Motorrad: So sinnvoll ist ein Saisonkennzeichen

Motorrad: Wie sinnvoll sind Saisonkennzeichen?

Der Frühling naht, die Temperaturen steigen, Motorradfahrer zieht es auf die Straße. Die Saison hat im Sommer ihren Höhepunkt und dauert bis zum Herbst, wenn die Tage trüber und die Straßen rutschiger werden. Dann schicken die meisten Fahrer ihrer Motorräder in den Winterschlaf – bis zum Frühjahr.

Wird das Motorrad nur für ausgewählte Monate genutzt, kann es mit einem Saisonkennzeichen zugelassen werden. Warum dies Zeit und Geld spart, und was zu beachten ist, erfahren Sie im Ratgeber.

Diese Versicherungsbegriffe spielen im Text eine Rolle
Begriff
Erklärung
Pflichtversicherungsgesetz für Kraftfahrzeughalter (PflVG)Regelt die Pflicht zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung, der alle Fahrzeughalter nachkommen müssen, wenn sie ihr Fahrzeug auf einer öffentlichen Straße bewegen und abstellen wollen. Das Gesetz gilt nur für inländische Fahrzeughalter; für ausländische Halter, die auf deutschen Straßen unterwegs sind, gilt ein eigenes Gesetz. Vorsätzliches Zuwiderhandeln kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr geahndet werden.

In Deutschland wurde das Saisonkennzeichen am 1. März 1997 als neue Zulassungsform eingeführt. Seitdem können zum Beispiel Motorräder und Cabrios für einen begrenzten Zeitraum genutzt werden. Mit Erfolg, wie sich zeigt. Seit Jahren steigen die Zulassungszahlen von Motorrädern mit Saison­kennzeichen. Der Vorteil: Die kostenpflichtigen An- und Abmeldungen zu Beginn und Ende einer Saison entfallen. Für Halter bedeutet dies, dass ein Motorrad mit Saisonkennzeichen nur noch einmal zugelassen werden muss. Um es zu verlängern, muss man nicht mehr zur Zulassungsstelle. Dies vollzieht sich automatisch am 1. Tag des Monats, der als Saisonanfang festgelegt wurde. Auch die Stilllegung erfolgt automatisch. Fährt man das Motorrad mit Saisonkennzeichen, kann man Kosten sparen. So müssen Kfz-Steuern und Versicherungsbeträge nur für die Monate gezahlt werden, in denen das Motorrad betrieben werden darf.

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt (http://www.kba.de/DE/Statistik/Fahrzeuge/Bestand/Saisonkennzeichen/b_saison_zeitreihe.html?nn=645902)


Wie lange ist das Saisonkennzeichen fürs Motorrad gültig?

In welchen Monaten das Motorrad mit einem Saisonkennzeichen zugelassen werden kann, ist nicht vorgeschrieben. Der Zeitraum kann vom Halter nach eigenem Ermessen gewählt werden. Die meisten Fahrer legen den Saisonstart auf März und das Ende auf Oktober. Doch Sie können die Gültigkeit entsprechend Ihrer Nutzung selbst festlegen. Dabei müssen Sie aber mehrere Vorgaben beachten:

  • Der mögliche Zeitraum liegt zwischen 2 und 11 Monaten.
  • Innerhalb dieses Zeitraums ist keine Unterbrechung möglich. Ein Saisonkennzeichen für April und Mai und dann nochmal für September und Oktober zu verwenden, ist nicht möglich.
  • Wenn Sie den Gültigkeitszeitraum eines genehmigten Saisonkennzeichens für Ihr Motorrad ändern wollen – also: verkürzen oder verlängern –, müssen Sie ein neues Kennzeichen beantragen.
Hinweis

Das Saisonkennzeichen ist nicht zu verwechseln mit dem Kurzzeitkennzeichen. Dieses ist maximal für 5 Tage gültig und dient für Probe- und Prüfungsfahrten. Auch für die Überführung eines neu gekauften Motorrads ist es geeignet, aber nicht für den längeren Gebrauch. Kurzzeitkennzeichen besitzen am rechten Rand ein gelbes Feld, auf dem das Ablaufdatum des 5-Tages-Zeitraum vermerkt ist.


Wie sieht das Saisonkennzeichen überhaupt aus?

