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Gebrauchtwagenkauf

Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Rund 7 Millionen Autos wechseln in Deutschland jedes Jahr den Besitzer. Neben dem klassischen Gebraucht­wagen­kauf beim Händler um die Ecke haben sich Privatverkäufe ihren Platz erobert, bevorzugt über die Gebrauchtwagenbörsen im Internet. Trotzdem kosten auch diese Fahrzeuge noch viel Geld, im Schnitt rund 8.500 Euro.

Der folgende Artikel liefert wichtige Infos zur Recherche und erläutert Vor- und Nachteile von Händler- und Privatkauf. Wir geben auch hilfreiche Tipps für den Gebraucht­wagen­kauf: Insbesondere verraten wir, worauf man achten muss, wenn man das Fahrzeug besichtigt.

Diese Begriffe sollten Sie kennen
Begriff
Erklärung
HauptuntersuchungDie regelmäßige Prüfung durch eine staatlich anerkannte Prüforganisation soll sicherstellen, dass alle Fahrzeuge auf deutschen Straßen verkehrssicher sind und die Umwelt möglichst wenig belasten. Zu den anerkannten Organisationen gehören Dekra, TÜV und weitere. Neuwagen müssen nach 3 Jahren erstmalig zur HU, später dann alle 2 Jahre. Seit 2010 ist die Abgasuntersuchung Teil der HU. Seitdem gibt es bei Bestehen nur noch eine Plakette, die auf das rückwärtige Nummernschild geklebt wird.
TÜV(I) Abkürzung für Technischer Überwachungsverein: eine von mehreren staatlich anerkannten Prüforganisationen. Hauptaufgabe ist die technische Prüfung von Fahrzeugen, aber auch von Aufzügen, Kernkraftwerken und vielem mehr. Daneben sind die verschiedenen TÜV-Holdings (Süd, Nord, Rheinland, Thüringen, Saarland) auch in Bereichen wie Arbeitssicherheit, Qualitätsmanagement und Managementberatung tätig.
(II) Umgangssprachliche Bezeichnung für die Hauptuntersuchung.
ZulassungGesetzliche Regelungen und Verfahren, die erfüllt sein müssen, damit ein Fahrzeug am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen darf. Die Zulassung dient zum einen der Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit, zum anderen soll sie die Übersicht über alle auf den Straßen befindlichen Fahrzeuge gewährleisten. Außerdem ist sie die Grundlage für die Erhebung der Kfz-Steuer.

Wie läuft ein Gebrauchtwagenkauf ab?

Der Gebrauchtwagenkauf findet nicht erst statt, wenn der Kaufvertrag unterschrieben und das Geld übergeben wird. Vielmehr unterteilt sich der gesamte Prozess in mehrere Phasen, die alle auf den eigentlichen Gebrauchtwagenkauf zusteuern. Der Ablauf ist wie folgt: Die erste Etappe stellt die umfassende Recherche dar, die über die engere Auswahl zur Besichtigung des Fahrzeugs führt. Anschließend erfolgt die Probefahrt, bei der das Auto auf Herz und Niere getestet wird. Dann folgt die Preisverhandlung. Nur wenn diese erfolgreich ist, wird der Kaufvertrag abgeschlossen. Ist man im Besitz der notwendigen Dokumente, kann schließlich der Gebrauchtwagen umgemeldet werden.


Recherche: Vor dem Gebrauchtwagenkauf ausreichend informieren

Am Anfang steht der Wunsch nach einem neuen Auto. Statt eines teuren Neuwagens setzen viele aus Kostengründen auf die günstigeren Gebrauchten. Doch welches Modell soll es nun werden? Da hilft nur, sich ausreichend zu informieren und die Fülle an Modellen einzugrenzen. Hilfreich ist es, zuvor die folgenden Fragen zu beantworten: Welchem Zweck soll das Auto dienen? Welches Bedürfnis will man mit dem Auto befriedigen? Wer auf der Suche nach einem sportlichen Zweisitzer ist, hat einen anderen Autotyp vor Augen als jemand, der einen großfamilientauglichen Transporter sucht. Jedes Fahrzeug hat seine Stärken und Schwächen: Kraftstoffverbrauch, PS-Zahl, Kofferraum-Volumen – all das sind wichtige Kennzahlen.

