Lebensversicherung: Was ist das eigentlich?

Was ist eine Risi­ko­le­bens­ver­si­che­rung?

Die Ratgeber bieten allgemeine Informationen. Produktdetails finden Sie hier.


Es gibt Versicherungen gegen Gefahren und es gibt Geldanlagen für die Altersvorsorge – und dann gibt es die Lebensversicherung. Für viele Deutsche ist die Lebensversicherung selbstverständlich – doch wie sie genau funktioniert, wissen viele gar nicht. Sie fragen sich, ob Sie heutzutage noch eine Lebensversicherung abschließen sollten, welche Möglichkeiten Sie haben und wie man überhaupt eine gute Lebensversicherung findet? Die Antworten liefert unser Ratgeber.


Diese Begriffe sollten Sie kennen
Begriff
Erklä­rung
GarantiezinsDer Zinssatz, den Lebens- und Rentenversicherungen ihren Kunden zusichern. Aktuell liegt er bei 0,9 Prozent.
ÜberschussGewinne, die der Versicherer während eines Geschäftsjahres mit dem eingezahlten Kapital erwirtschaftet, werden mit den Versicherten geteilt. Das Verfahren ist gesetzlich geregelt.
RückkaufwertDer Wert gibt an, welchen Betrag man erhält, wenn man die Lebensversicherung vorzeitig kündigt.

Lebensversicherung = Altersvorsorge + Todesfallschutz

Die kapitalbildende Lebensversicherung ist das beliebteste Finanzprodukt der Deutschen. Rund 83 Millionen Verträge bestanden im Jahr 2018 in Deutschland (Quelle: GDV). Zwar ist die Gesamtzahl seit einiger Zeit rückläufig, was sich vor allem auf die niedrigen Sparzinsen und den demografischen Wandel zurückführen lässt. Noch immer dient die Lebensversicherung aber einem Hauptzweck: Sie ist ein wichtiges Instrument im Rahmen der Altersvorsorge. Doch sie kann weit mehr als das: Mit einer kapitalbildenden Lebensversicherung verbindet sich immer ein Todesfallschutz. Er sichert die Angehörigen für den Fall ab, dass der Versicherte verstirbt.

Info

Lebensversicherungen unterscheiden sich in zwei Formen. Es gibt Todesfallversicherungen wie die Risikolebensversicherung, die nur dann zahlen, wenn der Versicherte verstirbt. Klassische Lebensversicherungen sind dagegen Erlebensfallversicherungen. Hierbei wird das Geld ausgezahlt, wenn die Vertragslaufzeit endet und der Versicherte diesen Zeitpunkt erlebt. Mehr Informationen zur Risikolebensversicherung erhalten Sie in unserem Ratgeber „Worauf achten bei der Risikolebensversicherung?“


Drei Formen der klassischen Lebensversicherung

Die drei Formen der klassischen Lebensversicherung sind:

  • Kapitallebensversicherung: Als Kunde zahlen Sie über Jahre (oder Jahrzehnte) hinweg Beiträge ein und bauen so ein Kapital auf, das der Versicherer mit Zinszahlungen und Überschüssen erhöht. Im Erlebensfall wird dieser Betrag an Sie ausgezahlt. Zudem ist auch ein Todesfallschutz für die Hinterbliebenen enthalten.
  • Fondsgebundene Lebensversicherung: Sie funktioniert ähnlich wie die Kapitallebensversicherung, allerdings ist die Höhe am Ende der Laufzeit nicht festgelegt. Denn das eingezahlte Kapital wird in Fonds angelegt. Bei einer guten Entwicklung der Kurse kann so die Rendite höher ausfallen, allerdings besteht genauso das Risiko, Verluste zu erleiden.
  • Rentenversicherung: Auch hier baut der Versicherte während der Ansparphase ein Kapital auf. Allerdings wird das Kapital monatsweise in Form einer Rente ausgezahlt und nur auf Wunsch als Einmalzahlung. Die Auszahlphase kann begrenzt sein oder bis zum Lebensende gelten. Bei vorzeitigem Tod erhalten die Angehörigen nur die eingezahlten Beiträge zurück.
Info

Viele Produkte, die der Altersvorsorge dienen, basieren häufig auf einer Lebensversicherung. Dazu zählen etwa die Betriebsrente (Direktversicherung), die Riester- und die Rürup-Rente, aber auch Renten gegen Einmalbetrag. Auch die Sterbegeldversicherung ist im Kern eine Lebensversicherung.


