Ausgabe 09/2019

Die erste eigene Bude

Im Herbst beginnt an den Hochschulen das neue Semester. Für viele Erstsemester bedeutet dies: Auszug aus dem Kinderzimmer. Doch eine preiswerte Unterkunft zu finden, kann aufwendig sein.

Studienbeginn

Das Abitur ist geschafft, der Studienstart steht kurz bevor. Viele Erstsemester sagen dem „Hotel Mama“ Lebewohl und wollen in die erste eigene Bleibe ziehen. Doch noch vor der ersten Vorlesung müssen die angehenden Akademiker eine große Herausforderungen meistern: die Wohnungssuche. Das liegt nicht nur daran, dass das Budget von Studierenden eher knapp bemessen ist, sondern auch daran, dass der Wohnungsmarkt in Metropolen und Uni-Städten heiß gelaufen ist. Die Nachfrage nach preisgünstigem Wohnraum übersteigt bei weitem das Angebot, vor allem in beliebten Szenevierteln.

Erstsemester ohne Erfahrung in der Wohnungssuche sollten einen Ratschlag von Immobilienexperten beherzigen: Lasst euch Zeit und geht systematisch an die Suche heran. Denn wer (zu) kurzfristig sucht, kann schnell auf die falschen Angebote hereinfallen. Hinter scheinbaren Schnäppchen in bester Lage stecken mitunter unseriöse Firmen; oder bestimmte Dienstleistungen – vom Suchservice bis zur Schlüsselübergabe zur Besichtigung – erhält man nur gegen Vorkasse. Oft bekommt man bei solchen Angeboten keine Leistung, das Geld ist einfach weg. Stattdessen sollte man sich mit Bedacht auf die Wohnungssuche begeben – und sich zunächst fragen, wie man wohnen möchte.

Wohnung, Wohnheim oder Wohngemeinschaft?

In allen Hochschulstädten findet man die typischen Studentenwohnheime, betrieben vom örtlichen Studentenwerk, konfessionellen Trägern oder sozialen Vereinen. Die Zimmer sind günstig und häufig auch (teil-)möbliert. In einigen Wohnheimen liegen die Zimmer an einem zentralen Flur, in anderen sind sie auf mehrere separate Appartements verteilt. In jedem Fall nutzen die Bewohner Dusche, WC und Küche gemeinsam. Im Wohnheim findet man schnell Kontakt zu anderen Studierenden, allerdings kann es abends etwas lauter sein. Sobald man die Zulassung für das Studienfach hat, sollte man sich auch für ein Wohnheimzimmer bewerben. Die Nachfrage ist hoch, die Anzahl der freien Plätze begrenzt.

Die zweite Variante ist die Studenten-WG. Sie reicht von der Zweier-Zweckgemeinschaft („Wir teilen uns die Küche, weil’s billiger ist.“) bis zur Achter-WG, die gemeinsam lernt, kocht und zu Festivals fährt. Klassisches Konfliktthema in Wohngemeinschaften ist die Organisation des Haushalts, etwa „Wer putzt wann das Klo?“ oder „Deine dreckige Kaffeetasse steht seit drei Tagen in der Spüle!“ Wer in eine bestehende WG einziehen möchte, muss vorher oft ein „WG-Casting“ durchlaufen. Wohnungssuchende sollten es als Chance sehen. Denn es geht ja nicht nur darum, ob man selbst zur WG passt, sondern auch darum, ob diese mit den eigenen Vorstellungen kompatibel ist.

Manche Studierenden wollen ihre Ruhe und ihre eigenen vier Wände. Das erschwert die Suche, weil kleine Wohnungen in begehrten Lagen überproportional teuer sind und man mit allen anderen Interessenten auf dem Wohnungsmarkt konkurriert. Da haben Studierende angesichts ihrer geringen Einkommen häufig das Nachsehen. Bessere Chancen bestehen, wenn sie außerhalb der Innenstadtbezirke suchen. Der Weg zur Uni wird dadurch zwar etwas länger, in vielen Städten fährt man aber dank Semesterticket kostengünstig Bus und Bahn. Auch lohnt es sich in der Regel, bei kommunalen Wohnungsgesellschaften und Wohnungsbaugenossenschaften nach freien Wohnungen nachzufragen. Dort sind die Mieten häufig nicht so hoch wie bei kommerziellen Vermietern.

Tipps für die Wohnungssuche zum Semesterstart

Was aber tun, wenn die Wartezeit für den Wohnheimplatz drei oder vier Semester beträgt? Wenn der Durchschnittspreis für ein unmöbliertes Zimmer bei 500 Euro (wie in Frankfurt am Main) oder 600 Euro (München) liegt? Nicht immer kommt ein Hochschulwechsel in kostengünstige Städte wie Halle/Saale (253 Euro) oder Erfurt (266 Euro) infrage. Eine Ausweichmöglichkeit ist die Unter- bzw. Zwischenmiete, bei der man zumindest vorübergehend ein Zimmer bekommt. Darüber hinaus sollte man sich nicht nur auf die üblichen Internetportale oder Websites der Studentenwerke verlassen. So lohnt sich immer noch der Blick in die Wohnungsanzeigen der lokalen Tagespresse. Und auch die analogen Aushänge am Schwarzen Brett der Uni erfreuen sich selbst bei „Digital Natives“ weiterhin hoher Beliebtheit.

Hat man es geschafft und einen Termin für die Wohnungsbesichtigung ergattert, sollte man sich gut vorbereiten und die wichtigsten Dokumente mitbringen: eine Kopie des Personalausweises, eine Schufa-Auskunft, eine Bürgschaft der Eltern und ein Nachweis über deren Einkommen. Bafög-Empfänger sollten ihren Bescheid ebenfalls parat haben. Achtung: Bei Sozialwohnungen muss man einen Wohnberechtigungsschein vorlegen. Er gilt nur bis zu bestimmten Einkommensgrenzen und wird bei der Kommune beantragt. Bei Vermietern kann es für einen guten Eindruck sorgen, wenn bei der Wohnungsbesichtigung die Eltern als Begleitpersonen dabei sind. Dagegen heißt es beim WG-Casting: Da muss man allein durch! Bei vielen WGs kommt es weniger auf die Finanzkraft der Eltern, sondern auf die „zwischenmenschliche Chemie“ an.

Und wenn bei Semesterbeginn immer noch kein Zimmer in Sicht ist? In etlichen Hochschulstädten ist die Nachfrage gerade im Herbst extrem hoch, sodass nicht alle Suchenden tatsächlich ein Zimmer bekommen. Hier sollte man sich ebenfalls erst einmal an das örtliche Studentenwerk wenden. Viele betreiben Last-Minute-Zimmerbörsen, manche organisieren Notunterkünfte in Turnhallen oder bei Privatpersonen. Hat man Freunde oder Verwandte in der Stadt, sollte man sich auch nicht schämen und diese um ein befristetes Obdach bitten – und dann weitersuchen. Denn manchmal muss man einfach nur die heiße Phase überstehen, um doch noch das perfekte Zimmer zu finden.

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