Tipp

Hier können Sie sich über Fahrzeuge informieren:

  • Persönlich: Familie und Freundeskreis, Fachhändler vor Ort
  • Internet: Foren, Testberichte von Automagazinen und Zeitungen, Hersteller-Webseiten, Test- und Vergleichs-Webseiten, Videoportale

Nicht vergessen sollte man aber auch die Mängelanfälligkeit eines Fahrzeugs. Abgesehen von den sprichwörtlichen Montags-Autos gibt es kritische Punkte, die alle Fahrzeuge eines Bautyps betreffen. ADAC, TÜV und Dekra überprüfen jedes Jahr eine Vielzahl von Automodellen hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit und Anfälligkeit für bestimmte Schäden. Zur besseren Vergleichbarkeit treten alle Autos in den verschiedenen Tests (ADAC-Pannenstatistik, TÜV-Report, Dekra-Gebrauchtwagenreport) in mehreren Leistungskategorien an. Die Dekra testet zum Beispiel entsprechend der Fahrleistung bis 50.000, bis 100.000 und bis 150.000 Kilometer. Gekürt werden dann Mängelzwerge (= sehr zuverlässig) und Mängelriesen (= sehr anfällig).

Die Fahrzeuge mit dem besten Dekra-Mängelindex (DMI), Stand 2016*
Fahrzeugklasse (Anzahl Fahrzeugmodelle)
GewinnerDMI (100 = bester Wert)
Mini / Kleinwagen (56)Toyota Yaris92,7
Kompaktklasse (45)Honda Civic94,8
Mittelklasse (33)Volvo S60 / V6096,6
Obere Mittelklasse / Oberklasse (16)Mercedes-Benz CLS98,3
Sportwagen / Cabrio (17)Mercedes-Benz SLK98,3
Geländewagen / SUV (53)Mercedes-Benz M-Klasse98,5
Van (47)Mercedes-Benz B-Klasse98,5
Kleintransporter (23)Opel Combo84,8
Transporter (15)Renault Master80,4
  • Quelle: Dekra Gebrauchtwagenreport 2016
    Link: http://www.gebrauchtwagenreport.com/fileadmin/downloads/de/GW_Report_2016_de.pdf

Engere Auswahl: Konzentration auf wenige Modelle erleichtert Preisvergleich

Neben den technischen Aspekten sollten Sie sich über die Anschaffungs- und Unterhaltskosten informieren. Wichtig ist es, beim Kaufpreis saisonale und regionale Preisunterschiede im Blick zu behalten: So fallen tendenziell im Herbst und Winter die Preise für Gebrauchte, und im Nordosten sind sie oftmals günstiger als im Südwesten. Im Durchschnitt zahlt man bei Privatverkäufen weniger, als wenn man das Fahrzeug bei einem Händler ersteht – allerdings gibt es nur beim Händler eine Garantie auf Mängel beim Gebrauchtwagenkauf. Zu den laufenden Kosten zählen: Steuern, Sprit, Kfz Versicherungen, Reparatur- und Inspektionskosten und Ausgaben für die Hauptuntersuchung.

Tipp

Autoexperten empfehlen, sich auf drei Modelle in der engeren Auswahl zu konzentrieren. Dann verliert man beim Vergleich der Preise und der angebotenen Fahrzeuge nicht den Überblick.


Privatverkauf oder gewerblicher Händler beim Gebrauchtwagenkauf: Worauf muss ich achten?

