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Telematik Funktionsweise - CosmosDirekt

So funktionieren Telematik-Systeme im Auto

Sag mir, wie du fährst, und ich sag dir, wie viel du sparst. Immer mehr Versicherungen bieten ihren Kunden unter 30 Jahren Telematik-Tarife an. Die Funktionsweise: Kleine Boxen oder Smartphone-Apps überwachen das Fahrverhalten und die Versicherung ermittelt daraus einen Punktewert. Je besser der Fahrstil, desto höher der Rabatt. Wir erklären, welche Telematik-Systeme es gibt, welche Kriterien bei der Score-Berechnung eine Rolle spielen und welche Daten erfasst werden.

Dieser Begriff spielt im Text eine Rolle
Begriff
Erklärung
GPSAbkürzung für „Global Positioning System“, ein Ortungssystem auf Basis eines dichten Netzes von Satelliten. Ursprünglich diente GPS für eine militärische Nutzung und sollte eine genaue Standortbestimmung und Navigation für Militäreinheiten ermöglichen. Seit dem Jahr 2000 wird es auch zivil genutzt und ist die Basis für Navigationsgeräte aller Art.

Die Berechnung der Prämie für die Kfz Versicherung ist kompliziert. Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle, zum Beispiel der Fahrzeugtyp, der Zulassungsort, die Anzahl an unfallfrei gefahrenen Jahren. Viele Aspekte werden anhand von Statistiken kalkuliert: Wie oft wird dieses Automodell gestohlen? Wie häufig sind die Bewohner einer bestimmten Region in Unfälle verwickelt? Wie viele verschiedene Personen sitzen hinter dem Steuer – und so weiter. Was dagegen bisher kaum eine Rolle spielte, war der individuelle Fahrstil. Doch genau der entscheidet häufig darüber, wie hoch das Unfallrisiko ist.

Die sogenannten Telematik-Tarife in der Autoversicherung berücksichtigen dagegen das Fahrverhalten der Person, die am Steuer sitzt. Um einen solchen Tarif nutzen zu können, muss man entweder ein kleines Telematik-Kit (Black Box) installieren, dessen Sensormodul je nach System einfach in den Zigarettenanzünder gesteckt oder an die Diagnoseschnittstelle des Autos angeschlossen wird. Besonders praktisch sind Telematik-Systeme, die auf das Smartphone setzen: Man installiert lediglich die entsprechende App und aktiviert sie bei Fahrtantritt. Extrageräte sind nicht notwendig, das Smartphone erfasst alle bedeutsamen Daten.

Insbesondere junge Fahrer oder Führerschein-Neulinge können auf diese Weise Beiträge bei der Kfz Versicherung sparen. Denn sie starten in der Regel mit sehr hohen Prämien. Anstatt sich darüber Gedanken zu machen, ob sie die Kfz Versicherung von den Eltern übernehmen, liegt der Preis­nachlass nun ganz in ihrer Hand. Je umsichtiger sie fahren, desto größer der Bonus.

Info

Telematik wird manchmal auch mit „Pay as you drive“ gleichgesetzt. Was steckt aber hinter diesen Begriffen? Wo liegen die Unterschiede? Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber Was ist Telematik?


Welche Kriterien spielen bei der Score-Berechnung eine Rolle?

Während der Autofahrt überwachen Telematik-Box oder -App das konkrete Fahrverhalten: Hält sich der Fahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzungen? Geht er regelmäßig vor Ampeln voll in die Eisen? Durchfährt er Kurven sanft – oder verspürt er einen need for speed? Solche Daten werden gesammelt, ausgewertet und in einem Score zusammengefasst. Jede Versicherung hat dafür eigene Kriterien und Berechnungsmodelle. Folgende Faktoren spielen aber immer eine Rolle:

Geschwindigkeit

Der GPS-Sensor des Smartphones (der natürlich aktiviert sein muss) oder des Telematik-Kits dient nicht nur der Positionsbestimmung. Er misst auch das aktuelle Tempo. Dieses wird mit Daten verglichen, die auf einer Karte hinterlegt sind: Was ist die aktuell zulässige Höchstgeschwindigkeit? Wird sie eingehalten, unter- oder überschritten? Überschreitungen geben Punktabzüge im Gesamtscore, Unterschreitungen führen aber auch nicht zu einem höheren Score. Bei Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung wird in der Regel die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h als Maßstab angesetzt, inklusive einer gewissen Toleranzgrenze.

