Ausgabe 09/2017
Ihr Recht beim Onlineshopping?

Onlineshopping ist einfach und bequem, es birgt aber auch Risiken: Waren kommen beschädigt an, Kleidungsstücke passen nicht – oder gefallen in natura nicht mehr. In solchen und weiteren Fällen können Sie zum Beispiel den Vertrag widerrufen oder Ersatz verlangen.

Das Lieblingsalbum auf Vinyl, ein neuer Anzug samt passendem Hemd und Schuhen, ein leckerer Joghurt – es gibt kaum etwas, das man heutzutage nicht im Internet kaufen kann. Onlineshopping ist einfach bequem: Wunschartikel aussuchen, Kauf bestätigen – und wenig später klingelt der Paketbote an der Tür. Doch mancher schreit nicht vor Glück, wenn er das Päckchen öffnet, sondern vor Ärger: weil der Joghurt schimmelt; weil ein dicker Kratzer die Schallplatte ziert; weil die Schuhe im Karton schwarz sind (und nicht braun, wie bestellt).

Das Widerrufsrecht als Plus an Sicherheit

Beim Onlineshopping werden sogenannte Fernabsatzverträge geschlossen. Zu dieser Gruppe gehören alle Verträge (zum Beispiel die Bestellung von Waren), die über Telefon, Brief oder Fax abgeschlossen werden. Oder eben wie beim Online-Einkauf über das Internet. Bei Fernabsatzverträgen soll der Kunde besonders geschützt werden. Daher können Sie bei Neuwaren, die Sie bei gewerblichen Händlern kaufen, jede Bestellung innerhalb von 14 Tagen widerrufen – ein Vorteil gegenüber dem Kauf im Ladengeschäft, wo Sie dieses Recht nicht haben, sondern bei einer Rückgabe auf die Kulanz des Händlers angewiesen sind. Allerdings ist die kommentarlose Rücksendung der bestellten Ware nicht mehr zulässig: Sie müssen zwar keinen Grund nennen, aber dennoch eine Widerrufserklärung abgeben, wobei Brief, Fax oder E-Mail als Überbringungswege möglich sind. Ein Musterschreiben des Bundesjustizministeriums finden Sie hier.

Die 14-Tage-Frist zur Erklärung des Widerrufs beginnt ab dem Tag, an dem Sie die Ware tatsächlich erhalten. Müssen Sie das Paket also erst vom Nachbarn oder der Postfiliale abholen, setzt die Frist entsprechend später ein. Der zweite Stichtag betrifft den Tag der Rücksendung. Hier ist die Abgabe des Pakets in der Postfiliale bzw. beim Paketshop entscheidend, nicht etwa, wann das Paket dem Händler übergeben wird. Das Porto für die Rücksendung müssen Sie selbst tragen – es sei denn, der Händler bietet eine Übernahme der Kosten freiwillig an. Viele Onlineshops übernehmen zum Beispiel das Porto dann, wenn die zurückgeschickte Ware einen bestimmten Wert überschreitet.

Nachbesserung oder Preisminderung bei Sachmängeln

Bei Sachmängeln wie dem Schallplattenkratzer oder der falschen Schuhfarbe haben Sie das Recht auf Nacherfüllung und können den Umtausch in ein einwandfreies Exemplar verlangen – selbst wenn die Widerrufsfrist bereits abgelaufen ist. Kontaktieren Sie den Händler und informieren Sie ihn über den Sachmangel. Dabei sollten Sie ihm auch eine Frist für eine Ersatzlieferung setzen. Üblich sind hierbei zwei Wochen. Ist der Umtausch mit zu hohen Kosten verbunden oder nur schwer möglich, kann der Händler zunächst auf einer Reparatur bestehen. Laut § 440 BGB gilt eine Nachbesserung „nach dem erfolglosen zweiten Versuch“ als „fehlgeschlagen“. Das bedeutet: Erst wenn sich der Mangel nach zwei Umtausch- oder Reparaturversuchen nicht beheben lässt, dürfen Sie den Kaufpreis mindern. Die Höhe der Preisminderung ist dabei nicht gesetzlich geregelt – letztendlich müssen Sie sich mit dem Händler auf einen Betrag einigen. Setzen Sie dem Händler ebenfalls eine Frist von zwei Wochen.