Ein gebrauchtes Auto zu kaufen, erfordert ein hohes Maß an Vertrauen. Eine gewisse Portion Skepsis und Vorsicht gehören daher zu einem Gebrauchtwagenkauf immer dazu. Parallel zum Ablauf von Recherche bis Vertragsunterzeichnung stellt sich die Frage, bei wem man sein Wunschauto erwerben soll: bei einem gewerblichen Händler oder bei einem privaten Anbieter? Beide Optionen haben ihre Vor- und Nachteile.

Kauf beim Gebrauchtwagenhändler

Vorsicht vor den schwarzen Schafen der Branche ist immer angebracht, aber der Normalfall sieht anders aus: Der Gebrauchtwagen wurde von einem Fachmann überprüft, die Defekte sind behoben. Der Grund ist, dass gewerbliche Anbieter eine Sachmängelhaftung für 12 Monate geben müssen. Bemerkt der neue Besitzer einen nicht selbstverschuldeten Defekt am Fahrzeug, muss der Händler ihn reparieren lassen. Nicht selbstverschuldete Defekte innerhalb der ersten 6 Monate gehen in der Regel immer zu Lasten des Händlers – es sei denn, er kann das Gegenteil beweisen. Diese Sachmängelhaftung lässt sich auch im Kaufvertrag nicht ausschließen, alle entsprechenden Formulierungen sind rechtlich unwirksam.

Die Preise beim Gebrauchtwagenhändler sind – auch aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Haftung – in der Regel höher als bei privaten Verkäufern, obwohl die Preisspanne je nach Region, Autotyp und Händler recht groß sein kann. Größere Händler haben zudem ein breites Angebot an verschiedenen Fahrzeugen – ist das Traumauto bereits verkauft, findet sich häufig eine gleichwertige Alternative. Viele Händler bieten an, das alte Fahrzeug beim Kauf eines neuen in Zahlung zu nehmen. Damit lässt sich der Preis gerade bei teuren Gebrauchtwagen mitunter erheblich senken. Und Sie sind das alte Auto los. Wer eine längere Anfahrt für den Gebrauchtwagenkauf auf sich genommen hat, muss sich nicht um die Überführung von zwei Fahrzeugen kümmern.

Welchem Gebrauchtwagenhändler kann man ehesten trauen?

Folgende Kriterien bieten Orientierung bei der Entscheidung:

  • Es handelt sich um einen Marken-Vertragshändler.
  • Auto besitzt ein „Gebrauchtwagen-Gütesiegel“. Dieses wird entweder vom Hersteller verliehen, z.B. „WeltAuto“ von Volkswagen, „Junge Gebrauchte“ von Mercedes-Benz oder „Premium Select“ von BMW. Oder es wurde von einer unabhängigen Prüfgesellschaft vergeben, z.B. das Dekra-Prüfsiegel.
  • Gebrauchtwagenhändler sichert schriftlich zu, dass das Fahrzeug werkstattgeprüft ist. Im Idealfall wurde bereits eine große Inspektion vorgenommen.
  • Händler bietet eine gute und günstige Gebrauchtwagen-Garantie an.
  • Der Gebrauchtwagenkaufvertrag hält alle(!) Zusagen schriftlich fest.
  • Dem Kaufvertrag wird ein ausführliches Mängelprotokoll beigefügt.

Kauf beim privaten Anbieter

Wer sein Auto bei einem privaten Anbieter kaufen will, ist stärker gefordert als bei einem gewerblichen Anbieter. Der große Vorteil des Privatkaufs: Im Vergleich zum Gebrauchtwagenhändler sind die Preise oft niedriger. Mitunter lassen sich 500 bis 600 Euro gegenüber einem gewerblichen Angebot einsparen, manchmal kann man sogar einen gepflegten Garagenfund zu einem echten Schnäppchen-Preis erstehen. Doch anders als der gewerbliche Verkäufer muss der private Anbieter keine Gewährleistung oder Sachmängelgarantie geben. Das bedeutet: Beim Privatkauf gibt es keine Sicherheiten, in der Regel gilt: „Gekauft wie gesehen!“ Das Risiko etwaiger Defekte trägt der Käufer. Daher gilt gerade bei Online-Börsen: Nicht vorschnell einem Kauf zustimmen, immer besichtigen.

