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Probefahrt

Ihr Ratgeber zur Probefahrt: Vertrag, Versicherung, Checkliste und mehr

Spontan zum Händler, probesitzen, Auto kaufen – so schnell sollten Sie Ihre Kaufentscheidung nicht treffen. Bestandteil jedes Autokaufs ist eine ausgiebige Probefahrt. Dadurch bekommen Sie ein Gefühl für das Fahrzeug und einen umfassenden Eindruck von dessen Zustand. Das erfordert Planung im Vorfeld und ein systematisches Vorgehen während der Probefahrt. Wir erläutern die wichtigsten Aspekte der Probefahrt und erklären die rechtlichen Bestimmungen.

Diese Begriffe sollten Sie kennen
Begriff
Erklärung
Herabstufung des SchadenfreiheitsrabattsDer Schadenfreiheitsrabatt beeinflusst die Beitragshöhe zur Kfz Versicherung. Schäden am versicherten Fahrzeug führen in der Regel zu einer Herabstufung in der Schadenfreiheitsklasse und einem niedrigeren Rabatt.
Dekra und TÜVDekra und TÜV sind technische Überwachungsvereine. Sie kontrollieren den Zustand von Kraftfahrzeugen. Wichtige Aufgaben von Dekra und TÜV sind die Abgas- und Hauptuntersuchung.

Versicherungsrechtliche Aspekte

Vor jeder Probefahrt sollten Kauf­interessent und Verkäufer die Versicherungs­modali­täten genau abklären. Ansonsten drohen bei Unfällen unan­genehme Überra­schungen. Dabei gelten für Händler­käufe und Käufe von Privat­personen unter­schiedliche Bedingungen. Insbe­sondere Privatverkäufe erfordern eine Probe­fahrt­verein­barung.

Unterlagen und Versicherung

Für potenzielle Käufer genügt es, Personalausweis und Führerschein zur Probefahrt mitzubringen. Verkäufer sollten sich den Führerschein des Kaufinteressenten zeigen lassen. Unabhängig ob Händler oder privater Verkäufer – die Fahrzeugpapiere sollten immer vorliegen. Zudem sollten Unterlagen bereitliegen, anhand derer sich eingehaltene Wartungs- und Service-Intervalle nachvollziehen lassen. Die Versicherungssituation hängt maßgeblich davon ab, ob der Verkäufer ein gewerblicher Händler oder eine Privatperson ist.

Die Probefahrt-Versicherung bei einem Händlerkauf

Für Händlerfahrzeuge, die für Probefahrten zur Verfügung stehen, besteht in aller Regel ein Haftpflichtschutz, da diese zugelassen sein müssen. Die Fahrzeuge sind meistens auch vollkaskoversichert. Allerdings ist im Vorfeld zu klären, ob im Falle eines Schadens eine Selbstbeteiligung gezahlt werden muss. Grundsätzlich gilt zwar die "stillschweigende Haftungsfreistellung" zugunsten des Kaufinteressenten. Diese kann der Händler allerdings außer Kraft setzen. Er muss dafür nur darauf hinweisen, dass der Kaskoschutz nicht greift oder eine Selbstbeteiligung im Schadenfall fällig wird. Am besten klären Sie vor der Probefahrt ab, ob die "stillschweigende Haftungsfreistellung" greift.

Info

Ein rotes Kennzeichen werden auch als Händler- oder Probefahrtkennzeichen bezeichnet. Sie beginnen mit 05 oder 06.

Probefahrt-Versicherung bei einem privaten Kauf

Die stillschweigende Haftungsfreistellung greift bei Kaufgeschäften zwischen Privatpersonen nicht. Hier haftet grundsätzlich der Probefahrer für Schäden, die während der Fahrt durch sein Verschulden entstehen. Daher ist es wichtig, im Vorfeld abzuklären, wie das Fahrzeug versichert ist. Das Fahrzeug sollte in jedem Fall zugelassen sein, da im Rahmen der Kfz Versicherung ein Haftpflichtschutz besteht. Als potenzieller Käufer sollten Sie außerdem fragen, ob ein Kaskoschutz vorhanden ist.