Wie funktioniert die klassische Lebensversicherung?

Bei der kapitalbildenden Lebensversicherung handelt es sich im Kern um ein Sparprodukt. Daher haben Lebensversicherungen üblicherweise eine Laufzeit von 15, 20 oder 30 Jahren. Wann sollte man daher die Lebensversicherung abschließen? So früh wie möglich! Durch den langen Zeitraum kann durch Zinsen und Überschuss ein beachtliches Plus für den Kunden herauskommen. Denn die Versicherer können die eingezahlten Beiträge lukrativ am Kapitalmarkt investieren, der erwirtschaftete Gewinn wird mit dem Kunden geteilt. Nach Ablauf des Versicherungszeitraums, der oft mit dem Eintritt in die gesetzliche Rente zusammenfällt, wird die Versicherungssumme entweder auf einmal oder als monatliche Rente ausgezahlt.

Der Garantiezins sorgt für Sicherheit

Eines der zentralen Elemente ist der Garantiezins. Dieser steht in jedem Vertrag und wird bis zum Ablauf nicht verändert. So weiß der Kunde schon am ersten Tag genau, welchen Betrag er aus der Lebensversicherung auf jeden Fall erhalten wird. Dem Garantiezins liegt der Höchstrechnungszins zugrunde. Der „ Rechnungszins“ wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt und dient dazu, dass die Versicherungsunternehmen ausreichend Vorsorge für ihre eigene Absicherung treffen. Der Rechnungszins ist an die allgemeine Zinsentwicklung gekoppelt. Seit dem Höchststand Mitte der neunziger Jahre geht er schrittweise zurück und liegt derzeit bei 0,9 Prozent.

Quelle: Wikipedia / Wikimedia Commons

Die Garantieverzinsung gilt aber nur für den Sparanteil. Dies ist der Beitrag nach Abzug der Fixkosten, vor allem Abschlussprovision, Verwaltungsgebühren und Kosten für die Todesfallleistung. Als Abschlussprovision darf der Versicherer innerhalb der ersten fünf Jahren maximal 2,5 Prozent des Gesamtbetrages abziehen. Daneben fallen pro Jahr Verwaltungskosten an. Die Höhe legt aber jedes Versicherungsunternehmen selbst fest: Manche erheben 1 Prozent, andere 5 Prozent. Ob sich die Garantieverzinsung einer Lebensversicherung nach Abzug der Kosten rechnet, hängt daher immer vom konkreten Vertragsangebot ab.

Renditeplus dank Überschussbeteiligung

Der Garantiezins gibt nur den Betrag an, den eine Lebensversicherung mindestens auszahlt. Bei der Berechnung der Rendite muss ein weiterer Faktor berücksichtigt werden: die Überschussbeteiligung. Dabei unterscheidet man im Wesentlichen drei Arten:

  • Der Zinsüberschuss ist eine Beteiligung an laufenden Gewinnen, die die Lebensversicherung durch das Anlegen und Investieren der eingezahlten Beiträge über den Garantiezins hinaus erwirtschaftet.
  • Der Risikoüberschuss entsteht, wenn der Versicherer geringere Versicherungsleistungen auszahlt als ursprünglich kalkuliert, zum Beispiel durch ein weiteres Steigen der Lebenserwartung.
  • Der Kostenüberschuss fällt an, wenn der Versicherer bei Abschluss- und Verwaltungskosten Einsparungen erzielen konnte.