Nach dem Kauf haftet der Verkäufer nur dann für Mängel, wenn ihm Arglist nachgewiesen werden kann, er also vorsätzlich gravierende Mängel verschwiegen hat. Wird ein standardisierter Gebrauchtwagenkaufvertrag benutzt, stimmen beide Seiten üblicherweise einem Gewährleistungsausschluss zu. Manche Verkäufer geben auch Garantiezusagen – das können sie tun, aber sie müssen es nicht. Bei einem Privatverkauf sollten Sie daher das Fahrzeug vorher genauestens kontrollieren und gegebenenfalls einen fachkundigen Freund hinzuziehen. Wer eine weitere Anreise auf sich genommen hat, sollte sich nicht vorschnell mit abwiegelnden Erklärungen des Verkäufers zufriedengeben. Gerade dann könnte es sein, dass irgendwo versteckte Mängel lauern.

Hinweis

Bestehen Sie darauf, das Fahrzeug von einem Gutachter in einer Fachwerkstatt oder einem Prüfzentrum überprüfen zu lassen. Bundesweit betreiben ADAC, Dekra, TÜV und KÜS zahlreiche dieser Einrichtungen. Das kostet zwar zwischen 100 und 150 Euro, zahlt sich aber letztlich gerade bei teuren Gebrauchtwagen schnell aus. Verweigert Ihnen der Verkäufer diesen Wunsch, sollten Sie misstrauisch werden.


Fahrzeugbesichtigung: Mit diesen Tipps gelingt der Gebrauchtwagenkauf

Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck – das wissen auch gewiefte Gebrauchtwagenhändler und Privatanbieter. Deshalb sollten Kaufinteressierte aufmerksam die Fahrzeugbesichtigung vornehmen. Denn wer sich sofort in ein Auto verliebt und es ohne gründliche Prüfung kauft, bereut es oft hinterher. Daher sollte der Gebrauchtwagenkauf gründlich vorbereitet sein. Nicht nur die Fahrzeugpapiere sind wichtig, notwendig sind auch ein Rundgang ums Auto, ein Blick in den Innenraum und eine Kontrolle des Motorraums. Die folgende Checkliste erleichtert den Gebrauchtwagenkauf:

  • Prüfen der Fahrzeugpapiere: Damit Sie das Fahrzeug nach dem Gebrauchtwagenkauf auf sich zulassen können, benötigen Sie folgende Papiere vom Vorbesitzer: Zulassungsbescheinigung Teil II (früher Kfz-Brief) und Zulassungsbescheinigung Teil I (früher Kfz-Schein). Während Teil II das Eigentum am Fahrzeug belegt – und spätestens bei vollständiger Bezahlung übergeben werden muss – werden in Teil I Zubehörartikel wie Anhängerkupplungen oder Tuning-Bauteile eingetragen. Überprüfen Sie unbedingt, ob die Fahrgestellnummer des Autos auch mit der Nummer identisch, die in beiden Teilen der Zulassungsbescheinigung eingetragen ist. Wurde das Auto abgemeldet, benötigen Sie die Stilllegungsbescheinigung. Wird der Gebrauchtwagen nicht vom eingetragenen Besitzer verkauft, muss er Ihnen eine entsprechende Vollmacht vorlegen können – ansonsten könnte es sich um ein gestohlenes Fahrzeug handeln. Notwendig ist auch der Beleg über die letzte Hauptuntersuchung. Das Bedienungshandbuch sollte ebenfalls noch vorhanden sein.
  • Prüfen der Karosserie und Außenansicht: Suchen Sie die Karosserie gründlich nach Roststellen ab. Farbunterschiede im Lack zeigen an, dass hier womöglich Problemstellen übermalt wurden. Gummidichtungen an Scheiben und Türen dürfen weder porös sein noch Risse aufweisen. Die Türfugen müssen gleichmäßig sein; zu enge oder zu breite Fugen lassen auf einen Unfall schließen. Die Windschutzscheibe muss in Ordnung sein: Ein Sprung ist nicht erlaubt, schon kleine Kratzer könnten bei Nachtfahrten erheblich stören. Bei der Beleuchtung gilt, dass alle Lampen und Blinker korrekt funktionieren müssen, von innen beschlagene Scheinwerfer sind verboten.
Info

