Corona-Krise

Wohnungsbesichtigung und Umzug

Corona-Pandemie: Diese Regeln gelten für Wohnungsbesichtigungen und Umzüge

Die Corona-Pandemie stellt uns im Alltag vor große Herausforderungen. Eine der wichtigsten Regeln: Wir alle müssen möglichst daheim bleiben. Doch was tun, wenn wir in diesen Zeiten ein neues Zuhause suchen? Oder ein Umzug konkret bevorsteht? Unser Ratgeber gibt Tipps, wie Wohnungsbesichtigungen und Wohnungswechsel möglichst ansteckungsfrei zu bewerkstelligen sind.

Wohnungsbesichtigungen: Das sollten Mieter, Eigentümer und Interessenten wissen

In weiten Teilen des Bundesgebietes waren Wohnungsbesichtigungen schon vor den ersten Lockerungen Ende April erlaubt, aber mit starken Einschränkungen verbunden. Dennoch gilt: Die klassischen Besichtigungstermine sind immer noch nicht möglich. Dass sich vor der Tür mehrere Interessenten treffen, die dann vom Makler durch die Räume geführt werden, dass gegebenenfalls auch die aktuellen Bewohner anwesend sind – das im Moment einfach tabu. In Zeiten der Corona-Pandemie verhindern Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sowie die allgemeinen Abstandsregeln von 1,5 bis 2 Metern die üblichen Besichtigungsformate.

In Bayern sind Besichtigungen nur in Ausnahmefällen erlaubt

Eine Ausnahme besteht in Bayern. Dort sind Besichtigungen grundsätzlich verboten. Nur in zwei Ausnahmefällen dürfen sie durchgeführt werden (und zwar ausschließlich als Einzelbesichtigungen):

  • Der Mieter ist akut von Wohnungslosigkeit bedroht.
  • Die Wohnung steht leer, wodurch der Vermieter in ernste finanzielle Schwierigkeiten gerät.

Möglichkeiten für die Wohnungsbesichtigung

Auch wenn die Besichtigung einer neuen Wohnung in Ihrem Bundesland erlaubt sein sollte, müssen sich alle Beteiligten an die strengen Abstands- und Hygieneregeln halten. Dank digitaler Technologien ist eine Anwesenheit vor Ort aber nicht immer zwingend notwendig.

1. Fotos, Videos und 360-Grad-Rundgänge

Um den physischen Kontakt zu minieren, sind in den vergangenen Wochen und Monaten digitale Wohnungsbesichtigungen immer beliebter geworden. Schon früher haben Makler Fotos und Videos einer leerstehenden Wohnung auf den einschlägigen Immobilienplattformen hochgeladen, um Interessenten einen Eindruck vom Mietobjekt zu vermitteln. Dieses Angebot wurde während der Corona-Pandemie stark ausgebaut und um sogenannte 360-Grad-Rundgänge erweitert. Dabei werden die Fotos so zusammengestellt, dass Sie sich per Mausklick selbstständig in der Wohnung oder dem Haus umsehen können.

2. Einzelbesichtigung durch den Interessenten

Wollen Sie sich dennoch selbst ein Bild machen, wird der Makler einen Einzeltermin mit Ihnen vereinbaren. Voraussetzung dafür ist aber, dass die aktuellen Regelungen Ihres Bundeslandes eine Fahrt zur fraglichen Wohnung erlauben. Grundsätzlich sollten Sie aber auch hier so viel wie möglich digital abwickeln und sich beispielsweise den Energieausweis als Scan zuschicken lassen. Bei einer Einzelbesichtigung schauen Sie sich allein die Wohnung an, d. h. ohne Begleitung durch den Eigentümer oder Makler. Achten Sie auf folgende Hygiene-Regeln:

Für Interessenten:

  • Verzichten Sie auf Händeschütteln zur Begrüßung (falls der Vermieter oder Makler Ihnen die Tür öffnet).
  • Halten Sie einen Abstand von 1,5 bis 2 Metern ein.
  • Fassen Sie während der Besichtigung nichts an bzw. tragen Sie Einweghandschuhe.
  • Desinfizieren Sie nach der Besichtigung Ihre Hände.

