Lebensversicherungen abschließen

Einfach, schnell & unkompliziert

Es gibt Versicherungen gegen Gefahren und es gibt Geldanlagen für die Altersvorsorge – und dann gibt es die Lebensversicherung. Für viele Deutsche ist die Lebensversicherung selbstverständlich – doch wie sie genau funktioniert, wissen viele gar nicht. Du fragst Dich, ob Du heutzutage noch eine Lebensversicherung abschließen solltest, welche Möglichkeiten Du hast und wie man überhaupt eine gute Lebensversicherung findet? Die Antworten liefert unser Ratgeber.

Diese Begriffe solltest Du kennen

Der Zinssatz, den Lebens- und Rentenversicherungen ihren Kunden zusichern. Aktuell liegt er bei 0,9 Prozent.

Gewinne, die der Versicherer während eines Geschäftsjahres mit dem eingezahlten Kapital erwirtschaftet, werden mit den Versicherten geteilt. Das Verfahren ist gesetzlich geregelt.

Der Wert gibt an, welchen Betrag man erhält, wenn man die Lebensversicherung vorzeitig kündigt.

Lebens­ver­si­che­rung = Alters­vor­sorge + Todes­fall­schutz

Die kapitalbildende Lebensversicherung ist das beliebteste Finanzprodukt der Deutschen. Rund 87,1 Millionen Verträge bestanden im Jahr 2020 in Deutschland (Quelle: GDV). Zwar ist die Gesamtzahl seit einiger Zeit rückläufig, was sich vor allem auf die niedrigen Sparzinsen und den demografischen Wandel zurückführen lässt. Noch immer dient die Lebensversicherung aber einem Hauptzweck: Sie ist ein wichtiges Instrument im Rahmen der Altersvorsorge. Doch sie kann weit mehr als das: Mit einer kapitalbildenden Lebensversicherung verbindet sich immer ein Todesfallschutz. Er sichert die Angehörigen für den Fall ab, dass der Versicherte verstirbt.

Es gibt auch reine Todesfallversicherungen wie die Risiko­lebens­ver­sicherung. Diese zahlen nur, wenn der Versicherte verstirbt. Mehr Infos zur Risiko­lebens­ver­sicherung erhältst Du im Ratgeber Worauf achten bei der Risikolebensversicherung?

Drei Formen der klas­si­schen Lebens­ver­si­che­rung

Die drei Formen der klassischen Lebensversicherung sind:

  • Kapitallebensversicherung: Als Kunde zahlst Du über Jahre (oder Jahrzehnte) hinweg Beiträge ein und baust so ein Kapital auf, das der Versicherer mit Zinszahlungen und Überschüssen erhöht. Im Erlebensfall wird dieser Betrag an Dich ausgezahlt. Zudem ist auch ein Todesfallschutz für die Hinterbliebenen enthalten.
  • Fondsgebundene Lebensversicherung: Sie funktioniert ähnlich wie die Kapitallebensversicherung, allerdings ist die Höhe am Ende der Laufzeit nicht festgelegt. Denn das eingezahlte Kapital wird in Fonds angelegt. Bei einer guten Entwicklung der Kurse kann so die Rendite höher ausfallen, allerdings besteht genauso das Risiko, Verluste zu erleiden.
  • Rentenversicherung: Auch hier baut der Versicherte während der Ansparphase ein Kapital auf. Allerdings wird das Kapital monatsweise in Form einer Rente ausgezahlt und nur auf Wunsch als Einmalzahlung. Die Auszahlphase kann begrenzt sein oder bis zum Lebensende gelten. Bei vorzeitigem Tod erhalten die Angehörigen nur die eingezahlten Beiträge zurück.

Viele Produkte, die der Altersvorsorge dienen, basieren häufig auf einer Lebensversicherung. Dazu zählen etwa die Betriebsrente (Direktversicherung), die Riester- und die Rürup-Rente, aber auch Renten gegen Einmalbetrag. Auch die Sterbegeldversicherung ist im Kern eine Lebensversicherung.

Wie funk­tio­niert die klas­si­sche Lebens­ver­si­che­rung?

