Das Elek­tro­auto

Zukunfts­lö­sung oder Zwangs­lö­sung?


Der Ratgeber bietet allgemeine Informationen. Produktinformationen zur Autoversicherung von CosmosDirekt finden Sie hier.


Elektro­autos werden mit einem oder mehreren Elektro­motoren angetrieben. Die benötigte elektrische Energie stammt in der Regel aus einer wieder­auflad­baren Batterie (Akkumulator). Befür­worter verweisen auf die geringere Umwelt­belastung der Elektro­mobilität. Für Kritiker sind die E-Autos wegen der geringen Reich­weite nur bedingt alltags­­tauglich. Welche Vor- und Nach­teile die „Stromer“ haben und wie die Technologie funktioniert – unser Artikel informiert Sie darüber.

Bisher hat sich nur ein kleiner Teil der Autofahrer für die elektrische Alternative zum Verbrennungsmotor entschieden. Laut Kraftfahrtbundesamt sind in Deutschland rund 54.000 „Stromer“ zugelassen (Stand: 1.Januar 2018) – ein verschwindend geringer Anteil eines Gesamtbestands von rund 46,5 Millionen zugelassenen Pkw. Allerdings stieg der Stromer-Bestand in 2017 um 58,3 Prozent, und die Politik will die Verbreitung der Elektro­mo­bi­lität weiter vorantreiben. Dafür wurde mit Beteiligung der Auto­mobil­industrie ein Förder­programm geschaffen: wer bis zum 30. Juni 2019 ein E-Auto erwirbt, erhält eine Kauf­prämie von 4.000 Euro für ein reines E-Auto. Zweck der Aktion ist, durch mehr schad­stoff­arme E-Autos die CO2-Emission zu reduzieren. Doch was sind E-Autos eigentlich genau und wie funktioniert der Elektro­antrieb?


Diese Begriffe sollten Sie kennen
Begriff
Erklä­rung
Typklasse

Fahrzeuge werden jährlich entsprechend der Schadensbilanz des jeweiligen Modells Typklassen zugeordnet. Die Typklasse dient der Ermittlung des Schadensrisikos und fließt in die Beitragsberechnung der Kfz-Versicherung ein.

Regionalklasse

Zulassungsbezirke werden entsprechend der Unfallstatistik Regionalklassen zugeordnet. Auch diese Einordnung dient der Risikobewertung und mithin der Beitragsberechnung.


Die Funk­ti­ons­weise des Elek­tro­an­triebs

Seit Jahrzehnten treiben fast ausschließlich Verbrennungsmotoren die Autos an. Sie gewinnen die Energie aus Benzin und Diesel oder auch aus alternativen Kraftstoffen wie Erdgas oder Biodiesel. In einem Elektromotor kommt dagegen ein vollkommen anderes Verfahren zum Einsatz. Das Prinzip lässt sich vereinfacht so beschreiben: Hauptkomponenten des E-Motors sind ein Stator und ein Rotor. Durch die Wicklungen des Stators wird Wechselstrom geleitet, wodurch ein Magnetfeld entsteht. Dieses Magnetfeld wirkt auf den ebenfalls magnetischen, drehbaren Rotor. Da sich die Polung des Stators durch den Wechselstrom permanent verändert, wird der Rotor in kurzen Intervallen angezogen und abgestoßen. Durch diese Rotation entsteht die für den Antrieb des Autos notwendige Bewegungsenergie. Neben reinen Elektroautos fertigen Automobilhersteller auch Hybridautos, in denen sowohl ein Elektro- als auch ein Verbrennungsmotor neben- bzw. miteinander arbeiten.

Info

Elektromotoren spielten bereits in der Frühphase des Automobilbaus eine wichtige Rolle. So überschritt 1899 ein Elektrofahrzeug als erstes überhaupt die Geschwindigkeitsmarke von 100 Stundenkilometern.

Der Strom für den Elektromotor wird in einem Lithium-Ionen-Akku gespeichert. Dieser kann vergleichsweise große Energiemengen aufnehmen. Durch Rekuperation ist es möglich, den Akku während der Fahrt zu laden. Beim Bremsen wird Bewegungsenergie wieder in elektrische Energie umgewandelt und eingespeist. Solche Systeme sind mitunter auch in konventionellen Autos anzutreffen. Bei diesen lädt sich allerdings nicht der Akku, sondern die Starterbatterie auf. Die Rekuperation kann den Energieverbrauch des E-Motors allerdings nicht kompensieren.