Sie sind technisch wenig versiert und wissen beim Gebrauchtwagenkauf nicht, worauf Sie achten müssen? Nehmen Sie zur Fahrzeugbesichtigung eine zweite, fachkundige Person mit. Vier Augen sehen mehr und der andere schaut mit geschultem Blick meist auch nüchterner auf das Auto. Zudem sollten Sie den Rundgang ums Fahrzeug nur bei gutem Tageslicht und trockenem Wetter vornehmen. In der Dämmerung verschwinden kleine Dellen, bei Nässe sind kleine, aber tiefe Lackschäden nur schlecht erkennbar.

  • Prüfen der Reifen: Risse oder ein abgefahrenes Profil lassen darauf schließen, dass Sie bald neue Reifen kaufen müssen. Das können Sie bei den Preisverhandlungen durchaus einfließen lassen. Sind die Reifen links und rechts ungleichmäßig abgefahren, bedeutet das entweder, dass sie nicht richtig ausgewuchtet sind – oder dass die Spur verzogen ist, was eine Reparatur nach sich zieht. Die Profiltiefe sollte in jedem Fall 2,5 Millimeter oder mehr betragen. Gesetzlich vorschrieben sind zwar nur mindestens 1,6 Millimeter, ADAC und Dekra schätzen die Verkehrssicherheit bei solchen Profiltiefen jedoch als nicht mehr gegeben ein. Sehr schlecht ist es, wenn schwarze Reifenfarbe auf die Reifenflanke aufgetragen wurde: Damit wird mit Sicherheit ein Mangel versteckt.
  • Prüfen des Innenraums: Überprüfen Sie die gesamte Elektrik: Innenraumbeleuchtung, Scheinwerfer, Blinklicht, Scheibenwischer, Klimaanlage oder Heizung, Radio, Hupe, Navigationsgerät, Fensterheber, Spiegel … Die Sicherheitsgurte dürfen weder Scheuer- noch Schnittstellen aufweisen. Die Sitze müssen sich einfach verstellen lassen und dürfen dabei weder wackeln noch durchgesessen sein. Auch das Lenkradspiel darf nicht zu hoch ausfallen: Maximal 2 Zentimeter ohne Radbewegung sind in Ordnung. Kontrollieren Sie die Fußmatten und den Kofferraum auf eingedrungene Feuchtigkeit – Leckgefahr! Im Kofferraum sollten sich neben dem Verbandskasten ein Reserverad, ein Wagenheber, ein Radschraubenschlüssel und das Warndreieck befinden.
  • Prüfen des Motorraums: Sind die Pole der Batterie angerostet, droht eine vorzeitige Entladung. Spuren von Öl oder Bremsflüssigkeiten an Bremsanlage, Stoßdämpfer, Getriebe, Ölwanne und Schläuchen deuten auf undichte Stellen hin. Eine defekte Zylinderkopfdichtung erkennt man daran, dass bei laufendem Motor das Kühlwasser sprudelt. Außerdem sollte der Ölstand überprüft werden. Seien Sie misstrauisch bei einer frischen Motorwäsche: Das könnte darauf hinweisen, dass man undichte Stellen unkenntlich machen wollte.
  • Prüfen des Unterbodens: Finden Sie Roststellen, ist dies ein schlechtes Zeichen. Wurde vor Kurzem ein neuer Unterbodenschutz aufgetragen, könnte das auf den Versuch hindeuten, Probleme an Schweißnähten und ähnlichem zu verdecken. Achten Sie darauf, dass der Auspuff fest sitzt und bei laufendem Motor leise arbeitet. Halten Sie einen Lappen vor die Auspuffrohre: Im Leerlauf dürfen keine Abgase entweichen, ansonsten besteht irgendwo ein gefährliches Leck. Die Stoßdämpfer dürfen nicht ölig-nass, sondern müssen trocken sein.
  • Prüfen des Kilometerstandes: Ob der angezeigte Tacho-Wert echt oder manipuliert ist, lässt sich oft nicht direkt überprüfen. Allerdings weisen einige indirekte Faktoren auf eine Manipulation hin: Durchgesessene Sitze und abgenutzte Pedale deuten eine Laufleistung von über 150.000 Kilometern an, zeigt dagegen der Tacho 50.000 Kilometer an, stimmt etwas nicht. Auch ein ausgeblichener Lack, ein abgegriffenes Lenkrad und ähnliches zeugen von langjährigem Gebrauch. Vergleichen Sie den angezeigten Tacho-Wert mit dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum, auf diesem ist der entsprechende Kilometerstand vermerkt. Fehlt der Aufkleber, wurde entweder an der Wartung gespart – oder der Tacho manipuliert.
Hinweis

