Ausgabe 09/2020

Berufsunfähigkeit: Finanzieller Schutz für den Ernstfall

Manchmal ändert sich von heute auf morgen alles. Egal, ob durch eine Krankheit oder einen Unfall: Wird man berufsunfähig, stellt das einen großen Einschnitt im Leben dar – auch in finanzieller Hinsicht. Zwar existieren staatliche Hilfen, sie reichen aber in der Regel nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Eine private Vorsorge ist deshalb besonders wichtig.

Berufsunfähigkeit: Finanzieller Schutz für den Ernstfall

Den Ergebnissen der Einkommens- und Ver­braucher­stich­probe des Statistischen Bundes­amtes zufolge hatten im Jahr 2018 nur rund 26 Prozent der deutschen Haushalte eine Berufs­unfähigkeits­ver­sicherung1. Dabei gehört diese laut Verbraucher­zentrale neben der privaten Haft­pflicht­ver­sicherung zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt. Beide decken existenz­bedrohende Risiken ab, echte Alternativen gibt es nicht. Dennoch wird das Risiko der Berufs­unfähigkeit noch immer unterschätzt. Das bestätigt die Statistik: Die gesetzliche Renten­versicherung gibt an, dass bereits jeder fünfte Neurentner eine Rente wegen Erwerbs­minderung erhält2. Grund genug, das Thema Berufs­unfähigkeit genauer zu betrachten.

Gründe für Berufsunfähigkeit

Die Arbeitswelt hat sich verändert – und mit ihr die gesundheitlichen Probleme der Arbeitnehmer. Weniger Menschen verrichten körperlich anstrengende Arbeit, dafür ist der Arbeitsalltag in vielerlei Hinsicht stressiger geworden. Laut des Analysehauses Morgen & Morgen sind Nervenkrankheiten und psychische Erkrankungen in fast 30 Prozent der Fälle für eine Berufsunfähigkeit verantwortlich, gefolgt von Erkrankungen des Skelett- und Bewegungs­apparates (20,89 %) sowie Krebs und anderen bösartigen Geschwülsten (17,05 %) (Stand 2019)3.

Zu beachten ist, dass insbesondere psychische Erkrankungen bereits in jungen Jahren auftreten können. Sie treffen oft Menschen, die voll im Berufs­leben stehen und eigentlich noch ein langes Arbeitsleben vor sich haben. Für sie ist eine zusätzliche Absicherung umso wichtiger.

Warum ist die private Vorsorge so wichtig?

Wer aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, erhält eine Erwerbs­minderungs­rente vom Staat. Dafür müssen Betroffene jedoch gewisse Voraussetzungen erfüllen. Unter anderem müssen sie mindestens 5 Jahre in der gesetzlichen Renten­versicherung versichert sein. Darüber hinaus müssen sie in den 5 Jahren vor der Berufs­unfähigkeit mindestens 3 Jahre Pflichtbeiträge gezahlt haben. Das ist vor allem für Studenten, Auszubildende und Berufsanfänger schwer zu schaffen. Die Folge: Sie erhalten keine Rente.

Nach dem 2. Januar 1961 geborene Arbeitnehmer müssen noch eine weitere Hürde nehmen. Sie erhalten die volle Erwerbsminderungsrente nur, wenn sie in keinem Beruf mehr als 3 Stunden täglich tätig sein können. Ihre berufliche Qualifikation spielt dafür keine Rolle. Akademiker können auch auf ungelernte Tätigkeiten verwiesen werden. Ist es den Betroffenen noch möglich, zwischen 3 und 6 Stunden am Tag zu arbeiten, erhalten sie nur die Hälfte der Erwerbsminderungsrente.

Ausnahme: Arbeitnehmer, die vor dem 2. Januar 1961 geboren wurden, erhalten auch dann eine Teilerwerbsminderungsrente, wenn sie nur noch eingeschränkt in einem Beruf arbeiten können, der ihren Qualifikationen entspricht.

Ein Blick auf die Voraussetzungen verdeutlicht: Es ist nicht einfach, die volle Erwerbsminderungsrente zu erhalten. Aber selbst wenn sie gewährt wird, weicht sie in der Regel stark vom bisherigen Einkommen ab. 2017 lag sie nach Statistiken der Deutschen Rentenversicherung bei durchschnittlich 716 Euro pro Monat4. Wie hoch sie tatsächlich ausfallen würde, kann der aktuellen Renteninformation entnommen werden.