Anzahl der in Deutsch­land zuge­las­senen Elek­tro­autos

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/265995/umfrage/anzahl-der-elektroautos-in-deutschland


Wie umwelt­freund­lich sind Elek­tro­autos?

Bei dieser Frage können sich Experten schon einmal in die Haare kriegen. Für Elektroautos spricht, dass sie während der Fahrt keine Schadstoffe ausstoßen und bedeutend weniger Lärm erzeugen. Außerdem ist der Wirkungsgrad des Elektronantriebs höher als der eines Verbrennungsmotors: Der E-Motor wandelt rund 90 Prozent des eingesetzten Stroms in Bewegungsenergie um – nur ein geringer Anteil geht durch Wärme verloren. Der Verbrennungsmotor dagegen wandelt nur etwa ein Drittel des Kraftstoffs in Bewegungsenergie um. Der Rest geht in Form von Wärme und Abgasen verloren.

Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, nur auf den Betrieb des Fahrzeugs zu schauen. Um die Umweltbilanz zu erfassen, muss der gesamte Prozess vom Abbau der verbauten Rohstoffe über die Stromerzeugung bis hin zum Fahrbetrieb selbst berücksichtigt werden. Hierbei kommt es vor allem auf zwei Faktoren an:

1. Wie wird der Strom erzeugt?
Die Aussage, dass Elektroautos kein klimaschädliches CO2 und andere schädliche Abgase wie Stickoxide ausstoßen würden, stimmt nur dann, wenn der Strom, mit dem sie angetrieben werden, aus Quellen erneuerbarer Energie stammt. Wird der Strom dagegen in Kohlekraftwerken erzeugt, verlagert sich der Ausstoß lediglich vom Fahrzeugbetrieb auf die Stromproduktion. Kohlekraftwerke stoßen nicht nur Abgase aus, sondern arbeiten auch ineffizient. So gehen 60 bis 70 Prozent der Energie verloren, bevor sie ins Stromnetz eingespeist werden.

2. Welche Ressourcen werden eingesetzt?
Für die Batterien von Elektroautos werden seltene Metalle wie Gallium, Lithium und Kobalt benötigt. Wenn die Zahl von Elektroautos steigen soll, muss auch der Abbau dieser Rohstoffe ausgeweitet werden – und das geht zwangsläufig mit Umweltschäden einher. Entscheidend wird sein, dass das Recycling alter Fahrzeuge effizient abläuft und dass auf diese Weise kostbare Rohstoffe zurückgewonnen werden können.


Reich­weite des Elek­tro­an­triebs

Die relativ geringe Reichweite ist ein gewichtiges Argument gegen E-Autos: Mit einer Akkuladung kommt man bisher bei Weitem nicht so weit wie mit einer Tankfüllung. Die meisten Modelle können mit einer Akkuladung 100 bis 200 Kilometer zurücklegen. Fahrzeuge wie der Tesla Modell S haben allerdings bewiesen, dass es auch weiter gehen kann: bis zu 500 Kilometer, wenn die Batterie voll aufgeladen wurde.

Die Reichweite ist dabei von einer Reihe von Faktoren abhängig. Ähnlich wie bei einem Verbrennungsmotor erhöht sie sich zum Beispiel, wenn man mit niedrigerer Geschwindigkeit unterwegs ist. Eingeschaltete Heizung und Klimaanlage lassen den Energiestand schneller sinken. Ein wichtiger Faktor ist außerdem die Außentemperatur, denn bei niedrigen Temperaturen ist die Leistungsfähigkeit von Lithium-Ionen-Batterien eingeschränkt.

Strom tanken: Lade­sta­tion statt Zapf­säule

Aktuell umfasst das öffentliche Netz rund 12.200 Ladestationen (Stand: 31.12.2017). Problematisch kann es vor allem in ländlichen Gebieten werden. Dort ist das Versorgungsnetz noch grobmaschig. Häufig sind Ladestationen an Parkplätzen, in Tiefgaragen, bei Autohändlern und auf Auto­bahn­rast­stätten zu finden.

