Ausgabe 09/2017
Gut vorsorgen im Zinstief

Die Zinssätze sind auf einem historischen Tiefststand. Das bringt auch die Altersvorsorge in Bedrängnis. Jetzt heißt es, alle Möglichkeiten nutzen, um die Lücke zwischen letztem Einkommen und Rente gut zu schließen.

Als Arbeitnehmer bekommt man einmal im Jahr Post von der Deutschen Rentenversicherung. In diesem Brief steht, wie hoch die eigene Rente später einmal ausfallen wird. Angesichts der mageren Zahlen ist dies für viele kein erfreulicher Anblick. Andererseits birgt auch die private Altersvorsorge kaum Grund zur Freude. Die kapitalbildende Lebensversicherung, früher der Eckpfeiler der Eigenvorsorge, ist so wenig rentabel wie nie zuvor: Die Garantiezinsen fallen, Überschüsse lösen sich in Luft auf. Das stellt Arbeitnehmer, die die spätere Lücke zwischen Einkommen und Rente möglichst gut schließen wollen, vor eine große Herausforderung.

Nutzen Sie alle drei Säulen der Altersvorsorge

Dabei ist die gesetzliche Rente nur eine von mehreren Säulen der Altersvorsorge. Die erste Säule besteht neben der gesetzlichen Rentenversicherung auch aus den Leistungen der berufsständischen Versorgungswerke sowie der „Rürup-Rente“. Dabei handelt es sich um eine private, aber staatlich geförderte Basisrente für Selbstständige und Unternehmer. Die zweite Säule stellt die betriebliche Altersvorsorge dar. Entweder zahlt das Unternehmen einen Extrabetrag oder der Arbeitnehmer wendet einen bestimmten Anteil von Lohn oder Gehalt für die Zusatzrente auf. Auch Mischformen – ein Teil vom Chef, ein Teil von Ihnen selbst – sind möglich.

Der Haken: Sie haben zwar das Recht, einen Teil Ihres Gehaltes in eine Betriebsrente umzuwandeln. Allerdings lohnen sich Modelle, die rein vom Arbeitnehmer finanziert werden, in der Regel nicht – auch wenn Sie für Beträge bis zu 254 Euro pro Monat keine Steuern zahlen. Fragen Sie also Ihren Vorgesetzten bei der nächsten Gehaltsverhandlung, ob das Unternehmen bei der Betriebsrente etwas dazulegt. Damit Sie die Rentenanteile, die der Chef beisteuert, auch erhalten, müssen Sie aber mindestens fünf Jahre (ab 2018: drei Jahre) im Unternehmen gearbeitet haben. Vergessen Sie bei der Kalkulation zudem nicht, dass Sie auf die ausgezahlte Betriebsrente Steuern und Sozialabgaben zahlen müssen.

Langer Atem gefordert – und mehr Risikobereitschaft

Alles, was man privat für die Altersvorsorge tut, zählt als dritte Säule. Dazu gehören zum Beispiel Banksparpläne, bei denen man Monat für Monat Geld auf ein Sparbuch überweist. Das ist zwar eine überaus sichere Anlageform, allerdings fällt die Rendite sehr mager aus. Wer mehr Plus erzielen will, muss auch mehr Risikobereitschaft zeigen. Daher kommt man bei der Altersvorsorge kaum noch um Aktien herum. Ein großes Investment tut dabei gar nicht not: Bei einem Fondssparplan zahlt man ebenfalls jeden Monat einen bestimmten Betrag ein. Dann verteilt der Fonds – je nach Ausrichtung – das Geld wieder auf Aktien verschiedenster Unternehmen.

Im Lauf der Jahre wächst das Vermögen durch die angesparten Einzahlungen und die Rendite des Fonds an. Wer eine fondgebundene private Rentenversicherung abgeschlossen hat, kann sich bei Renteneintritt dann entscheiden: Entweder lässt man sich den Betrag auf einmal auszahlen oder wandelt ihn in eine lebenslange Rente um. Der Vorteil einer fondsgebundenen Rentenversicherung gegenüber einer Direktanlage in Fonds besteht in der steuerlichen Behandlung. Bei Direktanlagen wird auf alle Gewinne die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent erhoben – plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Bei der fondsgebundenen Rentenversicherung zahlen Sie erst bei Auszahlung Steuern. Solange bleibt das gesamte Vermögen im Fonds und kann über die gesamte Laufzeit deutlicher wachsen. Zudem müssen Sie nur die Hälfte der Erträge zu Ihrem persönlichen Einkommenssteuersatz versteuern. Für Rentner fällt dieser in der Regel niedriger aus.

Allerdings braucht man bei Aktieninvestments jeglicher Art einen langen Atem. Denn es kann durchaus passieren, dass der Kurs zwischenzeitlich sogar ins Negative rutscht. In diesem Fall würde man bei Renteneintritt weniger bekommen als man eingezahlt hat. Daher sollten Fondssparpläne für die Altersvorsorge mindestens 20 Jahre laufen, um auch steile Kurseinbrüche – und die damit verbundenen Verluste – aussitzen zu können. Als Anlagevehikel sind heutzutage die börsengehandelten Indexfonds (ETFs) beliebt. Sie orientieren sich an einem bestimmten Aktienindex (DAX, Dow Jones oder MSCI); ihre Kauf- und Verwaltungskosten liegen deutlich unter denen aktiv gemanagter Fonds.

Altersvorsorge stellt alle vor große Herausforderungen

Das aktuelle Zinstief stellt Arbeitnehmer beim Thema Altersvorsorge vor große Herausforderungen. Eine der wichtigsten Devisen lautet: früh anfangen. Selbst wer nur kleine Beträge zurücklegen kann, erhält mehr Rente, wenn er seine Raten über einen langen Zeitraum einzahlt. Die langfristige Orientierung hilft auch allen, die bei der privaten Altersvorsorge eine positive Rendite erzielen wollen. Sie kommen an Aktien und Wertpapieren nicht vorbei. Doch mithilfe von Fondsparplänen, ETFs und anderen Anlageformen ist es möglich, die Risiken einzugrenzen und schon früh die Weichen für einen sorgenfreien Lebensabend zu stellen.

Altersvorsorge: Handlungsoptionen im Zinstief

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann empfehlen Sie ihn gerne weiter!

Weitere Beiträge.
Ihr Recht beim Onlineshopping?

Onlineshopping ist einfach und bequem, es birgt aber auch Risiken: Waren kommen beschädigt an, Kleidungsstücke passen nicht – oder gefallen in natura nicht mehr. In solchen und weiteren Fällen können Sie zum Beispiel den Vertrag widerrufen oder Ersatz verlangen.

Licht ins Dunkel bringen

Im Herbst schaffen Lampen, Leuchten und Strahler zu Hause eine gemütliche Atmosphäre. Doch die richtige Beleuchtung für Wohn-, Ess- oder Schlafzimmer will gut geplant sein.

O´ zapft is: Volksfeste im September

Der Countdown läuft: In wenigen Wochen beginnt die Wiesn, das wahrscheinlich berühmteste Volksfest zwischen München und Melbourne. Doch auch in anderen Städten wird im September zünftig gefeiert.