Die Rente mit 63 – CosmosDirekt

Die Rente mit 63:

Wer kann abschlagsfrei in den Ruhestand gehen?

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Seitdem das Rentenpaket am 01.07.2014 in Kraft getreten ist, gibt es die Rente mit 63. Für viele Arbeit­nehmer heißt das: früher in Rente gehen und das möglichst ohne Abschläge. Nicht jeder Anspruchs­berechtigte profitiert aber von der Neu­regelung, sondern nur „langjährig Versicherte“. Dies sind Versicherte, die mindestens 45 Jahre in die gesetzliche Renten­versicherung eingezahlt haben. Kurze Unter­brechungs­zeiten (zum Beispiel Arbeits­losigkeit) werden berücksichtigt. Wir haben Ihnen in unserem Ratgeber die wichtigsten Fakten zur Rente mit 63 zusammengestellt.


Voraussetzungen für die abschlagsfreie Rente ab 63

  • Sie wurden vor dem 1. Januar 1953 geboren.
  • Sie waren mindestens 45 Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert.

Für alle besonders langjährig Versicherten, die nach dem 31.12.1952 geboren wurden, steigt der frühestmögliche Beginn der Rente. Sie können nicht mehr ab Erreichung des 63. Lebensjahres in Rente gehen, sondern müssen pro Jahr zwei Monate draufrechnen. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 kann ein Rentenbeginn nach 45 Beitragsjahren erst in Anspruch genommen werden, wenn der 65. Geburtstag erreicht wurde.


Welche Zeiträume werden für die 45 Beitragsjahre berücksichtigt?

Im Zentrum jeder Rentenberechnung steht die individuelle Erwerbsbiographie. Das ist bei der Rente mit 63 Jahren ohne Abzüge nicht anders. Angerechnet werden alle Zeiten, auf die die folgenden Umstände zutreffen.

  • Versicherungspflichtige Beschäftigungen
  • Geringfügige, aber nicht versicherungspflichtige Beschäftigungen (anteilige Berücksichtigung)
  • Selbstständige Tätigkeiten mit Pflichtbeiträgen
  • Freiwillige Beitragszeiten (Voraussetzung: mindestens 18 Jahre lang Pflichtbeiträge während einer Beschäftigung oder selbstständigen Tätigkeit eingezahlt)
  • Wehr- oder Zivildienst
  • Pflege von Angehörigen (Voraussetzung: Pflege war nicht erwerbsmäßig)
  • Erziehung von Kindern (Einschränkung: Angerechnet wird nur der Zeitraum bis zum zehnten Geburtstag des Kindes)
  • Bezug von Arbeitslosen- und Teilarbeitslosengeld, Kranken- und Verletztengeld, Übergangsgeld
  • Berufliche Weiterbildung
  • Bezug von Kurzarbeiter-, Schlechtwetter- und / oder Winterausfallgeld
  • Bezug von Insolvenz- und Konkursausfallgeld (Voraussetzung: Arbeitgeber war zahlungsunfähig)
  • Keine Beitragszahlung während Ersatzzeiten (Voraussetzung: Beitragszahlung wurde durch besondere Gründe verhindert; zum Beispiel politische Haft in der DDR)

Welche Zeiräume werden nicht berücksichtigt?

Um eine Welle der Früh-Verrentung zu vermeiden, werden Zeiträume der Arbeitslosigkeit direkt vor Rentenbeginn gesondert geregelt. Wer innerhalb der zwei Jahre vor Beginn arbeitslos wird und Arbeitslosengeld bezieht, erwirbt keine Ansprüche auf diesen Zeitraum. Dieser Zeitraum wird nur angerechnet, wenn das Unternehmen des Antragstellers insolvent wurde oder der Arbeitgeber sein Geschäft vollständig aufgegeben hat.

Die folgenden Zeiträume spielen für einen Rentenbeginn nach 45 Beitragsjahren ebenfalls keine Rolle:

  • Schul-, Fachschul- und Hochschul-Besuch
  • Arbeitslosengeld II, Arbeitslosenhilfe
  • Zurechnungszeiten und zusätzliche Wartemonate, wenn ein Versorgungsausgleich oder Rentensplitting beantragt wurde
  • Freiwillige Beiträge in den letzten zwei Jahren vor Renteneintritt (Voraussetzung: nur bei gleichzeitiger Anrechnung einer Arbeitslosigkeit)

Von der Rente mit 63 zur Rente mit 65: Schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters

Die abschlagsfreie Rente ab 63 Jahren gilt nur für Geburtsjahrgänge bis einschließlich 1952. Zudem darf die Rente frühestens am 1. Juli 2014 beginnen. Rückwirkende Anpassungen sind nicht möglich. Wer nach dem 31.12.1952 geboren wurde, muss länger arbeiten: Das Renteneintrittsalter wird schrittweise um 2 Monate pro Lebensjahr angehoben. Langfristig wird aus der Rente mit 63 die Rente mit 65. Diese gilt für alle Jahrgänge ab 1964. Bedingung: Sie können erst dann nach 45 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen, wenn sie das 65. Lebensjahr abgeschlossen haben.

Schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 65 Jahre

Jahrgang
RenteneintrittsalterJahrgangRenteneintrittsalter
bis 195263 Jahre + 0 Monate195964 Jahre + 2 Monate
195363 Jahre + 2 Monate196064 Jahre + 4 Monate
195463 Jahre + 4 Monate196164 Jahre + 6 Monate
195563 Jahre + 6 Monate196264 Jahre + 8 Monate
195663 Jahre + 8 Monate196364 Jahre + 10 Monate
195763 Jahre + 10 Monateab 196465 Jahre
195864 Jahre + 0 Monate
  • Quelle: https://www.bmas.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2014/rentenpaket-ist-da.html


Rente mit 63: Für langjährig Versicherte mit Abschlägen möglich

Für langjährig Versicherte gibt es ebenfalls die Möglichkeit, mit 63 Jahren in den Ruhestand zu treten. Hierfür benötigen Versicherte eine Ver­sicherungs­dauer von 35 Jahren. Im Gegensatz zur Rente mit 63 für besonders langjährig Versicherte fallen hierbei Abschläge an. Für jeden Monat, den Sie früher in Rente gehen, werden 0,3 Prozentpunkte vom monatlichen Rentenbetrag abgezogen. Wie hoch der maximal mögliche Abschlag ausfällt, hängt von Ihrem Geburts­jahrgang ab.

Altersgrenze: Wer vor 1949 geboren wurde, kann die Rente für langjährig Versicherte regulär ab dem 65. Geburtstag beziehen. Der Bezug der Rente mit 63 Jahren verursacht einen Abschlag von 7,2 %. Für die Jahrgänge von 1949 bis 1963 wird das Renteneintrittsalter schrittweise erhöht. Ab dem Jahrgang 1964 liegt es bei 67 Jahren. Auch für langjährig Versicherte ist es möglich die Rente bereits ab 63 zu beziehen. Der Abschlag beträgt 14,4 %.

Anhebung der Altersgrenze für langjährig Versicherte

Jahrgang
RentenbeginnAbschlag: Rentenbeginn mit 63
bis 12/194865 Jahre + 0 Monate7,2 %
01/194965 Jahre + 1 Monate7,5 %
02/194965 Jahre + 2 Monate7,8 %
03 bis 12/194965 Jahre + 3 Monate8,1 %
195065 Jahre + 4 Monate8,4 %
195165 Jahre + 5 Monate8,7 %
195265 Jahre + 6 Monate9,0 %
195365 Jahre + 7 Monate9,3 %
195465 Jahre + 8 Monate9,6 %
195565 Jahre + 9 Monate9,9 %
195665 Jahre + 10 Monate10,2 %
195765 Jahre + 11 Monate10,5 %
195866 Jahre + 0 Monate10,8 %
195966 Jahre + 2 Monate11,4 %
196066 Jahre + 4 Monate12,0 %
196166 Jahre + 6 Monate12,6 %
196266 Jahre + 8 Monate13,2 %
196366 Jahre + 10 Monate13,8 %
ab 196467 Jahre14,4 %

Für einige Jahrgänge bestehen gesonderte Regelungen, die unter den Vertrauensschutz fallen. Diese treten nur dann in Kraft, wenn Sie mit Ihrem Arbeitgeber bis zum 31.12.2006 eine Altersteilzeit (nach dem Altersteilzeitgesetz) vereinbart haben.

  • Jahrgänge vor 1955 können weiterhin mit 65 Jahren in Altersrente gehen, ohne Abschläge zahlen zu müssen.
  • Diese Regelung betrifft alle Jahrgänge bis einschließlich 1963, die Anpassungsgeld für entlassene Bergleute erhalten haben.
  • Jahrgänge 1950 bis 1954 erhalten die Altersrente für langjährig Versicherte frühestens ab 63 Jahren. Der maximale Abschlag beträgt 10,8 %.

