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Geisterfahrer

Geisterfahrer

Davor haben Autofahrer wohl am meisten Angst: Wenn ihnen ein Fahrzeug auf der eigenen Spur entgegenkommt. Auf der Autobahn bleiben nur wenige Sekunden, um auf den Geisterfahrer zu reagieren. Ist dem Falschfahrer zudem seine Situation nicht bewusst, kommt es oft zu tödlichen Unfällen. Wir berichten Ihnen mehr zu den Ursachen für Geisterfahrten, was man dagegen tun kann und welches Verhalten angebracht ist, wenn sich Ihnen ein Geisterfahrer nähert.

Manchmal scheint es noch Wunder zu geben. Martin erlebte ein solches auf der Autobahn. Der Geschäftsreisende war auf der A8 unterwegs. Normalerweise fuhr er gern flott, das Wetter machte ihm aber mit starken Regenschauern einen Strich durch die Rechnung. Da die Sicht immer schlechter wurde, entschloss er sich zum Wechsel auf die rechte Spur, um entspannt hinter einem Laster zu fahren. Wenige Sekunden nach dem Spurwechsel schoss auf der linken Fahrbahn ein Auto in Gegenrichtung vorbei. Hätte Martin die linke Spur nicht verlassen, wäre er frontal mit dem Geisterfahrer kollidiert und tödlich verunglückt. Solch ein Wunder vergisst man nie. Welche Gründe sind aber dafür verantwortlich, dass Autofahrer zu Geisterfahrern werden?


Wie wird man zum Geisterfahrer?

Wer auf einer Autobahn oder einer Strecke mit geteilter Fahrbahn entgegen der Fahrtrichtung fährt, ist ein Falschfahrer. In der Umgangssprache ist aber meist vom Geisterfahrer die Rede. Viele von uns waren vielleicht selbst schon Geisterfahrer: auf dem Fahrrad. Wie oft fahren Radfahrer auf dem Radweg in Gegenrichtung, um Strecken zu verkürzen, Ampeln zu vermeiden oder aus Bequemlichkeit? Öfter als man sich eingestehen will. Objektiv betrachtet sind solche Radler Geisterfahrer, denn sie bewegen sich entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung. Während die Motivation bei Radfahrern, die falsch fahren, recht eindeutig ist, wird es beim Autofahrer schwieriger. Welche Gründe kann es geben, zum Geisterfahrer zu werden? Wir führen die häufigsten Ursachen für das Fahren in falscher Richtung auf:

  • Links- oder Rechtsverkehr: Wenn ein deutscher Autofahrer mit Linkslenker in ein Land mit Linksverkehr fährt, kann es bei Unaufmerksamkeit leicht passieren, dass die Spur verwechselt wird. Das Unterbewusstsein greift durch die Gewöhnung reflexartig ein, sobald die Konzentration auf die neue Verkehrssituation nachlässt. Umgekehrt kann es genauso vorkommen, wenn ein ausländischer Fahrer mit Rechtsverkehr mit seinem Auto in Deutschland unterwegs ist.
  • Schlechte Beschilderung: Baustellen, Auf- und Abfahrten sind oft so beschildert, dass die Verkehrsführung auf Anhieb nicht klar erkennbar ist. Wenn die Beschilderung nicht eindeutig die Richtung vorgibt, ist ein Wechsel auf die falsche Spur schnell passiert.
  • Parkplätze und Autobahnraststätten: Viele Geisterfahrten beginnen an diesen Orten, wenn wenig Betrieb herrscht und man unachtsam in die falsche Richtung startet. Dies mag zunächst unrealistisch klingen, aber nachts reicht schon eine halbe Minute ohne richtungsweisenden Verkehr aus, um die Abfahrt in entgegengesetzter Richtung zu nehmen und zu beschleunigen.
  • Überforderung und Suizid-Absicht: Wenn Autofahrer überfordert sind, kann es leichter als sonst zu einer Geisterfahrt kommen. Überforderung ist oft durch das Alter (Demenz, Verwirrung, Unerfahrenheit bei jungen Verkehrsteilnehmern), aber auch durch Alkohol oder Drogen bedingt. Lebens­müde Menschen gehören zu der Personengruppe, die besonders gefährdet für Geisterfahrten sind. Sie fahren in Erwartung des Todes durch einen Autounfall mit Absicht in entgegengesetzter Richtung auf die Autobahn.
  • Wenden: Das Wenden auf mehrspurigen Schnellstraßen und Autobahnen gehört auch zu den Ursachen für Geisterfahrten. Wurde eine Ausfahrt verpasst oder falsch aufgefahren, denken sich manche Autofahrer nichts dabei, ihr Fahrzeug zu wenden. Wahrscheinlich kommt ihnen die kurze Distanz, die sie zurücklegen müssen, als akzeptabel vor. Ab dem Wendezeitpunkt handelt es sich aber um eine Falschfahrt. Auch Rückwärtsfahrt fällt darunter, denn Autobahnen und mehrspurige Schnellstraßen sind in Fahrtrichtung Einbahnstraßen.
  • Mutprobe: Sehr selten kommt es vor, dass Personen mit einer Geisterfahrt ihren Mut vor anderen unter Beweis stellen wollen.
  • Wetter und Tageszeit: Wenn die Witterung die Sicht beeinträchtigt, nimmt das Risiko zu, in die Gegenfahrbahn abzubiegen. Wenig Verkehr und kein Tageslicht erhöhen dieses Risiko.