Für Vermieter/Eigentümer/Makler:

  • Öffnen Sie vor der Besichtigung alle Innentüren, damit niemand Klinken oder Knäufe anfassen muss.
  • Öffnen Sie die Fenster, damit genügend Luftaustausch herrscht.
  • Verzichten Sie auf eine direkte Schlüsselübergabe von Hand zu Hand, sondern führen Sie die Übergabe auf Abstand durch (Schlüssel ablegen und zurücktreten).
  • Am besten deponieren Sie den Schlüssel in einem Schlüsselkasten, damit Sie am Termin nicht vor Ort sein müssen.
  • Stellen Sie für die Interessenten Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel bereit.
  • Desinfizieren Sie direkt nach dem Termin den Schlüssel, ggf. den Schlüsselkasten, sowie alle Dinge, die häufig berührt werden (Klinken, Knäufe, Griffe an Schubladen, Handläufe von Treppen …)

Tipp

Auch Paare, die zusammenleben, können zu einer Einzelbesichtigung kommen. Als Vermieter oder Eigentümer (bzw. Makler) sollten Sie die beiden aber darauf hinweisen, keine weiteren Personen – zum Beispiel die Eltern – zum Termin mitzubringen.

3. Immobilie mit Vermieter/Eigentümer/Makler besichtigen

Unter Umständen ist auch eine Besichtigung der Wohnung zusammen mit dem Vermieter, Eigentümer oder Makler möglich. Das regelt aber jedes Bundesland selbst. Aufgrund des längeren persönlichen Kontakts ist es hier dringend erforderlich, zusätzliche Hygienemaßnahmen zu ergreifen:

  • Alle Beteiligten sollten sich vor der Besichtigung die Hände desinfizieren.
  • Händeschütteln ist tabu.
  • Gehen Sie in Ruhe, aber zügig durch die Räume. Die Besichtigung selbst sollte so kurz wie möglich gehalten werden.
  • Alle Fragen und das weitere Vorgehen besprechen Sie draußen an der frischen Luft.
  • Halten Sie den Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern dringend ein. Achten Sie auf Engstellen (Eingangstür, Diele, kleine Räume …), gegebenenfalls kann immer nur eine Person allein eintreten.
  • Füllen Sie vor Ort keine Unterlagen aus und übergeben Sie auch keine Dokumente. Der Austausch von Informationsmaterial sollte digital erfolgen, nur der Vertrag selbst sollte per Post verschickt werden.

Wenn die Wohnung oder das Haus noch bewohnt ist

Eine Immobilie soll besichtigt werden, während die aktuellen Bewohner noch darin wohnen? Dann sind Fingerspitzengefühl und Rücksichtnahme gefragt. Denn auch wenn der Vermieter eine Besichtigung veranlassen darf, muss der Noch-Mieter geschützt werden. Das bedeutet: Im Idealfall einigen sich beide Parteien darauf, dass der Mieter Fotos und Videos der Wohnung macht und diese dem Vermieter zukommen lässt. Eine Besichtigung findet erst statt, nachdem der Mieter ausgezogen ist.

Will der Vermieter selbst die Fotos schießen (oder der Mieter zeigt sich damit einverstanden), sollten sich alle Beteiligten an folgende Hinweise halten:

  • Der Vermieter kündigt seinen Besuch rechtzeitig an, sodass der Mieter die Wohnung vorbereiten kann.
  • Vermieter und Mieter einigen sich auf einen Ablauf, um den Aufenthalt des Vermieters in der Wohnung so kurz wie möglich zu halten.
  • Alle Beteiligten halten den Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern ein.
  • Alle Beteiligten desinfizieren sich die Hände und tragen eine Mund-Nasen-Maske und ggf. Einweghandschuhe.
  • Der Mieter öffnet alle Innentüren, sodass der Vermieter Klinken oder Knäufe nicht anfassen muss.
  • Ist einer der Beteiligten krank, wird der Termin verschoben.
Hinweis

So wichtig für manche Menschen auch eine persönliche Besichtigung einer Wohnung ist, um sich einen eigenen Eindruck vom Schnitt oder den Lichtverhältnissen zu machen – in der derzeitigen Situation hat die Gesundheit Vorrang. Wenn die Wohnungsbesichtigung einen der Beteiligten (Vermieter/Eigentümer/Makler, Vormieter, Interessent …) vor zu große Herausforderungen stellt, sollte die Besichtigung im Zweifel lieber auf einen späteren Termin verschoben werden.