Brems- und Beschleunigungsverhalten

Abruptes Beschleunigen und Abbremsen gelten als Hinweise auf einen risikoreichen Fahrstil. Daher misst der Beschleunigungssensor der Black Box oder des Smartphones während der Fahrt die einwirkenden Kräfte. Das Ideal ist eine möglichst gleichbleibende Geschwindigkeit; sie zu erhöhen oder zu reduzieren, sollte stets sanft erfolgen. Abrupte Veränderungen sollten Ausnahmen bleiben. Ein starkes Abbremsen ist in bestimmten Situationen natürlich notwendig, etwa um einen Unfall zu verhindern. Wer regelmäßig zu stark beschleunigt und zu heftig abbremst, wird mit Punktabzug bestraft. Als positiv gilt dagegen ein sanftes Beschleunigen, zum Beispiel bei der Auffahrt auf Autobahnen, und ein moderates Ausrollenlassen, zum Beispiel vor einer roten Ampel. Einzelne „Mess-Spitzen“ beim Bremsen und Beschleunigen in Gefahren­situation werden vom Algorithmus nicht negativ bewertet.

Kurvenfahrten

Auch wie „hart“ man eine Kurve durchfährt, wird von den Telematik-Systemen erfasst. Bei der Bewertung spielen die anderen Faktoren mit hinein: Wie stark bremst der Fahrer vor der Kurve ab? Durchfährt er sie schneller als erlaubt? Wie stark beschleunigt der Wagen am Kurvenausgang? Aus dem Verlauf ergibt sich der Fahrstil: Umsichtige Fahrer durchrollen sanft die Kurve, aggressive Fahrer verändern abrupt die Geschwindigkeit und den Lenkeinschlag.

Tipp

Telematik bedeutet aber nicht nur, dass junge Autofahrer eine günstigere Versicherungsprämie bekommen können. Die verschiedenen Angebote geben auch personalisiertes Feedback zum Fahrverhalten oder verleihen Medaillen an besonders umsichtige Fahrer. Wo die Vorzüge und wo die Risiken liegen, erfahren Sie im Ratgeber Telematik im Auto: Welche Vor- und Nachteile bringt die Technik Autofahrern?


Welche Daten werden durch die Telematik-Systeme noch erhoben?

Neben den Daten zu Beschleunigung, Geschwindigkeit und Abbremsverhalten ermittelt der GPS-Sensor des Smartphones beziehungsweise der Telematik-Box den genauen Standort. Diese Daten spielen für die Auswertung und die Bewertung durch die Versicherung in der Regel keine Rolle – unter anderem deshalb, weil dies in datenschutzrechtlicher Hinsicht bedenklich wäre.

Doch für den Fahrer sind solche Informationen in der Telematik-App zugänglich. Durch ihre Auswertung und Aufbereitung ist er in der Lage, seinen Fahrstil in bestimmten Situationen besser einzuschätzen. Und der Fahrer kann genauer beurteilen, wo Unfallrisiken lauern – und sie bei der nächsten Fahrt womöglich vermeiden.

Uhrzeit und Dauer einer gefahrenen Strecke

Das Unfallrisiko ist nach Wochentag und Uhrzeit durchaus verschieden. An Arbeitstagen birgt der morgendliche und abendliche Berufsverkehr mehr Risiken als Fahrten am Vormittag oder während der Abendstunden. Auch am Wochenende gibt es Zeiten, in denen es besonders gefährlich zugeht, insbesondere in den Nächten vor Samstag, Sonntag und Feiertagen, wenn die sogenannten „Diskofahrer“ unterwegs sind.