Finden Sie keinen Kompromiss, dürfen Sie vom Kaufvertrag zurücktreten. Schicken Sie dazu die beschädigte oder mangelhafte Ware zurück. In der Regel ist dies problemlos per Paket möglich, andernfalls muss der Händler eine Spedition beauftragen (zum Beispiel bei Matratzen oder Fahrrädern). Haben Sie bereits den Kaufpreis bezahlt, fordern Sie diesen nun auch zurück. In solchen Fällen treten nicht selten Streitigkeiten darüber auf, ob der Mangel von Anfang an bestanden hat oder durch falsche Benutzung („unsachgemäßen Gebrauch“) hervorgerufen wurde. Innerhalb der ersten 6 Monate ab Kaufdatum trägt der Händler die Beweislast, danach und bis zum Ende der gesetzlichen Gewährleistungspflicht von zwei Jahren allerdings der Kunde. In der Gewährleistungspflicht –also der Behebung von Sachmängeln bei den gekauften Waren – ist übrigens grundsätzlich der Händler – auch wenn viele sie auf den Hersteller abzuschieben versuchen.

Die wichtigen Bestellposten auf einen Blick

Der gesamte Bestellvorgang wurde durch den Gesetzgeber reguliert. So sind Händler verpflichtet, vor Abschluss der Bestellung dem Kunden alle Posten transparent und eindeutig aufzulisten: Art und Menge der Ware, die Höhe der Versandkosten, den Gesamtpreis inklusive Mehrwertsteuer und ggf. – im Falle von Handyverträgen etwa – die Kündigungsbedingungen. Alle kostenpflichtigen Zusatzleistungen müssen explizit vom Kunden bestellt worden sein, sonst sind sie unwirksam. Der Abschluss des Bestellvorgangs und die damit verbundene Zahlungsverpflichtung sind ebenfalls eindeutig zu kennzeichnen, zum Beispiel durch den Button „Jetzt zahlungspflichtig bestellen“.

Eine kostenlose Bezahlmöglichkeit ist Pflicht, sie muss aber „zumutbar“ sein

Zudem muss der Händler mindestens eine Möglichkeit zur kostenlosen Bezahlung anbieten. Die Form der Bezahlung hat „gängig“ und „zumutbar“ zu sein. Die üblichen Bezahlformen sind EC-Karte, Überweisung oder Lastschriftverfahren. Kreditkarten sind auch zulässig, aber der Händler muss mehrere Anbieter wie Visa oder MasterCard unterstützen – nicht nur einen. Nicht zulässig ist es dagegen, wenn ein Onlineshop beispielsweise nur „Sofortüberweisung“ als einzige kostenlose Bezahlmethode anbietet. Laut Urteil des Bundesgerichtshofs werde der Kunde dann nämlich gezwungen, sensible Informationen gegenüber einem solchen Dienstleister preiszugeben.

Onlineshopping ist einfach, bequem – und dank bestimmter Rechte sicherer als der Kauf im Ladengeschäft. Das großzügige Widerrufsrecht gibt Sicherheit. Es sollte aber auch nicht missbraucht werden, etwa in Form des teuren Smokings, den man nur zur Hochzeitsparty trägt und danach wieder zurückschickt. Allerdings gibt es beim Rückgaberecht auch Ausnahmen: Sonderanfertigungen – zum Beispiel individualisierte Produkte –, Hygieneartikel oder verderbliche Lebensmittel sind von der 14-tägigen Widerrufsfrist (bei schlichtem Nichtgefallen) ausgeschlossen. Aber natürlich besteht auch beim schimmeligen Joghurt die Pflicht des Händlers zur Nachbesserung.

Ob man im Zweifel einen Streit mit einem uneinsichtigen Verkäufer eingeht, muss jeder Kunde selbst entscheiden. Aber glücklicherweise gilt ja beim Onlineshopping dasselbe wie beim Einkauf im lokalen Geschäft: Wenn der Laden nicht gefällt, kauft man beim nächsten Mal eben einfach woanders.

Ihre Rechte beim Online-Shopping

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann empfehlen Sie ihn gerne weiter!

Weitere Beiträge.
Gut vorsorgen im Zinstief

Die Zinssätze sind auf einem historischen Tiefststand. Das bringt auch die Altersvorsorge in Bedrängnis. Jetzt heißt es, alle Möglichkeiten nutzen, um die Lücke zwischen letztem Einkommen und Rente gut zu schließen.

Licht ins Dunkel bringen

Im Herbst schaffen Lampen, Leuchten und Strahler zu Hause eine gemütliche Atmosphäre. Doch die richtige Beleuchtung für Wohn-, Ess- oder Schlafzimmer will gut geplant sein.

O´ zapft is: Volksfeste im September

Der Countdown läuft: In wenigen Wochen beginnt die Wiesn, das wahrscheinlich berühmteste Volksfest zwischen München und Melbourne. Doch auch in anderen Städten wird im September zünftig gefeiert.