Probezeit beim Führerschein

Probezeit beim Führerschein: Diese Dinge sollten Sie beachten

Die Ratgeber bieten allgemeine Informationen. Produktdetails von CosmosDirekt finden Sie auf den jeweiligen Produktseiten.

Geschafft! Theorie und Praxis sind bestanden, der Führerschein ist endlich da und die passende Autoversicherung gefunden. Viele Versicherer bieten jungen Fahrern oftmals spezielle Telematik Tarife an. Unabhängigkeit und absolute Freiheit warten somit – oder nicht?

Fahranfänger müssen sich zunächst in der Probezeit zwei Jahre im Straßenverkehr bewähren, ehe die Fahrerlaubnis endgültig erteilt wird.

In diesem Artikel erfahren Sie, was es damit auf sich hat, welche besonderen Regeln gelten und welche Konsequenzen bei Verstößen drohen.

Diese Fachbegriffe sollten Sie kennen
Begriff
Erklärung
Begleitetes FahrenFahrerlaubnisklasse B17: Fahren ab 17 Jahren mit Begleitperson, deren Name auf der Prüfbescheinigung vermerkt wird. Diese muss mindestens 30 Jahre alt sein, seit 5 Jahren (ununterbrochen) einen gültigen Führerschein der Klasse B besitzen und darf bei Erteilung der Prüfbescheinigung nicht mehr als 1 Punkt in Flensburg haben.
NötigungStraftat nach § 240 StGB (Strafgesetzbuch): Wer Andere „rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“. Beispiele für Nötigung im Straßenverkehr: Ausbremsen, dichtes Auffahren, überraschende Spurwechsel ohne Grund, Behinderung beim Überholvorgang, etc.
Punkte in FlensburgStrafpunktesystem, um Ordnungswidrigkeiten und Straftaten im Straßenverkehr zu ahnden. Gekoppelt mit Bußgeldern und Fahrverboten. Ziel: Verkehrserziehung. Die Strafpunkte werden im Fahreignungsregister des Kraftfahrt-Bundesamtes (Sitz in Flensburg) registriert. Der Führerscheinentzug erfolgt bei 8 Punkten.

Was ist die Probezeit und warum gibt es sie?

Die Führerschein-Probezeit ist ein auf 2 Jahre begrenzter Zeitraum, in dem Fahranfänger beweisen müssen, dass sie ein Kraftfahrzeug im öffentlichen Straßenverkehr sicher führen können. Während dieser Bewährungsphase stehen sie unter besonderer Beobachtung und Verkehrsverstöße werden strenger geahndet. Ziel der Probezeit ist es, Fahranfänger zu sensibilisieren und zu verantwortungsbewussten Verkehrsteilnehmern zu erziehen.

Die Probezeit für Fahranfänger wurde zum 1. November 1986 in Deutschland eingeführt, um die vergleichsweise hohen Unfallraten unter jungen Fahrern im Alter zwischen 18 und 25 zu senken. Obgleich Fahrer dieses Alters zu einer besonderen Risikogruppe zählen, gilt die Probezeit seither für Fahranfänger jedes Alters.

Hinweis

Der Führerschein auf Probe ist ein vollwertiger Führerschein, der nach Ablauf der zweijährigen Probezeit automatisch als endgültig erteilt gilt.

Wie lange dauert die Probezeit?

In Deutschland dauert die Probezeit für Fahranfänger 2 Jahre, beginnend ab dem Tag, an dem der Führerschein erteilt wird. Dabei ist zu beachten, dass nicht für jede Führerscheinklasse eine Probezeit gilt. Für die Probezeit ist es unerheblich, ob ein Fahranfänger überhaupt am Steuer sitzt oder nicht. Entscheidend ist: Wer 2 Jahre lang frei von relevanten Verkehrsverstößen bleibt, besteht die Probezeit. Wer währenddessen jedoch Verkehrsdelikte begeht oder wiederholt gegen Verkehrsregeln verstößt, muss mit einer Verdopplung der Probezeit auf 4 Jahre rechnen. Dazu später mehr.

Für welche Führerscheinklassen gilt die Probezeit?