Was leistet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Berufs­unfähigkeits­versicherung schließt oder verkleinert die Versorgungslücke zwischen dem bisherigen Einkommen und der Erwerbs­minderungs­rente. Die Höhe der monatlichen Zahlungen hängt dabei nicht vom bisherigen Einkommen, sondern von der vereinbarten Berufs­unfähigkeits­rente ab. Die Verbraucherzentrale empfiehlt 80 Prozent vom aktuellen Nettolohn als Richtwert für die Kalkulation und rät dazu, auf eine Nach­versicherungsgarantie zu achten5. Auf deren Basis kann die Rente bei besonderen Ereignissen wie Heirat, Hausbau oder Geburt eines Kindes nachträglich erhöht werden.

Im Unterschied zur staatlichen Erwerbs­minderungs­rente wird die Berufs­unfähigkeits­rente gezahlt, wenn der zuvor ausgeübte Beruf dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden kann. Ob theoretisch einer anderen Tätigkeit nachgegangen werden könnte, ist also unerheblich. In diesem Fall ist es wichtig, dass der Versicherer auf die sogenannte „abstrakte Verweisung“ verzichtet.

Um die monatlichen Rentenzahlungen der Versicherung zu erhalten, muss die Leistungsfähigkeit in der Regel mindestens zur Hälfte eingeschränkt sein. Wie stark die Einschränkung ist, wird von einem Arzt festgestellt. Dieser prognostiziert auch die voraussichtliche Dauer der Berufs­unfähigkeit. Ab wann die Berufs­unfähigkeits­rente gezahlt wird, hängt vom jeweiligen Versicherer ab. Empfehlenswert sind jedoch Policen, die ab einer voraussichtlichen Berufsunfähigkeit von 6 Monaten greifen.

Für wen ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Eine Berufsunfähigkeits­versicherung ist immer dann sinnvoll, wenn man selbst, der Partner oder die Familie auf das eigene Einkommen angewiesen sind. Also dann, wenn der Wegfall dieses Einkommens zu finanziellen Engpässen führen würde. Darüber hinaus ist die Versicherung auch für Selbstständige empfehlens­wert, die oft nicht in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlen. Zudem sollten Schüler, Studenten und Berufsanfänger über die Versicherung nachdenken. Auch deshalb, weil sich ein früher Abschluss finanziell lohnen kann.

Je früher desto besser?

Je geringer das Risiko für den Versicherer, desto günstiger sind die Beiträge. Davon profitieren vor allem junge, gesunde Menschen. Wer früh eine Berufs­unfähigkeits­versicherung abschließt, kann die Kosten dauerhaft niedrig halten. Da das Einkommen in jungen Jahren jedoch meist vergleichsweise gering ist, bieten viele Versicherer spezielle Tarife für junge Berufstätige an. Der Einsteigertarif von CosmosDirekt erlaubt es beispielsweise, während der ersten 10 Jahre niedrigere Beiträge zu zahlen. Nach der Startphase steigen dann die Versicherungs­beiträge. Der Berufs­unfähigkeits­schutz besteht jedoch vom ersten Tag an zu 100 Prozent.

Aber nicht nur das Alter spielt eine Rolle. Auch der ausgeübte Beruf und Risikofaktoren sind von Bedeutung. Aus diesem Grund steht vor dem Abschluss eine umfassende Gesundheits­prüfung an. Je schlechter der allgemeine gesund­heitliche Zustand ist und je mehr Risiko­faktoren vorliegen, desto teurer werden die Versicherungsbeiträge. Es ist wichtig, die Gesund­heitsfragen wahrheits­gemäß zu beantworten. Denn wenn im Leistungsfall begründete Zweifel auftreten, kann der Versicherer die Berufs­unfähigkeits­rente kürzen oder sogar verweigern.

1 Statistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Ausstattung-Gebrauchsgueter/Publikationen/Downloads-Ausstattung/evs-ausstattung-privater-haushalte-2152601189004.pdf?__blob=publicationFile

2 Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/weitere-versicherungen/berufsunfaehigkeit-wie-sie-sich-gegen-verlust-des-einkommens-absichern-13931

3 Morgen & Morgen: https://www.morgenundmorgen.com/downloadcenter/PRESSEMITTEILUNGEN/2019_04_24_PM_MM_BU-Rating.pdf

4 Finanztip: https://www.finanztip.de/berufsunfaehigkeitsversicherung/

5 Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/weitere-versicherungen/berufsunfaehigkeit-wie-sie-sich-gegen-verlust-des-einkommens-absichern-13931

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