Wenn eine Vollkasko abgeschlossen wurde, sind die Schäden am Fahrzeug versichert. Es bleibt allerdings zu klären, wie Probefahrer und Halter bei einer Selbstbeteiligung und einer Herabstufung in der Schadenfreiheitsklasse verfahren. Hierüber sollte eine schriftliche Vereinbarung getroffen werden. Außerdem sollte geregelt werden, wie bei Bußgeldern verfahren wird. Laden Sie sich einfach unsere Probefahrtvereinbarung herunter, dann können Sie alles schriftlich vereinbaren.


Wann, wo und mit wem – die Probefahrt richtig planen

Vor dem Start der eigentlichen Probefahrt gilt es, die richtigen Bedingungen sicherzustellen. Das betrifft den Verlauf der Fahrt ebenso wie den Zeitpunkt und die Dauer. Außerdem sollte neben dem Verkäufer oder Händler immer auch eine Begleitperson während der Fahrt dabei sein.

Der richtige Zeitpunkt für die Probefahrt

Die Probefahrt sollte bei Tageslicht stattfinden. Gute Lichtverhältnisse sind auch bei der Besichtigung des Fahrzeugs wichtig. Schwach beleuchtete Garagen sind hierfür nicht geeignet. Das Verkehrsaufkommen sollte während der Probefahrt außerdem möglichst niedrig sein. Dann können Sie sich umso mehr auf den Fahreindruck konzentrieren. In jedem Fall gilt es Stau zu vermeiden. Bevor Sie eine Probefahrt während des Berufsverkehrs durchführen, nehmen Sie sich lieber einen Tag frei.

Die Streckenführung

Legen Sie vor der Probefahrt eine Strecke fest. Diese sollte durch die Stadt, über Autobahnabschnitte und Landstraßen führen, um das Fahrzeug umfassend beanspruchen zu können. Kurven mit engen Radien sollten nach Möglichkeit ebenfalls zur Strecke gehören. Außerdem ist ein Parkplatz mit ausreichend freier Fläche hilfreich, um Brems- und Lenktests durchzuführen. Die Dauer der Probefahrt sollte zumindest 30 Minuten betragen. Bei Fahrzeugen im höheren Preissegment sind auch Testphasen von einem Wochenende durchaus üblich. Bisweilen wird für Probefahrten auch ein Kilometerkontingent vereinbart. Einige Händler stellen außerdem die Betriebskosten in Rechnung.

Tipp

Die Fahrt sollte auch über Kopfsteinpflaster oder holprige Straßen führen. Dadurch lassen sich Mängel am Fahrwerk, der Lenkung und den Stoßdämpfern feststellen.

Mit Begleitung zur Probefahrt

Eine oder sogar zwei Begleitpersonen sollten bei einer Probefahrt dabei sein. Das gilt umso mehr, wenn Sie noch wenig Erfahrung mit Fahrzeugen gesammelt haben. Wenn etwas am Fahrzeug auffällt, kann es sinnvoll sein, wenn sich die Begleitperson ans Steuer setzt. Die Begleitperson kann außerdem während der Fahrt Protokoll führen und eine vorher angelegte Checkliste Punkt für Punkt abhaken und auf vergessene Punkte hinweisen.


Bevor der Motor anspringt

Vor dem Beginn der Probefahrt steht eine eingehende Besichtigung des Fahrzeugs an. Sie ist besonders wichtig, wenn es sich um einen Gebrauchtwagen handelt. Achten Sie dabei auf sichtbare Schäden am Lack, rostige Stellen (am Auspuff, Scheibenrahmen) und auf die Profiltiefe der Reifen. Alle Funktionen des Beleuchtungssystems sollten gecheckt werden. Besonders wichtig bei Gebrauchtwagen ist der Blick unter die Motorhaube. Achten Sie dabei auf undichte Stellen sowie auf den Zustand der Schläuche, Kabel und Riemen. Auch die Stoßdämpfer und Bremsscheiben sollten kritisch auf Anzeichen von Verschleiß überprüft werden. Es ist außerdem empfehlenswert, die Betriebsstoffe zu kontrollieren:

  • Bremsflüssigkeit
  • Kraftstoff
  • Motoröl
  • Kühlerschutzmittel
Immer einen Kaltstart hinlegen

Häufig lassen sich Startschwierigkeiten des Motors vermeiden, wenn dieser warmgelaufen ist. Die Ursachen für Startprobleme sind häufig schwer auszumachen und können zu einem großen Ärgernis nach dem Kauf werden. Deswegen achten Sie stets darauf, dass der Motor tatsächlich kalt ist. Weil das jedem Händler bekannt ist, sollte ein warmgelaufener Motor immer Ihr Misstrauen erwecken.

Der Check im Innenraum – Bedienelemente, Ausstattung, Verarbeitung

Sobald Sie auf dem Fahrersitz Platz genommen haben, nehmen Sie sich ausreichend Zeit, um sich vertraut zu machen. Schauen Sie auf die Position der Bedienelemente, die Gestaltung des Armaturenbretts sowie die Einstellungsmöglichkeiten am Sitz und den Spiegeln.

Hinweis

Wenn Sie bei der Besichtigung Mängel feststellen, halten Sie diese schriftlich fest. Das verhindert, dass der Händler Sie für Schäden verantwortlich macht, die bereits bestanden haben. Sollte das Fahrzeug Sicherheitsmängel aufweisen, sehen Sie von der Probefahrt ab.


Während der Probefahrt

Ein umfassender Eindruck kann nur entstehen, wenn Sie das Fahrzeug in unterschiedlichen Belastungssituationen fahren. Dabei ist nicht nur das unmittelbare Fahrverhalten wichtig, sondern auch die Geräusche des Fahrzeugs. Knacken, Poltern, Klappern und Motorengeräusche sind häufig Indikatoren für Schäden und Verschleiß. Lassen Sie daher auch mal die Fensterscheibe herunter, um in Kurven auf verdächtige Geräusche zu achten. Das Radio sollte während der Fahrt ausgeschaltet bleiben, und längere Gespräche gehören ebenfalls nicht in eine Probefahrt.

Kupplungstest

Lassen Sie die Kupplung im ersten Gang kommen. Wenn der Wagen erst spät anzieht, kann es ein Hinweis auf Verschleißerscheinungen sein. Um die Kupplung eingehender zu prüfen, schalten Sie in den zweiten Gang, ziehen Sie die Handbremse an und lassen die Kupplung langsam kommen. Dabei sollte sich die Drehzahl zunächst verringern und der Motor ausgehen. Falls das nicht geschieht, ist der Anpressdruck zwischen Kupplung und Reibfläche zu gering – die Kupplung „rutscht durch“.

Gas und Schaltung prüfen

Schalten Sie alle Gänge des Fahrzeugs durch. Achten Sie dabei besonders auf knarrende und zerrende Geräusche. Zwischen allen Gängen sollte sich der Schaltvorgang gleich anfühlen. Auch wenn Sie beim Hochschalten einen Gang auslassen, sollten keine auffälligen Geräusche entstehen. Bei ruckartiger Betätigung des Gaspedals dürfen Gänge keinesfalls rausspringen.

Bremsen testen

Bei Betätigung der Bremsen darf der Wagen nicht nach links oder rechts ziehen. Diesen Test führen Sie bei einer Geschwindigkeit zwischen 30 und 40 km/h durch. Ein Ziehen nach links oder rechts ist in der Regel auf eine Ungleichverteilung der Bremskraft zurückzuführen und sollte bei einem Check der Bremsanlage bzw. der Einstellung geprüft werden.

Test bei hoher Geschwindigkeit

Wenn es die Geschwindigkeitsregelungen und äußeren Bedingungen erlauben, versuchen Sie den Wagen auszufahren. Achten Sie darauf, wie sich dabei die Motortemperatur und der Öldruck entwickeln. Bei Höchstgeschwindigkeit sollten die Werte nicht wesentlich ansteigen.

Qualmaustritt aus dem Auspuff

Schauen Sie im Rückspiegel, ob bei starker Beschleunigung, niedertourigem Fahren und unter plötzlicher Gaswegnahme dunkle Abgase erkennbar sind. Das ist Hinweis auf eine zu starke Ölverbrennung. Ursache dafür sind häufig verschlissene Motordichtungen (z. B. Kolbenringe). Sie können den Auspuffausstoß auch prüfen, wenn Sie den Motor für wenige Minuten im Leerlauf laufen lassen und Gas geben.

Spur-Test

Nehmen Sie auf gerader Strecke bei wenig Verkehr und moderater Geschwindigkeit die Hände vom Lenkrad. Der Wagen sollte dann weiterhin gerade in der Spur bleiben. Falls der Wagen merkbar zu einer Seite zieht, müssen die Spureinstellung und das Fahrwerk überprüft werden.

Antiblockiersystem (ABS) prüfen

Das ABS sollten Sie nur auf unbefahrener und gerader Strecke prüfen. Führen Sie dafür eine Vollbremsung bei einer Geschwindigkeit von maximal 40 km/h durch. Die Räder dürfen weder blockieren noch darf das Fahrzeug aus der Spur kommen.


Nach der Probefahrt

Wenn Sie den Wagen zum Stehen gebracht haben, werfen Sie noch einmal einen Blick auf den Motor. Unter Umständen werden ausgelaufene Flüssigkeiten und undichte Stellen erst nach der Fahrt sichtbar. Wenn Ihnen während der Probefahrt etwas aufgefallen ist, sprechen Sie den Verkäufer bzw. Händler darauf an. Nach der Probefahrt festgestellte Mängel sollten ebenfalls schriftlich festgehalten werden. Bei einem Gebrauchtwagen fragen Sie den Händler bzw. den privaten Verkäufer nach dem Serviceheft. Wenn Zweifel nicht ausgeräumt werden können, hilft häufig ein Gebrauchtwagen-Check bei einer Prüfstelle. DEKRA und TÜV bieten diese meistens für unter 100 Euro an.


Fazit: Die wichtigsten Punkte in der Übersicht

Versicherung und Unterlagen

  • Händler stellt Haftpflicht- und Vollkaskoschutz
  • Greift die „stillschweigende Haftungsbefreiung“
  • Selbstbeteiligung und Rückstufung übernimmt der Kaufinteressent
  • Modalitäten sollten in einem Probefahrt-Vertrag geklärt werden
  • Probefahrer sollte Führerschein und Personalausweis mitbringen
  • Verkäufer sollte Fahrzeugpapiere und Unterlagen zur Wartung vorzeigen

Die Planung der Probefahrt

  • Bei Tageslicht durchführen
  • Berufsverkehr meiden
  • Strecke sollte über Autobahn und Landstraße führen
  • Probefahrt sollte keinesfalls kürzer als 30 Minuten sein
  • Mindestens eine Begleitperson mitnehmen

Besichtigung des Fahrzeugs

  • Auf Schäden am Lack und rostige Stellen achten
  • Zustand des Motors prüfen
  • Bremsscheiben und Stoßdämpfer prüfen
  • Betriebsstoffe checken
  • Mit dem Innenraum vertraut machen
  • Mängel in dem Probefahrt-Vertrag festhalten

Die Probefahrt

  • Kupplungstest mit angezogener Handbremse
  • Eingehende Gas- und Schaltprüfung
  • Bei maximal 40 km/h bremsen und auf gerade Spur achten
  • Wagen möglichst ausfahren und auf Motortemperatur und Öldruck achten
  • Auf dunkle Abgasausstöße achten
  • Für Spurtest bei moderater Geschwindigkeit Hände vom Lenkrad nehmen
  • Für ABS-Test Vollbremsung bei maximal 40 km/h

Nach der Probefahrt

  • Ausreichend Zeit nehmen für die Auswertung
  • Mit Begleitperson austauschen
  • Bei Auffälligkeiten den Verkäufer darauf ansprechen
  • Bei Zweifeln einen Gebrauchtwagen-Check in Erwägung ziehen
  • Auch nach der Fahrt Mängel in dem Probefahrt-Vertrag festhalten


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