Die Probezeit für Fahranfänger gilt für folgende Klassen:

  • die Pkw-Klassen B, B17, B96, BE
  • die Motorrad-Klassen A, A1, A2
  • die Lkw-Klassen C, C1, C1E, CE
  • die Bus-Klassen D, D1, D1E, DE

Für welche Klassen gilt die Probezeit nicht?

  • M: Mofa; Fahrrad mit Hilfsmotor bis 25 km/h. Mindestalter: 15 Jahre.
  • AM: zweirädrige Kleinkrafträder (Mopeds), Zweiräder mit Beiwagen, dreirädrige Kleinkrafträder (inkl. Trikes), vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge (Quads). Bis 45 km/h, 50 cm3 Hubraum, 4 KW Leistung. Mindestalter: 16 Jahre.
  • L: Zugmaschinen (wie Traktoren) für land- und forstwirtschaftliche Zwecke bis 40 km/h, Stapler, Flurförderzeuge, selbstfahrende Arbeitsmaschinen, selbstfahrende Futtermischwagen bis 25 km/h. Mindestalter: 16 Jahre.
  • T: Zugmaschinen (wie Traktoren) bis 60 km/h, selbstfahrende Arbeitsmaschinen und selbstfahrende Futtermischwagen für land- und forstwirtschaftliche Zwecke bis 40 km/h. Mindestalter: 16 Jahre. Ausnahme: Zugmaschinen mit Höchstgeschwindigkeit über 40 km/h dürfen erst ab 18 gefahren werden.

Kann man die Probezeit auch verkürzen?

Nein. Derzeit gibt es keine Möglichkeit, die zweijährige Probezeit zu verkürzen. Bis Ende 2010 war es in einigen Bundesländern möglich, die zweijährige Probezeit beim Führerschein durch eine erfolgreiche Teilnahme an einem speziellen Fortbildungsseminar für Fahranfänger auf 1 Jahr zu verkürzen.


Gilt eine neue Probezeit, wenn man einen weiteren Führerschein macht?

Nein, die Probezeit gilt nur einmalig. Das heißt: Wer einmal erfolgreich eine zweijährige Führerschein-Probezeit absolviert hat, muss anschließend keine weitere Probezeit durchlaufen, wenn er oder sie eine neue Fahrerlaubnis in einer anderen Führerscheinklasse erlangt.

Beispiel: Wer mit 16 Jahren die Fahrerlaubnis in der Klasse A1 (Leichtkrafträder bis zu 125 cm3 Hubraum und 11 KW Leistung) erworben hat und mit 18 Jahren den Autoführerschein macht, erhält die neue Fahrerlaubnis ohne erneute Probezeit.

Ausnahme: Probezeit beim Führerschein mit 17

Das sogenannte „begleitete Fahren“ (B17) ist bereits ab 17 Jahren möglich, das heißt: 17-Jährige dürfen nach bestandener Prüfung in Begleitung eines Erwachsenen einen Pkw führen. Für Fahranfänger mit 17 gilt in puncto Probezeit jedoch folgende Ausnahme: Wer bereits mit 16 Jahren ein Zweirad der Klasse A1 führte muss nach bestandener B17-Prüfung dennoch 2 volle Jahre Probezeit absolvieren.

Tipp

Ausführliche Infos rund um das Thema Führerscheinprüfung finden Sie ebenfalls bei uns im Ratgeber.


Welche Konsequenzen drohen bei Verkehrsverstößen in der Probezeit?

Verkehrsverstöße werden in zwei Kategorien unterteilt: Bei einem Verkehrsverstoß der Kategorie A (schwerwiegende Straftaten und Ordnungswidrigkeiten) folgt automatisch eine Verlängerung der Probezeit für Fahranfänger um 2 Jahre. Ein einmaliger Verstoß der Kategorie B (weniger schwerwiegende Missachtung der Verkehrsregeln) wirkt sich hingegen noch nicht auf die Probezeit aus. Erst wenn zwei B-Verstöße vorliegen, verlängert sich die Probezeit ebenfalls um 2 Jahre.

Liegen ein A-Verstoß oder zwei B-Verstöße vor, ist immer ein sogenanntes Aufbauseminar zu absolvieren (meist innerhalb einer Frist von 2 Monaten). Wer die Teilnahme verweigert, verliert den Führerschein.