Bei der kapitalbildenden Lebensversicherung handelt es sich im Kern um ein Sparprodukt. Daher haben Lebensversicherungen üblicherweise eine Laufzeit von 15, 20 oder 30 Jahren. Wann sollte man daher die Lebensversicherung abschließen? So früh wie möglich! Durch den langen Zeitraum kann durch Zinsen und Überschuss ein beachtliches Plus für den Kunden herauskommen. Denn die Versicherer können die eingezahlten Beiträge lukrativ am Kapitalmarkt investieren, der erwirtschaftete Gewinn wird mit dem Kunden geteilt. Nach Ablauf des Versicherungszeitraums, der oft mit dem Eintritt in die gesetzliche Rente zusammenfällt, wird die Versicherungssumme entweder auf einmal oder als monatliche Rente ausgezahlt.

Der Garan­tie­zins sorgt für Sicher­heit

Eines der zentralen Elemente ist der Garantiezins. Dieser steht in jedem Vertrag und wird bis zum Ablauf nicht verändert. So weiß der Kunde schon am ersten Tag genau, welchen Betrag er aus der Lebensversicherung auf jeden Fall erhalten wird. Dem Garantiezins liegt der Höchstrechnungszins zugrunde. Der „ Rechnungszins“ wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt und dient dazu, dass die Versicherungsunternehmen ausreichend Vorsorge für ihre eigene Absicherung treffen. Der Rechnungszins ist an die allgemeine Zinsentwicklung gekoppelt. Seit dem Höchststand Mitte der neunziger Jahre geht er schrittweise zurück und liegt derzeit bei 0,9 Prozent.

Die Garantieverzinsung gilt aber nur für den Sparanteil. Dies ist der Beitrag nach Abzug der Fixkosten, vor allem Abschlussprovision, Verwaltungsgebühren und Kosten für die Todesfallleistung. Als Abschlussprovision darf der Versicherer innerhalb der ersten fünf Jahren maximal 2,5 Prozent des Gesamtbetrages abziehen. Daneben fallen pro Jahr Verwaltungskosten an. Die Höhe legt aber jedes Versicherungsunternehmen selbst fest: Manche erheben 1 Prozent, andere 5 Prozent. Ob sich die Garantieverzinsung einer Lebensversicherung nach Abzug der Kosten rechnet, hängt daher immer vom konkreten Vertragsangebot ab.

Rendi­teplus dank Überschuss­be­tei­li­gung

Der Garantiezins gibt nur den Betrag an, den eine Lebensversicherung mindestens auszahlt. Bei der Berechnung der Rendite muss ein weiterer Faktor berücksichtigt werden: die Überschussbeteiligung. Dabei unterscheidet man im Wesentlichen drei Arten:

  • Der Zinsüberschuss ist eine Beteiligung an laufenden Gewinnen, die die Lebensversicherung durch das Anlegen und Investieren der eingezahlten Beiträge über den Garantiezins hinaus erwirtschaftet.
  • Der Risikoüberschuss entsteht, wenn der Versicherer geringere Versicherungsleistungen auszahlt als ursprünglich kalkuliert, zum Beispiel durch ein weiteres Steigen der Lebenserwartung.
  • Der Kostenüberschuss fällt an, wenn der Versicherer bei Abschluss- und Verwaltungskosten Einsparungen erzielen konnte.

Außerdem wird jährlich der sogenannte Schlussüberschuss berechnet. Dabei handelt es sich um einen Puffer, den der Versicherer während der Vertragslaufzeit aufbaut.

Die Überschussbeteiligung ist variabel und wird jedes Jahr von den Versicherungen neu festgelegt. Beteiligungszusagen aus dem Vorjahr sind aber bindend und können nicht rückwirkend geändert werden. Allerdings kann es sein, dass ein Versicherer bei schlechter Wirtschaftslage theoretisch über mehrere Jahre keinen Überschuss erwirtschaftet.

Mit dem Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) aus dem Jahr 2014 hat der Gesetzgeber neu geregelt, in welchem Umfang Kunden an den Überschüssen beteiligt werden müssen. So müssen nun mindestens 90 Prozent der Zins- und Risikoüberschüsse beim Kunden ankommen.