Wenn Tacho und Fahrzeugzustand partout nicht zusammenpassen, kann eine Fachwerkstatt auch Steuergeräte, elektronische Zündschlösser und Wegfahrsperren sowie ähnliche Module auslesen, in denen ebenfalls die Kilometerstände gespeichert sind.

  • Anzahl der Vorbesitzer: Wie viele Vorbesitzer den Wert des Fahrzeugs herabsetzen – zum Beispiel, weil sie mit dem Auto unzufrieden waren oder nachlässig mit ihm umgegangen sind –, lässt sich nicht genau sagen. Als Faustregel empfiehlt der ADAC: Bis zu einem Alter von 5 Jahren sind 2 Vorbesitzer in Ordnung, bis 7 Jahre 3 Vorbesitzer. In der Zulassungsbescheinigung Teil II sind nur noch die Daten der letzten beiden Vorbesitzer aufgeführt. Allerdings ist die Gesamtanzahl gesondert vermerkt.
  • Datum für die nächste Hauptuntersuchung überprüfen: Steht der nächste TÜV-Termin in Kürze an, ist das ein schlechtes Zeichen: Wer sein Auto pflegt und mit der Leistung zufrieden ist, zieht solche Termine in der Regel vor, um den Wiederverkaufswert nicht zu mindern. Auch wenn der derzeitige Besitzer diese vielleicht nur vergessen hat oder aus einem persönlichen Grund verhindert war, bedeutet das für Sie: Die letzte gründliche Untersuchung von Bremsen, Beleuchtung und Reifen ist fast 2 Jahre her. Auch alle abgasrelevanten Bauteile sowie die Einhaltung bestimmter Abgas-Grenzwerte wurden zu diesem Zeitpunkt zuletzt kontrolliert. Es könnten also teure Reparaturen auf Sie zukommen.
Hinweis

Im TÜV-Bericht ist auch vermerkt, ob die Plakette nur unter Auflagen vergeben wurde; ein Beispiel ist die Behebung einer beginnenden Korrosion. Die entsprechenden Stellen sollten Sie sich vor dem Gebrauchtwagenkauf unbedingt genau ansehen und feststellen, ob der Mangel beseitigt wurde.