Diese Regelung können auch Bergleute, die vor 1964 geboren wurden und Anpassungsgeld für entlassene Bergleute bezogen haben, in Anspruch nehmen.

Tipp

Um Abschläge bei der Rente für langjährige Versicherungen auszugleichen kann man Sonderzahlungen an die Rentenversicherung leisten. Eine Auskunft über die Höhe der Beiträge wird auf Antrag vom zuständigen Rentenversicherungsträger erstellt. Die Auskunft enthält folgende Informationen:

  • die voraussichtliche Höhe der Altersrente zum beabsichtigten vorzeitigen Rentenbeginn
  • die Höhe der Rentenminderung sowie
  • die Höhe des Beitrages, der zum Ausgleich der Rentenminderung gezahlt werden könnte.

Rentenminderungen, die bei einer Erwerbsminderungsrente entstehen, können nicht ausgeglichen werden.

Alternativen zur abschlagsfreien Rente ab 63

Wer auf eigene Kosten früher in Rente geht, kann dies natürlich nur dann tun, wenn er die finanziellen Mittel hat, die Zeit bis zum regulären Renteneintritt zu überbrücken. Die Abschläge klingen zunächst wenig, summieren sich aber, wenn man sich beispielsweise zwei Jahre vor dem regulären Beginn frühverrenten lässt. Abhängig vom Gehalt kann es dann um viel Geld gehen. Doch es bestehen Möglichkeiten, Lücken in der Frührente etwas zu füllen.

Flexirente

Die Flexirente wurde im Oktober 2016 von Bundestag und Bundesrat beschlossen und ist zum 1. Juli 2017 in Kraft getreten. Die Flexirente hat das Ziel, den Übergang vom Erwerbs- zum Rentnerleben zu erleichtern. So ist es nun möglich, die Rente durch eine Einmalzahlung an die Deutsche Rentenversicherung, zum Beispiel nach einer größeren Erbschaft, aufzustocken. Auch wurden die Regelungen zum Zuverdienst für Frührentner vereinfacht. Die monatliche Höchstgrenze entfällt, Frührentner können jetzt bis zu 6.300 Euro pro Jahr hinzuverdienen, ohne dass dies Auswirkungen auf die Rente hat. Alle Beträge darüber hinaus werden zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet.

Tipp

Wer das reguläre Rentenalter erreicht hat, darf unbegrenzt zur Rente hinzuverdienen.

Altersteilzeit

Mit der Altersteilzeit soll älteren Arbeitnehmern ein gleitender Übergang in die Rente ermöglicht werden. Ab einem Alter von 55 Jahren kann man beruflich kürzer treten und nur noch die Hälfte der bisherigen Arbeitszeit arbeiten. Die Mindeststundenzahl beträgt allerdings 18 Stunden pro Woche. Wer Altersteilzeit in Anspruch nimmt, erhält aber nicht 50, sondern 70 Prozent seines früheren Gehalts. Es gibt zwei Modelle:

  • Blockmodell: Hierbei wird zwischen Arbeitsphase und Freistellungsphase unterschieden. In der Arbeitsphase wird in Vollzeit gearbeitet, der Beschäftigte erhält jedoch bereits das reduzierte Gehalt. In der Freistellungsphase ist der Beschäftigte freigestellt, bezieht jedoch weiterhin sein angepasstes Gehalt.
  • Gleichverteilungsmodell: Der Arbeitnehmer arbeitet kontinuierlich bis zum Renteneintritt weiter. Die Hälfte der Arbeitszeit wird über den gesamten Zeitraum verteilt, wobei individuelle Schwerpunkte möglich sind, abhängig von der Vereinbarung mit dem Arbeitgeber. So kann er in einer Woche 30 Stunden arbeiten, in der nächsten nur 20 Stunden. Dadurch ist neben der klassischen Halbtagsbeschäftigung zum Beispiel auch ein projektgebundener Einsatz möglich.

Voraussetzung für den Wechsel in die Altersteilzeit ist, dass das Modell mindestens drei Jahre in Anspruch genommen wird. Zudem muss die Altersteilzeit zeitlich so geplant sein, dass sich ihr Ende mit dem Anfang der Altersteilzeit deckt. Im Prinzip kann man die Altersteilzeit individuell mit seinem Arbeitgeber vereinbaren, entsprechende Regelungen finden sich vorwiegend in Tarifverträgen.