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/460234/umfrage/ladestationen-fuer-elektroautos-in-deutschland-monatlich

Die verschie­denen Steck­sys­teme in der Übersicht

Steck­system
Beschrei­bung
Haushalts-
Steckdose

Herkömmliche Schuko-Steckdosen können mit dem entsprechenden Kabel als Ladestationen eingesetzt werden. Das Auto lässt sich so über Nacht aufladen. Diese Zeit ist auch einzuplanen, denn der Ladevorgang kann bis zu 13 Stunden in Anspruch nehmen. Auch CEE-Stecker können als Ladestationen eingesetzt werden.

Wandstationen

Für Haushalte werden sogenannte Wandladestationen bzw. Wallboxes angeboten. Diese verkürzen die Ladezeit gegenüber Haushaltssteckdosen. Die verbrauchte Energie wird dabei über den heimischen Stromanbieter abgerechnet.

Typ-2-Stecker

Die EU-Kommission hat Stecker des Typs 2 (EN 62196) als Standard für öffentliche Ladestationen festgelegt. Diese erreichen eine Ladeleistung von 43 kW (400 Volt). Es dauert damit etwa 6 bis 8 Stunden, um einen Akku aufzuladen.

CCS-Ladestationen

CCS-Ladestationen (CCS steht für „Combined Charging System“) bzw. Schnellladestationen arbeiten mit Gleichstrom. Weil dabei höhere Ladeströme möglich sind als bei Wechselstrom, erfolgt das Aufladen bedeutend schneller. Bei VWs e-Golf können so beispielweise 80 % der Akkukapazität in 30 Minuten geladen werden.

Tesla Supercharger

Der US-amerikanische Automobilhersteller Tesla Motors hat mit dem Tesla Supercharger eine eigene Steckervariante entwickelt. Auch sie arbeitet mit Gleichstrom und erreicht schnelle Ladezeiten.


Kosten­ver­gleich: Elek­tro­autos oft über­ra­schend günstig

Der Kaufpreis eines E-Autos liegt deutlich über dem eines vergleichbaren Modells mit Benzin- oder Dieselantrieb. Und das bei einer so geringen Reichweite? Kein Wunder, dass das Urteil schnell gefällt ist: Uninteressant für mich. Doch ist der erste Eindruck richtig? Wie ist die Bilanz nach dem Abzug der Umweltprämie? Und wie wirken sich die niedrigeren Wartungs- und Energiekosten von Elektroautos über die Jahre der Nutzung aus? Das überraschende Fazit: Betrachtet man alle Kosten eines Autos zusammen, vom Kaufpreis über die Betriebs- und Wartungskosten bis zum Wertverlust, dann schneiden Elektroautos immer häufiger überraschend gut ab. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Vollkosten-Berechnung von acht ausgewählten Elektroautos, die der ADAC vorgenommen hat.


Förde­rung beim Kauf eines Elek­tro­autos

Seit dem 2. Juli 2016 wird der Kauf eines Elektroautos mit dem Umweltbonus gefördert. Bei der Antragsstellung gilt: „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“ Denn wenn der für den Umweltbonus eingerichtete Fördertopf ausgeschöpft ist, besteht zunächst keine weitere Fördermöglichkeit. Bund und Automobilindustrie haben dafür 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Mit diesem Betrag kann der Kauf von mehr als 300.000 Fahrzeugen bezuschusst werden.

Höhe der Förde­rung:

  • 4.000 Euro Zuschuss für Elektroautos.
  • 3.000 Euro Zuschuss für Hybridfahrzeuge. Voraussetzung: Elektroantrieb kann per Stecker aufgeladen werden (Plug-in-Hybrid).

Förder­vor­aus­set­zungen:

  • Der Erwerb (Kauf oder Leasing) sowie die Erstzulassung müssen ab dem 18. Mai 2016 erfolgt sein.
  • Das Fahrzeug muss im Inland auf den Antragsteller zugelassen werden (Erstzulassung) und mindestens sechs Monate zugelassen bleiben.
  • Der Netto-Listenpreis des Basismodells darf 60.000 Euro netto nicht überschreiten.
  • Das Fahrzeugmodell muss sich auf der Liste der förderfähigen Fahrzeuge befinden.
  • Neben Privatpersonen sind auch Unternehmen, Stiftungen und Körperschaften zur Förderung berechtigt.
  • Jahres- und Gebrauchtwagen sind von der Förderung ausgenommen.