Außerdem wird jährlich der sogenannte Schlussüberschuss berechnet. Dabei handelt es sich um einen Puffer, den der Versicherer während der Vertragslaufzeit aufbaut.

Die Überschussbeteiligung ist variabel und wird jedes Jahr von den Versicherungen neu festgelegt. Beteiligungszusagen aus dem Vorjahr sind aber bindend und können nicht rückwirkend geändert werden. Allerdings kann es sein, dass ein Versicherer bei schlechter Wirtschaftslage theoretisch über mehrere Jahre keinen Überschuss erwirtschaftet.

Info

Mit dem Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) aus dem Jahr 2014 hat der Gesetzgeber neu geregelt, in welchem Umfang Kunden an den Überschüssen beteiligt werden müssen. So müssen nun mindestens 90 Prozent der Zins- und Risikoüberschüsse beim Kunden ankommen.


Lebensversicherung versteuern

Ob und in welchem Umfang Sie für Ihre kapitalbildende Lebensversicherung Steuern zahlen müssen, hängt vor allem vom Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ab.

Verträge bis 31.12.2004

Diese Verträge sind steuerlich begünstigt. Während der Ansparphase können die Beiträge im Rahmen der Vorsorgeaufwendungen geltend gemacht werden. Zusammen mit Beiträgen für Haftpflicht-, Kranken- und Unfallversicherungen zählen die Prämien für die Lebensversicherung als Sonderausgaben und werden entsprechend bei der Steuererklärung eingetragen. Für Arbeitnehmer gilt ein Höchstbetrag von 1.900 Euro, Selbstständige dürfen 2.800 Euro angeben.

Steuerfrei ist auch die Auszahlung. Allerdings muss der Vertrag eine Laufzeit von mindestens zwölf Jahren aufweisen. Dazu kommt, dass der Todesfallschutz mindestens 60 Prozent des Gesamtbeitrages umfasst und dass wenigstens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt wurden.

Verträge ab 01.01.2005

Verträge zu diesen Bedingungen sind steuerpflichtig. Mit dem Alterseinkünftegesetz gelten Lebensversicherungen nun als private Altersvorsorge, für die Sie Steuern zahlen müssen. Bemessungsgrundlage ist dabei nicht die gesamte Summe, sondern nur der Ertragsanteil. Das ist der tatsächliche Gewinn aus der Lebensversicherung – also die Differenz zwischen den eingezahlten Beiträgen und der Ablaufleistung bzw. dem Rückkaufwert der Lebensversicherung. Auf diesen Differenzbetrag werden 25 Prozent Abgeltungssteuer (plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) fällig.

Halben Gewinn versteuern

Unter bestimmten Umständen müssen Sie aber nur die Hälfte des Gewinns versteuern:

  • Vertragslaufzeit: Der Vertrag lief mindestens zwölf Jahre.
  • Zeitpunkt der Auszahlung: Er wird im Alter von mindestens 60 Jahren (Verträge bis 2012) bzw. 62 Jahren (Verträge ab 2012) ausgezahlt.

Wenn diese Kriterien auf Ihren Vertrag zutreffen, zahlen Sie auf den halben Gewinn auch nicht die Abgeltungssteuer, sondern die Steuerlast wird anhand Ihres persönlichen Einkommensteuersatzes berechnet. Allerdings führt die Versicherung zunächst die höhere Abgeltungssteuer an das Finanzamt ab. Dadurch geht Ihnen zunächst Geld verloren, aber Sie können es sich über die Steuererklärung zurückholen (Anlage KAP, Zeile 23).

Hinweis

Bei Verträgen, die ab dem 01.04.2019 abgeschlossen wurden, gilt eine weitere Voraussetzung: Bis zum Ablauf der Vertragslaufzeit muss die Todesfallsumme mindestens die Hälfte der gesamten gezahlten Beiträge umfassen.

