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Alternative Antriebe - Erdgas

Erdgas: Warum eigentlich nicht?

Erdgasfahrzeuge sind keine technische Innovation: Bereits 1994 liefen in Deutsch­land die ersten Fahrzeuge mit Erdgas­antrieb vom Band. Gegen die Flüssig­kraft­stoffe Benzin und Diesel konnte sich Erdgas bislang allerdings nicht durchsetzen.

In Deutschland sind nur rund 80.300 Pkw (Stand: Januar 2016) mit ent­sprechen­dem Antrieb unterwegs – ver­gli­chen mit 30 Millionen zugelassenen Benzinern ist das verschwindend wenig. Dabei sprechen durchaus gewichtige Argumente für Erdgas als Kraftstoff.

Diese Versicherungsbegriffe spielen im Artikel eine Rolle
Begriff
Erklärung
VersicherungsprämieDer Begriff Prämie wird im Versicherungsbereich synonym für den Begriff des Versicherungsbeitrags verwendet.

Erdgasfahrzeuge stoßen zum einen weniger Kohlenstoffdioxid (CO2) aus und verursachen zum anderen geringere Kraftstoffkosten. Das hat vor allem mit Steuernachlässen zu tun. Gänzlich grundlos ist die Zurückhaltung der Autofahrer gegenüber Erdgasautos aber auch nicht: So sind beispielsweise die Anschaffungskosten eines neuen Erdgasfahrzeugs höher im Vergleich zu einem Benziner und das Fahrzeugangebot ist eingeschränkt. Abschreiben sollte man Erdgas daher allerdings nicht gleich. Die Investitionssumme kann sich vergleichsweise schnell amortisieren und die Politik hat signalisiert, dass sie den alternativen Kraftstoff auch in Zukunft steuerlich unterstützen will.


Wie funktioniert Erdgas als Kraftstoff?

Ebenso wie diesel- und benzinbetriebene Autos werden auch Erdgasfahrzeuge von einem Verbrennungsmotor angetrieben. Allerdings sind die Pkw mit einem speziellen Erdgastank ausgestattet. Dieser wird bei aktuellen Modellen ab Werk in der Regel platzsparend unter dem Fahrzeugboden eingebaut. Viele Fahrzeuge verfügen zudem über einen zusätzlichen Benzintank. Dieser soll vor allem als Reserve dienen, wenn das Erdgas ausgeht und keine entsprechende Tankstelle in Reichweite ist. Solche „bivalenten Fahrzeuge“ schalten automatisch in den Benzin-Modus, nachdem das Erdgas verbraucht ist.

Der Tankvorgang bleibt im Grunde unverändert: Sie steuern eine Zapfsäule an, setzen dort eine Füllkupplung am Tankeingang an und verriegeln diese. Das Gasventil wird in der Regel an der Zapfsäule geöffnet, erst dann strömt das Gas in den Tank. Wenn der Tank vollständig gefüllt ist, stoppt die Befüllung automatisch.

Info

Erdgas ist ebenso wie Benzin und Diesel ein fossiler Brennstoff. Die Überreste von Kleinstlebewesen und anderes organisches Material lagerten sich vor Millionen von Jahren am Meeresgrund ab und entwickelten sich unter großem Druck und hoher Hitze zu Gas. Hauptbestandteil von Erdgas ist Methan.


Der Unterschied zwischen Erdgas und Autogas

Neben Erdgas, das auch als CNG (Compressed Natural Gas) bezeichnet wird, gibt es eine weitere Gasart für den Fahrzeugantrieb: Autogas bzw. Flüssiggas. Dieses findet man auch unter der Bezeichnung LPG (Liquified Petroleum Gas). Als Kraftstoff ist Flüssiggas in Deutschland deutlich weiter verbreitet als Erdgas, rund 500.000 entsprechende Fahrzeuge gibt es hierzulande. Während herkömmliches Erdgas aus der Erde gefördert wird, fällt Autogas als Nebenprodukt in Raffinerien an. Auch die Zusammensetzung unterscheidet sich: LPG besteht vorrangig aus Propan und Butan.

Lohnt sich ein Erdgasfahrzeug?

Was die einmaligen Investitionskosten angeht, ist ein Neufahrzeug mit Erdgasantrieb teurer als vergleichbare Benzin- und Dieselmodelle. Wie groß die Differenz ausfällt, unterscheidet sich von Fall zu Fall, und liegt zwischen 1.500 € und 3.000 €. Eine Nachrüstung eines gebrauchten Fahrzeugs lohnt sich meistens nicht.