Das Saisonkennzeichen ähnelt einem herkömmlichen Motorradkennzeichen. Es ist zweizeilig, wobei oben das Kürzel für den Zulassungsbezirk zu finden ist: Das sogenannte Unterscheidungszeichen bezieht sich dabei auf Landkreise, kreisfreie Städte sowie die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. In der unteren Zeile befindet sich die sogenannte Erkennungsnummer, die aus einer Kombination von Buchstaben und Zahlen besteht. Während bei ganzjährig gültigen Kennzeichen die Länge maximal 8 Zeichen betragen darf (Unterscheidungszeichen + Erkennungsnummer), sind es bei Saisonkennzeichen höchstens 7 Zeichen. Die optische Besonderheit des Saisonkennzeichens wird in der oberen rechten Ecke deutlich. Dort ist der Gültigkeitszeitraum vermerkt. Die obere Ziffer gibt den Monat an, in dem die Saison beginnt, die untere steht für den Monat, in dem die Saison endet. Beide Ziffern werden durch einen schmalen Strich voneinander getrennt.

Saisonkennzeichen Motorrad - CosmosDirekt

Kleinere Mindestmaße für Saisonkennzeichen-Schild freuen Motorradfahrer

Bis 2011 mussten Motorradfahrer mit dem zweizeiligen Standardmaß von mindestens 28 x 20 Zentimetern vorlieb nehmen. Aufgrund ihrer Größe hatten normale und Saisonkennzeichen schnell den Spitznamen „Kuchenblech“ weg. Doch mit einer Novellierung der Fahrzeug-Zulassungsverordnung führte das Bundesverkehrsministerium neue, deutlich kleinere Mindestmaße bei Krafträdern ein. Nun kann bei einem Motorrad das Saisonkennzeichen auf Wunsch in der Größe 18 x 20 Zentimetern verwendet werden.

Tipp

Das Saisonkennzeichen kann auch als Wunschkennzeichen beantragt werden. Dafür stellen die meisten Zulassungsstellen auch ein Online-Portal zur Verfügung. Einfach die Wunschkombination eingeben und verbindlich reservieren. Die Reservierung ist dann für ein paar Tage gültig. Wenn Sie innerhalb dieses Zeitraums das Motorrad nicht zulassen, verfällt sie.


Was passiert mit dem Motorrad, wenn der Zeitraum für das Saisonkennzeichen endet?

Am ersten Tag des Monats, der auf das angegebene Saisonende folgt, beginnt die Ruhezeit für Ihr Motorrad. Das Saisonkennzeichen verliert seine Gültigkeit. Das bedeutet: Sie dürfen Ihr Motorrad nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr bewegen. Auch auf öffentlich zugänglichen Park- und Abstellplätzen darf es nicht mehr stehen. Dasselbe gilt für Straßen und Gehwege. Sie müssen Ihr Motorrad auf einem privaten Parkplatz abstellen. Tabu ist damit die Überwinterung am Straßenrand vor der Wohnung oder Eigenheim. Fahren dürfen Sie das Motorrad erst wieder ab dem ersten Tag des Monats, der als Saisonbeginn festgelegt wurde.

Werden Sie von der Polizei oder dem Ordnungsamt bei Verstößen gegen diese Auflagen erwischt, hat das Konsequenzen:

  • Wird das Motorrad außerhalb des angegebenen Zeitraums betrieben: Bußgeld in Höhe von 50 Euro und 3 Punkte in Flensburg (Stand 04/2016).
  • Wird das Motorrad auf einer öffentlichen Straße abgestellt: Bußgeld in Höhe von 40 Euro und 1 Punkt in Flensburg (Stand 04/2016).
  • Gegebenenfalls kommen Abschlepp- beziehungsweise Umsetzkosten von etwa 100 Euro dazu – abhängig von der Gebührensatzung der Kommune.
Beispiel:

Das Saisonkennzeichen gilt für das Motorrad vom 1. März bis zum 30. Oktober eines Jahres.

Zeitraum
01. Januar bis 28. Februar1. März bis 30. Oktober1. November bis 31. Dezember
Zugelassen?JaJaJa
Status?StillgelegtDarf betrieben werdenStillgelegt
Hinweis

Fahren Sie mit Ihrem Motorrad trotz ungültigem Saisonkennzeichen, verstoßen Sie gegen das Pflichtversicherungsgesetz für Kraftfahrzeughalter (PflVG). Im Fall eines Unfalls müssen Sie die entstandenen Kosten allein übernehmen – die Versicherung kommt für diese Schäden nicht auf. Abhängig davon, ob Sie fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt haben, droht Ihnen sogar eine Haftstrafe.