Wie kann man den Umwelt­bonus bean­tragen?

Anträge für den Umweltbonus werden beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt. Die Antragsstellung kann nur über das Online-Portal erfolgen. Während des Antragsverfahrens werden unter anderem der Kaufpreis und die Zulassung des Fahrzeugs geprüft.


Elek­tro­autos in der Kfz Versi­che­rung

Auch „Stromer“-Fahrer benötigen eine Kfz Haftpflichtversicherung. Diese ist – wie bei allen Fahrzeugen – gesetzlich vorgeschrieben. Die Teil- und Vollkasko sind dagegen freiwillig und Teil der Autoversicherung. Gesonderte Tarife für E-Autos bieten die Versicherer in der Regel nicht an. Besonders wichtig ist die Absicherung des Lithium-Ionen-Akkus.

Zur Beitragsberechnung der Kfz Versicherung werden ganz ähnliche Kriterien wie bei Benzinern und Dieselfahrzeugen herangezogen. Dazu gehören vor allem der Leistungsumfang der Police und Faktoren wie die Typ- und Regionalklasse.

Elek­tro­autos und die Kfz-Steuer

Die Steuerbefreiung von Elektrofahrzeugen beträgt:

  • 10 Jahre bei Erstzulassung zwischen dem 18. Mai 2011 und dem 31. Dezember 2020.
  • 5 Jahre bei Erstzulassungen bis zum 17. Mai 2011, allerdings ausschließlich auf Elektro-Pkw beschränkt.

Wenn die Befreiung ausgelaufen ist, werden E-Autos nach ihrem Gewicht besteuert. Allerdings wird auch dann nur die Hälfte des Steuerbetrags erhoben. Hybrid-Fahrzeuge werden dagegen wie konventionelle Autos besteuert.


Fazit: Inno­va­tive Tech­no­logie mit Entwick­lungs­po­ten­zial

Das Potenzial der Elektromobilität ist groß. Ein entscheidender Vorteil ist der deutlich höhere Wirkungsgrad im Vergleich zu Verbrennungsmotoren. Die elektrische Energie wird fast vollständig in Bewegungsenergie umgewandelt, nur ein geringer Teil geht durch Wärme verloren. Während der Fahrt werden außerdem keine klima- und umweltschädlichen Schadstoffe ausgestoßen. Wegen dieser Vorteile fördert der Staat die Verbreitung von Elektroautos durch den Umweltbonus von 4.000 Euro für Elektrofahrzeuge und 3.000 Euro für Plug-In Hybride.

Der größte Nachteil ist der hohe Kaufpreis und die noch eingeschränkte Reichweite der Lithium-Ionen-Batterien. Aktuelle Modelle müssen häufig nach 100 bis 200 Kilometern ans Stromnetz. Allerdings ist die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen und einige Hersteller kommen mit einer Akkuladung deutlich weiter. Einschränkungen entstehen zudem durch das noch begrenzte Angebot an Ladestationen.

Vorteile
Nach­teile
  • Effiziente Technologie (Wirkungsgrad von über 90 %)
  • Durch hohen Anschaffungspreis in der Regel nicht rentabel
  • Kein Schadstoffausstoß während der Fahrt
  • Gegenüber Verbrennungsmotoren geringe Reichweite
  • Keine bzw. niedrige Kfz-Steuer
  • Netz öffentlicher Ladestationen noch sehr grobmaschig
  • Bis zu 4.000 Euro Umweltzuschuss
  • Umweltbilanz von der Art der Stromerzeugung abhängig
  • Großes Entwicklungspotenzial
  • Vergleichsweise lange Aufladezeit
Info

Eine wichtige Rolle spielt der Elektroantrieb für die Zukunft und autonom fahrende Autos. Weitere allgemeine Informationen zum selbstfahrenden Auto finden Sie in unserem Ratgeber: "Autonomes Fahren"



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