Dass Erdgas dauerhaft günstiger bleibt, gewährleistet der Staat derzeit durch einen reduzierten Mineralölsteuersatz. Hintergrund dafür ist die geringere Belastung für Klima und Umwelt. Die Politik wird mindestens bis zum 31. Dezember 2018 an der steuerlichen Begünstigung festhalten, eine Verlängerung des Förderzeitraums ist bereits in Aussicht.

Formel zur Berechnung

Um auszurechen, ab welcher Fahrstrecke sich die Mehrkosten für ein Erdgasfahrzeug amortisieren, hat der ADAC eine Formel entwickelt:

Investitionshöhe x 100
–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––– = Fahrstrecke (km)
(Durchschnittlicher Verbrauch l/100 km x Benzinpreis) –
(Durchschnittlicher Verbrauch kg/100 km x Erdgaspreis)


Erdgaspreise richtig vergleichen

Mitunter entsteht Verwirrung, weil Erdgas in Kilogramm und nicht wie die konventionellen Kraftstoffe in Liter berechnet wird. Ein direkter Vergleich der Preise ist nicht sinnvoll, weil der Energiegehalt von 1 Kilogramm Erdgas höher ist als jener von 1 Liter Benzin.

Hier sehen Sie den Energiegehalt der Kraftstoffe in kWh:
Kraftstoff
Energiegehalt
Erdgas (CNG)13,3 kWh pro Kilogramm
Diesel9,9 kWh pro Liter
Benzin8,6 kWh pro Liter
Autogas (LPG)6,8 kWh pro Liter

Damit entsprechen etwa 1,5 Liter Benzin dem Energiegehalt von 1 Kilogramm Erdgas. Bei Autogas liegt der Wert bei circa 1,9 und bei Diesel bei rund 1,3 Litern. Zudem besitzt Erdgas sehr gute Verbrennungseigenschaften, es erreicht mit 130 Oktan den höchsten Wert aller Kraftstoffe. Bei Super-Benzin liegt er bei 95 und bei Autogas bei 110 Oktan.


Erdgas: Umweltfreundlicher Kraftstoff

Hauptgrund für die staatliche Förderung des Erdgases ist die geringere Umweltbelastung. Der Ausstoß an klimaschädlichem CO2 ist um bis zu 18 Prozent niedriger als bei anderen Kraftstoffen, Stickoxide und Feinstaub werden fast gar nicht in die Luft geblasen. Das ist besonders im Vergleich zu Diesel ein großer Vorteil. Wenn Bio-Erdgas beigemischt wird, verbessert sich die Umweltbilanz des Kraftstoffs noch einmal deutlich. So verringert sich der CO2-Ausstoß bei 20 Prozent Bio-Erdgas-Anteil um 35 Prozent gegenüber Benzin.

Das Biogas wird aus landwirtschaftlichen Reststoffen und biologischem Abfall gewonnen und soll in Zukunft einen höheren Anteil des Erdgases ausmachen. Durch einen höheren Bioanteil entstehen im Übrigen keine anderen technischen Anforderungen an ein Erdgasfahrzeug.


Wie werden Erdgasfahrzeuge gefördert?

Halter eines Erdgasfahrzeugs können auf drei Arten von Förderleistungen profitieren:

  1. Beim Tanken wird es günstiger dank der reduzierten Mineralölsteuer.
  2. Für Erdgas-Pkw fällt in der Regel eine niedrigere Kfz-Steuer an, weil bei deren Festsetzung der CO2-Ausstoß berücksichtigt wird. Dabei gilt, dass ab einem Ausstoß von weniger als 95 Gramm (Erstzulassung ab 2014) pro Kilogramm die gesonderte Steuer auf CO2 entfällt. Liegt der Ausstoß darüber, fallen 2 Euro pro Gramm an.
  3. Viele Kommunen und Gasversorger fördern den Kauf eines CNG-Autos mit einem Zuschuss oder Tankgutschein.
Tipp

In dieser Förderdatenbank können Sie sich erkundigen, welche Fördermöglichkeiten an Ihrem Wohnort bestehen.


Was spricht gegen Erdgas als Kraftstoff?

Es bestehen durchaus gute Argumente, die gegen den Kauf eines Pkw mit Erdgasantrieb sprechen. An erster Stelle steht dabei für viele die begrenzte Fahrzeugauswahl.

Welche CNG-Fahrzeuge stehen zur Auswahl?