Der richtige Versicherungsschutz fürs Motorrad mit Saisonkennzeichen

Wie jedes andere Fahrzeug, das auf einer öffentlichen Straße betrieben werden soll, benötigt ein Motorrad mit Saisonkennzeichen eine Haftpflicht­versicherung. Diese deckt Schäden ab, die Sie bei anderen Verkehrsteilnehmern verursachen. Schäden am eigenen Motorrad werden durch die Kaskoversicherungen abgesichert. Die Teilkasko übernimmt beispielsweise Risiken wie Brand und Explosion, Diebstahl, Kollision mit Tieren oder Bruchschäden an den verglasten Elementen wie Windschild oder Scheinwerfern. Die Vollkaskoversicherung schützt Sie zudem gegen Schäden durch Vandalismus und ersetzt Reparaturkosten, wenn Ihr Motorrad bei einem selbstverschuldeten Unfall Schaden nimmt.

Wird das Motorrad ganzjährig mit einem klassischen Kennzeichen betrieben, dann besteht auch das ganze Jahr der volle Versicherungsschutz. Betreiben Sie dagegen Ihr Motorrad mit einem Saisonkennzeichen, sind ein paar Besonderheiten zu beachten. Mit der vorübergehenden Stilllegung des Motorrads außerhalb der Saison geht die Versicherung in eine Ruheversicherung über. Dabei handelt es sich um einen Basisschutz, der mit einigen Einschränkungen verbunden ist.

Beispiel

Ihr Motorrad besitzt ein Saisonkennzeichen vom 1. März bis zum 30. Oktober. Das sind 8 Monate. 8 von 12 sind 66,6 Prozent. Sie zahlen für Ihre Motorradversicherung also nur 66,6 Prozent des Normaltarifs. Bei 7 Monaten wären es 58,3 Prozent.

Ein sicherer Stellplatz ist Voraussetzung für die Ruheversicherung

Zunächst muss das Motorrad auf einem sicheren Stellplatz verwahrt werden. Das kann eine Garage oder ein umzäuntes Gelände sein. Die meisten Versicherungen verlangen eine „Umfriedung“. Dies kann auch ein privater Abstellplatz mit einer Hecke sein. Jedenfalls darf das Motorrad von außen nicht einfach zu erreichen sein. Auch auf Gemeinschaftsparkplätzen vor Mehrfamilienhäusern darf das Motorrad den Winter über nicht abgestellt werden – diese gelten ebenfalls als öffentliche Stellplätze.Sind die Voraussetzungen erfüllt, greift während der Ruhezeit der Haftpflicht- und Kaskoschutz.

Der Versicherungsumfang der Ruheversicherung richtet sich danach, welcher Versicherungsschutz vor der Stilllegung bestanden hat. War nur eine Haftpflicht für Ihr Motorrad abgeschlossen, gilt die Ruheversicherung auch nur für diesen Bereich. Das bedeutet: Wird das Motorrad gestohlen und verursacht der Dieb damit einen Schaden, übernimmt Ihre Haftpflicht diesen. Ebenso ist das der Fall, wenn durch eine defekte oder poröse Leitung Öl oder Benzin austritt, den Untergrund kontaminiert und ein Austausch des Erdreichs notwendig wird. War eine Teil- oder Vollkasko Bestandteil des Vertrags, erstreckt sich der Versicherungsschutz während der Ruhezeit ebenfalls auf diese Bestandteile. Das bedeutet: Fängt das Motorrad zum Beispiel wegen einer fehlgeleiteten Silvesterrakete Feuer oder wird es gestohlen, kommt die Teilkasko dafür auf.

Hinweis

Während der Ruhephase besteht kein Vollkasko-Schutz, sondern die Absicherung umfasst maximal die Teilkasko – selbst wenn Sie eine Vollkaskoversicherung für Ihr Motorrad abgeschlossen haben. Besitzen Sie nur die Motorrad-Haftpflicht, sind Sie auch nur durch diese geschützt.

Sonderfahrten zur Zulassung und zur Hauptuntersuchung sind versichert

Bestimmte Fahrten sind dennoch während der Ruhezeit versichert. Dabei handelt es sich um Fahrten, die mit der Zulassung selbst in Zusammenhang stehen oder die zur Haupt- und Abgasuntersuchung notwendig sind. Allerdings beschränkt sich der Versicherungsschutz bei solchen Fahrten ausschließlich auf den eigenen Zulassungsbezirk und eines angrenzenden Zulassungsbezirks. Suchen Sie mit Ihrem Motorrad eine Werkstatt oder eine TÜV-Station außerhalb des Gültigkeitsbereichs auf, sind Sie im Fall eines Unfalls nicht versichert.