Erfolgen während der verlängerten Probezeit ein weiterer A-Verstoß oder zwei weitere B-Verstöße, droht eine behördliche Verwarnung mit Bußgeld sowie eine Empfehlung zur Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung, mit dem Ziel, Fehlverhalten zu erkennen und Lösungswege zu finden. Eine Teilnahme ist nicht verpflichtend. Ein weiterer A-Verstoß oder zwei weitere B-Verstöße führen unweigerlich zum Entzug der Fahrerlaubnis. A- und B-Verstöße werden je nach Schwere des Delikts zudem mit den üblichen Bußgeldern, Fahrverboten und Punkten im Flensburger Fahreignungsregister geahndet.

Beispiele für schwerwiegende Verkehrsverstöße (Kategorie A)

  • Missachten des Rechtsfahrgebots: zum Beispiel das Rechtsfahrgebot in Kurven, an Kuppen, beim Überholt werden oder bei Gegenverkehr wurde nicht beachtet.
  • Geschwindigkeitsüberschreitungen: mehr als 20 km/h zu schnell im Pkw oder mehr als 15 km/h zu schnell im Lkw
  • Abstandsvergehen: Beträgt der Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug weniger als 5/10 des halben Tachowertes.
  • Verstöße beim Überholen: Überholen trotz Überholverbot Nötigung
  • Unfallflucht / Fahrerflucht (unerlaubtes Entfernen vom Unfallort)
  • Unterlassene Hilfeleistung
  • Fahren unter Einfluss von Alkohol
  • fahrlässige Tötung
  • fahrlässige Körperverletzung
  • Rotlichtverstöße (Missachtung roter Ampeln)
  • Missachtung der Vorfahrt
Hinweis

Ein kostenpflichtiges Aufbauseminar wird ab 21 km/h über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit fällig. Wer zu schnell fährt, aber weniger als 21 km/h zu schnell ist, kommt beim ersten Mal noch mit einem Verwarnungsgeld bis zu 35 Euro davon – bei Wiederholung droht auch hier eine Nachschulung.

Beispiele für weniger schwerwiegende Verkehrsverstöße (Kategorie B)

  • Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung während der Fahrt
  • Fahrt mit abgefahrenen Reifen
  • Behindern oder Gefährden von Personen beim Abbiegen
  • Behindern oder Gefährden von Personen an Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel
  • Mitnahme von Kindern ohne vorgeschriebenen Kindersitz
  • Befördern ungesicherter Ladung
  • Nichtbeachten von Stoppschildern
  • Fahren ohne Licht bei Dunkelheit oder Nebel
  • unterlassene Absicherung eines liegengebliebenen Fahrzeugs
  • Verstöße gegen Bestimmungen der Fahrzeugzulassung
  • Kennzeichenmissbrauch

Was ist ein Aufbauseminar?

Aufbauseminare für den Führerschein auf Probe sind Nachschulungen, die nach dem Straßenverkehrsgesetz ausschließlich von speziell geschulten Fahrlehrern durchgeführt werden dürfen. Im Rahmen des Seminars werden die individuellen Verkehrsverstöße reflektiert, analysiert und Vermeidungsstrategien erarbeitet. Vor Erteilung der Teilnahmebescheinigung sind üblicherweise vier Theoriestunden und eine praktische Beobachtungsfahrt (meist nach der ersten Theoriestunde) zu absolvieren.

Spezielle Aufbauseminare bei Drogen und Alkohol

Für drogen- und alkoholauffällige Fahranfänger gibt es besondere Aufbauseminare, mit dem Ziel, Vermeidungsstrategien zu vermitteln und Wissenslücken über den Umgang mit Drogen und Alkohol sowie deren Wirkung zu schließen.

Hinweis

Alkohol am Steuer ist in der Probezeit tabu und gefährdet den Führerschein genauso wie Leben und Gesundheit des Fahrers und anderer Verkehrsteilnehmer. Nach der Probezeit gilt die Null-Promille-Grenze weiter, sofern der Fahrer noch nicht 21 Jahre alt ist. Ab 21 wird Alkohol am Steuer in engen Grenzen toleriert. Das gilt jedoch nur, wenn die Probezeit absolviert ist und solange der Fahrer keinen Unfall verursacht oder den Verkehr gefährdet. Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie im Ratgeber "Alkohol am Steuer".