Bisher zeigen sich die Hersteller eher zurückhaltend beim Bau von Erdgasautos. Hauptgrund dafür ist die mangelnde Planungssicherheit: Die Steuerermäßigungen bei der Mineralölsteuer werden stets nur für einen begrenzten Zeitraum verlängert. Außerdem scheuen die Autobauer die Entwicklungskosten vor dem Hintergrund schwer prognostizierbarer Absatzzahlen. Auch wenn die Auswahl bisher beschränkt ist, so sind zumindest die gängigen Fahrzeugklassen mit Erdgas-Antrieb erhältlich. Darunter sind auch PS-starke Fahrzeuge wie der VW Passat TSI EcoFuel (150 PS) oder der Mercedes Benz E 200 NGD (156 PS).

Aber: Es gibt Hinweise, dass sich das Angebot vergrößern könnte und die Skepsis der Verbraucher gegenüber Erdgas schwindet. Durch die Möglichkeit, regeneratives Bio-Erdgas einzusetzen, ist außerdem die Versorgung mit Erdgas – theoretisch – dauerhaft gesichert. Darüber hinaus lassen sich auf diese Weise CO2-Emissionen fast vollständig vermeiden, wenn man den gesamten Prozess von der Gewinnung des Energieträgers bis zum Einsatz des Fahrzeugs betrachtet (Well-to-Wheel).

Anzahl der Tankstellen

Erdgastankstellen gibt es bei Weitem nicht so viele wie Tankstellen für konventionelle Kraftstoffe:

  • Die Zahl der Erdgastankstellen liegt bei rund 900 (Stand: 2016)
  • Die Zahl der Benzin- und Dieseltankstellen liegt bei rund 14.500 (Stand: 2016)

So groß der Unterschied auch ist, das Tankstellennetz für Erdgas ist dennoch engmaschig genug, um mit etwas Planung auch ans Ziel kommen zu können. Die Reichweite mit einer Tankfüllung kann sich dank der technischen Entwicklung sehen lassen: 400 Kilometer und mehr sind auch bei Tempo 130 realisierbar. Unterstützung bei der Suche bietet die Erdgastankstellen-App für iOS und Android kostenlos.


Wie sicher ist Erdgas im Tank?

Sicherheitsbedenken wegen des Erdgases an Bord muss kein Autofahrer haben: Genau wie Benziner und Diesel-Fahrzeuge müssen auch CNG-Autos ein europaweit standardisiertes Crashtest-Programm (NCAP) durchlaufen. Dichtheitsprüfungen nach den Tests haben gezeigt, dass der Tank eine der stabilsten Komponenten am Fahrzeug ist.

Die gesetzlichen Regelungen schreiben einen Berstdruck von 600 Bar vor. Gespeichert wird das Gas bei nur 200 Bar. Wenn es zu einem Brand kommt, wird das Gas über Sicherheitsventile kontrolliert abgelassen. Ein ungewolltes Entweichen wird ebenfalls mittels Ventilen automatisch verhindert. Weil Erdgasautos ebenso sicher sind wie Benziner, hat dieser Aspekt auch keinerlei Auswirkungen auf die Versicherungsprämien.

Info

Da jedes Material einer Alterung und äußerlichen Einflüssen ausgesetzt ist, sollten Sie bei Kauf eines gebrauchten Erdgasfahrzeugs einen Blick auf die Gastanks werfen. Ist die Lackoberfläche beschädigt und zeigt sich Rost an den Tanks, sollten Sie den Wagen stehen lassen oder den Austausch der Tanks mit einkalkulieren.


Fazit: Erdgas ist ein alternativer Kraftstoff mit Potenzial

Hier die Vor- und Nachteile eines Erdgasfahrzeugs in der Übersicht:

Vorteile Erdgas
Nachteile Erdgas
+ Geringere Umweltbelastung- Eingeschränkte Fahrzeugauswahl
+ Günstiger Kraftstoff- Höhere einmalige Investitionskosten
+ Ersparnisse bei der Kfz-Steuer- Weniger Tankstellen
+ Zuschüsse

Wer trotz der eingeschränkten Auswahl ein passendes Modell gefunden hat, kann mit der ADAC-Formel genau ausrechnen, ab welcher Fahrstrecke sich die Mehrkosten bei der Beschaffung oder Umrüstung eines Erdgasautos amortisieren. Grundsätzlich gilt, dass Vielfahrer im Vorteil sind. Wer dagegen nur wenige Kilometer im Jahr zurücklegt, wird wahrscheinlich nur sehr eingeschränkt oder gar nicht von den geringeren Betriebskosten profitieren.


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