Elektromotor und Batterie verlaufen oder wo die Leitungen vom Gastank liegen. Damit die Einsatzkräfte aber wissen, dass sich im Unfallauto eine entsprechende Übersicht befindet, sollten die Fahrzeugbesitzer einen Aufkleber – „Rettungskarte im Fahrzeug“ – innen an die Windschutzscheibe kleben.

Die Rettungskarte fürs eigene Auto kann man sich zum Beispiel beim TÜV oder Dekra herunterladen. Auch die meisten Autobauer stellen entsprechende Dokumente auf ihrer Website zur Verfügung. Moderne Modelle sind in der Regel abgedeckt, bei älteren Fahrzeugen kann es aber sein, dass die Rettungskarten noch fehlen. Hier sollte man sich direkt an den Hersteller wenden. Je nach Modell umfasst die jeweilige Rettungskarte dann zwei bis sechs Blätter, die man am besten im Format DIN A4 ausdruckt. So sind die Informationen gut lesbar. Der Ausdruck sollte unbedingt vierfarbig erfolgen, weil die unterschiedlichen Bauteile mit entsprechenden Farbcodierungen versehen sind. Einmal gefaltet, um ein Ausbleichen zu verhindern, wird die Rettungskarte dann hinter der Sonnenblende auf der Fahrerseite verstaut.

Schnellere Rettung von Unfallopfern, geringeres Verletzungsrisiko für Helfer

Anhand der Informationen können die Helfer schneller mit der Rettung beginnen. Der ADAC hatte bereits im Jahr 2010 darauf hingewiesen, dass bei Autos der Baujahre 2002 bis 2007 nur jede fünfte Bergungs- und Rettungsaktion in weniger als 50 Minuten erfolgreich abgeschlossen wird. Bei älteren Fahrzeugen aus den Jahren 1990 bis 1992, die eine einfachere Sicherheitstechnik aufweisen, war die Anzahl von Rettungen unterhalb von 50 Minuten doppelt so hoch. Doch gerade der Faktor Zeit spielt bei lebensgefährlichen Verletzungen eine entscheidende Rolle. Gelingt es, einen Schwerverletzten innerhalb der ersten 60 Minuten – der sogenannten „Goldenen Stunde“ – aus dem Auto zu retten und ins Krankenhaus zu bringen, erhöhen sich seine Überlebenschancen deutlich.

Weiterer Vorteil: Wenn der Feuerwehr die fahrzeugspezifischen Informationen direkt vorliegen, verringert sich auch das Gefahrenrisiko für die Helfer. So wissen sie dann zum Beispiel bei Elektro- und Hybridfahrzeugen genau, wo die Hochspannungsleitungen mit 650 Volt verlaufen. Denn würden die Rettungskräfte aus Versehen eine kappen, könnte dies zu schweren Verletzungen führen. Auch beim Aufschneiden von gasbetriebenen Fahrzeug ist Vorsicht geboten: Neben dem Tank und den Leitungen müssen Feuerwehrleute zum Beispiel die Stellen kennen, an denen sich die Sicherheitsventile befinden. Im Fall eines Brandes kann durch die integrierten Ventile das Gas kontrolliert entweichen.

CosmosDirekt wünscht Ihnen eine sichere und unfallfreie Fahrt durch den Sommer!

Einsatzhelfer im Notfall: Die Rettungskarte

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