Versi­che­rungen für Homo­se­xu­elle und gleich­ge­schlecht­liche Part­ner­schaften

Versicherungen für Homosexuelle und gleichgeschlechtliche Partnerschaften

Die Ratgeber bieten allgemeine Informationen. Produktdetails von CosmosDirekt finden Sie auf den jeweiligen Produktseiten.

Seit dem 1. Oktober 2017 dürfen gleich­geschlechtliche Paare heiraten. Dadurch erhalten sie die gleichen Rechte und Pflichten wie hetero­sexuelle Ehe­paare. Nach der Heirat sollten alle Frisch­vermählten auch immer einen Blick in die Ver­sicherungs­unterlagen werfen. Viele Policen lassen sich zusammen­legen. Doch auch die eigene Absicherung sollte jeder Partner nicht vernachlässigen.

Unser Ratgeber liefert die wichtigsten Fakten über gemeinsame und individuelle Versicherungen sowie die Hinter­bliebenen­versorgung.


Diese Begriffe sollten Sie kennen
Begriff
Erklärung
UnterversicherungEine Unterversicherung bei der Hausratversicherung bedeutet, die Versicherungssumme in der Police geringer als der tatsächliche Wert des Hausrates ist. Viele Hausratversicherungen verzichten mittlerweile aber auf diese Klausel (Unterversicherungsverzicht).
GliedertaxeSie ist Bestandteil der privaten Unfallversicherung. Anhand der Gliedertaxe ermittelt der Versicherer, wie hoch die Invalidität des Versicherten nach dem Verlust eines Körperteils oder eines Sinnesorgans ist. Dadurch bestimmt sich auch, wie viel Geld der Versicherte erhält.
ProgressionDie Progression ist ebenfalls Bestandteil der privaten Unfallversicherung. Sie gibt an, um welchen Faktor sich die Versicherungsleistung bei bestimmten Invaliditätsgraden erhöht. Die Progression ist nach Schwere der Beeinträchtigung gestaffelt.

Für Homosexuelle war der 30. Juni 2017 ein historisches Datum. Denn an diesem Tag beschloss der Bundestag die Öffnung der zivilen Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Mit der sogenannten „Ehe für alle“ können nun auch homosexuelle Paare im Standesamt heiraten. Der Beschluss hat nicht nur eine große symbolische Kraft, er bedeutet auch die juristische Gleichstellung hetero- und homosexueller Ehepaare. Vor allem bei der Möglichkeit, ein Kind gemeinsam adoptieren zu können, wirkt sich die Gesetzesänderung praktisch aus.

Info

Mit der Änderung vom 30. Juni 2017 heißt es nun in § 1353 Absatz 1 Satz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB): „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“ Die eingetragene Lebenspartnerschaft ist abgeschafft; bestehende Partnerschaften können auf Wunsch in eine Ehe umgewandelt werden. Mehr erfahren Sie im Ratgeber "Ehe für alle".


Nach der Hochzeit Versicherungen checken und anpassen

Erst die Zeremonie im Standesamt, dann die Hochzeitsfeier, schließlich geht’s ab in die Flitterwochen. Doch wenn der Alltag für die Frischvermählten einkehrt, wird es Zeit, einen Blick auf die gemeinsamen Finanzen zu werfen. Dazu gehört auch, den Versicherungsschutz auf den Prüfstand zu stellen. Einige Policen kann man zusammenlegen, andere müssen angepasst werden. Prämien lassen sich bei folgenden Versicherungen sparen:

  • Hausratversicherung
  • Private Haftpflichtversicherung
  • Rechtsschutzversicherung
  • Kfz-Versicherungen

Hausratversicherung

Leben beide Ehepartner in einem gemeinsamen Haushalt, genügt eine Police. Bei der Zusammenlegung von zwei Policen bleibt die ältere bestehen, die neuere wird vom Versicherer aufgelöst. Die Versicherungssumme sollte dem neuen Wert von Möbeln, Haushaltsgeräten, Heimelektronik, Kleidung und dem übrigen Hab und Gut angepasst werden – um eine Unterversicherung – und die damit verbundenen Leistungskürzungen – zu vermeiden.

Private Haftpflichtversicherung

Auch bei der privaten Haftpflichtversicherung kann der Ehepartner in den Vertrag des anderen eingeschlossen werden. Wenn beide einen Vertrag einbringen, wird auch hier der jüngere Vertrag aufgelöst, während der ältere bestehen bleibt. Über die Aufnahme muss aber der Versicherer informiert werden. Unverheiratete Paare können sich ebenfalls über eine gemeinsame Police absichern.

Rechtsschutzversicherung

Bei der Rechtsschutzversicherung können Ehepaare den jüngeren von zwei Einzelverträgen ebenfalls kündigen und werden dann in Zukunft durch einen Vertrag geschützt. Zusätzliche Kosten entstehen nicht.

Kfz-Versicherungen

Der Kfz-Versicherer muss über die Heirat informiert werden. Je nach Tarif muss dann gegebenenfalls eine Tarifanpassung vorgenommen werden – damit beide Partner abgesichert sind, wenn Sie das Auto nutzen. Bei vielen Gesellschaften ist dies ohne einen Mehrbeitrag möglich.

Risikolebensversicherung

Mit der „verbundenen Risikolebensversicherung“ können sich Ehepaare über eine gemeinsame Police absichern. Diese ist in der Regel etwas günstiger als zwei Einzelverträge, allerdings zahlt sie auch nur einmal: Sterben beide Eheleute – zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall –, erhalten die Hinterbliebenen nur die vereinbarte Versicherungssumme. Zwei einzelne Verträge bieten dagegen doppelten Schutz, der sich gerade dann auszahlt, wenn minderjährige Kinder noch über einen längeren Zeitraum zu versorgen sind. Außerdem können bei Einzelverträgen Laufzeiten und Deckungssummen individuell angepasst werden, zum Beispiel, um neben dem Hinterbliebenenschutz auch eine Immobilienfinanzierung abzusichern. Als Faustformel für die Versicherungssumme gilt: das Drei- bis Fünffache des Jahresbruttoeinkommens des Ehepaars zuzüglich der vorhandenen Schulden.


Eigene Absicherung nicht vergessen

Neben dem gemeinsamen Versicherungsschutz und der Versorgung der Hinterbliebenen sollte jeder Ehepartner auch immer an die eigene Absicherung denken. Denn manche Versicherungen lassen sich nur individuell abschließen, weil auch nur der Versicherungsnehmer selbst von den Leistungen profitiert:

  • Berufsunfähigkeitsversicherung: Diese Versicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn man in seinem zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr dauerhaft arbeiten kann. Die Ursache spielt in der Regel keine Rolle, allerdings muss man zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig sein. Der Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsrente ist insbesondere für alle Jahrgänge ab 1961 sinnvoll, da für sie der staatliche Schutz stark eingeschränkt wurde. Denn der Bezug der gesetzlichen Erwerbsminderung ist mit hohen Hürden verbunden – und die Zahlungen reichen meist kaum für den Lebensunterhalt aus.
  • Private Unfallversicherung: Wer nach einem Unfall einen bleibenden körperlichen Schaden davonträgt, erhält die vereinbarten Leistungen. In der Regel zahlt die Unfallversicherung im Fall einer Invalidität einmalig einen bestimmten Betrag, der anhand der sogenannten Gliedertaxe, der Versicherungssumme und einer möglichen Progression berechnet wird. Möglich ist aber auch die Absicherung der Hinterbliebenen durch die sogenannte Todesfallsumme. Sie einzuschließen ist auch wichtig, um einen Vorschuss auf Leistungen zu erhalten – zum Beispiel, wenn der Grad der Behinderung noch nicht feststeht.

Hinterbliebenenrenten für gleichgeschlechtliche Ehepaare

Wie das Gesetz nüchtern formuliert, wird die Ehe „auf Lebenszeit“ geschlossen. Mit dem Tod eines Partners endet zwar formell die Ehe, doch die Angehörigen müssen sich dennoch um etliche Dinge kümmern und viele Fragen klären: zum Beispiel um die Beisetzung, aber auch um Nachlass und Erbe – und das alles inmitten des Gefühlschaos, das nun über den zurückbleibenden Ehepartner, die Kinder und sonstige Angehörige hereinbricht. Oft genug stehen auch die Finanzen auf dem Kopf. Ein Einkommen bricht weg, der Partner muss die Ausgaben nun ganz allein stemmen. Doch unter bestimmten Umständen ist es für den oder die Hinterbliebenen möglich, staatliche Unterstützung in Form einer Rente zu bekommen.

Schwule und Lesben, die verheiratet sind oder in eingetragener Lebenspartnerschaft leben, haben bei Hinterbliebenenrenten die gleichen Rechte und Pflichten wie heterosexuelle Ehepaare. Dabei unterscheidet man folgende Rentenarten:

  • Große Witwen-/Witwerrente
  • Kleine Witwen-/Witwerrente
Info

Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung bezogen im Jahr 2015 etwa 4,72 Millionen Frauen eine Witwenrente. Die Witwerrenten wurden dagegen nur an knapp 645.000 Männer ausgezahlt. (Stand: 31.12.2015)

Große Witwen-/Witwerrente

Bei heterosexuellen Ehen wird im Fall der Witwen- und Witwerrenten nach altem und neuem Recht unterschieden. Die alten Vorschriften gelten zum Beispiel nur für Hinterbliebene, bei denen der Partner vor 2002 gestorben ist, sowie für Ehen, die vor 2002 geschlossen wurden und bei denen der verstorbene Partner vor 1962 geboren wurde. Das neue Recht gilt für alle anderen Ehen und enthält gegenüber den vorherigen Regelungen einige Einschränkungen. So wird die Große Witwen-/Witwerrente zum Beispiel bei Eheschließungen nach 2002 nur dann gezahlt, wenn die Ehe bereits mindestens ein Jahr bestanden hat. Ausnahmen gibt es nur bei einem frühen Unfalltod eines Ehepartners.

Hinweis

Ehen für gleichgeschlechtliche Paare und eingetragene Lebenspartnerschaften werden immer nach dem neuen Recht bewertet.

Voraussetzung für den Bezug der Rente ist, dass

  • der verstorbene Ehepartner bereits eine Rente der gesetzlichen Rentenversicherung bezogen hat.
  • Oder: der verstorbene Ehepartner mindestens 5 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat.

Darüber hinaus muss (mindestens) eines der folgenden Kriterien erfüllt sein:

  • Der hinterbliebene Partner hat die notwendige Altersgrenze erreicht.
  • Oder: Er/Sie ist vermindert erwerbsfähig.
  • Oder: Er/Sie sorgt für ein minderjähriges Kind.
  • Oder: Er/Sie sorgt für ein behindertes Kind.

Eine weitere Bedingung für den Bezug der Großen Witwen-/Witwerrente ist, dass der hinterbliebene Partner nicht wieder heiratet. Ansonsten entfällt der Anspruch. Gegebenenfalls lässt sich bei einer Wiederverheiratung eine Abfindung in Höhe von zwei Jahresrenten beantragen.

Hinweis

Die Hinterbliebenenrente wird nicht automatisch ausgezahlt, sondern nur auf Antrag. Das entsprechende Formular umfasst 16 Seiten, in denen unter anderem Beitrags- und Anrechnungszeiten abgefragt werden. Zugleich erfolgt die Meldung zur Krankenversicherung der Rentner sowie zur Pflegeversicherung.

Die Rentenhöhe nach altem und neuem Recht

Nach altem Recht beträgt die Große Witwen-/Witwerrente 60 Prozent der Rente, die der/die Verstorbene bezogen hat oder auf die er/sie einen Anspruch gehabt hätte.

Nach neuem Recht beträgt die Rentenhöhe nur noch 55 Prozent. Sie wird aber nur dann in voller Höhe gezahlt, wenn der Ehe- oder Lebenspartner nach seinem 65. Geburtstag verstorben ist. Bei einem früheren Tod wird der Rentenbetrag um einen Abschlag reduziert. Dieser beträgt 0,3 Prozent pro Monat. Die maximale Kürzung beträgt 10,8 Prozent, wenn der Ehepartner vor seinem 62. Geburtstag verstorben ist.

Wer ein Kleinkind erzieht, erhält nach neuem Recht aber auch einen Kinderzuschlag. Dieser wird ab dem vierten Kalendermonat nach dem Tod des Ehepartners gezahlt, und zwar bis das Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat. Folgende Zuschläge gibt es:

Erstes KindJedes weitere Kind
Alte Bundesländer62,05 Euro31,03 Euro
Neue Bundesländer59,37 Euro29,69 Euro
  • Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: Juli 2017)

Info

Hat der Verstorbene bereits eine Rente erhalten, kann der Partner beim Renten Service der Deutschen Post einen Vorschuss auf die Witwenrente beantragen. Dieser beträgt das Dreifache der Rente, die im Sterbemonat ausgezahlt wurde. Der Vorschuss wird mit den späteren Rentenzahlungen verrechnet.

Anhebung der Altersgrenze

Die bisherige Altersgrenze für den Bezug der Großen Witwen-/Witwerrente von 45 Jahren wird derzeit laufend angehoben. Sie erhöht sich seit 2012 mit jedem Jahr um mindestens einen Monat. Ab 2029 liegt das Mindestalter dann bei 47 Jahren.

Todesjahr des Versicherten
Anhebung um Monateauf Jahrauf Jahr
20121451
20132452
20143453
20154454
20165455
20176456
20187457
20198458
20209459
2021104510
2022114511
202312460
202414462
202516464
202618466
202720468
2028224610
ab 202924470
  • Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: Juli 2017)

Kleine Witwen-/Witwerrente

Wer die Bedingungen für den Bezug der Großen Witwen-/Witwerrente nicht erfüllt, hat unter Umständen Anspruch auf die Kleine Witwen-/Witwerrente.

Zu den Voraussetzungen gehören:

  • Die Altersgrenze für die Große Witwen-/Witwerrente wurde noch nicht erreicht.
  • Der hinterbliebene Ehepartner ist nicht erwerbsgemindert.

Die Kleine Witwen-/Witwerrente beträgt 25 Prozent der Rente, auf die der verstorbene Ehepartner einen Anspruch gehabt hätte. Nach neuem Recht wird bei Tod vor dem 63. Geburtstag die Rente um 0,3 Prozent pro Monat gesenkt. Allerdings werden auch hier bei der Erziehung von Kindern unter 3 Jahren nach Ablauf des Sterbevierteljahres folgende Zuschläge gezahlt:

Erstes KindJedes weitere Kind
Alte Bundesländer28,21 Euro14,10 Euro
Neue Bundesländer26,99 Euro13,49 Euro
  • Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: Juli 2017)

Nach altem Recht ist der Rentenbezug unbegrenzt und wird bis zu Ihrem Tod gezahlt. Nach neuem Recht wird dagegen die Auszahlung auf höchstens zwei Jahre begrenzt. Mit Ablauf dieser Zeitspanne sollten Sie also wieder eigenständig für Ihren gesamten Lebensunterhalt aufkommen können.

Info

Bei der Berechnung sowohl der Großen wie der Kleinen Witwen-/Witwerrenten wird auch die Höhe des eigenen Netto-Einkommens in einem komplizierten Verfahren berücksichtigt. Allerdings gewährt die Rentenversicherung dabei auch bestimmte Freibeträge für den Partner sowie die Kinder. In der Praxis ist es daher möglich, dass zum Beispiel bei sehr hohen Einkommen keine Rente gezahlt wird.


Für CosmosDirekt ist Gleichstellung schon lange eine Selbstverständlichkeit

Mit der Ehe für alle ist die Gleichstellung homo- und heterosexueller Paare einen bedeutenden Schritt vorangekommen. Das betrifft auch das gesamte Versicherungswesen. Zwar sind schon seit einigen Jahren Ehen und eingetragene Lebenspartnerschaften in formaler Hinsicht gleichrangig. So unterscheiden die Musterbindungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nicht mehr zwischen gleich- und verschiedengeschlechtlichen Paaren, selbst der Familienstand wird nicht mehr erfasst. Voraussetzung für eine gemeinsame Police ist lediglich, dass die beiden Versicherten einen gemeinsamen Haushalt führen.

Dennoch haben in der Praxis Homosexuelle immer wieder Diskriminierungen erfahren. Zum Beispiel, wenn gleichgeschlechtliche Paare eine Risikolebensversicherung zur gegenseitigen Absicherung abschließen wollten. Hierbei wurden sie durch erweiterte Risikoprüfungen, Ablehnungen oder Risikozuschlägen gegenüber heterosexuellen Paaren benachteiligt. Zudem behandelte nicht jede Versicherung eingetragene Partnerschaften und Ehepaare gleichwertig. So gab (und gibt) es Versicherer, die zwar den Fall der Ehe explizit regeln, aber eingetragene Lebenspartnerschaften nicht erwähnen.

Für CosmosDirekt ist dagegen die Gleichstellung und damit die Gleichbehandlung homo- und heterosexueller Paare schon lange eine Selbstverständlichkeit.


Fazit: Versicherungsschutz für homosexuelle Ehepaare

Mit der Ehe für alle ist der letzte Schritt zur Gleichstellung homo- und heterosexueller Paare gemacht. Beim Versicherungsschutz gelten für gleichgeschlechtliche Ehen dieselben Empfehlungen wie zuvor: In vielen Versicherungen ist der Ehepartner automatisch oder auf Antrag mitversichert, beispielsweise benötigt man bei der Hausratversicherung, Privathaftpflichtversicherung und Rechtsschutzversicherung nur noch eine Police. Zweitversicherungen kann man gegebenenfalls kündigen. Bei anderen sind Familien- oder Paar-Tarife zu empfehlen. Dennoch sollten Homosexuelle auch immer an die eigene Absicherung denken, zum Beispiel durch eine private Berufsunfähigkeits- oder Unfallversicherung.


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