Was ist ein Fahreignungsseminar?

Wer die Probezeit bereits hinter sich und 4 oder 5 Punkte auf dem Flensburger Konto hat, erhält eine behördliche Ermahnung, verbunden mit dem Hinweis, dass der Punktestand durch erfolgreiche Teilnahme an einem sog. Fahreignungsseminar (auch: Punkteabbauseminar) verringert werden kann. In der Probezeit gilt dies jedoch nicht. Fahranfänger können keine Punkte abbauen.

Fahreignungsseminare bestehen aus zwei verkehrspädagogischen und zwei verkehrspsychologischen Modulen. Auch Hausaufgaben zum Thema Selbstbeobachtung und Verhaltensreflexion gehören zum Seminar. Die Möglichkeit, ein Fahreignungsseminar zu besuchen, haben Autofahrer allerdings nur einmal in 5 Jahren – und nur dann, wenn nicht mehr als 5 Punkte in Flensburg vorliegen. Bei 6 oder 7 Punkten spricht die Fahrerlaubnisbehörde eine Verwarnung statt einer Ermahnung aus.

Info

Punkte in Flensburg verfallen nach einer gewissen Zeit, die sich nach Art und Schwere des Verkehrsverstoßes richtet.


Führerschein entzogen in der Probezeit: Was ist zu tun?

Fahrverbot und Führerscheinentzug werden oft verwechselt, jedoch gibt es dabei große Unterschiede: Bei einem Fahrverbot behält die zuständige Bußgeldstelle den Führerschein für 1–3 Monate ein – je nach Schwere des Delikts. Ist das Fahrverbot abgelaufen, erhält der Inhaber seine Fahrerlaubnis zurück, ohne diese neu beantragen zu müssen.

Bei einem Führerscheinentzug sind die Auswirkungen weitreichender: Hier wird der Führerschein dauerhaft einbehalten oder als ungültig gekennzeichnet. Je nach Schwere des Delikts gilt eine Sperrfrist von mindestens 6 Monaten bis maximal 5 Jahren; erst danach kann eine Neuerteilung der Fahrerlaubnis beantragt werden (bzw. schon kurz vor Ablauf der Sperrfrist).

Gegebenenfalls gelten weitere Bedingungen, bevor eine neue Fahrerlaubnis erteilt werden kann. Wer den Führerschein zum Beispiel wegen Drogen oder Trunkenheit am Steuer einbüßt, muss zuvor noch eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) erfolgreich absolvieren, im Volksmund auch „Idiotentest“ genannt. Ebenso kann eine Nachschulung für die jeweilige Führerscheinklasse erforderlich sein.

Info

Wer zum Beispiel wiederholt volltrunken Auto fährt, das Fahrzeug für Straftaten nutzt, trotz Sperrfrist weiterfährt, Aggressionen nicht kontrollieren kann oder notorisch durch schwere Delikte im Straßenverkehr auffällt, muss mit einer lebenslangen Sperrfrist rechnen.


Fazit

Wer als Fahranfänger in der Probezeit unterwegs ist, sollte alle Regeln ganz genau beachten, denn Verkehrsverstöße werden in der zweijährigen Bewährungsphase besonders streng bestraft. Wer vorsichtig und rücksichtsvoll unterwegs ist und auf Alkohol und Drogen verzichtet, verringert das Risiko für Strafen deutlich und erspart sich Ärger, Kosten sowie eine Extrarunde in der Probezeit.

Gut versichert zu sein ist schon in der Probezeit wichtig. Ein nicht versichertes Kraftfahrzeug zu lenken, ist ein Verkehrsverstoß der Kategorie A und verlängert die Probezeit beim Führerschein von 2 auf 4 Jahre. Schließen Sie am besten frühzeitig eine entsprechende Autoversicherung ab.



Better­Drive: Tele­matik-Tarif von Cosmos­Di­rekt
Betterdrive
Autoversicherung für Fahrer bis 28 Jahre
  • Beitragsgarantie ohne Risiko
  • Sparen Sie bis zu 30 %1 – Jahr für Jahr
  • 10 % Einsteigerbonus im 1. Jahr2

War der Artikel hilfreich? Helfen Sie anderen und teilen Sie den Ratgeber: