Ausgabe 08/2019
Haftung am Arbeitsplatz

Ein unachtsamer Moment und schon ist es passiert: Die volle Tasse kippt um und der Kaffee ergießt sich auf den Arbeitslaptop. Wer kommt in solchen Fällen für den Schaden auf?

Mindestens acht Stunden verbringen die meisten Arbeitnehmer täglich bei der Arbeit. Wenn dabei ein Schaden entsteht, stellt sich schnell die Frage, wer dafür aufkommt. Viele Arbeitnehmer, die eine private Haftpflichtversicherung haben, wähnen sich auf der sicheren Seite. Das ist allerdings ein Trugschluss: Die Police kommt ausschließlich für Schäden auf, die der Versicherungsnehmer in der Freizeit verursacht.

Kann der Arbeitnehmer haftbar gemacht werden?

Grundsätzlich gilt im deutschen Recht: Jeder haftet für seine Fehler, wenn dabei ein Dritter zu Schaden kommt. Das gilt sowohl für absichtlich als auch für versehentlich verursachte Fehler. Ausnahmen gelten zum Beispiel bei Minderjährigen oder eben im Arbeitsverhältnis. Denn tatsächlich ist die Haftbarkeit eines Arbeitnehmers stark eingeschränkt – vor allem auch, weil Sach- oder Vermögensschäden im beruflichen Umfeld schnell eine Größenordnung erreichen, die der Arbeitnehmer finanziell nicht tragen könnte.

Wann führt Fahrlässigkeit zu Haftbarkeit?

Das bedeutet aber nicht automatisch, dass immer der Arbeitgeber bzw. dessen Betriebshaftpflicht für den Schaden aufkommt. Die im Beispiel genannte Kaffeetasse hat der Arbeitnehmer in Hektik oder Unachtsamkeit umgestoßen; für den Schaden wird er nicht aufkommen müssen. Handelt er allerdings entgegen seiner im Arbeitsvertrag festgelegten Rechte und Pflichten grob fahrlässig oder gar aus Vorsatz, muss er in vielen Fällen ganz oder teilweise Schadenersatz leisten.

Die Stufen der Fahrlässigkeit

Damit sich die Haftbarkeit des Arbeitnehmers einschätzen lässt, unterscheidet man drei Grade der Fahrlässigkeit.

  1. Leichte Fahrlässigkeit: Bei geringfügigen Fehlern, die nicht oder nur in Ansätzen den individuellen Pflichten des Arbeitnehmers widersprechen – so wie es bei dem verschütteten Kaffee der Fall ist –, haftet der Arbeitgeber.
  2. Mittlere Fahrlässigkeit: Bei mittlerer Fahrlässigkeit hat der Arbeitnehmer zwar nicht grob fahrlässig gehandelt, hätte es aber besser wissen müssen. Ein Beispiel: Eine falsch angewandte Maschine, die kaputtgeht, oder ein Rechenfehler, der finanzielle Einbußen nach sich zieht. Der Schaden verteilt sich hier auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
  3. Grobe Fahrlässigkeit: Wenn der Arbeitnehmer dem gesunden Menschenverstand zuwiderhandelt und klare Verhaltensregeln missachtet, nimmt er daraus entstehende Sach- oder Personenschäden billigend in Kauf – beispielsweise, wenn er alkoholisiert in den Dienstwagen steigt. In solchen Fällen muss der Arbeitnehmer in der Regel in vollem Umfang für den Schaden aufkommen.
  4. Vorsatz: Lässt sich nachweisen, dass der Arbeitnehmer mutwillig gehandelt hat, haftet er ebenfalls in vollem Umfang.

Diensthaftpflicht und Berufshaftpflicht

Bei angestellten Arbeitnehmern ist die Haftbarkeit begrenzt, sofern keine grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz vorliegt. Anders verhält es sich bei anderen Berufsgruppen. So sind Beamte und Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes nicht über ihren Dienstherren versichert – dazu zählen zum Beispiel Richter, Lehrer, Soldaten oder Polizisten. Sie benötigen eine sogenannte Diensthaftpflicht, wenn sie sich gegen Schadenersatzansprüche absichern wollen.

Auch andere Berufsgruppen tragen ein erhöhtes Risiko für Vermögens- oder Personenschäden – zum Beispiel Ärzte, Architekten, Ingenieure und Anwälte. Für sie ist der Abschluss einer sogenannten Berufshaftpflicht empfehlenswert, manche Berufskammern schreiben sie sogar vor. Selbstständige und Freiberufler, die nicht durch einen Arbeitgeber versichert sind, sollten ebenfalls über den Abschluss einer entsprechenden Police nachdenken.

Arbeitnehmerhaftung

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