Saisonkennzeichen fürs Motorrad kann Kosten senken, wenn es länger als 6 Monate gültig ist

Um von sinkenden Versicherungsprämien zu profitieren, sollte das Saisonkennzeichen länger als 6 Monate gültig sein. Denn erst wenn das halbe Jahr überschritten wird, belohnen Versicherungen unfallfreies Fahren im Folgejahr durch eine bessere Einstufung in den Schadenfreiheitsklassen. Diese spielen für die Berechnung der Haftpflicht- und der Vollkaskoversicherung eine große Rolle. Liegt der Gültigkeitszeitraum für das Saisonkennzeichen unter der 6-Monate-Grenze, bekommen Sie im darauffolgenden Jahr keinen günstigeren Schadenfreiheitsrabatt. Allerdings gibt es dennoch keinen Schutz gegen Kostensteigerungen: Nach Unfällen können Sie dennoch hochgestuft werden.

Tipp

Wie hoch die Ersparnis ausfällt, wenn Sie Ihr Motorrad mit einem Saisonkennzeichen betreiben, ist sehr individuell. Berücksichtigen Sie bei der Berechnung Ihrer Prämie immer auch Rabattmöglichkeiten für die Nutzung einer Garage oder eine geringe jährliche Fahrleistung. Mehr zum Thema erfahren Sie im Ratgeber Motorradversicherung Kosten.


Welche Unterlagen benötige ich für die Zulassung meines Motorrads mit einem Saisonkennzeichen?

Die Zulassung eines Motorrads mit Saisonkennzeichen folgt dem üblichen Prozedere. Vorgenommen wird sie bei Ihrer zuständigen Kfz-Zulassungsstelle. Sie benötigen folgende Unterlagen:

  • Zulassungsbescheinigung Teil II (ehemals Fahrzeugbrief)
  • Zulassungsbescheinigung Teil I (ehemals Fahrzeugschein)
  • Personalausweis
  • Bescheinigung über gültige Hauptuntersuchung (HU) – enthält auch Abgasuntersuchung (AU), die nicht mehr separat vorgenommen wird
  • Gültige eVB-Nummer (elektronische Bestätigung Ihres Versicherungsunternehmens)
  • Gewünschter Saisonzeitraum
  • Eventuell bisherige Kennzeichen
  • Eventuell Bestätigung des Wunschkennzeichens

Möchten Firmen ein Motorrad mit Saisonkennzeichen anmelden, müssen sie den Unterlagen eine Gewerbeanmeldung oder einen Auszug aus dem Handelsregister (maximal 3 Jahre alt) beifügen.

Kosten für Saisonkennzeichen hängen von Zulassungsstelle ab

Schließlich müssen Sie noch die fälligen Gebühren bezahlen. Jede Zulassungsstelle hat einen eigenen Katalog dafür. Wer ein Motorrad mit Saisonkennzeichen anmelden will, muss mit Kosten in Höhe von durchschnittlich 27 Euro rechnen. Je nach Region kann der Gebührensatz ein paar Euro darüber oder darunter liegen. Dazu kommen eventuelle Zusatzkosten für das Wunschkennzeichen in Höhe von 10,20 Euro (bundesweit einheitlich) sowie für den Druck des Kennzeichens. Dieser kostet zwischen 10 und 15 Euro. Insgesamt liegen die Kosten für die Anmeldung Ihres Motorrads mit Saisonkennzeichen zwischen 35 und 55 Euro.


Fazit: Wer sein Motorrad nur wenige Monate fährt, sollte es mit einem Saisonkennzeichen zulassen

Fährt man mit dem Motorrad nicht das ganze Jahr, sondern bewegt es nur zwischen Frühling und Herbst, kann man mit einem Saisonkennzeichen einige Kosten, aber auch Zeit und Aufwand sparen. Steuern werden nur anteilig für die Monate fällig, für die das Motorrad zugelassen ist. Viele Versicherungen handhaben das ähnlich, manche erheben aber auch einen reduzierten Jahressatz. Die erneute An- und Abmeldung bei der Zulassungsstelle entfallen, da das Saisonkennzeichen nur einmal beantragt wird. Das Motorrad darf allerdings außerhalb des angegebenen Gültigkeitszeitraums auf einer öffentlichen Straße weder bewegt noch abgestellt werden.

Tipp

Ein Saisonkennzeichen ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie bereits über einen gesicherten Stellplatz für Ihr Motorrad verfügen. Müssen Sie erst einen anmieten, sollten Sie die Kosten genau vergleichen. Mitunter ist es günstiger, das Motorrad ganzjährig zu schützen.


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