  • Ist der Wagen „scheckheft-gepflegt“? Das Inspektionsheft gibt Aufschluss darüber, ob alle großen und kleinen Inspektionen, die vom Hersteller empfohlen werden oder die zur Einhaltung der Gewährleistungsfristen mitunter auch vorgeschrieben sind, auch tatsächlich durchgeführt wurden. Sind alle Felder korrekt ausgefüllt, ist ersichtlich, ob nicht nur ein Ölwechsel, sondern auch Zusatzarbeiten wie ein Zahnriemenwechsel erfolgt sind. Die Arbeiten müssen mit Datum, Kilometerstand, Werkstattstempel und Unterschrift des zuständigen Kfz-Meisters vermerkt sein. Ein lückenhaftes Inspektionsheft kann darauf hinweisen, dass die notwendigen Wartungen nicht sach- und fachgerecht durchgeführt wurden beziehungsweise nur selten oder gar nicht stattfanden.
  • Welche Rechnungen liegen vor? Im Idealfall kann man die Werkstatt- und Wartungsgeschichte des Gebrauchten auch anhand der Rechnungen nachvollziehen. Dies ist umso wichtiger, wenn das Scheckheft lückenhaft oder gar nicht ausgefüllt wurde. Auch bei Umbauten oder Unfällen sollten die Rechnungen belegen können, was in welchem Umfang verändert beziehungsweise repariert wurde. Für zusätzliche Ausstattungsgegenstände, zum Beispiel ein teures Radio oder ein Navigationsgerät, sollten die entsprechenden Rechnungen vorliegen.

Welche Fragen muss ich dem Verkäufer unbedingt stellen?

Auch wenn sich beim Gebrauchtwagenkauf vieles über das Internet abwickeln lässt – es gibt einige Punkte, die lassen sich in einem persönlichen Gespräch schneller und detaillierter klären als beim Durchforsten des Datenblatts auf einem Gebrauchtwagenportal. Doch was fragt man beim Gebrauchtwagenkauf? Während ein Telefonat vorab dazu dient, die Rahmenbedingungen zu klären, Detailinformationen zu bekommen und zu ermitteln, ob sich eine Besichtigung überhaupt lohnt, sollte man vor Ort die Fahrzeuggeschichte in Erfahrung bringen. Zudem kann man in einem persönlichen Gespräch dem Verkäufer besser auf den Zahn fühlen – und herausfinden, wie ehrlich er ist.

Das Telefonat vorab

Um sich ein genaues Bild vom Fahrzeug und vom Verkäufer zu machen, hilft es, sich bestimmte Angaben, die im Datenblatt der Kleinanzeige oder des Online-Angebots auftauchen, nochmal genauer erklären zu lassen. Notieren Sie sich die Informationen für später, um zum Beispiel die Kilometerstände zu vergleichen. Gravierende Unterschiede sind ein schlechtes Zeichen. Skeptisch sollten Sie auch werden, wenn der Händler am Telefon Druck aufbaut. Aussagen wie „Es gibt noch viele Interessierte, Sie müssen sich schnell entscheiden“ oder „Das Angebot gilt nur für eine kurze Zeit“ sind unseriös.

Die folgenden Fragen dienen dazu herauszufinden, wie sorgfältig der Besitzer mit seinem Auto umgegangen ist, wie akribisch Mängel beseitigt wurden und wie groß der Spielraum für Preisverhandlungen beim Gebrauchtwagenkauf ist. Ein Tipp von Autoexperten lautet: Während des Gesprächs kann man auch herausfinden, ob jemand einfach vergessen hat, teure Sonderausstattungen mitaufzunehmen. Dann verkauft er den Wagen vielleicht für weniger als er im Vergleich mit anderen Angeboten wert wäre:

  • Warum verkaufen Sie das Auto?
  • Wie hoch ist der Kilometerstand?
  • Wie ist der Gesamtzustand des Autos?
  • Welche Besonderheiten hat das Auto?
  • Verkaufen Sie das Auto in eigenem Namen?
  • Sind Sie der Erstbesitzer?
  • Hatte das Auto bereits einen Unfall?
  • Welche Reparaturen wurden bereits durchgeführt?
  • Haben Sie das Scheckheft gepflegt?
  • Wie sehen Ihre Preisvorstellungen aus?
Während der Besichtigung

Hinterfragen Sie alle Unregelmäßigkeiten, die Sie während der Fahrzeugbesichtigung entdecken. Wenn die Antworten Sie nicht zufriedenstellen oder der Verkäufer ausweichend antwortet, sollten Sie seine Ehrlichkeit in Zweifel ziehen. Mögliche Fragen sind beispielsweise:

  • Warum ist das Fahrzeug nicht auf Ihren Namen zugelassen? – Bei Privatverkäufen muss der Verkäufer Ihnen eine ordentliche Vollmacht zeigen.
  • Wieso gibt es an der und der Stelle eine Lücke im Scheckheft?
  • Woher kommt diese Delle, dieser Kratzer? – Eine wichtige Frage, vor allem, wenn im Telefonat zuvor Lackschäden noch verneint wurden.
  • Warum schließen die Türen nicht richtig? – Anzeichen, dass es sich um einen Unfallwagen handeln könnte.
  • Woher kommt das Öl im Motorraum?
  • Warum ist das Fahrzeug schon warm? – Manche Motordefekte, aber auch Schäden an Batterien etc. kann man nur bei einem Kaltstart feststellen. Probleme bei gelängten Steuerketten machen sich zum Beispiel durch ein kräftiges Rasseln beim Start bemerkbar. Hat der Verkäufer den Motor vor der Probefahrt schon warmgefahren, will er möglicherweise derartige Mängel verstecken.
  • Kann ich das Fahrzeug zu einer Werkstatt oder zum TÜV bringen? – Wer diese Frage verneint, hat mit Sicherheit etwas zu verbergen.

Fazit: Beim Gebrauchtwagenkauf zahlen sich unsere Tipps und Tricks schnell aus

Ein gebrauchtes Auto kostet zwar meistens weniger Geld als ein Neuwagen. Doch schon die Zeit, die man von der Recherche bis zum eigentlichen Gebrauchtwagenkauf einplanen muss, sollte man nicht unterschätzen. Im Schnitt dauert es mehrere Stunden, bis man von der ersten Idee zum konkreten Preisvergleich gelangt. Für gewöhnlich bekommt man den Traumwagen von einem privaten Anbieter günstiger, allerdings ist das Risiko, Mängel zu übersehen, auch um einiges höher. Dagegen bietet ein seriöser Gebrauchtwagenhändler mehr Sicherheiten, allein schon wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Sachmängelhaftung. Das hat allerdings seinen Preis.

Damit man nicht auf einen betrügerischen Verkäufer hereinfällt, sollte man allen Angaben und mündlichen Zusagen gegenüber skeptisch bleiben. Manipulierte Tachos, verschwiegene Unfallschäden, abgefahrene Reifen – all das kann man auch als Laie herausbekommen, sofern man sich Zeit und Muße nimmt, den Verkäufer testet und sich während der Besichtigung genauestens den Fahrzeugdetails widmet. Damit der Gebrauchtwagenkauf gelingt, ist der Ablauf der Prüfung wie folgt: Zuerst wird die Karossiere untersucht, dann folgen Innen- und Kofferraum, schließlich der Motorraum. Auch TÜV-Gutachten, Rechnungen oder Wartungs-Scheckheft verraten viel darüber, wie sorgfältig sich der Besitzer um das Fahrzeug gekümmert hat. Wer sich eine angemessene technische Beurteilung nicht selbst zutraut, bringt am besten einen fachkundigen Bekannten mit oder besteht auf einer Kontrollfahrt zu einer Fachwerkstatt.



Die Autoversicherung bei der Nummer 1#*#!

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