So klappt der Umzug in Zeiten von Corona

Umziehen in Zeiten von Corona: möglich, aber schwierig. Vor allem, wenn man sich kein Unternehmen leisten kann, das den Umzug durchführt. Denn auch nach den Lockerungen des Kontaktverbotes können die üblichen Umzugshelfer wie Verwandte, Freunde oder Nachbarn nicht wie normalerweise anpacken. Aufgrund der geltenden Kontaktbeschränkungen dürfen im Prinzip nur die Mitglieder des eigenen Haushaltes den Umzug stemmen.

Allerdings brauchen Sie seit den ersten Lockerungen, die Bund und Länder Ende April verabschiedet haben, nicht mehr ganz auf weitere Unterstützung verzichten. Zuletzt wurde der Kontakt zwischen zwei Haushalten erlaubt. Das Bayerische Innenministerium beispielsweise weist dennoch mit Nachdruck darauf hin, auch bei Umzügen „die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstandes auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.“ Das bedeutet: Am sichersten für Sie und andere ist es, wenn Sie selber Kisten schleppen – oder Umzugsprofis beauftragen. Denn Möbelspeditionen dürfen weiterhin arbeiten.

Info

Bundes- und Landesregierungen beraten regelmäßig darüber, wie sie in der Corona-Pandemie weiter vorgehen. Die gültigen Vorschriften ändern sich daher immer wieder und unterscheiden sich im Detail auch von Bundesland zu Bundesland. Informieren Sie sich unmittelbar vor dem Umzugstag über den aktuellen Stand auf der Website Ihrer Landesregierung.

Umzug mit Möbelspedition beauftragen

Wenn man momentan eine Möbelspedition mit dem Umzug beauftragt, fällt der persönliche Besuch vorab weg. Kunden sollten am besten telefonisch oder per E-Mail Kontakt mit der Spedition aufnehmen. Diese kalkuliert den Arbeitsaufwand und die Preise ebenfalls aus der Ferne – zum Beispiel anhand von Fotos oder Videos, die der Kunde macht. Allerdings sind die Speditionen in der Regel auch auf Einschätzungen der Kunden angewiesen. Hier sollten Sie Aufwand und Umfang nicht zu knapp angeben, denn die Mehrkosten stellt Ihnen die Spedition hinterher in Rechnung.

Info

Abhängig von der Wohnungsgröße und dem Volumen des Umzugsgutes müssen Sie mit einem drei- bis vierstelligen Betrag rechnen, wenn Sie eine Spedition beauftragen. Risikozulagen „wegen Corona“ brauchen Sie aber nicht zu akzeptieren – laut Experten sind solche Aufschläge unseriös.

Logistische Herausforderungen am Tag des Umzugs

Kommt die Spedition mit einem großen Umzugs-Lkw angefahren, braucht er Platz. Allerdings steht momentan am Straßenrand häufig kaum Stellfläche zur Verfügung. Da viele Menschen im Homeoffice arbeiten, stehen viele Autos tage- oder wochenlang auf demselben Parkplatz. Bei der Kommune kann man für den Umzug ein spezielles Halteverbotsschild beantragen, das ein paar Tage vor dem Termin aufgestellt wird und für Platz sorgen sollte. Doch nicht bei allen Verwaltungen klappt das momentan reibungslos. Umzugsunternehmen haben angekündigt, dass sie Ausweichlösungen finden. Wenn Sie allein umziehen, müssen Sie jedoch rechtzeitig Ihre Nachbarn fragen, ob diese ihre Autos vor dem Umzug um parken.

Hygienetipps für den Umzug

Ob Sie eine Spedition beauftragen oder ein paar Helfer zusammentrommeln (können) – achten Sie beim Umzug auf eine strenge Hygiene. Hier ein paar Tipps, um alle Beteiligten zu schützen.

  • Regelmäßig Hände waschen
  • Desinfektionsmittel für die Umzugshelfer bereitstellen
  • Abstand von 1,5 bis 2 Meter zu allen Helfern einhalten
  • Handschuhe und Mund-Nasen-Maske tragen (auch bei schweißtreibenden Arbeiten)
  • Möbel und andere Gegenstände mit einem Haushaltsreiniger feucht abwischen
Achtung

Umzüge innerhalb Deutschlands sind zwar schwierig, aber trotzdem irgendwie machbar. Wer aber ins Ausland umziehen will (oder muss), steht vor gewaltigen Herausforderungen. Viele europäische Länder haben Einreisestopps verhängt, sodass ein Umzug derzeit nicht möglich ist.


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