Die Rolle der Versicherung bei Geisterfahrten

Viele Geisterfahrten enden zum Glück glimpflich, ob ohne oder mit Blechschaden. Bei einem Unfall übernimmt die Kfz-Haftpflichtversicherung des Geisterfahrers den Schaden, sie kann den Fahrer aber gegebenenfalls in Regress nehmen.


Rund 3.000 Falschfahrer-Meldungen pro Jahr

Der ADAC unternahm Ende 2014 eine Studie und untersuchte zwischen Januar 2009 und August 2014 alle Falschfahrer-Warnmeldungen, die über das Radio gemeldet wurden. Durchschnittlich 23 Personen starben jährlich bei Geisterfahrerunfällen, der überwiegende Teil von ihnen auf Autobahnen. Knapp 5 % aller Autobahn-Toten im untersuchten Zeitraum sind bei Geisterfahrten ums Leben gekommen.

Betrachtet man die einzelnen Bundesländer, so stechen allein wegen der räumlichen Ausdehnung Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bei den Falschfahrer-Warnmeldungen hervor. Dies relativiert sich aber, wenn man die Meldungen auf die Autobahnkilometer herunterbricht. Hier führen nun Hamburg, Berlin, das Saarland und Bremen die Rangliste an. Wer diese Städte und das kleinste deutsche Bundesland näher kennt, weiß um die Zusammensetzung des Straßennetzes: Es gibt viele Anschlussstellen bei vergleichsweise wenigen Autobahnkilometern, was die Zahlen erklärt.


Viele Unfälle am Wochenende

Bei Wochentagen und Zeiten ist ebenfalls ein System zu erkennen: Während viele Warnmeldungen am Wochenende, besonders Sonntags, ausgestrahlt werden, ist die Meldungsdichte gegen 8 Uhr morgens auf einem Tief, um danach rasant anzusteigen und den Höhepunkt in den Abendstunden ab 19 Uhr zu erreichen. Vergleicht man nun die Warnmeldungen mit den tödlichen Falschfahrerunfällen, ist der Samstag – gefolgt vom Sonntag – der riskanteste Tag. Das Maximum an Unfällen tritt zwischen 21 Uhr und Mitternacht sowie am Vormittag gegen 10 Uhr auf.

Auch zum Alter und Geschlecht der Geisterfahrer existieren Statistiken. Laut ADAC ist nur ein Zehntel der betroffenen Fahrer weiblich. Beim Alter führen Menschen über 65 Jahren die Falschfahrerstatistik an.


Kann man Geisterfahrten vorbeugen?

Die Meinungen gehen auseinander, ob und wie sich Geisterfahrer stoppen lassen. Ein naheliegendes Mittel ist natürlich die Verbesserung der Beschilderung. Besonders an Anschlussstellen, Autobahnkreuzen und Baustellen kann man durch große und farblich hervorstechende Schilder viel erreichen. Bayern führte ein Pilotprojekt durch, bei dem gelbe Geisterfahrer-Warntafeln auf Autobahnabschnitten angebracht wurden. Dies führte allerdings nicht zu einer Abnahme der Zahl der Warnmeldungen, denn diese blieb nahezu konstant oder nahm sogar zu.

Kontrovers diskutiert ist das Anbringen von Metallkrallen in der Fahrbahn an Autobahnauffahrten, die das Überfahren nur in einer Richtung gestatten. Rettungskräfte wären davon betroffen, wenn sie bei einem Unfall in der Gegenrichtung auffahren müssen. Außerdem ist die sichere Funktion bei Witterungsbedingungen mit Eis und Schnee nicht gewährleistet.

Von technischer Seite her tut sich dagegen immer mehr. Da moderne Autos oft mehrere Kameras an Bord haben, kann die Elektronik zusammen mit dem Navigationssystem erkennen, wenn sich das Auto einer Autobahnauffahrt nähert. Besteht Gefahr, weil die Kamera Verbotsschilder erkennt und das Navi die falsche Auffahrt bestätigt, geht ein akustischer und visueller Alarm los. Gegenwärtig ist diese Technologie aber nur einigen Oberklassefahrzeugen vorbehalten. Die Bundesregierung dagegen setzt bereits auf den Fortschritt. In der „Digitalen Agenda 2014 – 2017“ ist recht zuversichtlich von der Kommunikation zwischen Autos untereinander die Rede:
„Die Entwicklung geht weiter: Künftig wird die Kommunikation zwischen Autos untereinander sowie zwischen Autos und anderen Einrichtungen noch verstärkt – und warnt vor Staus, Geisterfahrern oder anderen Sicherheitsrisiken.“


Wie verhalte ich mich bei einer Geisterfahrermeldung?

Der Puls klettert nach oben, wenn im Radio ein entgegenkommender Falschfahrer gemeldet wird. Es kommt nun auf die schnelle und richtige Reaktion an, um einen Unfall zu vermeiden. Befolgen Sie daher folgende Ratschläge:

  • Reduzieren Sie die Geschwindigkeit. Sie können im Ernstfall sicherer ausweichen ohne zu schleudern.
  • Wechseln Sie auf die rechte Spur und überholen Sie nicht mehr. Bei starkem Verkehrsaufkommen achten Sie darauf, versetzt zu Fahrzeugen auf der Nebenspur zu fahren und Abstand zum Vordermann zu halten. Nur so haben Sie den notwendigen Platz zum Ausweichen.
  • Schalten Sie die Warnblinkanlage ein.
  • Wenn ein Parkplatz, eine Raststätte oder eine Ausfahrt in unmittelbarer Nähe vor Ihnen liegt, fahren Sie ab und warten auf die Entwarnung im Radio.

Was tue ich, wenn ich unbewusst selbst zum Geisterfahrer geworden bin?

  • Schalten Sie die Warnblinkanlage und das Abblendlicht an.
  • Fahren Sie möglichst dicht an den nächstgelegenen Fahrbahnrand und halten Sie an.
  • Steigen Sie schnellstmöglich aus und suchen Sie zusammen mit Ihren Mitfahrern Schutz hinter der Leitplanke in der Fahrbahnmitte oder hinter der Böschung beim Standstreifen. Vorher sind Sie als Fahrzeugführer verpflichtet, mit Warnweste das Warndreieck in Richtung des entgegenkommenden Verkehrs aufzustellen und die Polizei zu rufen. Überqueren Sie aber niemals die Fahrbahn!
  • Falls Sie die Strafe fürchten und deshalb wenden oder rückwärtsfahren wollen: Vergessen Sie es. Die Handlung ist nach der Geisterfahrt bereits die zweite Straftat, und das Risiko viel zu groß.

Fazit

Geisterfahrer stellen eine erhebliche Gefahr im Straßenverkehr dar. Oft ist die Zeitspanne ab der Meldung eines Falschfahrers zu gering, um alle Verkehrsteilnehmer warnen zu können. Lassen Sie daher immer den regionalen Verkehrsfunk laufen und passen Sie bei Autobahnkreuzen und Abfahrten besonders gut auf. Falls Ihnen ein Geisterfahrer entgegenkommt, fahren Sie mit reduziertem Tempo und Warnblinkanlage möglichst weit rechts. Achten Sie auf genügend Platz für Ausweichmanöver und nutzen Sie Parkplätze oder Ausfahrten zum schnellen Verlassen der Autobahn.



Die Autoversicherung bei der Nummer 1#*#!

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