Steuern auf Renten

Erhalten Sie aus Ihrer Lebensversicherung eine monatliche Rente, spielt das Datum des Vertragsabschlusses keine Rolle. Stattdessen wird vom Gewinn nur ein festgelegter Anteil versteuert, der sich allerdings nach dem Jahr des Rentenbeginns berechnet.


Lebensversicherung vorzeitig beenden

Wer Geld benötigt und sich deswegen von seiner Lebensversicherung trennen möchte, hat dafür mehrere Optionen: Man kann den Vertrag kündigen oder verkaufen. Außerdem ist es möglich, die Lebensversicherung zu beleihen oder beitragsfrei zu stellen. Die Lebensversicherung zu kündigen ist in der Regel die schlechteste Wahl, weil Sie weniger Geld als in den anderen Fällen erhalten.

Lebensversicherung kündigen

Die Kündigung ist für viele die naheliegende Lösung. Allerdings ist sie häufig auch die schlechteste Variante. Denn bei einer Kündigung erhalten Sie nur den Rückkaufwert erstattet. Dabei handelt es sich um den „Wert“ der Lebensversicherung (Beiträge + Garantiezins), aber abzüglich der Kosten sowie des Schlussbonus. Dadurch kann die Kündigung letztendlich ein Verlustgeschäft sein.

Zudem sollten Sie berücksichtigen, dass gerade bei Verträgen, die zwischen 1994 und 31.12.2004 abgeschlossen wurden, profitieren Sie von einem hohen Garantiezins sowie einer steuerfreien Auszahlung.

Lebensversicherung beleihen

Wer nur kurzfristig Geld benötigt, fährt häufig besser, wenn er die Lebensversicherung beleiht. Dies funktioniert über ein sogenanntes Policendarlehen, das die Versicherungsgesellschaft gewährt.

Lebensversicherung verkaufen

Benötigen Sie auf längere Sicht das Geld aus der Lebensversicherung, können Sie diese verkaufen. Dies ist meist lukrativer, als sie zu kündigen. Es gibt eine Reihe spezieller Unternehmen, die Lebensversicherungen kaufen und dann weiterführen. Dabei zahlen sie ein paar Prozentpunkte mehr als die Versicherung bei einer Kündigung ausschüttet. Voraussetzung ist oftmals, dass die Police einen bestimmten Wert hat (z.B. 5.000 Euro) und der Vertrag schon einige Jahre besteht. Für Verträge vor 2005 zahlen Sie auch bei einem Verkauf keine Steuer, bei Verträgen ab 2005 werden im Fall eines Gewinns 25 Prozent Abgeltungssteuer fällig.

Lebensversicherung stunden oder beitragsfrei stellen

Möchten Sie die Zahlungen vorübergehend einstellen, können Sie mit dem Versicherer eine Stundung aushandeln. Eventuell können die Beiträge auch für einen begrenzten Zeitraum aus Überschüssen finanziert werden.

Falls Sie auf längere Sicht nichts weiter in die Lebensversicherung einzahlen möchten oder nicht wissen, wie lange Sie aussetzen müssen, haben Sie eine weitere Möglichkeit: Sie können die Lebensversicherung beitragsfrei stellen.

Hinweis

Bei Verträgen, die ab dem 01.04.2019 abgeschlossen wurden, gilt eine weitere Voraussetzung: Bis zum Ablauf der Vertragslaufzeit muss die Todesfallsumme mindestens die Hälfte der gesamten gezahlten Beiträge umfassen.


Fazit: Ist eine Lebensversicherung (noch) sinnvoll?

Die kapitalbildende Lebensversicherung ist eine Versicherung fürs Leben. Als Teil der privaten Altersvorsorge legen Sie regelmäßig Geld zurück, damit Sie im Rentenalter mehr Kapital bzw. eine höhere Rente erhalten. Während alte Verträge generell eine gute Rendite bringen, ist das bei neuen Policen häufig nicht mehr der Fall. Allerdings hilft ein genauer Vergleich, die besten Angebote herauszufiltern.