Arbeitszeitkonto

Hierbei sammeln Sie über mehrere Jahre hinweg Mehrarbeit an (zum Beispiel durch Überstunden oder nicht genutzte Urlaubstage). Diese Zeit verfällt nicht wie häufig üblich am Monats- bzw. Jahresende, sondern wird Ihnen wie auf einem Bankkonto „gut­geschrieben“. Ältere Arbeitnehmer können die „angesparte“ Zeit direkt vor dem regulären Renten­eintritt nehmen – ohne finanzielle Nachteile befürchten zu müssen.

Das Arbeitszeitkonto kann auch in Form eines „Wert­guthabens“ direkt an die Deutsche Renten­ver­sicherung übertragen werden. Dafür müssen aber bestimmte Voraussetzungen gelten wie die Überschreitung eines Mindest­betrags. Einschließlich der Arbeit­geber­anteile zur Sozial­versicherung muss das Wertguthaben mehr als das Sechsfache der monatlichen Bezugsgröße betragen. Der Vorteil der Übertragung an die Deutsche Renten­ver­sicherung: Das Wertguthaben verfällt nicht, wenn man arbeitslos wird oder zu einem Arbeitgeber wechselt, der dieses „Sparmodell“ nicht unterstützt.

Weitere Möglichkeiten

  • Minijob: Seit 2013 sind Minijobs (450-Euro-Jobs) renten­versicherungs­pflichtig. Zwar tragen diese Tätigkeiten nicht allzu viel zur Renten­höhe bei, allerdings gelten sie als reguläre Wartezeit für die Altersrente und werden auch entsprechend wie „normale“ Arbeits­verhältnisse für die Bemessung der Mindest­versicherungs­zeit berücksichtigt.
  • Kindererziehungszeiten / Berücksichtigungszeiten: Wer ein Kind selbst erzieht, bekommt dafür Zeiten von der Rentenversicherung gut­ge­schrieben und erhöht so seine Rente. Wurde das Kind vor 1992 geboren, sind dies zwei Jahre Erziehungszeit, bei Geburten ab 1992 werden drei Jahre angerechnet – im Regelfall auf die Rente der Mutter. Berechtigt sind nicht nur die leiblichen Eltern, sondern auch Adoptiv-, Stief- und Pflegeeltern bzw. Großeltern oder andere Verwandte, wenn das Kind dauerhaft bei diesen lebt und die leiblichen Eltern das Kind nicht erziehen. Die Kinderberücksichtigungszeit beträgt maximal zehn Jahre ab Geburt des Kindes. Sie erhöht nicht direkt den Rentenwert, kann sich aber zum Beispiel auf Wartezeiten positiv auswirken.
  • Freiwillige Beiträge: Wenn man in bestimmten Zeiten freiwillig Beiträge an die Deutsche Rentenversicherung geleistet hat, zählen diese ebenfalls im Rahmen der Mindestversicherungszeit. Voraussetzung dafür ist aber, dass man 18 Jahre lang auch Pflichtbeiträge entrichtet hat.
  • Pflege: Wer einen Angehörigen mit mindestens Pflegegrad 2 zu Hause pflegt, wird von der Deutschen Rentenversicherung dafür belohnt. Zum einen ist die Pflege ab diesem Pflegegrad rentenversicherungspflichtig, wenn sie für mindestens zehn Stunden, verteilt auf zwei Tage oder mehr pro Woche geleistet wird. Dabei darf der Pflegende maximal 30 Stunden pro Woche berufstätig sein. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, zahlt die Pflegekasse die entsprechenden Beiträge an die Rentenkasse. Zum anderen gelten Pflegezeiten als Wartezeiten, die beim Rentenanspruch berücksichtigt werden.

Fazit: Rente mit 63 ≠ Rente ab 63

Ob Anspruch auf die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren besteht, ist eine Frage des Geburtsjahrgangs und der Erwerbsbiographie. Viele Beschäftigte werden nicht in den Genuss dieser Rentenform kommen. Alle nach 1964 Geborenen müssen bis zum 65. Lebensjahr arbeiten, bevor sie abschlagfrei in den Ruhestand gehen können. Für bestimmte Berufsgruppen (zum Beispiel Akademiker) ist es fraglich, ob sie auf 45 Beitragsjahre kommen. Es gibt zwar Möglichkeiten, die Rente im Alter von 63 Jahren zu beginnen, doch müssen dann teilweise erhebliche Abschläge in Kauf genommen werden. Allerdings bestehen mit dem Flexirentengesetz nun auch vereinfachte Regelungen, um finanzielle Lücken rechtzeitig auszugleichen.


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