Lebens­ver­si­che­rung versteuern

Ob und in welchem Umfang Sie für Ihre kapitalbildende Lebensversicherung Steuern zahlen müssen, hängt vor allem vom Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ab.

Lebens­ver­si­che­rung vorzeitig beenden

Wer Geld benötigt und sich deswegen von seiner Lebensversicherung trennen möchte, hat dafür mehrere Optionen: Man kann den Vertrag kündigen oder verkaufen. Außerdem ist es möglich, die Lebensversicherung zu beleihen oder beitragsfrei zu stellen. Die Lebensversicherung zu kündigen ist in der Regel die schlechteste Wahl, weil Du weniger Geld als in den anderen Fällen erhältst.

Lebens­ver­si­che­rung kündigen

Die Kündigung ist für viele die naheliegende Lösung. Allerdings ist sie häufig auch die schlechteste Variante. Denn bei einer Kündigung erhältst Du nur den Rückkaufwert erstattet. Dabei handelt es sich um den „Wert“ der Lebensversicherung (Beiträge + Garantiezins), aber abzüglich der Kosten sowie des Schlussbonus. Dadurch kann die Kündigung letztendlich ein Verlustgeschäft sein.

Zudem solltest Du berücksichtigen, dass gerade bei Verträgen, die zwischen 1994 und 31.12.2004 abgeschlossen wurden, Du von einem hohen Garantiezins sowie einer steuerfreien Auszahlung profitierst.

Lebens­ver­si­che­rung beleihen

Wer nur kurzfristig Geld benötigt, fährt häufig besser, wenn er die Lebensversicherung beleiht. Dies funktioniert über ein sogenanntes Policendarlehen, das die Versicherungsgesellschaft gewährt.

Lebens­ver­si­che­rung verkaufen

Benötigst Du auf längere Sicht das Geld aus der Lebensversicherung, kannst Du diese verkaufen. Dies ist meist lukrativer, als sie zu kündigen. Es gibt eine Reihe spezieller Unternehmen, die Lebensversicherungen kaufen und dann weiterführen. Dabei zahlen sie ein paar Prozentpunkte mehr als die Versicherung bei einer Kündigung ausschüttet. Voraussetzung ist oftmals, dass die Police einen bestimmten Wert hat (z.B. 5.000 Euro) und der Vertrag schon einige Jahre besteht. Für Verträge vor 2005 zahlst Du auch bei einem Verkauf keine Steuer, bei Verträgen ab 2005 werden im Fall eines Gewinns 25 Prozent Abgeltungssteuer fällig.

Lebens­ver­si­che­rung stunden oder beitrags­frei stellen

Möchtest Du die Zahlungen vorübergehend einstellen, kannst Du mit dem Versicherer eine Stundung aushandeln. Eventuell können die Beiträge auch für einen begrenzten Zeitraum aus Überschüssen finanziert werden.

Falls Du auf längere Sicht nichts weiter in die Lebensversicherung einzahlen möchtest oder nicht weißt, wie lange Du aussetzen musst, hast Du eine weitere Möglichkeit: Du kannst die Lebensversicherung beitragsfrei stellen.

Bei Verträgen, die ab dem 01.04.2019 abgeschlossen wurden, gilt eine weitere Voraussetzung: Bis zum Ablauf der Vertragslaufzeit muss die Todesfallsumme mindestens die Hälfte der gesamten gezahlten Beiträge umfassen.

Fazit: Ist eine Lebens­ver­si­che­rung (noch) sinn­voll?

Die kapitalbildende Lebensversicherung ist eine Versicherung fürs Leben. Als Teil der privaten Altersvorsorge legst Du egelmäßig Geld zurück, damit Du im Rentenalter mehr Kapital bzw. eine höhere Rente erhältst. Während alte Verträge generell eine gute Rendite bringen, ist das bei neuen Policen häufig nicht mehr der Fall. Allerdings hilft ein genauer Vergleich, die besten Angebote herauszufiltern.

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