Distanz einer gefahrenen Strecke

In der Stadt fallen die Touren meist etwas kürzer aus, wer auf dem Land wohnt, fährt im Durchschnitt größere Strecken. Pendler sehen so auf einen Blick, wie viele Kilometer im Laufe eines Monats oder Jahres zusammenkommen. Doch auch die Wahrscheinlichkeit, in einen Unfall verwickelt zu werden, hängt mit der gefahrenen Strecke zusammen: Je kürzer man unterwegs ist, desto geringer das Unfallrisiko. Bei langen Fahrten erweist sich insbesondere die steigende Müdigkeit als Risikofaktor.

Route einer gefahrenen Strecke

Auf einer Karte lässt sich die gesamte Strecke nachvollziehen: Wo ging’s los, wo kam man an und welche Strecke wurde gewählt? Interessant ist das vor allem für regelmäßige Fahrten. Dann kann man nämlich alternative Strecken bestimmen. Denn je nach Straßentyp unterscheidet sich zum Beispiel das Unfallrisiko. Auf Autobahnen und in Nebenstraßen mit wenig Verkehr fällt das Risiko weitaus geringer aus als auf innerstädtischen Hauptstraßen oder vielbefahrenen Landstraßen.

Info

Hierzulande befinden sich Telematik-Tarife noch in einer Nische, international sind sie bereits seit mehr als 10 Jahren auf dem Vormarsch. Mehr dazu in unserer Marktübersicht für Telematik-Tarife.


Was wirkt sich positiv auf die Berechnung des Scores aus?

Wie genau der Gesamtscore ermittelt wird, unterscheidet sich von Versicherung zu Versicherung. Die einen gewichten bestimmte Punkte stärker als andere; manche Versicherungen beziehen Faktoren wie Standort oder Uhrzeit mit ein, die andere Unternehmen für bedenklich halten. Doch in zwei Punkten sind sich alle Kfz Versicherungen einig: Belohnt werden sollen junge Leute, die sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten und vorausschauend fahren.

Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten

Zunächst einmal: Gibt es eine offizielle Geschwindigkeitsbegrenzung, muss sich jeder Autofahrer schon von Gesetzes wegen daran halten. Doch nicht alle Autofahrer halten sich an die Vorschriften. Manch einer wird von Bußgeldern, Punkten in Flensburg oder einem drohenden Führerscheinverlust nicht abgeschreckt. Dabei zeigt die Statistik: Überhöhte Geschwindigkeit ist die Hauptursache für Verkehrsunfälle. Im Jahr 2015 starben rund 3.500 Menschen auf deutschen Straßen.

Wer rast (egal, ob auf Autobahnen oder durch Städte), riskiert nicht nur sein Leben, sondern auch das anderer Verkehrsteilnehmer. Daher fördern Telematik-Systeme ein Fahrverhalten, das sich an den Geschwindigkeitsgrenzen orientiert. Das gilt auch für Autobahnabschnitte, auf denen keine Beschränkung herrscht. Hier belohnen die Black Boxes und Apps alle, die sich an die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h halten.

Vorausschauend fahren

Sich an die bestehenden Gesetze und Vorschriften zu halten, ist der erste Schritt, das Unfallrisiko zu senken. Der zweite besteht darin, umsichtig und defensiv zu fahren. Zwar zielt der Fahrunterricht genau darauf ab. Doch viele, die dann endlich den Führerschein in der Hand haben, vergessen die Lektionen wieder rasch. Auch hier ist die Statistik eindeutig: Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren sind häufiger als Fahrer anderer Altersgruppen in Unfälle verwickelt.

Selbstüberschätzung und mangelnde Erfahrung gehen Hand in Hand, insbesondere in Notsituationen, die man wenig trainieren kann. Eine zurückhaltende Fahrweise verringert das Unfallrisiko: Wer genügend Abstand hält, muss nicht so stark abbremsen, wenn der Vordermann spontan halten muss – ein Auffahrunfall kann also verhindert werden. Wer langsam in die Kurve fährt, landet nicht im Straßengraben. Und wer sanft beschleunigt, kann auf plötzliche Veränderungen schneller reagieren.

Info

Immer mehr Versicherungen setzen auf Telematik-Tarife. Das Ziel ist nicht die Überwachung, sondern mehr Gerechtigkeit unter den Versicherungsnehmern. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im Ratgeber Warum führt man Telematik-Tarife ein?


Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, wenn ich eine Telematik-App nutzen möchte?

Notwendig ist in erster Linie natürlich ein Smartphone, auf dem die Telematik-App installiert wird. In der Regel werden alle Apps sowohl für Android als auch für iOS angeboten. Download und Installation erfolgen über den entsprechenden App Store. Bei Windows- und Blackberry-Smartphones empfiehlt es sich, vorher zu überprüfen, ob das Telematik-System für eines dieser Betriebssysteme verfügbar ist.

Die zweite Voraussetzung: Man muss das Smartphone im Auto dabei haben. Logisch: Liegt das Gerät zu Hause auf der Kommode, kann es auch nicht das Fahrverhalten aufzeichnen. Bei vielen Anbietern muss man aber zuvor die App einschalten, damit sie mitzeichnet – aus datenschutzrechtlichen Gründen aktiviert sie sich nicht automatisch. Das heißt, dass man vor dem Losfahren jeweils überlegen kann, ob die Telematik-App die Fahrt protokollieren soll oder eben nicht.

Zudem ist wichtig, dass der integrierte GPS-Sensor aktiviert ist. Dieser ermittelt anhand der Signale verschiedener Satelliten laufend die genaue Position. Je nach Qualität des GPS-Sensors kann der Standort relativ genau bestimmt werden, sodass die App weiß, wo sich der Fahrer befindet, auf welcher Straße er unterwegs ist. Diese Informationen sollten aber allein dem Fahrer vorbehalten bleiben – und personenbezogene Daten nicht an die Versicherung weitergeleitet werden.


Fazit: Ob mit Box oder App – Telematik macht den Verkehr sicherer

Bin ich ein guter Autofahrer? Fahranfänger können sich diese Frage nun direkt nach jeder Fahrt vom Smartphone beantworten lassen. Das ermöglichen die Telematik-Systeme, die immer mehr Versicherungen anbieten. Die damit verbundenen Tarife richten sich vor allem an junge Autofahrer unter 30 Jahren, die bei der Kfz Versicherung sparen möchten. Dafür wird das individuelle Fahrverhalten über eine Telematik-Box oder -App überwacht, besonnenes Fahren wird belohnt.

Ob man sich für das Telematik-Kit – das im Auto fest installiert wird, aber auch eine Datenanalyse per Smartphone erlaubt – oder für eine reine Telematik-App entscheidet, hängt von den weiteren Funktionen und den persönlichen Vorlieben ab. Das Grundprinzip ist aber dasselbe: Mittels verschiedener Sensoren wird der Fahrstil analysiert. Wer sich umsichtig zeigt, sich an Höchstgeschwindigkeiten hält und nicht zu stark beschleunigt oder abbremst, bekommt einen Bonus.

Dadurch kann man im besten Fall 30 bis 40 Prozent bei der Kfz Versicherung sparen. Die unterschiedlichen Faktoren werden je nach Versicherung verschieden gewichtet. Doch alle Angebote erlauben eine detaillierte Analyse des eigenen Fahrverhaltens und weisen darauf hin, wo noch Verbesserungs- und damit Sparpotenzial besteht. Damit nützt Telematik dem gesamten Verkehr – sinkt doch für alle das Unfallrisiko, wenn mehr rücksichtsvolle Fahrer unterwegs sind.


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